27.08.2026

UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex im August
Industrieaufschwung gewinnt an Breite und Dynamik

  • Der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex stieg im August auf 54,4 Punkte und erreichte den höchsten Wert seit dem Frühjahr 2022
  • Kräftige Produktionsausweitung gestützt auf mehr Nachfrage aus dem In- und Ausland 
  • Erstmals seit 40 Monaten erhöhten die heimischen Industriebetriebe ihren Personalstand 
  • Anhaltend starker Kostenauftrieb führt erneut zu Verschlechterung der Ertragslage trotz etwas stärkerer Preissetzungsmacht 
  • Der Aufbau der Bestände an Vormaterialien stand erneut einem Abbau der Bestände an Fertigwaren gegenüber, um die Rohstoffversorgung abzusichern und Preisschwankungen vorzubeugen
  • Optimismus macht sich breit: Der Erwartungsindex für die Produktion stieg auf 61,5 Punkte und erreichte den höchsten Wert seit Beginn des Iran-Konflikts 



 

„Der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex ist im August 2026 auf 54,4 Punkte gestiegen und erreichte damit den höchsten Wert seit dem Frühjahr 2022. Gegenüber dem Vormonat legte der Indikator um 2,9 Punkte zu und liegt damit nun deutlich über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten“, meint UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer und ergänzt: „Die österreichische Industrie hat ihren Erholungskurs im August deutlich beschleunigt. Rückenwind kam dabei vor allem von der kräftigen Erholung der deutschen Industrie und der steigenden Nachfrage im Rest der Eurozone.“ 
Der vorläufige Einkaufsmanagerindex für die verarbeitende Industrie im Euroraum kletterte auf 52,8 Punkte. Ausschlaggeben war insbesondere die Entwicklung in Deutschland, wo der Index auf 54,1 Punkte anstieg. Auch in Frankreich überstieg der Einkaufsmanagerindex im August nach dem Rückschlag im Vormonat mit 51,5 Punkten wieder die Wachstumsschwelle. 

Die Verbesserung der Industriekonjunktur war auf breiter Ebene erkennbar. „Aufgrund des gestiegenen Neugeschäfts aus dem In- und Ausland wurde die Produktion in Österreich im August stark ausgeweitet. Dadurch stieg erstmals seit über drei Jahren wieder die Beschäftigung. Der Kostendruck blieb hoch, doch verbesserte sich die Weitergabe der höheren Kosten an die Kunden. Im Lagermanagement wurde angesichts anhaltender Lieferkettenprobleme der Versorgungssicherheit weiterhin hohe Priorität eingeräumt“, fasst Bruckbauer die wichtigsten Ergebnisse der monatlichen Umfrage zusammen. 

Produktion und Aufträge zogen kräftig an
Hauptverantwortlich für den Anstieg des UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex im August war die deutliche Verbesserung der Auftragsentwicklung. Der Index für die Neuaufträge stieg auf 53,6 Punkte und überschritt erstmals seit dem Frühjahr nachhaltig die Wachstumsschwelle. Auch die Exportaufträge entwickelten sich erfreulich und der Indikator erhöhte sich auf 53,2 Punkte. Mit der günstigeren Nachfrage im Rücken weitete die heimischen Industriebetriebe ihre Produktionsleistung stark aus. 

„Der Produktionsindex stieg auf 56,0 Punkte und erreichte den höchsten Wert seit über vier Jahren. Gleichzeitig verbesserten sich die Neu- und Exportaufträge spürbar, wodurch die Erholung auf einer deutlich breiteren Basis steht als noch vor wenigen Monaten. Der Anstieg des Auftragsbestands auf 52,4 Punkte spricht zudem für eine höhere Auslastung der Produktionskapazitäten“, meint UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.

Erster Beschäftigungsaufbau seit mehr als drei Jahren 
Mit dem verbesserten Geschäftsumfeld hellte sich auch die Lage am Arbeitsmarkt auf. Der Beschäftigungsindex stieg im August auf 51,3 Punkte und signalisiert damit erstmals seit rund 40 Monaten wieder einen Beschäftigungsaufbau in der österreichischen Industrie. 

