UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex im August
Erholung der österreichischen Industrie nimmt Fahrt auf
- Der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex stieg im August auf 49,1 Punkte, den höchsten Wert seit drei Jahren
- Spürbare Produktionsausweitung zu Lasten der Auftragspolster
- Die Zollpolitik der USA hinterlässt Spuren: Neugeschäft weiter stark rückläufig
- Die Lieferzeiten verlängerten sich im August den dritten Monat in Folge
- Die Bemühungen um eine Verbesserung der Produktivität und der Wettbewerbsfähigkeit hielten das Tempo des Beschäftigtenabbaus hoch
- Die Ertragslage der heimischen Betriebe wurde durch den erneut starken Kostenanstieg belastet
- Die Industrie erwartet anhaltendes Wachstum: Der Index der Produktionserwartungen auf Jahressicht sank zwar im August auf 57,1 Punkte, übertraf jedoch erneut klar den langjährigen Durchschnitt
Über den Sommer hat sich die Industriekonjunktur in Österreich spürbar aufgehellt. „Der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex stieg im August auf 49,1 Punkte. Der Indikator erreicht damit den höchsten Wert seit drei Jahren und unterschreitet die Neutralitätslinie von 50 Punkten nur noch knapp“, meint UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer.
Die positive Entwicklung in Österreich wird von der Verbesserung der Industriekonjunktur in ganz Europa begleitet, insbesondere in Deutschland treibt ein recht kräftiger Rückenwind das verarbeitende Gewerbe voran. „Der vorläufige Einkaufsmanagerindex für den Euroraum übertraf im August mit 50,5 Punkten erstmals seit drei Jahren die Marke von 50 Punkten, die auf Wachstum hinweist. Dazu hat die anhaltende Erholung des verarbeitenden Gewerbes in Deutschland wesentlich beigetragen. Der vorläufige Einkaufsmanagerindex stieg auf 49,9 Punkte, ebenfalls der beste Wert seit drei Jahren“, meint Bruckbauer und ergänzt: „Positiv stimmt vor allem der Anstieg der Auftragseingänge. Angesichts der US- Zollpolitik, die sich in sinkenden Exportaufträgen niederschlug, könnte dies auf eine erfreuliche Resilienz der europäischen Industrie sowie Stärkung des Binnenmarkts hindeuten.“
Die Entwicklung des Neugeschäft der österreichischen Industrie war weiter ungünstiger als im Euroraum, zeigte aber auch eine leichte Verbesserungstendenz. „Die Verlangsamung der Auftragsrückgänge und die Ausweitung der Produktionsleistung waren im August maßgeblich für den Anstieg des UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndizes um immerhin 0,9 Punkte gegenüber dem Vormonat. Der starke Abbau der Vormateriallager sowie das anhaltend hohe Tempo bei der Reduktion des Personalstands weisen darauf hin, dass die Verunsicherung der heimischen Betriebe angesichts der widrigen Umstände, wie den US-Zöllen und den geopolitischen Risiken, noch hoch ist. Zudem belastet der neuerlich hohe Kostenanstieg“, fasst Bruckbauer die wichtigsten Ergebnisse der monatlichen Umfrage zusammen.
Mehr Produktion, weniger Auftragsrückstände
Obwohl sich der Rückgang der Auftragseingänge im August fortsetzte, wurde die Produktionsleistung erhöht. „Erstmals seit mehr als drei Jahren haben die heimischen Industriebetriebe ihre Produktion spürbar ausgeweitet. Der Produktionsindex stieg auf 52,5 Punkte“, meint UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl und ergänzt: „Allerdings war die Produktionsausweitung nur durch die Aufarbeitung von Auftragsrückständen möglich, da sich das Neugeschäft weiter rückläufig entwickelte. Die Auftragseingänge nahmen im August jedoch nicht mehr so stark ab, wie in den Vormonaten. Auch die Nachfrage aus dem Ausland schwächte sich mit geringerem Tempo ab, aber rund ein Viertel der befragten Betriebe waren weiterhin von sinkenden Auslandsbestellungen betroffen.“
Der Index für das Neugeschäft stieg um 1,6 auf 47,8 Punkte und verbesserte sich damit deutlich stärker als der Index für die Exportaufträge, der nur um 0,7 auf 47,0 Punkte zulegte. Während sich, unterstützt durch die gesunkenen Zinsen, die abwartende Haltung der Inlandskunden zu lösen beginnt, dämpft die protektionistische Handelspolitik der USA die Auslandsnachfrage.
