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Die Welt steht still!

Undenkbar noch vor ein paar Wochen, aber inzwischen ist es Realität geworden, weite Teile der Welt befinden sich in einem selbst auferlegten „Stillstand“. Ausgehend von der chinesischen Provinz Hubei hat der neuartige Coronavirus inzwischen Europa und die USA erreicht und damit auch die Wirtschaft sowie den Finanzmarkt in diesen Regionen. Auch wenn noch kaum Stimmungsindikatoren publiziert wurden, die nach der Eskalation abgefragt wurden, erste Beispiele aus China zeigen uns die Richtung an. Dementsprechend stark die Reaktion der Finanzmärkte: Global verloren die Aktienmärkte zwischen 30 und 40 Prozent. Die Richtung bei festverzinslichen Anleihen von Ländern wie den USA oder Deutschland zeigten ein sehr volatiles Bild. Zuerst profitierten sie von der „Flucht“ in sichere Häfen, dann plötzlich wurden sie ebenfalls von der „Marktpanik“ ergriffen und fielen im Wert bzw. die Zinsen stiegen deutlich an. Dann erhöhten die Zentralbanken, darunter auch die EZB, ihre Anstrengungen deutlich, der Anstieg der Renditen konnte beendet werden und die Anleihekurse stabilisierten sich wieder. Was aber weiterhin bleibt, ist die hohe Unsicherheit und damit verbunden die hohe Volatilität. Noch ist es kaum möglich, die weitere Entwicklung des Virus vorauszusehen, die notwendige Dauer der ergriffenen Maßnahmen abzuschätzen und vor allem die Folgen von beidem für verschiedene Wirtschaftsteilnehmer zu errechnen.

Welche Szenarien kann man trotzdem versuchen zu entwickeln? Nimmt man die Erfahrung aus China als Basis und geht man von der Grundannahme aus, Europa und später auch den USA gelingt es ähnlich wie China, die Ausbreitung des Virus zu stoppen, dann könnte es in vier bis sechs Wochen erstmals zu leichten Lockerungen der Maßnahmen kommen und die Wirtschaft könnte langsam wieder Fahrt aufnehmen, wenn auch nicht mehr im vollen Umfang vor dem Sommer. Im Verlauf des zweiten Halbjahres normalisiert sich die Situation weiter und die Wirtschaft kehrt während des ersten Halbjahres 2021 auf das Niveau von Ende 2019 zurück. In einem solchen Szenario, das man durchaus als leicht optimistisch bezeichnen kann, würde die österreichische Wirtschaft trotzdem im zweiten Quartal den stärksten Rückgang in der Geschichte seit dem Zweiten Weltkrieg erleben mit einem anschließenden Anstieg in ähnlichem Ausmaß. Trotz des Anstiegs im zweiten Halbjahr bedeutet dies im Jahresdurchschnitt 2020 ein Minus beim Wirtschaftswachstum was deutlich stärker als bei der Finanzkrise 2009 ausfallen wird. Gelingt es nicht, den Virus so schnell einzudämmen und die Maßnahmen bleiben auch im zweiten Halbjahr aufrecht, dann würde der Rückgang der Wirtschaft in Europa 2020 sicherlich zweistellig ausfallen. Sollte es andererseits gelingen, den Virus schneller einzudämmen und die Maßnahmen könnten schneller zurückgeführt werden, wäre die Erholung deutlich dynamischer und wir könnten schon Ende 2020 das Niveau von 2019 erreichen, trotzdem bliebe ein deutliches Minus beim Wirtschaftswachstum.

Wichtig ist es jetzt, dass die negativen Folgen für Wirtschaft und Haushalte so gering wie möglich gehalten werden, denn das ist mitentscheidend für das Tempo der Erholung. In den letzten Tagen haben viele Regierungen, auch in Österreich, sehr große Hilfspakete angekündigt, alle im Bereich zwischen 5 und 10 Prozent des BIP, undenkbar noch vor einem Monat. Auch die Zentralbanken haben neue Anleihekaufprogramme aufgelegt, die großteils höher sind als jene während der Finanzkrise. Die EZB wird bis Jahresende Anleihen im Wert von 1.000 Mrd. Euro kaufen. Damit sollte auch die Finanzierung der staatlichen Maßnahmen gesichert sein.

Auch wenn wir zum jetzigen Zeitpunkt mit viel Unsicherheit zu rechnen haben, die Politik hat in den meisten Ländern stark und richtig reagiert und gibt Anlass zur Hoffnung, dass es, zusätzlich zu den menschlichen Tragödien, nicht auch noch langfristige wirtschaftliche Folgen geben wird. Kurzfristig werden aber schwere wirtschaftliche Einbrüche nicht zu vermeiden sein, allerdings mit der Hoffnung einer starken Erholung danach.

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der Bank Austria

Stand: 23. März 2020.

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