UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator
Höhere Inflation durch Iran-Konflikt wird Erholung der österreichischen Wirtschaft geringfügig verlangsamen
- Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator verschlechterte sich bereits im Vorfeld des Iran-Konflikts geringfügig auf minus 0,5 Punkte
- Stimmungsverschlechterung in allen Wirtschaftssektoren, vor allem in der Bauwirtschaft, doch Pessimismus der Verbraucher ließ nach
- Iran-Konflikt wird die zaghafte Erholung der heimischen Wirtschaft nur wenig verlangsamen: Wir senken unsere BIP-Prognose um jeweils 0,1 Prozentpunkte auf 0,9 für 2026 und 1,4 Prozent für 2027
- Geopolitische Unsicherheiten werden die Investitionsbereitschaft dämpfen und die höhere Inflation wird sich negativ auf die Konsumdynamik auswirken
- Arbeitsmarkt bleibt stabil: Arbeitslosenquote sollte 2026 und 2027 leicht auf 7,3 bzw. 7,2 Prozent zurückgehen
- Wir gehen von einer überschaubaren Dauer der militärischen Operationen gegen den Iran von einigen Wochen aus und einem kontinuierlichen Nachlassen der Störungen der Energieversorgung danach
- Der Anstieg der Energiepreise kehrt dennoch den Inflationsrückgang in Österreich um: Wir heben unsere Inflationsprognose für 2026 von 1,9 Prozent auf 2,5 Prozent an
- 2027 könnte die Teuerung mit 2,2 Prozent um 0,2 Prozentpunkte höher als bisher angenommen ausfallen
- EZB in Wartestellung: Vorerst keine Leitzinserhöhung zu erwarten

Bereits im Vorfeld des Ausbruchs des Iran-Konflikts hat der positive Stimmungstrend der vergangenen Monate nicht mehr gehalten. „Die Konjunktureinschätzung der Unternehmen in Österreich hat sich im Februar leicht verschlechtert. Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator verringerte sich geringfügig auf minus 0,5 Punkte. Trotz des Rückgangs lag der Indikator – abgesehen vom Vormonat – auf dem höchsten Wert seit dem Sommer 2022“, meint UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer und ergänzt: „Während der Pessimismus der heimischen Verbraucher deutlich nachgelassen hat, verschlechterte sich die Stimmung der Unternehmer. Besonders stark trübte sich die Stimmung am Bau ein. Sie sank sogar auf den niedrigsten Wert seit der Finanzkrise 2009. Obwohl von der globalen Industrie positive Signale ausgingen, nahm auch in der heimischen Industrie die Stimmung ab.“
In allen Wirtschaftssektoren wurde die Geschäftslage ungünstiger als im langjährigen Mittel beurteilt. Die Dienstleistungsunternehmen blieben jedoch zumindest optimistischer als im Euroraum, während die Stimmung am Bau seit mittlerweile acht Jahren und in der Industrie seit immerhin dreieinhalb Jahren schlechter als im Euroraum ist.
Die Erholung der österreichischen Wirtschaft verläuft zaghaft und schwankend und kämpft sich in nur kleinen Schritten voran. „Durch den Angriff der USA und Israels auf den Iran wurden die Karten für die österreichische Wirtschaft wieder neu gemischt. Die geopolitischen Unsicherheiten werden die Wachstumsaussichten belasten, zumal die De-facto-Blockade der Straße von Hormus, die negativen Auswirkungen auf die Versorgung mit Öl und Gas hat, die Inflation erhöhen wird. Dennoch sollte die österreichische Wirtschaft auch in diesem herausfordernden Umfeld die eingeschlagene Erholung fortsetzten können, wenn auch mit etwa geringerem Tempo“, meint Bruckbauer.
Die Ökonomen der UniCredit Bank Austria gehen von einer beschränkten Dauer der militärischen Operationen in der Golfregion von wenigen Wochen aus. Dafür spricht zum einen, dass die Wahrscheinlichkeit steigt, dass sich das iranische Regime halten kann, wenn eine große Eskalation mit Störung der eigenen Ölexporte und der Entfremdung von anderen Golfstaaten durch den Iran vermieden wird. Zum anderen besteht vor allem von den USA kein Interesse vor den Wahlen im Herbst einen langwierigen Krieg zu führen.
