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Eingereicht von: Diakonie Zentrum Spattstraße gemeinnützige GmbH, Mag. Andrea Boxhofer
Projektstart: 01.09.2021
Kategorie: Kinder/Jugendliche


 Ergebnis:
 49,1%

Interview mit Doris Rögner, Leiterin der Schatzkiste - Diakonie Zentrum Spattstraße gemeinnützige GmbH

Doris Rögner

„Gewinner des Bank Austria Sozialpreises Oberösterreich 2021“: Wie hört sich das an? Was war Ihre erste Reaktion?
Wir haben uns natürlich riesig gefreut, dass wir den Preis gewonnen haben. Für mein Team, das sich ja erst am 1. September konsolidiert hat, war es eine großartige Überraschung, dass wir Gewinner des Bank Austria Sozialpreises sind.

Wie haben Sie selbst die letzten Wochen und Tage des Votings erlebt?
Es war bis zuletzt sehr spannend. Man konnte die Entwicklung nur einsehen, wenn man gevotet hat, und war daher immer darauf angewiesen, dass einem jemand, der gerade gevotet hat, informiert, wie es momentan steht. Wir haben natürlich alle in unserem Umfeld motiviert, für uns abzustimmen. Und ich möchte an dieser Stelle den vielen UnterstützerInnen danken, besonders auch meinem Lebensgefährten, der im Gegensatz zu mir Facebook nützt und seine Freunde höchst erfolgreich mobilisiert hat.

Beschreiben Sie bitte noch einmal kurz, was Ihr Projekt ausmacht?
Unser Projekt heißt „Schatzkiste“ und unterstützt Eltern in sehr schwierigen Lebenslagen, dabei, dass ihre Kinder trotzdem glücklich aufwachsen können. In den ersten 3 Lebensjahren werden entscheidende Weichen für das ganze weitere Leben gestellt. Deshalb kommen die Eltern schon sehr früh, möglichst ab der Geburt mit ihrem Baby in die „Schatzkiste“. Sie lernen dort, was ein Baby braucht, wie man es gut versorgt und sie werden dabei unterstützt eine gute Bindung aufzubauen. Es geht oft um ganz praktische elementare Dinge wie z.B. eine Suppe zu kochen oder die Wäsche zu waschen. Wenn eine Mama das in der eigenen Herkunftsfamilie nicht gelernt hat und vielleicht noch eine Lernbeeinträchtigung hat, ist so etwas schon eine große Herausforderung. Und wer von Ihnen selber Kinder hat, weiß, dass es sehr schwer ist, sich fröhlich und gelassen um ein quengelndes Kind zu kümmern, wenn man vielleicht selber gerade einen schlechten Tag hat. Wir begleiten Eltern, die 90% schlechte Tage haben: weil sie Geldsorgen haben, keine Unterstützung vom Partner oder den eigenen Eltern erhalten, chronisch krank sind, usw… Ein Elternteil kommt mit dem Kind 5x die Woche zu uns. Es wird auf ganz unterschiedlichen Ebenen gearbeitet: Von Gruppenangeboten, wo Eltern etwas über kindliche Entwicklung lernen, über psychotherapeutische Angebote und ein spezielles Videotraining, das die Eltern befähigt, ihr Kind besser zu verstehen. Einen Teil des Tages verbringen die Eltern gemeinsam mit dem Kind bei uns, ein paar Stunden kann das Kind auch ohne Eltern betreut werden. In dieser Zeit können die Eltern ihre Arzttermine wahrnehmen, den Haushalt auf die Reihe bekommen und wieder Kraft tanken für die Zeit mit dem Kind. Wenn z.B. eine Mutter unter starken Depressionen leidet, hat sie wenig Energie, sie lächelt das Kind kaum an und spricht auch wenig mit ihm. Sie ist oft sehr müde, sei es von den Medikamenten oder der Krankheit selber. Wir arbeiten mit der Mutter daran, dass das besser wird. So lange kann das Kind aber nicht warten, wenn es nicht in der Zwischenzeit noch jemand anderen gibt, der mit dem Kind spricht und es anlächelt. Die Babys haben bei uns einen sicheren Platz mit liebevollen Betreuerinnen, die sich um sie kümmern. Sie bekommen die Anregungen, die sie für eine gesunde Entwicklung brauchen.

Wie werden Sie das Preisgeld von 6.000 Euro konkret für Ihr Projekt einsetzen?
Manche Eltern schaffen es einfach nicht, in der Früh pünktlich in der „Schatzkiste“ zu sein, wir wollen ja, dass auch Familien kommen können, die etwas weiter vom Standort weg wohnen. Mit dem Preisgeld möchten wir einen Abholdienst installieren. Außerdem möchten wir noch ein paar spezielle Spielgeräte zur Bewegungsentwicklung kaufen und mit den Familien ab und zu Ausflüge unternehmen.

