Rekord bei Beschäftigung und Zinsanstieg

Die Konjunktur zeigte sich zum Jahreswechsel 2022/23 robuster, als noch vor einigen Monaten erwartet – vor allem angesichts der enormen Belastungen, die das Jahr 2022 brachte, wie insbesondere den Energiepreisschock. Zwar bleibt die globale Nachfrage vorläufig schwach, aber die inländische Nachfrage entwickelt sich weiterhin sehr robust. Neben den positiven Meldungen zum Weihnachtsgeschäft und zur Buchungslage im Tourismus zeigt sich vor allem der Arbeitsmarkt sehr stark in Österreich. Im Dezember waren fast 3,9 Millionen unselbstständig beschäftigt – der höchste Dezemberwert, den Österreich je erreichte, und fast zwei Prozent über dem bisherigen Rekordwert von 2021. Die Arbeitslosenquote sank mit 7,4 Prozent auf den niedrigsten Dezemberwert seit über zwanzig Jahren.

Natürlich wird dieses positive Bild durch die Rekordinflation und die Erwartungen für 2023 getrübt, aber auch die Inflation zeigt erstmals Zeichen des Rückgangs. Auch wenn wir weiterhin mit einem sehr schwachen Wirtschaftswachstum 2023 rechnen: Die Gefahr einer Rezession sinkt, und die Chancen für positive Überraschungen steigen. Die gesunkene Rezessionsgefahr nützt auch die EZB, die immer deutlicher weitere Zinsschritte nach oben signalisiert. Der Finanzmarkt erwartet daher nochmals zwei Schritte von je 0,5 Prozent im Februar und März, denen dann noch zwei kleinere Schritte von je 25 Basispunkten im Mai und Juni folgen könnten. Dies ist auch unsere Erwartung derzeit. Insgesamt hätte die EZB dann die Zinsen innerhalb eines Jahres um vier Prozentpunkte erhöht – ein Rekord in der Geschichte der EZB, aber auch die OeNB hat im Zeitraum 1945 bis 1998 die Zinsen innerhalb eines Jahres niemals so stark erhöht.

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der Bank Austria

Stand: 17. Jänner 2023.

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der Bank Austria

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