UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator
Konflikt in der Golfregion belastet weiterhin Österreichs Wirtschaft
- Brüchiges Abkommen zwischen USA und Iran dämpft die Konjunkturstimmung: Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator sank im Juni auf minus 1,8 Punkte
- Verschlechterung der Stimmung in der Industrie und im Dienstleistungssektor, aber etwas weniger Pessimismus zur Jahresmitte am Bau
- Konjunkturdelle im zweiten Quartal aufgrund der Belastungen durch den Krieg im Iran, doch günstigere Aussichten für die zweite Jahreshälfte, falls die aktuelle Eskalation begrenzt bleibt
- BIP-Anstieg im Gesamtjahr 2026 und 2027 unverändert mit 0,8 Prozent bzw. 1,2 Prozent erwartet
- Anhaltende Verschlechterung am Arbeitsmarkt: Anstieg der Arbeitslosenquote auf 7,5 Prozent 2026 erwartet
- Inflationsprognose für 2026 von 3,4 auf 3,2 Prozent und für 2027 von 2,6 auf 2,5 Prozent gesenkt
- Noch eine Leitzinsanhebung der EZB um 25 Basispunkte nach dem Sommer erwartet

Das fehlende Vertrauen in ein stabiles Abkommen zwischen den USA und dem Iran hat die Konjunkturstimmung in Österreich zur Jahresmitte wieder eingetrübt. „Nach der leichten Verbesserung im Vormonat sank der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator im Juni auf minus 1,8 Punkte. Nach minus 0,8 Punkte in den ersten drei Monaten des Jahres hat sich angesichts des Kriegs in der Golfregion der Indikator im zweiten Quartal auf durchschnittlich minus 1,7 Punkte verschlechtert“, meint UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer und ergänzt: „Für das gerade abgelaufene zweite Quartal zeigt der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator nach den moderaten Wachstumsraten der Vorquartale eine Konjunkturverlangsamung an. Wir gehen für die vergangenen drei Monate von einer Stagnation der österreichischen Wirtschaft im Vergleich zum Jahresbeginn aus. Dennoch dürfte das BIP in Österreich im ersten Halbjahr um 0,8 Prozent im Jahresvergleich zugelegt haben.“
Besonders starke Stimmungsverschlechterung bei den Dienstleistern
Angesichts der Belastungen durch den Krieg im Iran war in allen Bereichen der österreichischen Wirtschaft zu Beginn des Sommers 2026 das Konjunkturklima ungünstiger als noch zu Beginn des Jahres. „Besonders stark fiel der Stimmungseinbruch seit Jahresbeginn im Dienstleistungssektor aus, gedämpft von einer gestiegenen Verunsicherung der heimischen Konsumenten. Doch auch in der Industrie und in der Bauwirtschaft war die Konjunkturlage deutlich stärker angespannt“, meint Bruckbauer und ergänzt: „Während sich im Juni die Stimmung im Dienstleistungssektor und in der Industrie im Vergleich zum Vormonat wieder eintrübte, zeigte sich zumindest am Bau eine gewisse Stabilisierung der Lage.“
Die Stimmung am Bau war Mitte des Jahres jedoch weiter sehr angespannt. Insbesondere im Hochbau fehlte es an Neugeschäft, während sich die Auftragslage im Tiefbau und in den Nebengewerben leicht verbesserte. Die ungenügende Auftragslage war neben den höheren Kosten für Energie und Personal verantwortlich für den erneut gestiegenen Pessimismus in der heimischen Industrie. Vor allem in der Stahlindustrie und beim Maschinenbau nahmen die Sorgen deutlich zu. Zudem sorgte der Außenhandel nur begrenzt für Impulse. Der mit den österreichischen Handelsanteilen gewichtete Indikator für die globale Industriestimmung verschlechterte sich im Juni, belastet vor allem von einer schwächeren Konjunktur in den USA und Asien. Den stärksten Anteil am Rückgang des UniCredit Bank Austria Konjunkturindikators, sowohl im Vergleich zum Jahresbeginn als auch gegenüber dem Vormonat, hatte im Juni die Verschlechterung der Stimmung im Dienstleistungssektor. Der anhaltende Anstieg der Arbeitslosigkeit und die gestiegene Inflation bremsten die Kauflust der heimischen Konsumenten. Dies sorgte insbesondere im Handel, im Gastgewerbe und auch bei den Reisebüros für einen nachlassenden Geschäftsgang.
