I’ll be back!
Für das Wirtschaftswachstum ist weiterhin der Technologiesektor tonangebend, allen voran die Unternehmen rund um KI - besonders in den USA, und besonders für die Börsen. Die 25 größten KI-Unternehmen vereinen inzwischen rund ein Drittel der weltweiten Börsenkapitalisierung auf sich und tragen zeitweise zu mehr als der Hälfte der Marktbewegungen bei.
Allerdings zeigt sich auch immer stärker, dass die Welt der Künstlichen Intelligenz von der „alten“, physischen, Welt abhängig ist - nicht nur von Software und Halbleitern. KI benötigt Datenzentren, Strom und deren Netze, Kühlvorrichtungen und insgesamt Verkehrsnetze. Gleichzeitig, vor allem auch in Europa, benötigt die Elektrifizierung der Wirtschaft und Gesellschaft ebenfalls Strom und Netze. Und angesichts der Tatsache, dass wirtschaftliche Maßnahmen zunehmend für politische Ziele eingesetzt werden, von Lieferbeschränkungen bis zu Zöllen, kommt den Lieferketten bzw. deren Diversifizierung eine immer wichtigere Bedeutung zu. Das wiederum setzt Investitionen in Infrastruktur voraus. Und die starke Erhöhung der Verteidigungsanstrengungen in einer geopolitisch unruhigen Zeit zieht ebenfalls Investitionen in „Hardware“ nach sich.
Zunehmend profitieren von diesen Entwicklungen Unternehmen der sogenannten „old economy“, sprich Industrie, Transport, Versorger und schließlich auch der Bau. Während die mediale Aufmerksamkeit derzeit oft auf die Herausforderungen der Industrie durch die Konkurrenz aus China fokussiert ist, besonders in Deutschland, zeigt der gesamte Industriesektor im Euroraum zu Beginn des Sommers Zeichen der Erholung. Die Beschäftigung geht nicht mehr zurück, und die vorlaufenden Indikatoren, wie der Einkaufsmanagerindex (EMI), deuten seit Sommerbeginn sogar eine beginnende Erholung an. Im August stieg der EMI für die Industrieproduktion im Euroraum deutlich über 50 – konkret auf 53,4, den höchsten Wert seit der Erholungsphase nach der Pandemie 2022. Auch der Beschäftigungsrückgang scheint gestoppt zu sein. Im August meldete erstmals seit mehr als drei Jahren die Mehrheit keinen Beschäftigungsabbau mehr. Wenn es um die Erwartung für die nächsten zwölf Monate geht, war ein Großteil der Industriebetriebe im Euroraum, darunter auch in Deutschland und Österreich, davon überzeugt, seine Produktion künftig auszuweiten.
Diese positive Entwicklung hat sich auch an der Börse bemerkbar gemacht. Zwar konnten die im breiten europäischen Aktienindex enthaltenen Industrieunternehmen heuer nicht ganz den Anstieg des Marktwertes europäischer Technologiewerte erreichen, blieben aber nur unwesentlich zurück.
Trotz der rasanten Entwicklung von KI und der starken Konkurrenz aus China gilt: Europas Industrie zeigt wieder Zeichen konjunktureller Erholung. Die Entwicklung der Autoindustrie ist nicht gleichbedeutend mit der gesamten Industrie. Der Infrastrukturbedarf für KI, die Elektrifizierung und die Sicherung der Lieferketten, zusammen mit den Anstrengungen im Bereich der Verteidigung, könnten somit den nun schon 25 Jahre andauernden Beschäftigungsabbau der Industrie im Euroraum stoppen. In Österreich gab es diesen Rückgang sowieso nicht: Trotz des Beschäftigungsabbaus in der Industrie seit 2019 liegt die Zahl der Industriebeschäftigten in Österreich heute noch höher als vor 25 Jahren.
Dies alles gibt ein wenig Hoffnung, dass die „De-Industrialisierung“ Europas, zumindest vorläufig, nicht stattfindet.
Stefan Bruckbauer, Chefökonom der Bank Austria
Stand: 28. August 2026.
Stefan Bruckbauer, Chefökonom der Bank Austria

Folgen Sie Stefan Bruckbauer auf bsky unter
@sbruckbauer.bsky.social
Konjunkturprognosen und Wirtschaftsanalysen:
Diese Publikation stellt weder eine Marketingmitteilung noch eine Finanzanalyse dar. Es handelt sich lediglich um Informationen über allgemeine Wirtschaftsdaten.
Die Publikation wurde nicht unter Einhaltung der Rechtsvorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Finanzanalysen erstellt und unterliegt nicht dem Verbot des Handels im Anschluss an die Verbreitung von Finanzanalysen.
Diese Informationen sind nicht als Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten oder als Aufforderung, ein solches Angebot zu stellen, zu verstehen. Diese Publikation dient lediglich der Information und ersetzt keinesfalls eine individuelle, auf die persönlichen Verhältnisse der Anlegerin bzw. des Anlegers (z. B. Risikobereitschaft, Kenntnisse und Erfahrungen, Anlageziele und finanziellen Verhältnisse) abgestimmte Beratung.
Wertentwicklungen in der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.
Die vorstehenden Inhalte enthalten kurzfristige Markteinschätzungen. Die Wertangaben und sonstigen Informationen haben wir aus Quellen bezogen, die wir für zuverlässig erachten. Unsere Informationen und Einschätzungen können sich ändern, ohne dass wir dies bekannt geben.