UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator
Weitere leichte Aufhellung der Konjunkturdynamik
- Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator stieg im August auf minus 0,7 Punkte und verbesserte sich damit leicht gegenüber dem Juli
- Stimmungsverbesserung bei Industrie, Bau, Verbrauchern und im Export, nicht jedoch im Dienstleistungssektor, der weiterhin unter der hohen Inflation leidet
- Nach einem leichten Minus im zweiten Quartal bieten sich günstigere Aussichten für die zweite Jahreshälfte, jedoch begrenzen die anhaltenden geopolitischen Spannungen die Konjunkturverbesserung
- Das schwache Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent im Gesamtjahr 2026 dürfte einen leichten Anstieg der Arbeitslosenquote auf 7,5 Prozent im Jahresdurchschnitt nach sich ziehen
- Die Beschleunigung des BIP-Anstiegs 2027 auf 1,2 Prozent sollte zu einer leichten Verbesserung am Arbeitsmarkt führen
- Fehlende Entspannung im Nahen Osten führt zu höherer Inflation auch 2027, Prognose steigt daher von 2,5 auf 2,8 Prozent – EZB dürfte deswegen im Dezember die Zinsen nochmals auf 2,75 Prozent anheben

Trotz fehlender Entspannung im Nahen Osten hat sich die Konjunkturstimmung in Österreich auch im August leicht verbessert. „Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator stieg im August auf minus 0,7 Punkte und erreichte damit erneut den höchsten Stand seit Beginn des US-Angriffs auf den Iran und der Blockade der Straße von Hormus“, meint UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer und ergänzt: „Bei Industrie, Bau, Verbrauchern und im Export setzte sich die Stimmungsverbesserung, wenn auch verhalten, fort. Die gestiegenen Inflationserwartungen ließen jedoch die Stimmung im Dienstleistungssektor wieder etwas sinken.“
Industrie, Bau, Verbraucher und Export mit besserer Stimmung als vor Kriegsbeginn
Trotz der Belastungen durch den Krieg im Iran hat sich das Konjunkturklima seit Jahresbeginn in Industrie, Bau, bei Verbrauchern und im Export verbessert. Lediglich im Dienstleistungssektor fiel die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage im August deutlich schwächer aus als zu Jahresbeginn.
„Erneut hat sich die Stimmung in der heimischen Industrie, aber auch am Bau, aufgehellt. Die entsprechenden Indikatoren erreichten wieder Werte wie 2023 und liegen damit deutlich höher als 2025, die Stimmung der Verbraucher zumindest leicht über 2025. Lediglich der Dienstleistungssektor bleibt deutlich pessimistischer als letztes Jahr, belastet durch die Unsicherheit bei der Kostenentwicklung“, erläutert Bruckbauer.
Obwohl die Stimmung der Konsumenten weiterhin im langjährigen Vergleich unterdurchschnittlich ist und damit im pessimistischen Bereich liegt, hat sie doch am stärksten zur Verbesserung des Konjunkturindikators im August beigetragen. Gleichzeitig ist die Stimmung im Dienstleistungssektor, obwohl diese ebenfalls unterdurchschnittlich und im August gegenüber Juli sogar leicht gesunken ist, derzeit wieder deutlich besser als zu Beginn des Sommers.
Die gestiegene Stimmung im Baugewerbe gegenüber dem Juli wurde vom Baunebengewerbe bestimmt, das eine deutliche Verbesserung meldete. Weiterhin bleibt aber die Stimmung der Bauwirtschaft in allen Teilbereichen im negativen Bereich. In der Industrie trugen eine weiter verbesserte Auftragslage und eine leichte Entspannung beim Kostendruck zur Stimmungsaufhellung bei, was im August auch zu einer Erhöhung der Produktion sowie erstmals auch der Beschäftigung führte. Zudem profitierte die exportorientierte Wirtschaft von einem günstigeren internationalen Umfeld. Der mit den österreichischen Handelsanteilen gewichtete Indikator für die globale Industriestimmung stieg im August erneut leicht an, insbesondere aufgrund der verbesserten Entwicklung in Europa.
„Trotz der erneuten leichten Aufhellung blieb die Stimmung in allen Wirtschaftssektoren im pessimistischen Bereich und lag teilweise deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage in Österreich war zudem bereits den sechsten Monat in Folge schwächer als im Euroraum. Positiv ist, dass sich dieser Rückstand in vielen Bereichen verringerte. Die größte Differenz zum Euroraum besteht im Bereich der Bauwirtschaft“, erklärt UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.
Erholung unter schwierigen Bedingungen
Nachdem die Auswirkungen des Iran-Kriegs und Sonderfaktoren im zweiten Quartal die erwartete Delle in der österreichischen Wirtschaft mit einem Minus von 0,1 Prozent verursacht haben, stützen die aktuellen Stimmungsindikatoren die Erwartung einer schrittweisen Konjunkturerholung. Allerdings haben die getrübten Hoffnungen auf ein dauerhaftes Abkommen zwischen dem Iran und den USA sowie auf eine Normalisierung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus die Risken erneut erhöht. Vor allem die wieder stark gestiegenen Energiepreise, allen voran des Gaspreises, in Europa, bilden ein Risiko. Trotzdem sollte die verbesserte Stimmung im dritten Quartal sich positiv auf die wirtschaftliche Entwicklung auswirken.
