Test der Widerstandsfähigkeit vor dem Winter

  • In Europa steht ein schwieriger Winter bevor, aber wir glauben, dass die CEE-Region eine Energiekrise vermeiden kann, selbst wenn Russland alle Erdgasexporte nach Europa stoppt.
  • Wir erwarten eine technische Rezession im Zeitraum 4Q21-1Q23, verursacht durch hohe Energiepreise, vorsichtige Verbraucher, negative Kredit- und Steuerimpulse, Lagerabbau, Importe, die die Exporte übersteigen, geringe Zuflüsse von EU-Fonds und sinkende öffentliche Investitionen. Eine allmähliche Erholung ist in 2H23 möglich.
  • Wir prognostizieren eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in der EU-CEE-Region1 von 4,3% im Jahr 2022 auf 0,8% im Jahr 2023, wobei die westlichen Balkanländer in diesem Jahr zurückbleiben und 2023 überdurchschnittlich wachsen dürften. Für die Türkei erwarten wir ein Wirtschaftswachstum von 5,5% im Jahr 2022 und 3,2% im Jahr 2023. In Russland rechnen wir mit einem Rückgang der Wirtschaft um rund 5% in diesem Jahr und 4% im Jahr 2023, wobei der Gesamtrückgang unserer vorherigen Prognose entspricht.
  • Die Inflation dürfte in diesem Winter in allen CEE-Ländern ihren Höhepunkt erreichen, wobei die Inflationsdynamik nur noch in Ungarn zunimmt. Wir erwarten, dass die Inflation im Jahr 2023 aufgrund höherer Energiepreise für die Endkunden, einer robusten Inlandsnachfrage und der angespannten Arbeitsmärkte deutlich über dem Zielwert bleiben wird.
  • Wir glauben, dass die CNB ihren Straffungszyklus bei 7% und die NBH bei 13% beendet haben. Wir gehen davon aus, dass die NBP ihre Zinserhöhungen bei 7%, die NBR bei 6% und die NBS bei 5% beenden werden. Die CBRT wird ihren Leitzins wahrscheinlich auf einen einstelligen Wert senken und 2023 stark anheben, falls die Opposition die Parlamentswahlen gewinnen sollte. Wir erwarten, dass die CBR ihre Zinssenkungen bei 7% beenden wird.
  • Wir erwarten, dass die Devisenmarktinterventionen in der Tschechischen Republik, Polen, Rumänien, Serbien und der Türkei fortgesetzt werden. Nur die CNB erwägt, ihre Devisenverkäufe auslaufen zu lassen.
  • Neben einem langwierigen Konflikt zwischen Russland und der Ukraine und seinen möglichen Auswirkungen auf Europa sehen wir folgende Risiken: 1. Russlands Unfähigkeit, Importe aus dem Westen zu ersetzen, 2. potenzielle Wirtschaftssanktionen, wenn die Türkei weiterhin mit Russland zusammenarbeitet, 3. geringe EU-Transfers, da sich die Europäische Kommission auf die Rechtsstaatlichkeit konzentriert, 4. Populismus vor den Wahlen, der sich auf die Wirtschaftspolitik und die Ratings auswirkt, 5. die geopolitische Isolation Ungarns mit möglichen Auswirkungen auf ausländische Direktinvestitionen, 6. der langwierige Wahlzyklus Bulgariens und die mögliche Verschiebung der Euro-Einführung und 7. Serbiens politische Umstrukturierung, um eine Entscheidung zwischen Europa und Russland zu vermeiden.

 

Quelle: UniCredit Research – CEE Quarterly, Erstveröffentlichung der deutschen Übersetzung am 28. September 2022, Kurzzusammenfassung

   
1  EU-CEE bezieht sich auf die MOE-Länder, die Mitglied der EU sind: Bulgarien, Kroatien, Polen, Rumänien, die Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn.

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