Experten-Statement zur aktuellen Börsensituation und ein Rückblick auf die letzten Wochen.

 

Marktentwicklung und Anlagestrategie

Basierend auf der fundierten Marktmeinung der Bank Austria entwickelt unser Team von Investmentspezialist:innen  die aktuelle Anlagestrategie. Diese ist Grundlage des Vermögensmanagements sowie der individuellen Anlageberatung. 

Oliver Prinz, Leiter Investment Management & Strategy
Oliver Prinz, Leiter Investment Management & Strategy

„Das Rezessionsszenario ist nicht unser Basisszenario, denn die Bilanzen von Haushalten und Unternehmen sind nach wie vor gesund.“

Aktien

Abschwächung des globalen Wachstums.
Die letzten sechs Wochen waren geprägt von der Sorge über eine Verlangsamung des weltweiten Wachstums – mit dem Risiko einer Stagflation in Europa, einem Wachstumseinbruch in China, einer Abschwächung, ja Rezession in den USA – sowie der Sorge über steigende Inflation. Da die Inflation in den USA und in Deutschland 40- bzw. 50-Jahres-Höchststände erreicht hat, sehen sich die Fed und die EZB gezwungen, die Zinssätze spürbar zu erhöhen, während die Volkswirtschaften Anzeichen einer Verlangsamung zeigen und sich das monetäre und finanzwirtschaftliche Umfeld verschlechtert. Die Abschwächung des globalen Wachstums verheißt auch für die Unternehmensgewinne nichts Gutes. Wir meinen allerdings, dass die aktuellen Schätzungen für das Gewinnwachstum (noch) nicht das Szenario einer harten Landung bzw. eine Rezession reflektieren. Das Rezessionsszenario ist nicht unser Basisszenario, denn die Bilanzen von Haushalten und Unternehmen sind nach wie vor gesund. Aber die damit verbundenen Risiken haben sich erhöht, da eine hartnäckigere Inflation die Zentralbanken dazu zwingt, aggressiver zu reagieren. Das ist ein Risiko für unser Basisszenario einer weichen Landung.

Aktien bleiben neutral gewichtet.
Die Kombination aus geringerem globalem Wachstum, steigenden Zinsen und sinkender Liquidität hat uns bereits im April dazu veranlasst, Aktien von der bisherigen Übergewichtung auf neutral herabzustufen. Relativ gesehen verringern auch die steigenden Renditen von Staatsanleihen, insbesondere in den USA, die Attraktivität von Aktiendividenden – trotz der jüngsten Aktienkurskorrektur.

Europäische Aktien stufen wir auf neutral zurück.
Europäische Aktien stufen wir von übergewichtet auf neutral zurück. Dies ist durch die Konjunkturabschwächung aufgrund der Folgen des Ukraine-Kriegs (höhere Rohstoffpreise, höhere Inflation), der Verschlechterung der Gewinnrevisionsquote und des restriktiveren Vorgehens der EZB gerechtfertigt. Es besteht indes die Gefahr, dass die EZB die Zügel zu stark anzieht, da die Inflationsdynamik im Euroraum eher angebots- bzw. energiepreisgetrieben ist, während sie in den USA angesichts des gesunden US-Arbeitsmarktes auch nachfragegetrieben ist. Auf der anderen Seite erwarten wir positive Effekte von den fiskalischen Maßnahmen der EU zur Finanzierung von Investitionen in Energie und Verteidigung, etwa nach dem Beispiel des SURE-Programms, das ein soziales Sicherheitsnetz in den von der Pandemie betroffenen Ländern aufspannt. US-Aktien bleiben weiterhin neutral gewichtet. Ein insgesamt noch solides Wirtschaftswachstum stützt, die aggressivere, „hawkischere“ Gangart der Fed belastet. (Eine „hawkische“ Notenbankpolitik ist an höheren Zinssätzen interessiert, um die negativen Auswirkungen der Inflation abzumildern.) Die jüngste Korrektur im Verbund mit einer positiven Berichtssaison eröffnet kurzfristig selektive Kaufgelegenheiten.

Schwellenländeraktien bleiben leicht übergewichtet.
Schwellenländer-Aktien werden durch das geringere globale Wachstum und die sinkende Liquidität infolge der restriktiven Politik der Fed und der Aufwertung des US-Dollars belastet. Auch der zunehmende Fokus der Anleger auf Nachhaltigkeitskriterien macht die Unternehmen der Schwellenländer weniger attraktiv als die US-amerikanischen und europäischen Unternehmen. Angesichts der relativ attraktiven Bewertungen in den Schwellenländern im Vergleich zu anderen geografischen Regionen bleibt eine leichte Übergewichtung bestehen, die jedoch bereits im April etwas reduziert wurde, um den gestiegenen Risiken Rechnung zu tragen. 

Anleihen

Untergewichtung globaler Anleihen.
Eine hartnäckige Inflation und steigende Renditen bei Staatsanleihen unterstützen unsere Untergewichtung globaler Anleihen. Bei Euro-Staatsanleihen bleiben wir untergewichtet, beobachten aber die Einstiegspunkte genau, da die Inflationsdynamik weniger strukturell ist als in den USA und das Wirtschaftswachstum anfälliger ist.

Euro-Unternehmensanleihen mit guter Bonität attraktiv.
Die gestiegenen Renditen bei Euro-Unternehmensanleihen mit guter Bonität (Investment Grade) erhöhen die Attraktivität dieses Anlagesegments. Dies ist einerseits ein Effekt des generell höheren Renditeumfelds und andererseits durch die Ausweitung der Zinsdifferenz zu Euro-Staatsanleihen (Spread) bedingt. Bei guten Bonitäten erwarten wir keinen signifikanten Anstieg der Ausfallsraten im Falle einer weiteren wirtschaftlichen Abkühlung. Eine selektive Auswahl der Emittenten wird jedoch dringend empfohlen.

Positive Haltung zu Schwellenländeranleihen.
Die Suche nach Rendite unterstützt unsere positive Haltung zu Schwellenländeranleihen. Eine straffere Fed sowie der Inflationsdruck in den Schwellenländern lassen jedoch eine defensivere und selektivere Haltung ratsam erscheinen.

Geldmarktanlagen derzeit erwägenswert.
Geldmarktanlagen scheinen als Absicherung gegen die gestiegene Unsicherheit (Risikostreuung) und zum „Parken“ von Liquidität derzeit erwägenswert.

Für ein individuelles Beratungsgespräch zu allen wichtigen Themen rund um Ihr Vermögen steht Ihnen Ihre Beraterin bzw. Ihr Berater gemeinsam mit unserem Spezialisten-Team sehr gerne zur Verfügung.
 

Datum: 1. Juli 2022

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