Geringeres Erholungstempo, aber keine Rezession
„Angesichts der zusätzlichen Belastungen haben wir unsere Wachstumsprognose für die österreichische Wirtschaft geringfügig zurückgenommen. Wir senken unsere BIP-Prognose um jeweils 0,1 Prozentpunkte auf 0,9 für 2026 und 1,4 Prozent für 2027. Die geopolitischen Unsicherheiten dämpfen die Investitionsbereitschaft und die höhere Inflation wird sich ungünstig auf die Konsumdynamik auswirken“, erwartet UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl und ergänzt: „Die zaghafte Erholung der heimischen Wirtschaft wird sich etwas verlangsamen, aber nicht zum Stillstand kommen. Die österreichische Wirtschaft hat sich widerstandsfähiger als erwartet gegenüber dem Zollschock erwiesen und sollte diese Widerstandsfähigkeit auch weiter zeigen können.“
Das schwächste Glied in der Kette wird in den kommenden Monaten der private Konsum sein. Die Entwicklung der Nominallöhne liefert wenig Impulse für die reale Kaufkraft. Allerdings sollte die Dämpfung der Konsumdynamik überschaubar bleiben, da die aktuellen Spannungen nur zu kurzfristigen Stimmungsschwankungen führen dürften, so dass über eine weitere Verringerung der Sparquote beinahe ein Ausgleich stattfinden dürfte.
Entspannung am Arbeitsmarkt sollte sich dennoch durchsetzen
Die geringfügige Verlangsamung des Erholungstempos sollte sich nicht auf die langsam einsetzende Entspannung der Lage am Arbeitsmarkt auswirken. Wenn die Dauer des Konflikts begrenzt bleibt, ist unterstützt durch einen verhaltenen Anstieg des Arbeitskräfteangebots von einem leichten Rückgang der Arbeitslosenquote auf 7,3 Prozent 2026 und 7,2 Prozent 2027 auszugehen.
Energiepreise bewegen die Inflation
„Derzeit gehen wir von einem relativ schnellen Ende der Kampfhandlungen aus, was es ermöglichen würde, dass sich die Energiepreise bis Ende 2026 wieder den Niveaus annähern, die vor Beginn des militärischen Konflikts vorherrschten. Zum Jahresende sollten sich demnach der Gaspreis bei 35 Euro pro MWh und der Ölpreis bei rund 60 EUR pro Barrel einpendeln. Im Jahresdurchschnitt 2026 dürfte der TTF Erdgaspreis bei etwa 40 EUR pro MWh und der Rohölpreis bei rund 65 Euro pro Barrel liegen“, erwartet Pudschedl.
Der Anstieg der Öl- und Gaspreise wird zwar bei günstiger Entwicklung der Krise nur temporär sein, aber dennoch Wirkung zeigen und die Inflation in den kommenden Monaten erhöhen. Nachdem die Teuerung in Österreich in den ersten beiden Monaten 2026 weitgehend am EZB-Ziel angekommen war, ist nun von einer längeren Phase über dem Zielwert von 2 Prozent mit Werten bis an die Marke von 3 Prozent auszugehen.
„Wir haben unsere Inflationsprognose von 1,9 Prozent im Jahresdurchschnitt 2026 auf 2,5 Prozent angehoben, unter der Annahme eines überschaubaren Zeitrahmens des Konflikts und keiner weiteren Eskalationen, die sich negativ auf die Energiepreise auswirken und die Wahrscheinlichkeit von Zweitrundeneffekten erhöhen würden. Auch für 2027 ist mit 2,2 Prozent mit einer etwas höheren Inflation, als bis vor kurzem angenommen, zu rechnen“, so Pudschedl
Kein Schnellschuss der EZB
Da der ungünstige Einfluss auf die Konjunktur bei beschränkter Dauer des Kriegs überschaubar und auch der Anstieg der Inflation in einem relativ engen und vorübergehenden Rahmen bleiben dürfte, gehen wir davon aus, dass sich die Europäische Zentralbank auf eine Warteposition zurückzieht. Solange die Inflationserwartungen stabil bleiben, ist vorläufig mit keinen Veränderungen der derzeitigen Geldpolitik zu rechnen. „Wir gehen davon aus, dass der nächste Schritt der EZB eine Leitzinserhöhung um 25 Basispunkte in der zweiten Jahreshälfte 2027 sein wird. Die Risiken einer Zinsveränderung in diesem Jahr haben sich allerdings von einer weiteren Lockerung hin zu einer möglichen Zinserhöhung verschoben“, meint Bruckbauer abschließend.


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