Nach der Rezession - Aussichten für 2024 und danach

Österreich Aktuell
Konjunkturlage bleibt zu Jahresbeginn sehr angespannt

Grafik Österreich BIP, Inflation und Arbeitslosenquote

  • Erholung lässt noch auf sich warten
    Die Lage in der heimischen Wirtschaft ist weiter angespannt, aber vereinzelt zeigen sich zumindest konjunkturelle Lichtblicke, die Konjunkturstimmung zeigt seit dem Jahreswechsel in den meisten Wirtschaftsbereichen leicht nach oben. Nach dem Rückgang der Wirtschaftsleistung um voraussichtlich 0,7 Prozent im Jahr 2023, erwarten wir für 2024, ausgehend von einem weiteren Rückgang der Inflation, eine moderate Erholung ab der zweiten Jahreshälfte mit einem leichten BIP-Anstieg von 0,3 Prozent. Die Trendwende im Lagerzyklus sowie steigende Reallöhne als Folge der niedrigeren Inflation sollten im Jahresverlauf 2024 eine moderate Erholung über den Konsum einleiten. Für 2025 gehen wir von einem BIP-Anstieg um 1,5 Prozent aus, gestützt auch auf die Investitionen.
  • Arbeitslosigkeit steigt 2024, leichte Entspannung 2025
    Nachdem sich der Arbeitsmarkt im bisherigen Jahresverlauf sehr konjunkturresilient gezeigt hat, lassen sich mittlerweile die Folgen der anhaltenden Konjunkturschwäche an der steigenden Anzahl von Arbeitssuchenden in vielen Branchen ablesen. Nach 6,4 Prozent im Jahresdurchschnitt 2024 betrug die Arbeitslosenquote im Jänner saisonbereinigt 6,7 Prozent. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt dürfte sich vor allem aufgrund der Schwäche in der Industrie und im Baugewerbe vorerst noch verschlechtern und erst gegen Jahresende etwas entspannen. Wir erwarten im Jahresdurchschnitt 2024 eine Arbeitslosenquote von 6,7 Prozent. Dank eines stärkeren BIP-Wachstums dürfte sie bis 2025 auf 6,5 Prozent sinken.
  • Inflationsrückgang setzt sich fort, aber langsamer als im Euroraum
    Die Inflation ist im Jänner 2024 auf 4,5 Prozent gesunken. Deutlich höher als im Euroraum wird 2024 die Inflation erneut ausfallen. Allerdings wird sich der Rückgang der Teuerung fortsetzen, wenn auch nur relativ langsam. Trotz eines spürbaren Anstiegs vieler Dienstleistungspreise als Folge stark gestiegener Sach- und Personalkosten erwarten wir eine Verlangsamung der Inflation 2024 auf durchschnittlich 3,6 Prozent und 2025 auf 2,3 Prozent.
  • Zinssenkungen ab Mitte 2024 erwartet
    Die EZB wird 2024 einen Zinssenkungszyklus starten. Aufgrund der bisherigen Aussagen der Mitglieder des EZB-Rats ist von einer ersten Lockerung der Geldpolitik jedoch erst im Juni 2024 und einer eher vorsichtigen Annäherung an das neutrale Zinsniveau auszugehen. Bis Ende 2024 dürften die Leitzinsen um 75 Basispunkte und 2025 um weitere 100 Basispunkte gesenkt werden, so dass sich der Refinanzierungssatz von aktuell 4,50 Prozent schrittweise auf 2,75 Prozent bis Ende 2025 verringern wird.

Grafik Internationales Umfeld

→ Österreich Aktuell (PDF)

Stand: Februar 2024.

Über Österreich Aktuell

Die Publikation „Österreich Aktuell“ beinhaltet aktuelle Prognosen für die österreichische Wirtschaft und für die wichtigsten Indikatoren die letztverfügbaren Daten, zum Teil auch in Grafiken. Die wichtigsten Indikatoren werden auch laufend kommentiert und ihre Auswirkung auf die Prognose der österreichischen Konjunktur analysiert.


Österreich im Fokus
Wachstumsaussichten verbessern sich langsam, aber Geduld ist gefragt

  • Österreichs Wirtschaft schwächelte in der ersten Jahreshälfte 2023 – Konjunkturflaute hält noch weiter an
    Die österreichische Wirtschaft wuchs im ersten Halbjahr 2023 um 0,4 Prozent im Jahresvergleich. Dieses leichte Plus ergab sich dank eines statistischen Überhangs, während nach einem Plus zu Jahresbeginn im zweiten Quartal ein deutliches Minus des BIP gegenüber dem Vorquartal verzeichnet werden musste. Die rückläufige Nachfrage aus dem Aus- und Inland hat zu einer Rezession im Produktionssektor geführt, die zur Jahresmitte hin immer stärker auf den Dienstleistungssektor übergriff, der anfangs noch von Nachholeffekten aus der Pandemie profitiert hatte, aber wegen der Folgen der Inflation auf Reallohnentwicklung und Konsumstimmung gedämpft wurde.
     
