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Wachstum – Postwachstum – „ehrliches Wachstum“?

Wachstum oder nicht? Das ist von Anfang an eine zentrale Frage der Debatte über Nachhaltigkeit gewesen. Spätestens seit dem berühmten Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ von 1972 steht das Verhältnis von Wirtschaftswachstum und Umwelt auf der Tagesordnung – und ist heute aktueller denn je: Wachstum ist eines der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, und die Klima- und Energiestrategie der österreichischen Bundesregierung setzt auf die Versöhnung von Ökologie und Ökonomie.

Dass man beides – den Schutz der Umwelt und die Expansion der Wirtschaft – verbinden kann, ist heute die Mehrheitsmeinung in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Vor allem der technische Fortschritt gilt als wichtiger Faktor, der Wachstum in einer endlichen Welt ermöglichen soll. Unumstritten ist diese Hoffnung auf Technik und Innovation allerdings nicht. Manche zweifeln daran, dass technischer Fortschritt und Strukturwandel ökologische Nachhaltigkeit sicherstellen können.

Begriffsungetüme wie „Postwachstum“ oder „Degrowth“ stehen für eine Wirtschaft, deren Erfolg sich nicht am Wachstum misst und deren Funktionieren nicht von dauernder Expansion abhängig ist. Allein in diesem Sommer finden drei internationale Konferenzen zu diesem Thema statt.

Umstritten ist also, ob und wie man ein zentrales wirtschaftspolitisches Ziel – Wachstum – und ein zentrales umweltpolitisches Ziel – Schrumpfung der Umweltbelastung – zusammenbringen kann. Viele Studien zeigen deutlich, dass Wirtschaftswachstum ein wichtiger Treiber von Umweltbelastungen ist. Die Hoffnung auf „grünes Wachstum“ basiert nicht selten auf einer Ausblendung dieser Erkenntnisse und der Grenzen technischer Strategien.

Die Gegenposition „Postwachstum“ ignoriert andererseits oft die (welt )wirtschaftliche Realität, die von gut gemeinten Postwachstumsphantasien denkbar weit entfernt ist: China, Indien und viele südostasiatische Staaten weisen beeindruckend hohe Wachstumszahlen auf. So auch im Bereich Flugverkehr: In den nächsten zwei Jahrzehnten wird sich die Zahl der Flugpassagiere und der Flugzeuge weltweit in etwa verdoppeln – die Hälfte dieser Flugzeuge wird für asiatische Fluggesellschaften fliegen.

Die Lage ist also kompliziert – und einfache Lösungen sind hier schlicht nicht zu haben. Die Hoffnung, dass die Technik „uns retten“ wird, ist in Zeiten einer allumfassenden Digitalisierung natürlich verführerisch. Aber womöglich auch trügerisch: Nach jahrzehntelangen Debatten über Nachhaltigkeit ist zwar viel erreicht worden – Umweltprobleme nehmen aber nach wie vor zu, und von wirksamer Klimaschutzpolitik ist die Welt trotz mittlerweile über 20 Klimakonferenzen bisher leider weit entfernt.

Aktuelle Diskussionen schwanken also zwischen technikoptimistischen Träumen vom „grünen Wachstum“ und dem kulturpessimistischen Wunsch nach „Postwachstum“. Vielleicht braucht es einen dritten Weg: Die Idee eines „ehrlichen Wachstums“ würde anerkennen, dass beide Strategien nach dem heutigen Stand der Dinge womöglich Irrwege sind. Ein ehrliches Wachstumsziel würde sich zur „friedensstiftenden“ Funktion wirtschaftlicher Expansion bekennen, aber gleichzeitig sein bisheriges ökologisches Scheitern in Rechnung stellen. Das wäre auch ein authentischer Umgang mit dem Ziel der „Nachhaltigkeit“: Alle bekennen sich zu ihr – aber wenn es drauf ankommt, gewinnt das Wachstum: Ökonomische Belange stechen bis heute ökologische Belange so gut wie immer aus, wenn es zu Zielkonflikten kommt.

Nun – das ist vielleicht zu radikal gedacht. Fest steht: Ganz ohne technischen Fortschritt kann es natürlich keine nachhaltige Entwicklung geben. Aber notwendig ist eben auch ein anderes Konsumverhalten. Wie eine Kombination aus diesen Strategien ein erfolgreiches Wirtschaften und den Schutz unserer Umwelt sicherstellen kann, ist eine zentrale Herausforderung unserer Zeit: für die Nachhaltigkeitspolitik und die Wirtschaft ebenso für die Wissenschaft und für Konsumentinnen und Konsumenten.

Stand: 27. Mai 2018

Gesellschaftliche Herausforderungen im Fokus

Nachhaltigkeit geht alle an. Klimawandel, soziale Gerechtigkeit, Wohlstand – diese und andere Themen sind von zentraler Bedeutung für eine lebenswerte Zukunft. Die UN hat mit der „Agenda 2030“ eine weltweit anerkannte Leitlinie für globale Nachhaltigkeit geschaffen, zu der sich auch die Bank Austria bekennt. Denn gerade wenn es um Wirtschaft geht, sind Nachhaltigkeit und Verantwortung wichtige Handlungskriterien.
In dieser Kolumne schreibt Fred Luks, Nachhaltigkeitsexperte und Leiter des Kompetenzzentrums für Nachhaltigkeit an der Wiener Wirtschaftsuniversität, über Themen, Trends und Herausforderungen in Sachen Zukunftsgestaltung.

Fred Luks privater Blog findet sich unter www.fredluks.com.   

Fred Luks

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