Expert:innen-Statement zur aktuellen Börsensituation und ein Rückblick auf die letzten Wochen.

 

Marktentwicklung und Anlagestrategie

Basierend auf der fundierten Marktmeinung der Bank Austria entwickelt unser Team von Investmentspezialist:innen die aktuelle Anlagestrategie. Diese ist Grundlage des Vermögensmanagements sowie der individuellen Anlageberatung. 

Oliver Prinz, Leiter Investment Strategy
Oliver Prinz, Leiter Investment Strategy

„Das Umfeld für die globalen Aktienmärkte präsentiert sich seit Jahresbeginn freundlich. Es zeigen sich aber auch einige Wolken - das heißt Risiken. Derzeit lässt sich nur schwerlich einschätzen, ob sie vorbeiziehen, nur einen Regenschauer oder ein handfestes Gewitter bringen.“

Aktien

Die wirtschaftliche Entwicklung dürfte Aktien unterstützen, aber die Risiken nehmen zu

Das Umfeld für die globalen Aktienmärkte zeigt sich seit Jahresbeginn freundlich, und sowohl die jüngsten Konjunkturdaten als auch die Quartalsberichterstattung für das erste Quartal 2024 haben zuletzt überwiegend positiv überrascht. Die US-Wirtschaft bleibt trotz Abkühlungstendenzen robust, und es zeichnet sich immer deutlicher ab, dass auch die europäische Wirtschaft die Talsohle durchschritten hat. Die Gewinnerwartungen sind entsprechend konstruktiv. Zudem stützt weiterhin die Aussicht auf sinkende Zinsen. Hohe Bewertungen in manchen Bereichen, geopolitische Risiken und die Unsicherheit bezüglich des Beginns (nur USA) bzw. Umfangs des erwarteten Zinssenkungszyklus der großen westlichen Zentralbanken bleiben nicht unwesentliche Risiken. Da also den positiven Faktoren für die Investition in Aktien vermehrt Risiken gegenüberstehen, behalten wir derzeit unsere neutrale Gewichtung bei.

Trotz des Risikos einer dauerhaften Schwäche des Yens bleibt ein Fokus auf japanischen Aktien

Das solide Lohnwachstum bleibt ein stützender Faktor für japanische Aktien. Auch dass die Bank of Japan (BoJ) die Ära der negativen Zinssätze beendete und ihre Politik der Steuerung der Renditekurve aufgab, wurde von den Märkten überwiegend positiv aufgenommen. Der Anstieg der Unternehmensgewinne und die Reform der Tokioter Börse ermutigen darüber hinaus zu umfangreichen Aktienrückkäufen. Sowohl die Anzahl als auch das damit verbundene Volumen der Aktienrückkäufe, die im Rahmen der Jahresberichterstattung angekündigt wurden, sind auf dem höchsten Niveau seit 2009. Die Bewertungen erscheinen trotz der jüngsten Performance nicht teuer. Da Japan Lebensmittel und Energie in großem Umfang importiert, könnte sich eine dauerhafte Schwäche des Yens allerdings auf die Inflation auswirken – und damit auch auf die Geldpolitik der BoJ. Deutlichere Zinsanhebungen als erwartet dürften daher Gegenwind für japanische Aktien bedeuten. Nach Abwägung der dargelegten Chancen und Risiken behalten wir dennoch unsere Übergewichtung bei.

US-Aktien: Robustes Wirtschaftswachstum trifft auf hohe Aktienmarktbewertung

Das robuste makroökonomische Umfeld in den USA ist positiv für US-Aktien, auch wenn jüngere Makro-Daten erkennen lassen, dass sich das Wachstum verlangsamt. Angesichts der weiterhin hartnäckigen Inflation besteht nach wie vor Unsicherheit über den Zeitpunkt des Beginns und den Umfang des zu erwartenden Zinssenkungszyklus durch die Fed. Die Bewertungen von US-Aktien bleiben vergleichsweise hoch, und der S&P 500 Aktienindex weist eine außergewöhnlich hohe Marktkonzentration auf (Nvidia allein ist für mehr als ein Drittel der Renditen des S&P 500 seit Jahresbeginn verantwortlich).

Das Ergebnis der Europawahl hat zumindest vorübergehend für stärkere Schwankungen auf den europäischen Aktienmärkten gesorgt

Die zuletzt freundlicheren, häufig über den Erwartungen liegenden makroökonomischen Daten deuten darauf hin, dass die europäische Wirtschaft an Schwung gewinnt. Der Arbeitsmarkt im Euroraum bleibt solide, und die abkühlende Inflation stützt die Realeinkommen. Das starke Abschneiden der rechtsgerichteten Parteien bei den EU-Wahlen könnte die EU-Integration allerdings bremsen und die europäischen Märkte belasten. Die weiterhin vergleichsweise günstigen Bewertungen europäischer Aktien unterstützen diese Anlageklasse, die entsprechend gute Opportunitäten für wert- und qualitätsorientierte Anleger:innen bietet. Nach einer Gegenüberstellung der positiven und negativen Einflussfaktoren für europäische Aktien setzen wir weiterhin auf eine neutrale Gewichtung.

