Im Spannungsfeld geopolitischer und wirtschaftlicher Schocks

  • Wir prognostizieren eine technische Rezession in der ganzen CEE-Region über den Winter aufgrund der sinkenden Kaufkraft und Auslandsnachfrage, strengerer Finanzierungsbedingungen und geringerer Haushaltsausgaben. Ein Aufschwung ist ab 2H23 wahrscheinlich, wenn sich auch die Wirtschaft der Eurozone erholt.
  • Wir gehen davon aus, dass die Volkswirtschaften in der EU-CEE-Region im Jahr 2023 um rund 0,5% und im Jahr 2024 um 3,3% wachsen werden, was eine Verlangsamung gegenüber den 4,4% im Jahr 2022 bedeutet. Der Westbalkan könnte hinter der EU-CEE-Erholung zurückbleiben.
  • In der Türkei erwarten wir ein Wirtschaftswachstum von 2,9% im Jahr 2023 und 3,6% im Jahr 2024, wobei sich das Wachstum im Jahr 2024 nur verbessern wird, wenn die finanziellen Risiken nach den Wahlen im Jahr 2023 angegangen werden. In Russland könnte sich die Rezession im Jahr 2023 auf -5% beschleunigen, gefolgt von einer leichten Erholung auf etwa 2,5% im Jahr 2024, wenn sich die Importsubstitution verbessert und eine allmähliche Erholung des Gesamtangebots unterstützt.
  • Wir prognostizieren, dass die Inflation in 1Q23 sowohl in der EU-CEE-Region als auch in den westlichen Balkanländern ihren Höhepunkt erreichen wird. Danach könnten fiskalische Transfers, angespannte Arbeitsmarktbedingungen und höhere Energie- und Lebensmittel¬preise die Inflation in den Jahren 2023-24 außerhalb der Zielbereiche halten.
  • Daher sehen wir den Spielraum für Zinssenkungen in der EU-CEE-Region bis 2024 auf 4,5-7% begrenzt, während wir in der Türkei eine Anhebung der Zinssätze auf 45% in diesem Jahr erwarten, falls die Opposition die Wahlen gewinnt. In Russland sind Zinssenkungen auf 6,5% möglich, wenn die Inflation bis 2024 wieder das Ziel erreicht.
  • Alle Zentralbanken in Mittel- und Osteuropa werden weiterhin an den Devisenmärkten intervenieren, wobei die Zentralbanken in Rumänien und Serbien erfolgreicher seien dürften. Die CBR könnte eine allmähliche Abwertung des RUB zulassen.
  • Wir gehen davon aus, dass der Krieg zwischen Russland und der Ukraine bis ins Jahr 2024 andauern wird, ohne dass es zu einer Eskalation mit dem Einsatz nicht-konventioneller Waffen und/oder einem Übergreifen auf das übrige Europa kommt.
  • Neben einem schädlicheren Konflikt sind die Hauptrisiken für die CEE-Region im Jahr 2023 das Fehlen einer gemeinsamen europäischen Energiepolitik, eine Pattsituation zwischen der Europäischen Kommission und Ungarn sowie Polen aufgrund der schwachen Einhaltung der Rechtsstaatlichkeit, eine geringe Reformbereitschaft vor den Wahlen in Bulgarien, Polen, der Slowakei und der Türkei, eine Finanzkrise in der Türkei, wenn die Geld- und Fiskalpolitik nach den Wahlen nicht gestrafft wird, nationalistische Spannungen auf dem westlichen Balkan und die zunehmende wirtschaftliche Isolation Russlands.

 

Quelle: UniCredit Research – CEE Quarterly, Erstveröffentlichung der deutschen Übersetzung am 25. Jänner 2023, Kurzzusammenfassung

   
1  EU-CEE bezieht sich auf die MOE-Länder, die Mitglied der EU sind: Bulgarien, Kroatien, Polen, Rumänien, die Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn.

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