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Experten-Statement zur aktuellen Börsensituation und ein Rückblick auf die letzten Wochen.

 

Marktentwicklung und Anlagestrategie

Basierend auf der fundierten Marktmeinung der Bank Austria entwickelt unser Team von Investmentspezialistinnen und -spezialisten die aktuelle Anlagestrategie. Diese ist Grundlage des Vermögensmanagements sowie der individuellen Anlageberatung. 

Gerhard Vogl, Investment Management & Strategy
Gerhard Vogl, Investment Management & Strategy
„Da die Märkte auf die zuletzt veröffentlichten düsteren Konjunkturdaten keine Reaktion zeigten, scheinen die Bewertungen auf den Aktienmärkten der Realwirtschaft bereits etwas vorausgelaufen zu sein.“
Aktien

Aktienindizes verzeichnen Erholung.
Mitte März markierten die meisten Aktienindizes in diesem Jahr ihre Tiefststände. Seither konnten diese trotz massiver Beeinträchtigung der Konjunkturentwicklung wieder deutlich Terrain gutmachen. Allgemeine Stimmungstreiber hierfür waren die zunehmende Rücknahme der Corona-bedingten Einschränkungen und die damit verbundene Hoffnung auf eine rasche Konjunkturerholung sowie positive Meldungen über potenzielle Medikamente zur Behandlung der COVID-19-Erkrankung. Seit Ausbruch der Corona-Krise sind es im Speziellen vor allem Aktien jener Unternehmen, die sowohl von der Arbeit als auch von der Freizeit zu Hause profitieren können (Schlagwort „Stay at Home“) und hinsichtlich der Kursentwicklung damit den breiteren Markt übertreffen konnten.

Aktienmärkte sind der Realwirtschaft voraus.
Wir erwarten eine Erholung der wirtschaftlichen Aktivitäten in der zweiten Jahreshälfte. In Kombination mit einer äußerst lockeren Geldpolitik sowie fiskalpolitischen Maßnahmen sollte dies den globalen Aktienmärkten Unterstützung bieten. Da die Märkte auf die zuletzt veröffentlichten düsteren Konjunkturdaten jedoch keine Reaktion zeigten, scheinen die Bewertungen auf den Aktienmärkten der Realwirtschaft bereits etwas vorausgelaufen zu sein. Zudem sind die mit der Corona-Pandemie in Zusammenhang stehenden Unsicherheiten und damit das Risiko eines neuerlichen Volatilitätsschubes weiterhin gegeben. Hinzu kommen (geo)politische Unsicherheiten als mögliche Störfeuer. Insofern lautet unser Anlagevotum unverändert „neutral“.

Regionale Gewichtung rückt näher an die Benchmark heran.
Die regionale Entwicklung der Aktienmärkte bleibt eine schwierige Einschätzung, da diese einerseits von der Ausbreitung der COVID-19 Infektionszahlen abhängen wird und andererseits vom Pfad der wirtschaftlichen Erholung. Aus diesem Grund teilen wir den meisten Anlageregionen ein Gewicht zu, das näher an jenem des Vergleichsindex liegt. Die positive Einschätzung zu europäischen Aktien wird jedoch beibehalten. Die Bewertung in Europa scheint attraktiv, die Infektionszahlen sind derzeit unter Kontrolle, die Europäische Zentralbank unterstützt durch geldpolitische Impulse und die EU-Staaten scheinen in der Krise näher zusammenzurücken, wie zuletzt durch die Ankündigung des Wiederaufbaufonds vernommen werden konnte. Vor diesem Hintergrund dürften sich europäische Aktien günstiger entwickeln als deren Pendants aus anderen Anlageregionen.

Anleihen

Renditen der Anleihen von Aktienmärkten entkoppelt.
Infolge der beständigen Anleihenkäufe durch wichtige Notenbanken weltweit, der geringen Aussicht auf Leitzinsanhebungen sowie der trüben Konjunkturaussichten entwickelten sich Renditen von Anleihen der Kernländer seitwärts, womit sich diese von der Dynamik der Aktienmärkte entkoppelt zu haben scheinen. Erst kürzlich ließen sie sich vom vorherrschenden Optimismus anstecken, worauf deren Renditen Anstiege verzeichneten, was im Umkehrschluss Kursverluste bedeutete.