Warum ist es aus Ihrer Sicht notwendig, Projekte ins Leben zu rufen, die einen Nutzen für Kinder/Jugendliche/die Gesellschaft stiften?
Es gibt viele unterschiedliche Angebote in der sozialen Landschaft, aber auch vielfältige Problemlagen und Bedürfnisse, die sich natürlich auch mit den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen verändern. Deshalb braucht es immer wieder neue Projekte, die darauf reagieren. Der wissenschaftliche Begleiter unseres Projekts hat recherchiert und festgestellt, dass die Schatzkiste europaweit das erste Angebot ist, das intensiv, 5 Tage die Woche über einen längeren Zeitraum an der Verbesserung der Eltern-Kind-Bindung arbeitet, praktische Unterstützung und Struktur im Alltag schafft, Entlastung für die Eltern und ein stabiles förderndes Umfeld für die Kinder bietet.

Wie wichtig war es, den Bank Austria Sozialpreis auch in Corona-Zeiten planmäßig durchzuführen?
Der Bank Austria Sozialpreis ist gerade in Zeiten der Pandemie besonders wichtig. Die sozialen Probleme sind ja nicht verschwunden, sondern haben sich im Gegenteil oft noch verschärft. Es ist unbedingt notwendig, hier gegenzusteuern, und dazu trägt der Bank Austria Sozialpreis ganz sicher bei. Und letztlich sehnen wir uns ja alle nach einem Stückchen Normalität, und ich freue mich, dass wir das heute Abend, bei der Preisverleihung ein bisschen erleben dürfen.

Fotocredits: © Diakonie Zentrum Spattstraße © iStock: Mädchen mit der Schatzkiste, Mama mit Kind


Das Projekt

Das Projekt „Schatzkiste“ arbeitet an fünf Tagen in der Woche mit psychosozial belasteten Eltern am Thema Bindung in den ersten Lebensjahren. Forschungen haben ergeben, dass eine sichere Bindung in den ersten Lebensjahren die wichtigste Grundlage für die gesunde Entwicklung eines Kindes darstellt. Psychosozial hoch belastete Familien benötigen von Anfang an intensive Unterstützung beim Bindungsaufbau zu ihrem Baby. Im Rahmen eines intensiven Programmes steht diesen Familien eine verlässliche und stabile Bezugsperson zur Verfügung. Gleichzeitig werden Eltern entlastet, während die Kinder stabile ergänzende Bindungspersonen für ihre ersten drei Lebensjahre erhalten. Geboten werden ein tägliches Frühstück für Eltern und Kinder, eine gemeinsame angeleitete Qualitätszeit, tagsüber Betreuung in einem familiären, stabilen, bindungsfördernden Rahmen inklusive Mittagessen, wöchentliche Elternbildungsmodule sowie Einzelvideocoachings für die Eltern auf Basis des erprobten Programmes STEEPTM*. Dadurch soll die Hauptbezugsperson von Anfang an unter Anleitung lernen, feinfühlig auf das Kind einzugehen, um das in Folge zunehmend auch ohne Anleitung zu schaffen.

Das Hauptziel des Projektes ist, Chancen von sozial benachteiligten Kindern nachhaltig zu verbessern und ihnen ein gesundes Aufwachsen in ihrer Familie zu ermöglichen. Die Zielgruppe sind Eltern mit psychiatrischer Diagnose – z.B. im Anschluss an einen stationären Aufenthalt, Mütter mit postpartaler Depression, Eltern mit Suchterkrankungen, Eltern mit Beeinträchtigung/Lernbehinderung und sehr junge Eltern und/oder Eltern, bei denen die emotionale Reife (noch) nicht gegeben ist. Eltern werden durch die Schatzkiste in ihrer Erziehungskompetenz gefördert und dabei unterstützt, eine sichere Bindung zu ihrem Kind aufzubauen. Gleichzeitig geht es auch darum, wenig belastbare Eltern durch das Kinderbetreuungsangebot zu entlasten. Die Kinder erhalten in der Schatzkiste stabile Bindungspersonen und ein entwicklungsförderndes Umfeld. Dass so frühzeitig, intensiv und langfristig mit Eltern und Kindern in einem bindungsfördernden Setting gearbeitet wird ist neu und in dieser Form einzigartig in Österreich. 

Die Hauptmotivation zur Einreichung für den Bank Austria Sozialpreis 2021 ist die finanzielle Unterstützung beim Start eines neuen Projekts. Durch den Bank Austria Sozialpreis können den Familien Zusatzangebote wie z.B. Ausflügen und Workshops angeboten werden. Außerdem könnte mithilfe des Preisgelds die Ausstattung der Räumlichkeiten noch bedarfsgerechter gestaltet werden. 

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Kundinnen und Kunden der Bank Austria können sich aktiv beteiligen, indem sie bei entsprechendem Interesse und Eignung ehrenamtlich am Projekt mitwirken. Dabei reichen die Möglichkeiten von der punktuellen Unterstützung einzelner Aktivitäten, wie z.B. Projektnachmittagen oder Ausflügen über das Anbieten von Workshops (z.B. Kochen mit den Eltern, Basteln, Fotografieren, Malen, Nähen, etc.) bis hin zur Übernahme eines Patenamtes für einzelne Kinder. 

Das STEEPTM * Programm wurde in den USA entwickelt. Der Name STEEP ist die Abkürzung für Steps Toward Effective, Enjoyable Parenting, was übersetzt soviel bedeutet wie: Schritte hin zu gelingender und Freude bereitender Elternschaft. Das Programm wird im Diakonie Zentrum Spattstraße schon viele Jahre erfolgreich angewendet.