Zahlungssysteme in Wandel

Spannende Zukunftsprognosen für unsere aktuellen Währungssysteme

Wie werden wir in Zukunft Waren bezahlen und Geld überweisen? Wie können neue Technologien dafür sorgen, dass wir Instanzen wie Notariate oder Grundbücher nicht mehr benötigen - und trotzdem keine Fälschungen mehr möglich sind? Technikbegeisterte antworten auf diese Fragen mit dem Verweis auf Blockchain und stellen die Kryptowährung Bitcoin als ihr erstes weltweites Anwendungsgebiet vor. Den Kritikern von Blockchain & Bitcoin fällt dazu nur ein Wort ein: Hype.

Ob man nun viel Wirbel ortet oder sich ein Wunder verspricht, beim vierten Bank Austria Future Talk Anfang Juni trafen sich auf Einladung von Bank Austria CEO Robert Zadrazil Fans und Kritiker der Blockchain zum Experten-Talk in der Oesterreichischen Nationalbank in Wien.

Ein Register für digitale Unikate

„Krypto-Werteinheiten sind eine Art spekulatives Sammlerobjekt, keine Währung. Das Erfolgsgeheimnis hinter allgemein akzeptierten Währungen ist ein Ausgeber mit Stabilisierungsauftrag und bilanzieller Deckung. Beides fehlt bei Bitcoin und Co“, warnt Beat Weber, der sich als OeNB-Ökonom seit Jahren mit Grundsatzfragen von Geld und Währung beschäftigt. So kritisch Weber das virtuelle Geld sieht, so pragmatisch ist auch sein Zugang zur Blockchain: „Die Blockchain ist ein origineller Übertragungsmechanismus und Register für digitale Unikate, zum Beispiel Werteinheiten. Ob darin ein Fortschritt liegt, hängt vom Anwendungsbereich ab.“
Beat Weber

Eine Bezahlung ohne Kosten

Als Fan der Blockchain dagegen deklarierte sich die Wirtschaftsprüferin Elfriede Sixt, Gründerin der FinTech Academy. „Die Blockchain -Technologie wird zu massiven Änderungen in den Strukturen von Organisationen führen und neue Wirtschaftsmodelle ermöglichen“, ist Sixt überzeugt. Sie verweist auf den Bedarf von Start-ups zu Anfang des Jahrtausends, die für ihre digitalen Geschäftsmodelle weltweite Geldtransfer benötigten, die schneller und günstiger als die damaligen bankseitigen Überweisungen waren. Dienste wie PayPal wurden geboren. Solche neuen Zahlungsverkehrsmethoden können bei der Verwendung von virtuellem Geld jederzeit durch die Blockchain ersetzt werden, die nochmals rascher und preisgünstiger arbeitet. Denn bei einer Bezahlung mittels Bitcoins entfallen Transaktionskosten genauso wie Verifizierungskosten.
Elfriedr Sixt

Eine Lösung ohne Problem

„Blockchain ist eine große Chance, und wir beobachten hier eine rasante Entwicklung mit hohem Innovationsgrad. Eine Technologie mit großem Potential - deshalb engagieren wir uns in mehreren Projekten“, erzählt der IT-Leiter von illwerke vkw, Christoph Märk. Der Vorarlberger Stromanbieter hat Blockchain-Technologie beispielsweise in einem grenzüberschreitenden Netzwerk von Ladestationen für e-Autos verwendet. Ein guter Anwendungsfall, gemäß dem Motto „Einfach aufladen, einfach verrechnen, mit nur einer App am Handy durch Europa fahren“. IT-Spezialist Märk: „Die Technologie alleine ist zu wenig. Es gilt vielmehr zu verstehen, welchen Nutzen Blockchain in der Praxis haben kann.“
Christoph Märk

Eine Steigerung der Effizienz

Zunächst muss man wohl den großen Hype um diese neue Technologie auflösen. Dann das Problem finden, für das Blockchain die Lösung sein kann. Und zu guter Letzt zweierlei sicherstellen: Dass der Endkunde eine echte Verbesserung erfährt. Und dass die Wirtschaftstreibenden durch Blockchain-Transaktionen produktiver agieren können. Bank Austria CEO Robert Zadrazil: „Wir sehen bei Blockchain großes Potential, in den kommenden Jahren Prozesse zu vereinfachen und Effizienz zu steigern – in der Wirtschaft insgesamt, nicht nur in der Finanzbranche.“

Future Talks

Die Bank Austria Future Talks stellen Zukunftsthemen im Bereich Wissenschaft, Technologie und Innovation ins Zentrum. In Zusammenarbeit mit dem ORF III Wissenschaftsmagazin „Quantensprung“ möchte sich die Bank für Themen engagieren, die zur Absicherung des Wirtschaftsstandortes beitragen. Dazu passt Zadrazils Hinweis: „Unsere Gruppe kooperiert mit IBM, um Blockchain basierte Plattformen für das grenzüberschreitende Geschäft von europäischen KMU zu entwickeln.“

Gruppenbild:

Personen von links nach rechts:
DI (FH) Christoph Märk, Bereichsleiter IT der illwerke vkw
Dr. Beat Weber, Experte für Blockchain und Ökonome in der internationalen Abteilung der Österreichischen Nationalbank
Mag. Elfriede Sixt, Gründerin der FinTech Academy und der Crypto42 Token Summits
Robert Zadrazil, CEO der Bank Austria
Andreas Jäger, Moderator, ORF III Wissenschaftsformat „Quantensprung
Gruppenbild

Das könnte Sie auch interessieren: