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Steigen die Zinsen?

Anfang Februar kam es im Euroraum zu einer erkennbaren Erhöhung der langfristigen Zinsen für Staatsanleihen, aber auch auf dem Interbankenmarkt. So stieg die Rendite 10-jähriger deutscher Bundesanleihen von –0,5 Prozent auf –0,2 Prozent, die Rendite des österreichischen Pendants erreichte kurzfristig sogar den positiven Bereich, nachdem sie seit fast einem Jahr negativ gewesen war. Was war der Auslöser dieses Anstiegs?

Wesentlicher Hintergrund war der starke Renditeanstieg in den USA seit dem Wahlsieg von Joe Biden bzw. vor allem, seit die Demokraten am 5. Jänner 2021 die Mehrheit im US-Senat erringen konnten. Damit war der Weg frei für ein enormes Konjunkturpaket, dessen Umfang – gepaart mit dem Fortschritt bei der Bekämpfung der Pandemie durch die Erfolge der Impfung – auf dem Finanzmarkt nicht nur die Erwartung der zukünftigen Inflation steigen ließ, sondern unter den Marktteilnehmern auch zu Erwartungen hinsichtlich möglicher früherer Zinserhöhungen führte. Inflationserwartung und Erwartungen bezüglich der künftigen Zinspolitik (Stichwort „Realzins“) sind die wesentlichen Faktoren bei der Renditeentwicklung von Staatsanleihen. Beides zusammen ließ den 10-jährigen US-Staatsanleihezins seit dem Wahlsieg von Joe Biden von 0,8 Prozent auf zuletzt 1,4 Prozent steigen, den höchsten Wert seit Pandemiebeginn. Den Großteil machte dabei die gestiegene Inflationserwartung aus.

Der optimistischere Wirtschaftsausblick für die USA führte auch bei den Investoren für Euro-Staatsanleihen zu mehr Optimismus hinsichtlich der Konjunktur. So stieg die Inflationserwartung für Deutschland auf 1,2 Prozent, den höchsten Wert seit Frühjahr 2019. Allerdings ist dieser Optimismus hinsichtlich der Konjunktur inzwischen wieder gesunken. Was jedoch blieb, ist ein erkennbarer Anstieg der erwarteten Notenbankzinsen, sprich ein Anstieg der „Realzinsen“.

Besonders die Erhöhung der Realzinsen erscheint jedoch eindeutig im Widerspruch zum Ziel der EZB zu stehen, die auch sehr rasch mit Wortmeldungen reagierte, nicht jedoch mit verstärkten Anleihekäufen. Angesichts der langsamen konjunkturellen Erholung im Euroraum, der weiterhin nur sehr verhaltenen Fiskalpolitik und der klaren Aussagen der EZB erscheint dieser Anstieg der „Realzinsen“ zu früh. Dementsprechend erwarten wir auch keine weitere Erhöhung der Anleihezinsen im Verlauf von 2021. Die EZB wird nicht zulassen, dass der Markt durch die Erwartung eines frühen Ausstiegs aus der expansiven Geldpolitik zu einer Verschlechterung der Refinanzierungsbedingungen beiträgt. Die EZB wird dabei den kurzfristig auf Sonderfaktoren zurückzuführenden Anstieg der Inflation 2021 ignorieren. Erst wenn ein deutlich gestiegener Konjunkturoptimismus – wegen großer medizinischer Fortschritte oder wegen mehr fiskalischer Impulse – zu einer erkennbaren Aufwärtsentwicklung der Inflationserwartung führt, wird die EZB auch höhere langfristige Zinsen akzeptieren, denn das ist ja das Ziel ihrer Politik.

 

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der Bank Austria

Stand: 5. März 2021.

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der Bank Austria

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