Unruhen in Europa: Die Auswirkungen des Russland-Ukraine-Konflikts auf die CEE-Region

  • Wir gehen davon aus, dass die Volkswirtschaften in der EU-CEE-Region1 und im Westbalkan im Jahr 2022 um etwa 4,0% und 2023 um 4,4% wachsen werden, was einer Abschwächung von einem Wachstum von 5,1% im Jahr 2021 entspricht. Die aufgestaute Verbrauchernachfrage dürfte den Aufschwung im 1H22 vorantreiben, während die Investitionen und Exporte durch nachlassende Effekt aus den Unterbrechungen der Lieferketten im 2H22 und 2023 gestützt werden könnten. Zuschüsse und Darlehen aus dem NGEU-Programm werden die öffentlichen Investitionen in den Jahren 2022-23 unterstützen.
  • In all diesen Ländern wird die Wirtschaftstätigkeit bis Ende 2022 wahrscheinlich wieder das Niveau, aber nicht den Wachstumstrend vor der Pandemie erreichen.
  • In der Türkei erwarten wir ein Wirtschaftswachstum von 4,7% im Jahr 2022 und von 4,1% im Jahr 2023, obwohl Risiken für die Finanzstabilität die positiven Auswirkungen der Zinssenkungen untergraben könnten.
  • Die russische Wirtschaft könnte 2022-23 jährlich um etwa 2,2% wachsen und damit in die Nähe ihres Potenzials zurückkehren, wobei die Haushaltseinkommen langsamer wachsen und der Kreditimpuls negativ werden dürfte. Die geplanten Transfers aus dem Nationalen Wohlstandsfonds sollten die öffentlichen Investitionen ankurbeln.
  • Die Inflation wird ihre Ziele 2022 wahrscheinlich verfehlen, da die Angebotsschocks größer und länger anhaltend sein könnten als in Westeuropa. Der Rückgang der Inflationsraten könnte durch angespannte Arbeitsmärkte in Mitteleuropa gebremst werden, wo die Inflationsziele für 2023 ebenfalls gefährdet sind.
  • Die Leitzinsen dürften im 1H22 in Ungarn und Rumänien auf 3%, in Polen auf 3,5% und in der Tschechischen Republik auf 4,5% angehoben werden. Die NBS wird den Leitzins vor Jahresende vermutlich auf 2% anheben. Die NBH, die NBR und die NBS könnten durch Liquiditätsmanagement und Devisenmarktinterventionen eine zusätzliche Straffung vornehmen. Lediglich von der CNB wird erwartet, dass sie den Leitzins vor Ende 2022 um 25 Basispunkte senkt.
  • Die realen Leitzinsen werden voraussichtlich aufgrund der für 2022 erwarteten Straffung der Finanzpolitik und des Kaufkraftverlusts der privaten Haushalte infolge von Angebotsschocks niedrig gehalten werden. Weitere Vorsichtsmaßnahmen dürften die Finanzierungsbedingungen verschärfen, wobei die Kreditvergabe an die privaten Haushalte weiter rasch ansteigt.
  • Die CBRT und die CBR werden die Zinssätze 2022 wahrscheinlich senken, aber die Finanzierungsbedingungen in der Türkei könnten sich dennoch verschärfen, wenn der USDTRY weiter ansteigt. Wir gehen davon aus, dass die CBR den Leitzins bis 2023 auf 5% anheben wird, während wir in der Türkei eine deutliche Umkehr der Zinssenkungen erwarten.
  • Die wichtigsten (geo-)politischen Risiken im Jahr 2022 ergeben sich unserer Ansicht nach aus dem Patt zwischen der EU und Ungarn sowie Polen, den knappen Parlamentswahlen in Ungarn, der Migrantenkrise an der Ostgrenze der EU, den ethnischen Spannungen in Bosnien- Herzegowina, den fragilen Regierungskoalitionen in Rumänien, der Slowakei, Slowenien und der Türkei, den möglichen Sanktionen gegen Russland, den Gaslieferungen nach Europa und den sozialen Unruhen aufgrund der hohen Energie- und Lebensmittelpreise.

 

Quelle: UniCredit Research – CEE Quarterly, 30. März 2022, Kurzzusammenfassung

   
1  EU-CEE bezieht sich auf die MOE-Länder, die Mitglied der EU sind: Bulgarien, Kroatien, Polen, Rumänien, die Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn.

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