So wie im ersten Halbjahr sollte der Konsum auch im zweiten Halbjahr die Konjunktur stützen, sowohl der private als auch der öffentliche Konsum. Die Fortsetzung der Erholung der Investitionen in Maschinen und Anlagen und ein weniger starker weiterer Rückgang der Bauinvestitionen könnten zur Erholung der österreichischen Wirtschaft beitragen. Unterstützung kommt dabei vor allem vom Außenhandel, wenn auch weniger von den Exporten als vom Rückgang der Importe. Die globale Unsicherheit und die hohen Energiepreise dämpfen jedoch die weitere Verbesserung der Aussichten.
„Trotz fehlender Entspannung der geopolitischen Lage sollte die bereits zu Jahresbeginn erkennbare moderate Erholungstendenz wieder einsetzen. Wir erwarten daher weiterhin ein Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent für 2026“, so Pudschedl. Auch 2027 dürfte zunächst noch von den Nachwirkungen des Iran-Kriegs geprägt sein. Ein stabileres geopolitisches Umfeld und die Normalisierung der Energiemärkte sollten jedoch die Erholung über eine stärkere Inlandsnachfrage festigen. Unter diesen Rahmenbedingungen ist ein etwas stärkerer Anstieg des BIP um 1,2 Prozent möglich.
Arbeitsmarkt stabil angespannt
Trotz der schwachen Konjunktur zeigt sich der österreichische Arbeitsmarkt weiterhin robust. Die Zahl der Arbeitssuchenden stieg seit Jahresbeginn nur moderat um rund 3.500 Personen und ging im August sogar zurück, unterstützt von einem erkennbaren Beschäftigungszuwachs. Zudem stützen der anhaltende Fachkräftemangel und das nur noch langsam wachsende Arbeitskräfteangebot die Nachfrage nach Beschäftigten. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote verharrt seit dem Frühjahr bei 7,6 Prozent.
Mit der erwarteten schrittweisen Erholung der Wirtschaft sollte sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten stabilisieren und im Verlauf des Jahres 2027 sogar ein leichter Rückgang der Arbeitslosenquote einsetzen können. „Nach dem Anstieg der Arbeitslosenquote auf durchschnittlich 7,5 Prozent im Jahr 2026 sollte die wirtschaftliche Belebung 2027 zu einer allmählichen Entspannung beitragen. Im Jahresdurchschnitt erwarten wir eine Arbeitslosenquote von 7,4 Prozent", so Pudschedl.
Teuerung steigt im August trotz Mehrwertsteuersenkung wieder über 3 Prozent
Steigende Treibstoffpreise haben die Inflation in Österreich im August erneut über 3 Prozent steigen lassen. Nach vorläufigen Schätzungen stieg die Inflationsrate im August auf 3,2 Prozent. Dass der Anstieg nicht stärker ausfiel, war wesentlich der Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel geschuldet. In den ersten acht Monaten des Jahres betrug die durchschnittliche Inflationsrate 3,0 Prozent.
Der Inflationsdruck bleibt in den kommenden Monaten hoch. Darauf deutet die weiterhin über 3 Prozent liegende Kerninflation hin. Neben der starken Preisdynamik im Dienstleistungssektor bestehen Risiken stärkerer Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln infolge hitzebedingter Ernteausfälle. Zudem dürften die Preise für Energie im gesamten zweiten Halbjahr deutlich über jenen des Vorjahres liegen und damit zur Inflation beitragen, die gegen Jahresende 2026 bzw. Jahresbeginn 2027 sogar wieder die 4 Prozent erreichen könnte.
„Weiterhin erwarten wir für Österreich im Jahresdurchschnitt 2026 eine Inflationsrate von 3,2 Prozent. Auch im Euroraum wird die Teuerung über dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank liegen“, so Pudschedl. 2027 dürfte die Inflation aufgrund der hohen Energiepreise, vor allem bei Gas, mit 2,8 Prozent in Österreich höher als bisher erwartet ausfallen.
Erneute Straffung der Geldpolitik im Dezember wahrscheinlich
Für die Europäische Zentralbank bleibt die Lage herausfordernd. Bei etwas besserer Konjunktur im ersten Halbjahr, als erwartet, steigt die Inflationsrate aufgrund der Energiepreise wieder an und könnte 4 Prozent erreichen. Hinzu kommen Risiken durch steigende Nahrungsmittelpreise und mögliche Zweitrundeneffekte des Energiepreisanstiegs.
„Die geopolitischen Risiken im Nahen Osten, die Unsicherheit auf den Energiemärkten und die robuste Entwicklung der Arbeitsmärkte sprechen dafür, dass die EZB ihren Straffungszyklus noch nicht abgeschlossen hat. Wir rechnen daher mit einer Anhebung der Leitzinsen um weitere 25 Basispunkte bei der Dezember-Sitzung auf dann 2,75 Prozent“, so Bruckbauer.
Unter der Annahme, dass es zu keiner weiteren Eskalation an den Energie- und Rohstoffmärkten kommt, dürfte dieser Schritt den Endpunkt des aktuellen Straffungszyklus markieren. Aufgrund der Risiken einer verfestigten Inflation könnte eine restriktive Geldpolitik jedoch länger notwendig bleiben und eine mögliche Lockerung gegen Ende 2027 verzögern.


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UniCredit Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
Stefan Bruckbauer, Tel.: +43 (0) 5 05 05-41951;
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