Lebensmittelverschwendung wird zunehmend zum Problem

Kübel den Schönheitswahn, aber nicht Obst und Gemüse! Unter diesem Motto steht am 26. Mai der Tag der Lebensmittelrettung. Denn rechnerisch gehen alle Lebensmittel, die von Jahresbeginn bis zu diesem Tag produziert werden, entlang der Wertschöpfungskette verloren. Noch immer werden also viel zu viele Lebensmittel weggeworfen, die eigentlich noch genießbar wären. Ein Grund für die unnötige Verschwendung sind die Handelsnormen für Obst und Gemüse.

Bereits am Anfang der Wertschöpfungskette wird besonders Obst und Gemüse unnötig verschwendet. Insgesamt gehen in etwa 15 Prozent der weltweit produzierten Lebensmittel bereits am Anfang der Wertschöpfungskette verloren. Häufig führen Handelsnormen dazu, dass einwandfrei genießbares Obst und Gemüse nicht verkauft werden kann und daher oft gar nicht erst geerntet wird. Diese Normen beziehen sich großteils auf rein optische Eigenschaften wie Form, Größe und Farbe. Gleichzeitig sagen sie nichts über wichtige Qualitätsmerkmale, sozusagen die „inneren Werte“, wie die Genießbarkeit und den Nährstoffgehalt der Lebensmittel aus. 

Deshalb steht die diesjähre Kampagne des WWF östrreich unter dem Motto "Kübel' den Schönheitswahn, nicht dein Obst und Gemüse".

Äpfel liegen in einer Kiste vor einem großen LKW

Die Verschwendungskette im Detail

Unsere Lebensmittel werden angebaut und geerntet, mehrmals transportiert, gelagert, gekühlt und verarbeitet. Das verschlingt wertvolle Ressourcen, hat große ökologische Folgen und verursacht klimaschädliche Treibhausgase. Umso alarmierender ist es, dass laut dem WWF-Report Driven to Waste rund 40 Prozent der weltweit produzierten Lebensmittel entlang der Wertschöpfungskette verloren gehen. Demnach dürfte die weltweite Verschwendung bei rund 2,5 Milliarden Tonnen pro Jahr liegen. 

Allein vor, bei und nach der Ernte gehen jährlich geschätzte 1,2 Milliarden Tonnen genießbarer Nahrungsmittel verloren. Dazu kommen rund 1,3 Milliarden Tonnen entlang der Lieferkette und im Bereich des Konsums. Auf Basis dieser Daten wäre die Lebensmittelverschwendung für rund zehn Prozent des globalen Treibhausgasausstoßes verantwortlich. Zum Vergleich: Das ist knapp doppelt so viel wie der jährliche Ausstoß des Autoverkehrs in der EU und den USA zusammen ausmacht. 

Ein Vater und eine Tochter schmeißen einen Müllbeutel in die Mülltonne

133 Kilo Lebensmittel-Müll pro Haushalt

Weitere unzählige Tonnen an einwandfreiem Obst und Gemüse gehen danach in den Haushalten verloren. In einem österreichischen Haushalt fallen bis zu 133 Kilogramm Lebensmittelabfälle pro Jahr an. Einer der Hauptgründe für die wachsenden Müllberge ist Zeitmangel - gefolgt von falscher Lagerung, nicht genügend Koch-Ideen und einem zu hohen Aufwand bei der Verarbeitung von Lebensmitteln.

Am häufigsten landen in den österreichischen Küchen Brot und Gebäck (28 %) sowie Obst und Gemüse (27 %)  im Restmüll. Gefolgt von tierischen Produkten wie Milchprodukten, Eiern und Käse (12 %) sowie Fleisch, Wurstwaren und Fisch (11 %). Diese Lebensmittel verlangen dem Klima besonders viel ab und sollten in keinem Fall der Verschwendung zum Opfer fallen. 

Tipps gegen Lebensmittelverschwendung

Jeder von uns kann etwas gegen sinnlose Lebensmittelvernichtung unternehmen. Wichtig ist es, sich über das Thema zu informieren und aus den eigenen Fehlern zu lernen. Wir haben ein paar Tipps gesammelt, die Sie einfach in Ihrem Alltag integrieren können: 

  • Clever einkaufen: Werfen Sie vor dem nächsten Einkauf einen Blick in den Kühlschrank und schauen Sie, welche Lebensmittel Sie noch verwerten können. Auch eine Einkaufsliste kann dabei helfen, nicht unnötig viele Produkte in den Einkaufswagen zu legen und beim Einkauf eine gute Mischung aus frischen und haltbaren Lebensmittel zu finden. Und zu guter Letzt: gehen Sie nicht hungrig einkaufen und widerstehen Sie unnötigen Sonderangeboten.
     
  • Auf die richtige Lagerung kommt’s an: Als Grundregel gilt: Neue Einkäufe immer hinten verstauen. Ordnen Sie Ihren Kühlschrank richtig, können Sie die Haltbarkeit Ihrer Lebensmittel verlängern:
    → Oberstes Fach (7-8 °C): Alles, was weniger Kühlung braucht und hier sein Aroma entfalten kann – Käse, Geräuchertes, Einmachgläser,…
    → Mittleres Fach (5-6 °C): Milchprodukte fühlen sich an diesem Ort am wohlsten, Essensreste abdecken für längere Frische!
    → Unteres Fach (2-4 °C): Der kühlste Ort ist für leicht verderbliches Essen wie frisches Fleisch, Wurst und Fisch reserviert!
    → Gemüselade (6-8 °C): Obst und Gemüse halten am Besten im Gemüsefach. Radieschen und Karotten ohne Grün lagern!
    → Kühlschranktür (4-11 °C): In die Tür kann alles, was wenig Kühlung braucht: Eier, Butter, Senftuben und Säfte.
     
  • Das Verbrauchsdatum beachten: Es gibt viele Lebensmittel, die nicht gleich entsorgt werden müssen, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Joghurt zum Beispiel verzeiht uns über Wochen hinweg, wenn es ungeöffnet und kühl gelagert wurde. Bei Trockenprodukten wie Reis und Nudeln, sind es Jahre. Auch Eier halten lange! Der Wasserglas-Test bringt hier Sicherheit: Bleibt das Ei am Grund ist es genießbar – verdorbene Eier schwimmen an der Oberfläche. Bei leicht verderblichen Lebensmitteln ist es allerdings wichtig, ganz genau aufs Verbrauchsdatum zu achten. Dazu zählen frisches Fleisch, rohes Faschiertes, frischer Fisch und Rohmilch. Da diese Lebensmittel in verdorbenem Zustand potenziell schädlich für die menschliche Gesundheit sind, sollte das Datum keinesfalls überschritten werden.
     
  • Reste verwerten: Gemüsereste oder altes Brot müssen nicht gleich im Müll landen. Aus Ersteren lassen sich etwa Suppen kochen. Aus Brot kann man Knödel machen. Auch bei Obst gilt: Lieber einmal mehr einen Smoothie mixen, als es wegwerfen. Sie suchen praktische Rezepte gegen Lebensmittelverschwendung? Dann schauen Sie sich doch einmal das Kochbuch "Der Beste Rest" vom WWF an.
     
  • Familie und Freunde motivieren: Sie haben bereits ein paar Tipps und Tricks gefunden, um Ihre Lebensmittelabfälle zu reduzieren? Dann teilen Sie diese doch mit Ihren Freunden und Ihrer Familie. So kann man voneinander lernen und sich gegenseitig motivieren, einen Beitrag zur Lebensmittelrettung zu leisten.

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