Uneinheitliches Bild bei Schwellenländer-Aktien

In Asien bleiben wir bei chinesischen Aktien strategisch zurückhaltend. Dort wird die (relativ schleppende) Erholung von den Exporten getragen. Die recht günstigen Bewertungen könnten jedoch für eine begrenzte taktische Aufholjagd angesichts fiskalischer und geldpolitischer Stimulus-Maßnahmen sprechen. Taiwan-Aktien wiederum werden durch den Boom im Halbleitersektor unterstützt. In Lateinamerika könnte die vorsichtige Haltung der Fed den Umfang der zu erwartenden Zinssenkungen in Brasilien begrenzen (denn die Zinsdifferenz muss groß genug sein, um das zusätzliche Schwellenländer-Risiko für globale Investor:innen zu kompensieren). Insgesamt erscheinen die Bewertungen von Schwellenländer-Aktien aber vergleichsweise günstig. Wir setzen weiterhin auf eine neutrale Gewichtung, wobei ein selektives Vorgehen nach Ländern und Sektoren bei Schwellenländern unabdingbar bleibt.

Anleihen

Inflationäre Entwicklung wird voraussichtlich ein wichtiger Einflussfaktor für die Geldpolitik und die Anleihenmärkte

Angesichts der aktuellen Renditen und des (zu erwartenden) geldpolitischen Schwenks der großen westlichen Zentralbanken bieten globale Anleihen weiterhin ein konkurrenzfähiges, interessantes Risiko-Ertrags-Profil. Vor dem Hintergrund der weiter abkühlenden Inflation (die jedoch – vor allem aufgrund der anhaltend hartnäckigen Teuerung im Dienstleistungssektor – mit einer gewissen Unsicherheit hinsichtlich der Konvergenz der Inflation in Richtung des Zwei-Prozent-Ziels der Zentralbanken behaftet ist) halten wir unseren Qualitätsfokus bei der Selektion von Anleihen wie Euro-Investment-Grade-Unternehmensanleihen und -Staatsanleihen weiterhin für angemessen. Staatsanleihen mit langer Laufzeit könnten im Falle einer deutlichen Konjunkturabschwächung (die allerdings nicht unser Basis-Szenario ist) eine wichtige Rolle bei der Absicherung des Portfolios spielen. Sollte der Rückgang der Inflation ins Stocken geraten oder der Preisauftrieb wieder zunehmen, könnte dies Anleihen belasten. Aufgrund des interessanten Risiko-Ertrags-Profils behalten wir unsere Übergewichtung von Renten bei.

Sowohl EWU- als auch Nicht-EWU-Staatsanleihen werden neutral gewichtet

Nachdem die EZB die Zinswende vollzogen hat, behalten wir vor dem Hintergrund der abkühlenden Inflation und in Erwartung weiterer Zinssenkungen in der zweiten Jahreshälfte unsere neutrale Sichtweise auf Staatsanleihen aus Ländern der Europäischen Währungsunion (EWU) bei. Trotz der jüngsten ermutigenden Daten kann allerdings nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass die Inflation hartnäckig bleibt und damit auch die Zinsen länger als allgemein erwartet auf einem höheren Niveau verharren (Risikoszenario).

Die sich weiterhin robust präsentierende US-Wirtschaft stützt Nicht-EWU-Staatsanleihen, auch wenn Abkühlungstendenzen in der US-Wirtschaft zuletzt sichtbarer geworden sind. Das Risiko, dass die Fed ihren Lockerungszyklus später starten und der Umfang der Zinssenkungen geringer ausfallen könnte als erwartet, besteht trotz zuletzt positiv überraschender Inflationsdaten (niedriger als erwartet) fort.

Sowohl bei EWU- als auch bei Nicht-EWU-Staatsanleihen bleiben wir derzeit bei der neutralen Gewichtung, da wir in anderen Anleihesegmenten wie Euro-Unternehmensanleihen mit guter Bonität oder Schwellenländer-Anleihen ein günstigeres Risiko-Ertrags-Verhältnis sehen.

Trotz des geringen Renditevorteils bei Euro-Unternehmensanleihen mit guter Bonität behalten wir die Übergewichtung bei

Die Kreditaufschläge von Euro-Unternehmensanleihen, die nach wie vor von der Widerstandsfähigkeit des Wirtschaftszyklus und der anhaltenden Suche der Anleger:innen nach Rendite unterstützt werden, sind trotz der jüngsten Entwicklungen in Frankreich auf einem historisch niedrigen Niveau. Insgesamt sollten die Fundamentaldaten der Investment-Grade-Unternehmen dank gesunder Bilanzen, über den Erwartungen liegender Gewinne, hoher Kassenbestände und eines im Vergleich zum langfristigen Durchschnitt niedrigen Verschuldungsgrads aber robust bleiben. Im Falle eines spürbaren wirtschaftlichen Abschwungs könnten die Ausfallsraten steigen, womit Kursverluste einhergehen könnten (Risikoszenario). Wir behalten in Erwartung einer weiterhin soliden Entwicklung unsere Übergewichtung bei.

Übergewichtung von Schwellenländer-Anleihen in lokaler Währung bleibt bestehen

Auch Schwellenländer-Anleihen in lokaler Währung bieten eine interessante Carry (Renditeaufschlag gegenüber Anleihen der Eurozone). Es gibt Spielraum für Zinssenkungen, wovon diese Anlageklasse profitieren könnte. Zudem scheinen die Währungen der Schwellenländer unterbewertet und dürften wieder an Boden gewinnen, wenn die Fed beginnt, die Zinsen zu senken. Kurzfristig könnten Schwellenländer-Anleihen allerdings durch eine abwartende Haltung der Fed und einen stärkeren US-Dollar belastet werden. Weiterhin gilt es zu beachten, dass potenzielle Bonitätsrisiken sowie Fremdwährungsschwankungen, die bei Schwellenländern oftmals höher sind, den potenziellen Ertrag beeinträchtigen können. Schwellenländer-Anleihen in lokaler Währung bleiben übergewichtet.

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Datum: 4. Juli 2024.

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