Zeit für eine Normalisierung der Geldpolitik

  • Wir gehen davon aus, dass die Volkswirtschaften in der EU-CEE1-Region und in den westlichen Balkanländern 2021 um rund 6% und 2022 um 4,6% wachsen werden. Die Wirtschaft der Türkei könnte 2021 um 9,7% und 2022 um 5,5% wachsen. In Russland dürfte sich das BIP-Wachstum von 4% im Jahr 2021 auf 2,4% im Jahr 2022 abschwächen.
  • Vor Ende 2022 könnten die Produktionslücken in Ungarn, Polen, Rumänien, Russland, Serbien, Slowenien und der Türkei positiv werden.
  • Die aufgestaute Nachfrage treibt den Aufschwung im Jahr 2021 an, unterstützt durch die im Jahr 2020 angehäuften Ersparnisse sowie durch steigende Löhne und Beschäftigung. Die Exporte tragen zum Wachstum bei, dank der starken Nachfrage nach Autos, einer Rekordernte, der Rückkehr ausländischer Touristen und, in der Türkei, dank Wettbewerbsgewinnen durch die Währungsabwertung.
  • Im Jahr 2022 könnten die Investitionen stärker zum Wachstum beitragen, was in der EU und den CEE-Ländern durch Auszahlungen aus dem EU-Programm für Wiederaufbau und
    Stabilität (RRF = Recovery and Resilience Fund), in Russland durch Ausgaben aus dem Nationalen Wohlstandsfonds und in der Türkei durch die Lockerung der Finanzierungsbedingungen unterstützt werden dürfte.
  • Die Fiskalpolitik stellt ein Risiko für das mittelfristige Wachstum dar, da populistische Ausgaben die Haushaltskonsolidierung erschweren, die grüne Energie einen Rückschlag erleidet, Strukturreformen nur unzureichend umgesetzt werden und nationalistische Bestrebungen die wirtschaftlichen Ziele beeinträchtigen.
  • Engpässe in der Versorgungskette, steigende Energiepreise und eine lebhafte Verbrauchernachfrage könnten die Inflation länger als von den Zentralbanken derzeit erwartet außerhalb der Zielspanne halten. Eine weitere Straffung der Geldpolitik ist erforderlich, um Preisstabilität zu gewährleisten. 2
  • Aufgrund der strukturell angespannten Arbeitsmarktbedingungen erwarten wir, dass die Inflation in der EU-CEE-Region in den kommenden Jahren von der Inflation in der Eurozone abweichen wird, was die Zentralbanken in der EU-CEE-Region zu einer weiteren Straffung zwingen könnte. Die CBR muss möglicherweise den Realzinssatz aufgrund unbeweglicher Strukturen im positiven Bereich halten. Die CBRT hat ihr Inflationsmandat aufgegeben, mit potenziellen Konsequenzen für die Finanzstabilität.

 

Quelle: UniCredit Research – CEE Quarterly, 20. Oktober 2021, Kurzzusammenfassung

 

   
1 EU-CEE bezieht sich auf die CEE-Länder, die Mitglied der EU sind: Bulgarien, Kroatien, Polen, Rumänien, die Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn.
2 Unser aktueller Inflations- und geldpolitischer Ausblick wird in den EEMEA Special Topics - CEE: High time for rate hikes, veröffentlicht am 16. September,
dargelegt.

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