Europas doppelte Bedrohung
Trotz des eher schwachen konjunkturellen Starts ins neue Jahr, zumindest was die Industrie in Österreich und Teilen Europas betrifft, wird 2026 mehr Wirtschaftswachstum bringen. Die deutliche Senkung der heimischen Inflationsrate im Jänner sollte dazu beitragen, dass die Sparquote heuer etwas niedriger ausfallen wird.
Diesem verhalten optimistischen Ausblick auf das laufende Jahr zum Trotz, steht die Wirtschaft in Österreich bzw. ganz Europa mittelfristig vor großen Herausforderungen. Die Handelspolitik der USA ist dabei nur ein, vielleicht sogar eher kleineres, Problem.
Österreich hat zuletzt aufgrund der höheren Inflation Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den Mitbewerbern in Europa verloren. Dies lässt sich in den nächsten Jahren wieder korrigieren – vor allem mit Hilfe von Produktivitätssteigerungen, was natürlich auch Arbeitsplatzverluste bedeutet.
Herausfordernder wird jedoch der globale Wettbewerb im Güterexport, vor allem mit China. Der hohe Eurokurs verschärft derzeit das Problem noch, ist aber nicht der wesentliche Grund. Europa hat eine deutlich höhere Kostenbasis – die auch die Basis unseres hohen Lebensstandards ist.
Bisher konnten wir dies durch eine höhere Qualität unserer Exportgüter ausgleichen. Aber inzwischen hat China deutlich nachgezogen: Die Qualität der chinesischen Exportgüter unterscheidet sich nur mehr teilweise von der europäischen. So konnte China auf dem globalen Exportmarkt Europa überholen und liegt heute bei einem Anteil von 26 Prozent, die EU bei 18 Prozent.
Auch die weltweite Güterproduktion wird heute von China dominiert. Sie ist aktuell für ein Drittel der globalen Industrieproduktion verantwortlich. Europa – inklusive Großbritannien und der Schweiz – kommt auf ein Fünftel. Dank des Dienstleistungssektors liegt der Anteil Europas am weltweiten BIP noch immer über jenem von China. Doch im globalen Dienstleistungswettstreit steht Europa den USA gegenüber; vor allem, wenn es um global handelbare Dienstleistungen geht. 2025 importierte Europa bereits mehr Dienstleistungen aus den USA als Waren in die USA exportiert wurden, wenn man die irischen Pharmaexporte herausrechnet.
Die Dominanz der USA besonders im Technologiebereich ist enorm. Europa muss also in diesem Bereich deutlich nachziehen, um seinen Lebensstandard zu halten. Und dieser ist in vielen Bereichen jenem der USA überlegen, denken wir nur, neben vielen anderen Bereichen des Lebens, an Einkommensgleichheit, Freizeit und persönliche Sicherheit.
Stefan Bruckbauer, Chefökonom der Bank Austria
Stand: 11. Februar 2025.
Stefan Bruckbauer, Chefökonom der Bank Austria

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