CSR-Tag 2017 in Linz – zurecht als „Gipfeltreffen der Nachhaltigkeit“ tituliert, ist jedes Mal eine Art großes (Nachhaltigkeits )Familientreffen. Beim Reden kommen bekanntlich die Leute zusammen, und das ist eine wesentliche Funktion des CSR-Tages. Man tauscht sich aus, bekommt aktuelle Trends mit, hört viel von Erfolgen, Rückschlägen und neuen Projekten.

Zur großen Bedeutung von gegenseitigem Austausch und Lernen passte auch das heurige Thema: Es ging um die Wichtigkeit von Partnerschaften für die Nachhaltigkeit – also um Nummer 17 der 2015 beschlossenen Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen. Und so diskutierten die Fachleute in Linz, was Partnerschaften zwischen ganz unterschiedlichen Stakeholdern leisten müssen, um uns der Erreichung sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer Ziele näher zu bringen.

Unter der sonoren Moderation von ORF-Frau Rosa Lyon gab es Reden und eine Podiumsdiskussion, in Arbeitsgruppen wurden später Themen wie Volunteering, Kommunikation und gesellschaftliche Innovationen vertieft. Die als „internationale Keynote-Speakerin“ angekündigte Anthropologin Tinna Christiansen Nielsen bemühte sich nach Kräften um eine inspirierende Rede. Für viele war es ein Zeichen der Hoffnung, dass eine Anthropologin auf dem CSR-Tag reden durfte: Die Community öffnet sich – und das ist auch dringend erforderlich.

Für mich war das absolute Highlight die Eröffnung des diesjährigen Gastgebers Wolfgang Eder, CEO der voestalpine. Eder skizzierte die Geschichte seines Unternehmens und hob dabei hervor, wie wichtig unangenehmer Druck von außen für diese Geschichte war. Mit Josef Buchner gab es einen Bürger und schließlich Politiker, der mit der in den 1970er Jahren nicht gerade optimalen Umweltperfomance des Unternehmens nicht zufrieden war – und richtig Ärger machte.
Aber so sehr er die Manager ärgerte und deren Reputation gefährdete, so sehr, betonte Eder, hat Buchner gemeinsam mit anderen Aktivistinnen und Aktivisten auch zum nachhaltigen Erfolg der voestalpine beigetragen. Denn: Dass die Oberösterreicher heute ein global erfolgreiches Unternehmen sind, das sich vor klimapolitischen Entwicklungen nicht wirklich fürchten muss, hängt mit – wie Eder zugab – durchaus schmerzhaften Lernprozessen zusammen. Modern formuliert: Weil externe Stakeholder dem Management auf die Finger hauten und die Öffentlichkeit mobilisierten, setzten interne Veränderungsprozesse ein, die das Unternehmen zukunftsfähiger gemacht haben.

Dieser Zusammenhang zwischen Druck und Erfolg gilt natürlich nicht nur für Stahlproduzenten, sondern für alle: Von Automobilzulieferern über Banken bis Chemieunternehmen kann jede Branche davon profitieren, wache und aktive Stakeholder zu haben. Dass das keine harmonische Veranstaltung ist, sollte auch klar sein. Es geht nicht um nachhaltiges Schmusen, sondern um die richtige Mischung aus KooTextperation und Konflikt. In Linz konnte man lernen, dass wirtschaftlicher Erfolg ohne kritische Partnerschaften eine Illusion ist. Gegenseitige Wertschätzung, aber auch gegenseitige Beobachtung und offene Kritik sind nicht nur sozialökologische Tugenden, sondern auch Faktoren des ökonomischen Fortschritts.

Fred Luks privater Blog findet sich unter www.fredluks.com.

Gesellschaftliche Herausforderungen im Fokus

Nachhaltigkeit geht alle an. Klimawandel, soziale Gerechtigkeit, Wohlstand – diese und andere Themen sind von zentraler Bedeutung für eine lebenswerte Zukunft. Die UN hat mit der „Agenda 2030“ eine weltweit anerkannte Leitlinie für globale Nachhaltigkeit geschaffen, zu der sich auch die Bank Austria bekennt. Denn gerade wenn es um Wirtschaft geht, sind Nachhaltigkeit und Verantwortung wichtige Handlungskriterien.
In dieser Kolumne schreibt Fred Luks, Nachhaltigkeitsexperte und Leiter des Kompetenzzentrums für Nachhaltigkeit an der Wiener Wirtschaftsuniversität, über Themen, Trends und Herausforderungen in Sachen Zukunftsgestaltung.