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Covid-19 - eine Gefahr für die Weltwirtschaft?

Kaum ein Tag vergeht ohne neue Informationen zum Virusausbruch in China. Neben den menschlichen Schicksalen, die damit verbunden sind, steigt auch immer mehr die Angst vor den wirtschaftlichen Auswirkungen. Dementsprechend reagierten auch die Weltaktienmärkte nach dem 20. Jänner 2020, dem Tag als die WHO ihren ersten Situationsbericht zum neuen Virus veröffentlichte, mit Rückgängen von 3 bis 4 Prozent. Inzwischen haben sich die Weltaktienmärkte, speziell in den USA und Europa, jedoch wieder erholt. Allerdings zeigen die erneut gestiegenen Anleihekurse und damit sinkende Renditen typischer „Safe Haven“-Anleihen, wie die deutsche Bundesanleihe, das Gegenteil. So stieg deren Kurs bisher 3 Prozent, die Rendite sank erneut auf -0,4 Prozent und auch der Dollar konnte gegenüber den meisten Währungen der Welt, so auch gegenüber dem Euro, zulegen.

Ist die Angst vor der „wirtschaftlichen“ Ansteckung nun gerechtfertigt oder nicht? Haben die vielen Stimmen recht, die die Situation mit dem Ausbruch von SARS im März 2003 vergleichen, als es zwar kurzfristig starke Einbrüche in Asien gab, diese jedoch kurze Zeit später wieder durch eine Gegenbewegung ausgeglichen werden konnten? Die Antwort kann derzeit niemand geben, denn sie ist natürlich abhängig vom weiteren Verlauf der Virusausbreitung. Allerdings kann man die unterschiedliche Betroffenheit nach Regionen und Branchen analysieren.

Dabei kann man die Abhängigkeit einerseits von chinesischer Nachfrage betrachten und andererseits von chinesischen Vorleistungen. Klarerweise sind es vor allem asiatische Länder, die von China als Absatzland, aber auch als Vorleistungsproduzent abhängig sind, von denenTaiwan das einzige Land ist, das mehr als 10 Prozent seiner Wertschöpfung an China verkauft. Der Euroraum liefert 1,8 Prozent seiner Wertschöpfung nach China, wobei Österreich durchschnittlich (1,9 Prozent) und Deutschland jedoch überdurchschnittlich (2,8 Prozent) betroffen sind. Die USA liefern lediglich 1,2 Prozent ihrer Wertschöpfung nach China. Der Anteil chinesischer Wertschöpfungsimporte am BIP (für die Endnachfrage oder als Vorleistung) liegt mit 2,2 Prozent im Euroraum höher als bei der Nachfrage, hier ist der Anteil für Österreich mit 2,5 Prozent und Deutschland 2,8 Prozent etwas überdurchschnittlich. Speziell Länder aus CEE sind hier überdurchschnittlich betroffen.

Bei den Branchen, die von Exporten nach China besonders betroffen sind, liegt die Industrie des Euroraums deutlich mit einem Anteil von 4,6 Prozent höher als der Dienstleistungssektor mit 1,6 Prozent. Stark betroffen sind Maschinen (8,0 Prozent), Computer und Optik (6,7 Prozent), KFZ (6,1 Prozent) und Elektro (6,0 Prozent). Weniger betroffen ist vor allem der Lebensmittelbereich (1,8 Prozent). Obwohl immer wieder zitiert, liegt die Betroffenheit der Tourismusbranche mit 1,0 Prozent eher niedrig.

Aber klarerweise lassen sich mögliche Auswirkungen nicht einfach so isoliert betrachten und hier funktioniert auch der Vergleich mit 2003 nicht mehr so einwandfrei. Damals hatte China einen Anteil an der Weltwirtschaft von knapp über 4 Prozent und heute knapp unter 17 Prozent. Sollte China 1 Prozent weniger wachsen, so dürfte dies das Wachstum der Weltwirtschaft um 0,4 Prozent reduzieren und für den Euroraum und damit auch für Österreich rund ¼ Prozent weniger Wachstum bedeuten. Allgemein ist wohl davon auszugehen, dass China zumindest im ersten Quartal eine deutliche Wachstumsdelle erlitt.

Grundsätzlich werden solche kurzfristigen Einbrüche jedoch durch Gegenbewegungen in den nachfolgenden Quartalen wieder aufgeholt. Welchen Schaden die sich gerade erholende globale Konjunkturstimmung jedoch nehmen wird, lässt sich schwer sagen. Die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft werden dann davon abhängen, wie lange Chinas Wirtschaft unter dem Virus leiden wird, dementsprechend wird dies auch negative Folgen für die Weltwirtschaft haben.

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der Bank Austria

Stand: 18 Februar 2020.

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der Bank Austria

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