Anleihen der Kernländer im Spannungsfeld.
Kurzfristig bewegen sich Anleihen der Kernländer in einem Spannungsfeld, in dem eine äußerst akkommodierende Geldpolitik umfangreichen Fiskalprogrammen sowie ersten Erholungstendenzen bei den Frühindikatoren gegenübersteht. Mittelfristig sollten die erwartete Konjunkturerholung und damit einhergehende anziehende Inflationserwartungen sowie eine aus der Fiskalpolitik resultierende steigende Staatsverschuldung Renditen von Anleihen der Kernländer steigen lassen, auch wenn die geldpolitischen Maßnahmen der Notenbanken den Renditeauftrieb begrenzen dürften. 

Weiterhin bleiben zwischenzeitliche Renditerückgänge nicht ausgeschlossen, vor allem solange die Unsicherheit hinsichtlich neuerlich steigender Corona-Fallzahlen nicht gebannt und das konjunkturelle Tief in den Fundamentaldaten noch nicht erreicht ist.

Wir gewichten Renten in Summe unter. 
EUR-Staatsanleihen bieten aufgrund der tiefen Renditen ein unattraktives Chancen-Risiko-Verhältnis. Europäische Unternehmensanleihen mit Top-Bonitäten sollten vom Anleihenkaufprogramm der EZB sowie dem Risikoappetit der Anleger Unterstützung erfahren. Angesichts unterproportional eingepreister Inflationserwartungen bieten globale inflationsindexierte Staatsanleihen Opportunitäten. Schwellenländeranleihen sollten in einer anschließenden Wirtschaftserholung reüssieren können. Zudem weisen sie bei höherem Risiko angesichts attraktiver Renditeniveaus langfristig Potenzial auf und bleiben daher übergewichtet. Mögliche Folgewirkungen der Corona-Krise sollten jedoch nicht außer Acht gelassen werden.

Alternative Veranlagungen

Ölpreis dürfte nicht so schnell zu früherem Zustand zurückkehren.
Der in den vergangenen Wochen gesehene Ölpreisanstieg könnte den Beginn eines langsamen Normalisierungsprozesses markieren. So konnte sich der Preis der Rohölsorte Brent seit dem diesjährigen Tiefpunkt bereits verdoppeln. Weiterhin getragen werden sollte diese Entwicklung vom schrittweisen Aufheben der Lockdown-Maßnahmen sowie einer sich daraus ergebenden Erholung der Weltwirtschaft in der zweiten Jahreshälfte. 

Allerdings wird die Branche wohl nicht von heute auf morgen zu ihrem früheren Zustand zurückkehren. Zum einen dürfte es einige Quartale dauern, bis die nach unten revidierten Investitionen Aufwärtsdruck auf den Ölpreis ausüben. Hinzu kommt, dass für das Jahr 2020 insgesamt erwartet wird, dass die weltweite Nachfrage um etwa 8 Mio. Fass pro Tag unter dem Niveau des Vorjahres liegen wird. 

Goldpreis verzeichnet Höchststand.
Getrieben von der mit der Corona-Pandemie in Zusammenhang stehenden hohen Verunsicherung kletterte der Goldpreis auf den höchsten Stand seit Oktober 2012 (in US-Dollar). Auf Euro-Basis markierte das Edelmetall zuletzt einen neuen Rekordstand. 

Kurzfristig könnte der Goldpreis weiteren Aufwind erhalten, wenn Sorgen über wieder steigende Ansteckungszahlen oder auch geopolitische Unsicherheiten, wie ein neuerliches Aufflammen des Handelskonfliktes zwischen den USA und China, seinem Status als sicherer Hafen neue Nahrung verleihen. Mit zunehmendem Risikoappetit der Investoren steigt allerdings der Abwärtsdruck auf die Goldnotierungen. Dennoch könnte das Edelmetall auch mittelfristig gut unterstützt bleiben. Denn neben den immer wieder hochkochenden geopolitischen Unsicherheiten sollte Gold von extrem niedrigen bzw. negativen Realzinsen (Opportunitätskosten der Goldhaltung) profitieren können. Damit sollte Gold auch künftig seinen Absicherungscharakter in Phasen steigender Unsicherheiten entfalten können. 

Die Anlageklasse der Absolute-/Total-Return-Produkte sowie jene der Rohstoffe nutzen wir weiterhin zur Steigerung der Diversifikation und zur Optimierung des Risiko-Ertrags-Verhältnisses.

Für ein individuelles Beratungsgespräch zu allen wichtigen Themen rund um Ihr Vermögen steht Ihnen Ihre Beraterin bzw. Ihr Berater gemeinsam mit unserem Spezialisten-Team sehr gerne zur Verfügung.
 

Datum: 16. Juni 2020

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