Als Mitbegründer von BEHF Corporate Architects (Zusammenschluss von Architektinnen und Architekten) hat Stephan Ferenczy einen besonderen Einblick in die aktuellen Rahmenbedingungen des Wohnens. Im Interview erklärt er von den Eigentumsverhältnissen bis hin zum begrünten Balkon, wie das neue Wohnen aussehen wird.

Eigentum oder Miete? Abgesehen vom Veranlagungsthema: Wohin geht der Trend? Miete ich mir in jeder meiner Lebensphasen ein Objekt oder kaufe ich mir das auch?


Ferenczy: Ich weiß nicht, ob das der Trend ist, aber ich sehe, dass die Propaganda „Bau dein Häuschen“ nicht mehr greift. Der Häuschenmarkt ist übersättigt und hat eine gewisse Verschandelung unserer Umwelt bewirkt. Es wird langsam zermahlen. Die ganzen Stadtperipherien und Siedlungen verschwinden. Ich glaube, dass die Leute nicht mehr unbedingt kaufen wollen, so wie sie keinen Führerschein mehr machen oder kein Auto brauchen. Das Konsumbewusstsein verändert sich. Die Idee, sich Sicherheit zu schaffen kann nur erfolgen, indem man in sich ruht. Das hat nicht mehr so viel mit einer Wohnung oder mit einer Behausung zu tun, die man erwerben muss damit man sie hat. Als Anlageobjekt gibt es natürlich nichts Besseres.

Ist Sharing Economy auch beim Thema „Wohnen“ ein Schlagwort?


Ferenczy: Wohnprojekte entwickeln ist absolut ein Thema und wird von der Stadt natürlich sehr gefördert. Ich finde das aber auch richtig, weil es den Vorteil hat, dass Gebäude nicht so streng marktwirtschaftlich entwickelt werden, sondern tatsächlich Nutzerbedürfnisse erfüllen können, die Nutzer als Bauherren rechtzeitig einbringen können. Die Frage ist – da haben wir noch keine Erfahrungswerte – wie diese Objekte in 20 oder 30 Jahren aussehen. Ich finde es richtig, dass es Menschen gibt, die sich kooperativ zusammenschließen. Das ist nach meinem Wissen ein Trend, der aus Berlin kommt. Nach dem Motto „Wir bauen uns das Haus, das wir wollen“.

Was ist der allgemeine, derzeitige Designerwohntrend? Ich weiß, du bist eher Minimalist und skandinavisch angehaucht, aber was ist deine Meinung dazu?


Ferenczy: Spannend ist, dass die Menschen flexibler werden und tatsächlich entdecken, dass ein größeres Schlafzimmer sehr interessant ist, wenn sie ihren Samstag oder Sonntag dort verbringen möchten. Interessanter als ein großes Wohnzimmer, das mit der Sitzgarnitur Marke Consul ausgestattet ist, das kein Mensch benutzen darf, weil es nicht abbezahlt ist. Die Küche wird schon lange zur Wohnküche und die Kinderzimmer werden nicht mehr in den Dachboden ausgelagert. Das ist eine wirklich neue Wohnform. Es ist nicht selbstverständlich, dass man zusammen mit jemandem in einem Zimmer schläft, der schnarcht oder es gern kalt oder warm hat. Wir stellen fest, dass ein Umbruch stattfindet und die Menschen für Innovation offener werden.

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 Ein Auszug aus den Werken des Architekturbüros BEHF.

 

 

 

 

 

 

 

 

Wenn wir jetzt tiefer in das Thema gehen – Stichwort: „Wohnen für jede Lebensphase“. Ist das was, was euch beschäftigt oder ist das nur ein Trend?


