Österreich herausgefordert

In Österreich wird oft übersehen, wie hoch die Produktivität des Landes ist. In einem Vergleich mit Daten von 2022 erreichte Österreich beim realen Einkommen pro Kopf den 14. Platz unter 178 Ländern, berücksichtigt man die kürzere durchschnittliche Arbeitszeit, erreicht Österreich den 9. Platz, und wenn man jene Länder, die ihren Wohlstand aus dem Verkauf von natürlichen Ressourcen beziehen, aus der Berechnung herausnimmt, sind wir Top 5 der Welt.

Dahinter steht ein hohes Lohnniveau bei gleichzeitig hoher Produktivität. Die Löhne stiegen von 2000 bis 2019 in Österreich um 0,4 Prozentpunkte pro Jahr mehr als etwa im Euroraum. Dies war zum einen auf die stärker steigende Produktivität zurückzuführen, zum anderen auf die höhere Inflation, beide stiegen jeweils um 0,2 Prozentpunkte pro Jahr mehr als im Euroraum. Damit erhöhten sich die Lohnstückkosten in Österreich in diesem Zeitraum trotz höherer Lohnsteigerungen nur wenig mehr als im Euroraum. Gleichzeitig exportierte Österreich in Summe seit 2000 Güter und Dienstleistungen um 225 Mrd. Euro mehr, als es importierte. Andere Faktoren, etwa die Qualität der Güter und Dienstleistungen, konnten die Preisnachteile ausgleichen.

Allerdings wird dies in nächster Zeit schwieriger. Aufgrund der höheren Inflation in Österreich seit 2019, immerhin 1 Prozentpunkt pro Jahr, und den daraus resultierenden höheren Lohnsteigerungen, ebenfalls ca. 1 Prozentpunkt pro Jahr, ist es trotz leicht stärker gestiegener Produktivität in Österreich nicht gelungen, die Lohnstückkosten im Vergleich zum Euroraum stabil zu halten, sie dürften seit 2019 um 21 Prozent gestiegen sein, im Euroraum lediglich um 14 Prozent.

Die internationale Wettbewerbsfähigkeit lässt sich natürlich nicht nur anhand der gesamtwirtschaftlichen Lohnstückkosten beurteilen und hat viele Facetten, trotzdem wird es eine große Herausforderung werden, diese Entwicklung wieder auszugleichen. Kostenentlastungen für die Wirtschaft wären daher durchaus wünschenswert.

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der Bank Austria

Stand: 23. April 2024.

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der Bank Austria

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