Verlängerung der Lieferzeiten
Die Ausweitung der Produktion schlug sich im August erneut in einem starken Rückgang der Bestände an Vormaterialien nieder, denn die Beschaffungsmengen an Rohstoffen und Vorprodukten wurden nicht erhöht. Erstmals seit drei Jahren wurden die Einkaufsmengen jedoch auch kaum mehr reduziert. Dies führte angesichts zum Teil niedriger Lagerbestände für einzelne Komponenten auf Lieferantenseite sowie Verzögerungen im Seefrachtverkehr zu einer Verlängerung der Lieferzeiten. Nach einer zweieinhalb Jahre andauernden Phase, in der sich die Lieferzeiten angesichts schwacher Nachfrage und Überkapazitäten kontinuierlich verkürzten, haben sich die Lieferzeiten im August nun den dritten Monat in Folge verlängert.
Beschäftigungsabbau geht weiter
Trotz der Ausweitung der Produktion wurde der Personalstand in den heimischen Betrieben im August weiter stark reduziert, sogar etwas stärker als im Vormonat. Der Beschäftigtenindex sank auf 45,6 Punkte.
„Der Personalabbau in der heimischen Industrie wird noch einige Zeit andauern. Zum einen besteht angesichts der langen Rezessionsphase immer noch ein Nachholbedarf bei der Anpassung der Personalkapazitäten an die niedrigeren Produktionserfordernisse. Zum anderen werden infolge der starken Lohnkostenanstiege sowie der Herausforderungen durch die US-Zollpolitik die Bemühungen zur Erhöhung der Produktivität und Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit fortgesetzt werden“, so Pudschedl und ergänzt: „Die Arbeitslosenquote in der österreichischen Industrie stieg bis August auf saisonbereinigt 4,4 Prozent. Nach 3,8 Prozent im Jahr 2024 erwarten wir für 2025 einen Anstieg der Arbeitslosenquote im Sektor auf 4,5 Prozent im Jahresdurchschnitt.“
Anhaltender Kostenanstieg
„Während die Inputpreise in der Industrie im Euroraum, gedämpft durch den Rückgang der Ölpreise und des starken Euros, stagnierten, kam es in Österreich im August zu einem weiteren deutlichen Anstieg der Kosten. Der Index für die Einkaufspreise stieg auf 52,6 Punkte. Höhere Energie- und Lohnkosten belasten die heimischen Industriebetriebe stärker als europäische Mitbewerber und sorgen für einen höheren Inflationsdruck“, meint Pudschedl.
Da die höheren Kosten angesichts der noch zurückhaltenden Nachfrage nicht an die Kunden weitergegeben werden konnten, sanken die Verkaufspreise im August erneut, jedoch mit deutlich geringerem Tempo als in den Vormonaten. Insgesamt führten die gegensätzlichen Preistrends im Einkauf und Verkauf zu einer weiteren Belastung der Ertragslage der heimischen Industriebetriebe.
Industrie im Aufwind
Der erneute Anstieg des UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex, gestützt vor allem auf eine Ausweitung der Produktion und eine nachlassenden Auftragsschwäche, signalisiert, dass sich die österreichische Industrie wieder im Aufwind befindet. Der fragile Verbesserungstrend der vergangenen Monate verstärkte sich im dritten Quartal spürbar. Der Index der Produktionserwartungen erreichte im August 57,1 Punkte.
„Die Erholung der Industrie in Österreich nimmt Fahrt auf. Die Produktion steigt und das Nachfrageumfeld zeigt Anzeichen einer Stabilisierung. Zudem blicken die Betriebe mehrheitlich wieder optimistisch in die Zukunft. Seit fünf Monaten liegen die Produktionserwartungen bereits über dem langjährigen Durchschnitt. Allerdings dämpfen Herausforderungen wie die US-Zollpolitik, geopolitische Unsicherheiten sowie die verschlechterte Wettbewerbsposition die Aussichten. Die heimische Industrie ist jedoch auf dem Weg nach zwei Rezessionsjahren wieder in Schwung zu kommen und das Jahr 2025 mit einem Produktionsplus von zumindest 1,5 Prozent real abschließen zu können,“ meint Bruckbauer.
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UniCredit Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
Walter Pudschedl, Tel.: +43 (0)5 05 05-41957;
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