Mit etwas mehr als 618.000 Beschäftigten lag der Personalstand in den ersten acht Monaten des laufenden Jahres jedoch weiterhin um rund 6.500 Personen unter dem Vorjahreswert. Den höchsten Anteil am Beschäftigungsrückgang verzeichneten die Herstellung von Metallerzeugnissen mit 18 Prozent vor der Glaserzeugung mit 13,5 Prozent sowie die Metallerzeugung und die Kunststoffherstellung mit jeweils rund 10 Prozent. Angesichts von saisonbereinigt etwas mehr als 18.000 Arbeitssuchenden betrug die Arbeitslosenquote aktuell unverändert 4,4 Prozent und damit gleich viel wie in den vergangenen sechs Monaten. Mit durchschnittlich 4,4 Prozent im Jahresdurchschnitt 2026 wird die Arbeitslosenquote etwas höher als in den beiden Vorjahren mit jeweils 4,3 Prozent ausfallen. Dennoch bleibt die Arbeitslosenquote in der Industrie deutlich niedriger als in der Gesamtwirtschaft mit 7,4 Prozent.

„Der Beschäftigungsaufbau im August markiert eine wichtige Trendwende. Obwohl die Beschäftigung noch unter dem Vorjahresniveau liegt, deutet die erstmalige Ausweitung des Personalstands seit mehr als drei Jahren darauf hin, dass die Unternehmen die verbesserte Konjunkturlage zunehmend als nachhaltig einschätzen“, so Pudschedl.

Lageraufbau zur Absicherung der Produktion
Die heimischen Industriebetriebe erhöhten ihre Einkaufsaktivitäten. Der Index für die Einkaufsmenge stieg auf 53,4 Punkte, während die Vormateriallager mit 51,1 Punkten weiter aufgebaut wurden. Gleichzeitig gingen die Fertigwarenlager mit 48,1 Punkten leicht zurück. 

„Die Unternehmen stellen derzeit die Absicherung ihrer Produktion in den Vordergrund. Der weitere Aufbau von Vormaterialbeständen zeigt, dass Versorgungssicherheit angesichts geopolitischer Risiken und weiterhin verlängerter Lieferzeiten hohe Priorität besitzt“, meint Pudschedl und ergänzt: „Der Index für die Lieferzeiten betrug 40,3 Punkte, was auf eine erneute Verlängerung der Lieferzeiten hinweist. Zwar deutet der Anstieg gegenüber dem Vormonat darauf hin, dass sich die Versorgungslage zuletzt etwas entspannt hat, von einer vollständigen Normalisierung der Lieferketten kann jedoch noch keine Rede sein. Der Aufbau von Vormaterialbeständen dient daher weiterhin dazu, mögliche Produktionsunterbrechungen zu vermeiden und sich gegen Preisschwankungen abzusichern.“

Hoher Kostendruck hält an
Trotz der verbesserten Geschäftslage blieb der Kostenauftrieb beträchtlich. Der Index für die Einkaufspreise lag im August bei 68,8 Punkten und signalisiert weiterhin kräftig steigende Kosten für Rohstoffe und Vorleistungen. Die Verkaufspreise erhöhten sich ebenfalls und erreichten 58,0 Punkte, was auf eine etwas stärkere Preissetzungsmacht der Unternehmen hindeutet. 

„Die Unternehmen können einen Teil der höheren Kosten mittlerweile wieder stärker an ihre Kunden weitergeben. Dennoch bleibt der Margendruck hoch, da die Kosten weiterhin schneller steigen als die Verkaufspreise. Die Ertragslage vieler Industriebetriebe bleibt daher angespannt“, meint Pudschedl.

Optimismus auf Mehrjahreshoch
Die Geschäftserwartungen der heimischen Industriebetriebe verbesserten sich im August deutlich. Der Erwartungsindex stieg auf 61,5 Punkte und erreichte damit den höchsten Stand seit Beginn der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten. Zudem erhöhte sich das Indexverhältnis von Neuaufträgen zu Fertigwarenlagern auf 1,11, was für die kommenden Monate weitere Produktionssteigerungen zur Erfüllung des Neugeschäfts erwarten lässt.

„Die österreichische Industrie dürfte ihren Erholungskurs vorerst fortsetzen. Erstmals seit längerer Zeit steigen Produktion, Aufträge und Beschäftigung gleichzeitig. Gemeinsam mit dem kräftigen Industrieaufschwung in Deutschland bzw. der gesamten Eurozone spricht dies dafür, dass die Erholung inzwischen deutlich breiter abgestützt ist als noch vor wenigen Monaten. Geopolitische Risiken, Lieferkettenprobleme und der hohe Kostendruck bleiben jedoch wesentliche Unsicherheitsfaktoren. Daher wird erst in den kommenden Monaten sichtbar werden, ob das aktuell erreichte Wachstumstempo nachhaltig aufrechterhalten werden kann“, meint Bruckbauer abschließend.  

Rückfragen:
UniCredit Bank Austria Economics & Market Analysis Austria 
Walter Pudschedl, Tel.: +43 (0) 5 05 05-41957;
E-Mail: walter.pudschedl@unicreditgroup.at