Wann kommt der Aufschwung?

Auch zu Jahresbeginn 2024 stieg in Österreich und im gesamten Euroraum der wirtschaftliche Optimismus kaum. Positiv kann man lediglich erwähnen, dass sich die Stimmung nicht weiter verschlechtert hat. Während die USA ständig positive wirtschaftliche Überraschungen liefern und wir unsere Prognose für das Wirtschaftswachstum in den USA von einem Prozent auf fast zwei Prozent angehoben haben, gibt es für den Euroraum keinen Anlass, unsere Prognose eines mageren Wachstums von 0,5 Prozent für heuer nach oben zu revidieren. Gleiches gilt leider auch für die 0,3 Prozent Wirtschaftswachstum, die wir heuer für Österreich erwarten. 

Gleichzeitig bedeutet dies aber auch, dass wir mit unserer Einschätzung richtig gelegen sind. Noch haben steigende Haushaltseinkommen bei sinkender Inflation die Bereitschaft zu mehr Konsumausgaben nicht gesteigert. Denn Faktum ist, dass die realen Haushaltseinkommen seit 2019 in den meisten Ländern Europas tatsächlich nicht gestiegen sind, auch nicht in Österreich. Und zusätzlich beurteilt die Mehrheit der Haushalte ihre finanzielle Situation kontinuierlich schlechter und erwartet, dass sich dies auch in den nächsten zwölf Monaten nicht verbessern wird. 

Der Konsum wird also nicht nur durch die sich tatsächlich sehr schwach entwickelnde Realeinkommenssituation gedämpft, sondern dazu kommt auch eine sehr pessimistische Einschätzung der Haushalte. In Österreich ist der Pessimismus besonders hoch, dementsprechend liegen die Einzelhandelsumsätze real noch immer mehr als drei Prozent unter dem Niveau von 2019. 

Da der private Konsum eine wesentliche Bestimmungsgröße für die gesamte wirtschaftliche Entwicklung darstellt, ist dies einer der Hauptgründe für die anhaltende Stagnation. Für einen Aufschwung braucht es also nicht nur ein verbessertes Exportumfeld, mehr Optimismus der Unternehmen für mehr Investitionen, sondern auch mehr Optimismus bei den Haushalten, damit es zu einer Senkung der noch immer sehr hohen Sparquote kommt. 

Auch in Österreich und Deutschland lag die Sparquote zuletzt noch immer deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Die hohe Sparquote zeigt, dass die Haushalte entweder ihre Einkommenssituation unterschätzen oder sie zumindest als unsicher einschätzen. Unsere Erwartung ist, dass diese Unsicherheit mit sinkenden Inflationsraten geringer wird und der Konsum im weiteren Jahresverlauf eine Stütze der Konjunktur werden könnte. 

Gemeinsam mit sinkenden Zinsen und Rohstoffpreisen und damit einer Beschleunigung der Exporte und der Investitionen könnte der Aufschwung langsam einsetzen. Wie beim sonstigen wirtschaftlichen Umfeld kann auch die Politik viel zu einer Stimmungsverbesserung beitragen, aber auch zu einer Verschlechterung. 
 

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der Bank Austria

Stand: 14. Februar 2024.

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der Bank Austria

Stefan Bruckbauer

Folgen Sie Stefan Bruckbauer auf Twitter


Konjunkturprognosen und Wirtschaftsanalysen:

Rechtliche Informationen

Diese Publikation stellt weder eine Marketingmitteilung noch eine Finanzanalyse dar. Es handelt sich lediglich um Informationen über allgemeine Wirtschaftsdaten. Trotz sorgfältiger Recherche und der Verwendung verlässlicher Quellen kann keine Verantwortung für Vollständigkeit, Richtigkeit, Aktualität und Genauigkeit übernommen werden.
Die Publikation wurde nicht unter Einhaltung der Rechtsvorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Finanzanalysen erstellt und unterliegt nicht dem Verbot des Handels im Anschluss an die Verbreitung von Finanzanalysen.
Diese Informationen sind nicht als Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten oder als Aufforderung, ein solches Angebot zu stellen, zu verstehen. Diese Publikation dient lediglich der Information und ersetzt keinesfalls eine individuelle, auf die persönlichen Verhältnisse der Anlegerin bzw. des Anlegers (z. B. Risikobereitschaft, Kenntnisse und Erfahrungen, Anlageziele und finanziellen Verhältnisse) abgestimmte Beratung.
Wertentwicklungen in der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu. 
Die vorstehenden Inhalte enthalten kurzfristige Markteinschätzungen. Die Wertangaben und sonstigen Informationen haben wir aus Quellen bezogen, die wir für zuverlässig erachten. Unsere Informationen und Einschätzungen können sich ändern, ohne dass wir dies bekannt geben.

Das könnte Sie auch interessieren: