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Zwischen Lockdown und Überhitzung

Auch wenn die aktuelle „Corona-Situation“ in Österreich bzw. in ganz Europa es nicht vermuten lässt, die Zeit nach der Pandemie wirft schon große Schatten voraus. Es gibt zwar noch sehr viele Stolpersteine - vom langsamen Impfbeginn in Europa bis hin zur Diskussion über Effizienz der Impfung gegen bestimmte Mutationen – doch die bisherigen Erfahrungen und Erfolge deuten darauf hin, dass die Zeit „nach Corona“ nicht mehr allzu fern ist.

Diese Zeit wird in manchen Ländern früher beginnen – etwa in den USA oder im Vereinigten Königreich –, in anderen Regionen später, allen voran in vielen Emerging Markets, aber auch in der EU. Dies ist auf die Fortschritte sowohl bei der Bekämpfung der Pandemie als auch bei der Impfung der Bevölkerung zurückzuführen. Trotzdem sind die Zeichen des globalen Aufschwungs überall schon deutlich zu erkennen.

Nicht nur an den Finanzmärkten, die in ihrem Optimismus die Bewertungen bereits auf neue Höchststände geführt haben, sowie auch die mittel- bis langfristigen Inflationserwartungen und damit die Zinsen haben steigen lassen, natürlich besonders in den USA. Auch in der „Realwirtschaft“ ist die Erholung angekommen, darüber sollten die vielerorts noch geschlossenen Geschäfte und Lokale nicht hinwegtäuschen.

Speziell in der Sachgütererzeugung führten der Optimismus und die überraschend starke Nachfrage der Haushalte nach Gütern zu einem starken Anstieg der Auftragseingänge. Da diese Nachfrage nicht nur auf eine noch nicht zu 100 Prozent funktionsfähige Weltwirtschaft, sondern gleichzeitig auf in der Pandemie zur Kostensenkung geleerte Lager getroffen ist, sind in den letzten Wochen die Produzentenpreise – so wie auch die Rohstoffpreise – deutlich gestiegen. Dies führte schlussendlich auch zu höheren Konsumentenpreisen und Lieferschwierigkeiten. Allerdings dürfte dies nur ein vorübergehendes Phänomen sein und noch kein Anzeichen einer Überhitzung. (Siehe auch unsere Analyse Inflationsgefahr ante portas? Kurz-, mittel- und langfristige Aussichten für die Inflation in Österreich, April 2021.)

Aber die steigenden Preise und das teilweise erstaunliche Tempo der Erholung lassen viele Kritiker der massiven wirtschaftspolitischen Maßnahmen lauter werden und so wird demnächst die Diskussion über den Ausstieg aus diesen Maßnahmen Fahrt aufnehmen. Die Forderungen nach Budgetkonsolidierung und Ende des Anleihekaufprogramms der Zentralbanken werden immer eindringlicher werden.

Es ist klar, irgendwann müssen die massiven Defizite der Staatshaushalte zurückgefahren werden und es kann auch nicht die Aufgabe der Zentralbanken sein, allen Anleihen, die auf den Markt kommen, eine Abnahme zu garantieren. Was jedoch erstaunlich ist, dass diese Diskussion gerade in Europa, das in der Erholung deutlich hinterherläuft und – jedenfalls bei den fiskalischen Maßnahmen – weit hinter anderen Regionen wie China und vor allem den USA zurückbleibt, als erstes beginnt und am lautesten ist.

Wann es Zeit ist, von Normalität zu sprechen, kann man nicht genau sagen. Am Tempo der Erholung kann man es jedenfalls nicht festmachen, da dieses oft vom starken Rückgang davor geprägt ist. Auch das Erreichen der Wirtschaftsleistung von 2019 kann kaum als Ziel der Erholung gelten. Eher schon das Erreichen des alten Wachstumspfads. In den USA geht man sogar einen Schritt weiter und möchte auch die Verluste wettmachen, d.h. eine Zeit lang stärker als das Potentialwachstum zulegen und zusätzlich den Wachstumspfad steiler machen – ein vielleicht zu ehrgeiziges Vorhaben. Das Niveau von 2019 wird die USA jedenfalls schon heuer im Sommer erreichen. Für den Euroraum, dem dies wohl erst im Sommer 2022 gelingen wird, ist es jedenfalls noch viel zu früh, über ein Ende der Maßnahmen zu diskutieren.

 

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der Bank Austria

Stand: 12. April 2021.

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der Bank Austria

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