  • Stagnation bis zum Jahreswechsel 2023/24 – Moderate Erholung ab 2024 gestützt auf Konsum erwartet
    Die aktuellen Indikatoren weisen zumindest bis zum Jahresende 2023 auf eine Fortsetzung der schwachen Konjunkturentwicklung hin, wenn auch kein Einbruch zu erwarten sein dürfte. Wir bleiben optimistisch, dass sich 2024 eine Verbesserung der Rahmenbedingungen durch einen Rückgang der Inflation positiv auf die Konjunkturdynamik auswirken wird. Nachlassende Nachholeffekte, die Verteuerung von Krediten und die hohe Verunsicherung unter anderem in Hinblick auf die geopolitischen Herausforderungen werden jedoch nur mit Verzögerung zu einem Stimmungswechsel in der heimischen Wirtschaft beitragen. Damit bleibt das Tempo der Erholung auch im Jahr 2024 überschaubar. Wir erwarten nach der Stagnation 2023 für 2024 nur eine leichte Belebung des Wirtschaftswachstums auf 0,9 Prozent.
     
  • Arbeitslosenquote sank in 1H 2023 auf 6,4 Prozent – Aufwärtstendenz seit dem Frühjahr, aber insgesamt nur moderater Anstieg erwartet
    Im Durchschnitt der ersten sechs Monate betrug die Arbeitslosenquote 6,4 Prozent (1-6/2022: 6,5 Prozent). Seit dem Frühjahr zeigt sich jedoch eine leichte Aufwärtsbewegung ausgehend von nur 6,2 Prozent zum Jahreswechsel. Auch wenn sich die Hoffnung auf eine Belebung der österreichischen Wirtschaft rund um den Jahreswechsel 2023/24 erfüllen sollte, wird sich der Aufwärtstrend nur mit Verzögerung umkehren. Wir gehen davon aus, dass sich die Arbeitslosenquote nach durchschnittlich 6,4 Prozent 2023 im Jahr 2024 auf diesem Wert verharren wird.
     
  • Zweitrundeneffekte bremsten energiepreisbedingten Inflationsrückgang in 1H23 – Verlangsamung setzt sich fort
    Der Rückgang der Inflation von über 11 Prozent zu Jahresbeginn auf 6,1 Prozent im September sollte sich im Herbst fortsetzen. Die Teuerung dürfte sich auf unter 5 Prozent zum Jahresende abschwächen. Im Gesamtjahr 2023 rechnen wir mit einer durchschnittlichen Teuerung von 7,8 Prozent. Angesichts der wegfallenden Unterstützung durch die Energiepreisentwicklung sowie der hohen Lohndynamik mit realen Zuwächsen wird der weitere Inflationsrückgang 2024 langsamer ausfallen. Wir erwarten mit durchschnittlich 3,6 Prozent eine Teuerung, die weiter klar über dem EZB-Ziel liegen wird.
     
  • Zinsplafonds sollte erreicht sein – Lockerung der Geldpolitik im Euroraum in zweiter Jahreshälfte 2024 erwartet
    Die EZB hat mit Wirkung vom 20. September 2023 den Refinanzierungssatz auf 4,50 Prozent bzw. den Einlagensatz auf 4,00 Prozent angehoben. Wir gehen davon aus, dass damit der Zinsplafonds erreicht worden ist. Mit der anhaltenden Entspannung der Inflation ist ab der zweiten Jahreshälfte 2024 im Euroraum der Beginn eines Zinssenkungszyklus zu erwarten.
     
  • Fiskalpolitik hat von Covid-Bekämpfung auf Teuerungsausgleich umgeschwenkt – Budgetpolitik zurückhaltender
    Die in Anbetracht der Rahmenbedingungen relativ günstige Budgetentwicklung im ersten Halbjahr lässt für 2023 insgesamt einen erneuten Rückgang der Neuverschuldung erwarten. Wir gehen von einem Budgetdefizit von 2,8 Prozent des BIP aus. Für 2024 halten wir eine weitere Reduktion des Budgetdefizits auf rund 1,8 Prozent des BIP für wahrscheinlich. Die Reduktion der Neuverschuldung wird sich in Kombination mit dem inflationsbedingt hohen nominellen BIP-Wachstum positiv auf die Entwicklung der Gesamtverschuldung auswirken. Wir gehen davon aus, dass sich die Schuldenquote von 78,4 Prozent Ende 2022 auf rund 74 Prozent Ende 2024 verbessert.
     
  • Zinsanstieg dämpfte Kreditnachfrage, schwache Konjunktur das Einlagenwachstum – Gegenwind hält an
    Das Kreditwachstum wurde in der ersten Jahreshälfte 2023 durch die schwache Konjunktur und die straffere Geldpolitik auf rund 4 Prozent im Jahresvergleich gedämpft, insbesondere die Nachfrage nach Wohnbaufinanzierungen ging sehr stark zurück. Trotz höherer Zinsen reduzierte sich das Einlagenwachstum in der ersten Jahreshälfte 2023 auf nur noch ein Prozent. Die schwache Konjunktur und die unverändert restriktive Geldpolitik werden die Entwicklung der Finanzierungen und der Einlagen weiter prägen. Bei rückläufigem Neugeschäft ist von einer weiteren Verlangsamung des Kreditwachstums auszugehen und auch die Einlagen dürften im Gesamtjahr 2023 kaum wachsen.

→ Österreich im Fokus - Rückblick und Ausblick 2023/2024 (PDF)

Stand: Oktober 2023.

 

Über Österreich im Fokus

"Österreich im Fokus" - Rückblick und Ausblick 2023/2024 bietet eine umfassende Analyse der Wirtschaftstrends in Österreich unter besonderer Berücksichtigung struktureller Gegebenheiten. Die Publikation gibt einen Überblick über das abgelaufene Jahr und bietet einen Ausblick auf die im laufenden Jahr und im Folgejahr zu erwartenden Entwicklungen. Über die aktuelle Konjunktursituation hinausgehend erfolgt eine wirtschaftliche Einschätzung des Standorts Österreich.

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