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Kein "Altweibersommer" in Sicht, aber auch kein Winter

In den letzten Wochen zeigten sich die Konjunktur und damit auch der Finanzmarkt von ihrer herbstlichen Seite und boten keine Anzeichen eines „Altweibersommers“ und schon gar nicht eines Frühlings. Der Welthandel setzte seine Stagnation im Jahresvergleich fort und mit ihm auch die Exporte des Euroraums. Weiterhin leidet vor allem die Industrie im Euroraum darunter, besonders die deutsche Industrie, aber inzwischen auch der produzierende Sektor in fast allen Ländern Europas. Und sieht man auf die vorauseilenden Stimmungsindikatoren, so zeichnet sich auch noch keine Trendwende ab, im Gegenteil. Ausgehend von einer dünnen Exportauftragslage hat sich die Stimmung nochmals eingetrübt und ist nun auch schon im Dienstleistungssektor erkennbar. Das Wirtschaftswachstum des Euroraums dürfte im dritten Quartal unter 1 Prozent geblieben sein, zudem besteht das Risiko einer Rezession in Deutschland. 

Auch an der politischen Front gab es wenig Positives zu berichten. Weder beim Handelskonflikt zwischen den USA und China noch beim Brexit sind wir wesentlich weiter gekommen. Im Gegenteil, die Fronten scheinen sich zunehmend zu verhärten. In den nächsten Wochen gibt es in beiden Feldern mögliche Entscheidungen, die sich noch schwer abschätzen lassen. Mitte November entscheidet die USA zudem über mögliche Zölle auf Autoimporte aus der EU. Dies könnte eine zusätzliche Belastung für die Konjunktur in Europa 2020 darstellen. Und beim Thema Brexit ist wohl vorläufig auch noch nicht mit Entspannung zu rechnen, auch wenn wir weiterhin nicht von einem harten Brexit ausgehen. Ereignisse wie zuletzt in Saudi Arabien, Hong Kong und der Türkei tragen ebenfalls nicht zu einem positiveren Umfeld bei. 

Dieses doch eher pessimistische Umfeld ließ auch die Kapitalmärkte nicht unbeeindruckt und sowohl die Inflationserwartung als auch die langfristigen Zinsen im Euroraum testeten neue Tiefstände. Dies rief gleichzeitig die Europäische Zentralbank auf den Plan, die im September die Zinsen nochmals tiefer in den negativen Bereich drückte, zum einen durch die Senkung des Einlagezinssatzes und zum anderen durch die Ankündigung, ab November wieder Anleihen zu kaufen. Auch wenn man über Details dieser Politik geteilter Meinung sein kann ob ihrer negativen Nebenwirkungen, speziell für Anleger und Finanzintermediäre wie Banken und Versicherungen, wäre eine andere Politik, etwa Zinsen zu erhöhen, wohl nicht zu verstehen. Auch muss man die positiven Effekte auf Schuldner, allen voran den Staat und damit den Steuerzahler, berücksichtigen und netto ist die Politik positiv. Gleichzeitig ist sie natürlich nicht mehr sehr wirkungsvoll, um der Konjunktur stärkere Impulse zu geben. Diese Aufgabe obliegt nun der Fiskalpolitik, die in vielen Ländern - nicht zuletzt auch aufgrund der Ersparnisse - durch die niedrigen Zinsen genügend Spielraum hat. Entlastung der unteren Einkommen und Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Umwelt sollten hier im Vordergrund stehen.

Auch wenn somit das Umfeld einen „Altweibersommer“ oder gar einen erneuten Frühling für die Konjunktur verhindert, ein massiver Wintereinbruch steht auch nicht bevor und schon gar keine Eiszeit. Weiterhin ist die Stimmung der Konsumenten im Euroraum dank sinkender Arbeitslosenquoten, niedriger Inflation und niedriger Zinsen für Kredite sehr gut. Damit bildet die Inlandskonjunktur einen Gegenpol zur exportorientierten Wirtschaft und könnte somit auch 2020 für positives Wachstum im Euroraum von rund 1 Prozent sorgen. Aber die Risiken nach unten haben sich erhöht. Was den Kapitalmarkt betrifft ist jedenfalls in allzu naher Zukunft nicht mit wieder steigenden Zinsen zu rechnen und in den USA wird es sogar demnächst nochmals nach unten gehen. Weiterhin liegt es stark an der Politik, auf allen Ebenen Maßnahmen zu setzen, die die Konjunktur stützen oder eben Maßnahmen nicht zu setzen (Zölle, Brexit), die der Konjunktur schaden. Dies erscheint heute noch wichtiger als vor einem Jahr.

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der Bank Austria

Stand: 11. Oktober 2019.

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der Bank Austria

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