Ferenczy: Es beschäftigt uns insoweit, was uns der Gesetzgeber abverlangt. Wir beschäftigen uns mit Wohnungen, die behindertengerecht sein müssen. Und das hat was mit dem Alter zu tun. Das ist einfach inzwischen State of the Art. Das BEHF schickt seine 100 Mitarbeiter in Kurse, wo wir mit dem Rollstuhl Wohnungen ausprobieren. Und zwar in jene, die wir selbst geplant haben. Man lernt einfach – wenn man in einem Rollstuhl versucht, zwischen Waschmaschine und Waschbecken auf’s WC zu kommen – welche enormen Erleichterungen man im Alter als behinderter Mensch erreichen kann. Mit solchen Themen setzen wir uns zum Beispiel auseinander. Die Stadt Wien, mit ihrem doch mehrheitlich aus der Jahrhundertwende geschaffenen Wohnraum, zeigt natürlich, welche enorme Flexibilität in diesen schönen Ziegelbauweisen besteht. Da kann man wahnsinnig viel ändern und machen, was du in einer Betonbauweise nicht machen kannst. Wir sehen hier bestimmte Modelle, die gut funktionieren, weil sie alle Verkleinerungen und Vergrößerungen aushalten. Diese Flexibilität ist in der Gegenwart oder seit den 60er-Jahren schwer zu erreichen und immer noch eine Herausforderung.

Sieht man Open Space, wie man es aus dem Büro kennt, auch in der Wohnwelt vor?


Ferenczy: Open Space verlangt wirklich eine gute Organisation oder gute Nerven. Das ist Mentalität. Die Räume können immer gleich groß sein und es ist völlig offen, wie du sie nutzt. Egal zu welcher Tageszeit oder zu welchem Lebensabschnitt. Das in Minuten, in Jahren oder in Jahrzehnten zu betrachten ist jetzt schwierig.

Was wir sehen, ist das Thema Stadt-Land: Wir versuchen, das Land in die Stadt zu holen und Terrassen zu bewirtschaften. Ist Urban Gardening nur wieder eine Nostalgiewelle?


Ferenczy: Es ist logischerweise beides. Natürlich ist es ein Marketingschmäh. Du zeigst immer eine glückliche Familie mit einem gesunden Kind. Im Hintergrund scheint die Sonne. Die haben in ihrer Wohnung natürlich immer einen Garten oder eine Gartenimitation. Ich ecke schon an, wenn ich auf dem Wohnhaus meine Terrasse nicht begrüne. Die Leute kennen nichts anderes außer begrünte Terrassen. Wir sind mitten in der Thematik – das finde ich in Wien sehr schön. Der Wienerwald ist gegen das Wachstum der Stadt vor hundert Jahren unter Naturschutz gestellt worden: „Wir müssen hier einen Grünraum sichern“ hieß es damals. Wenn wir heute die Möglichkeiten in den Raum stellen: „Entweder wir bauen das Hochhaus am Heumarkt oder wir bebauen den Wienerwald,“ dann ist die Antwort meiner Meinung nach relativ klar. Die Stadt wird ökologisch sinnvoll wachsen. Wir müssen irgendwie den Menschen die Grünräume liefern, die sie verlangen. Allerdings, wenn ich die Bilder betrachte, wie sich Menschenhorden in Bewegung setzen – ob sie nun aus Libyen, Rumänien oder aus dem Burgenland kommen – sie wachsen alle hier in die Stadt. Dann kann ich berechtigterweise fragen: „Wie zulässig sind große, weite Parkanlagen, in denen wir Natur pflegen?“ Das wird noch ein zu diskutierendes Feld sein. Die Stadt wird sich von diesen Bildern verabschieden. Wir werden uns auch bereit erklären müssen, die Stadt romantisch zu finden, ohne, dass wir ständig von Venedig reden.

Denkst du, dass die Wohnungspreise auch dementsprechend in die Höhe gehen?


Ferenczy: Ich als innenarchitekturaffiner Mensch finde Wohnen wichtig. Ich bin der Meinung, dass Wohnen wirklich relevant ist. Ich bin auch der Meinung, dass man einen entsprechenden Anteil seines Einkommens dafür hergeben kann. Muss ist natürlich schwierig. Wenn das jemand unfreiwillig tut, dann bedauere ich das. Aber auch da werden neue Wohnformen entstehen. In Paris sind Wohnungen mit 30 m² für sehr wohlhabende Familien selbstverständlich. In Wien kann sich das kein Mensch vorstellen. Wir haben einen Durchschnitt von 45 m² pro Person, das ist old fashioned.

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