„Die Stimmung lag in allen Sektoren der heimischen Wirtschaft zur Mitte des Jahres im pessimistischen Bereich – im Dienstleistungssektor und in der Industrie noch weiter unter dem langjährigen Durchschnitt als im Vormonat. Zudem war in allen Wirtschaftssektoren in Österreich die Stimmung im Juni den dritten Monat in Folge schlechter als im Euroraum. Besonders deutlich war erneut der Abstand in der Industrie, doch auch im Dienstleistungssektor ist die Lücke groß. Sowohl in der Industrie als auch im Dienstleistungssektor hat sich bei gegensätzlicher Entwicklung im Juni die Abweichung der Konjunkturstimmung zwischen Österreich und dem Euroraum zudem erhöht“, meint UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.
Vorsichtiger Optimismus nach Stagnation zur Jahresmitte
Im zweiten Quartal hat die heimische Industrie allerdings ausschließlich dank des Energiesektors leicht expandieren können. Während die Bauwirtschaft ihre Produktionsleistung halten konnte, mussten viele Dienstleistungsbereiche, wie unter anderem der Handel, dagegen Umsatzrückgänge verzeichnen. Nach dem daraus entstandenen Stillstand der Gesamtwirtschaft der vergangenen Monate werden die Entwicklungen in der Golfregion die Aussichten weiterhin wesentlich beeinflussen.
„Wir gehen davon aus, dass es sich bei den jüngsten Spannungen zwischen den USA und dem Iran mit gegenseitigen Angriffen um eine begrenzte und temporäre Eskalation handelt und eine endgültige Beendigung des Konflikts in einem absehbaren Zeitrahmen erfolgt. Angesichts eines ausreichenden Marktangebots an Erdöl unter Berücksichtigung der konjunkturell bedingt schwächeren Nachfrage und vorhandener Reserven sollte es trotz der Transferprobleme über die Straße von Hormus nicht zu einem unmittelbaren Versorgungsschock mit übermäßig hohen Preisanstiegen kommen. Damit dürfte in den kommenden Monaten die Inflation die Entwicklung des Konsums und die Investitionsbereitschaft der heimischen Unternehmen nicht mehr so stark bremsen wie im zweiten Quartal. Mit der Entspannung der geopolitischen Lage sollte die moderate Erholungstendenz des Jahresbeginns wieder einsetzen. Wir erwarten weiterhin ein Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent für 2026“, meint Pudschedl.
Der Start ins Jahr 2027 wird von den Nachwehen des Kriegs im Iran gekennzeichnet sein und das Erholungstempo der österreichischen Wirtschaft moderat halten. Inflationswerte über der Marke von 3 Prozent, angeheizt durch Zweitrundeneffekte, werden die reale Kaufkraft beschränken. Daher ist mit einer eher verhaltenen Konsumnachfrage in den ersten Monaten des Jahres 2027 zu rechnen. Auch die Investitionsneigung dürfte gedämpft bleiben. Vor allem in der Industrie wirken strukturelle Belastungsfaktoren und die durch die US-Zollpolitik abgeschwächte Außenhandelsentwicklung bremsend auf die Investitionstätigkeit.
„Mit der voraussichtlich deutlich sinkenden Inflation im zweiten Halbjahr 2027 dürfte sich die Erholung der Konsum- und Investitionsnachfrage weiter festigen. Wir sind zuversichtlich, dass die österreichische Wirtschaft im kommenden Jahr einen stabilen Wachstumspfad verfolgen kann. Vor diesem Hintergrund erscheint ein etwas kräftigerer Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 1,2 Prozent realistisch“, so Pudschedl.
Arbeitslosigkeit steigt vorerst weiter
Die zu Jahresbeginn erkennbaren Anzeichen einer Trendwende am Arbeitsmarkt haben sich inzwischen vollständig verflüchtigt. Die durch den Iran-Krieg ausgelöste Konjunkturabschwächung hat in den vergangenen Monaten zu einer Verschlechterung der Lage am Arbeitsmarkt geführt. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote lag im Juni bei 7,6 Prozent. Damit übertraf sie den Wert zu Jahresbeginn allerdings nur um 0,1 Prozentpunkte, da der leichte Beschäftigungszuwachs den Anstieg der Zahl der Arbeitssuchenden teilweise abfedern konnte.
„Für 2026 erwarten wir einen Anstieg der Arbeitslosenquote auf durchschnittlich 7,5 Prozent. Mit einer Beruhigung der geopolitischen Lage und einer Normalisierung der Energiepreise sollte die Erholung der österreichischen Wirtschaft wieder einsetzen und im Jahr 2027 einen positiven Trend am Arbeitsmarkt ermöglichen. Unterstützt wird diese Entwicklung durch einen nur moderaten Anstieg des Arbeitskräfteangebots infolge demografischer Faktoren. Auch die Stabilisierung in der beschäftigungsintensiven Bauwirtschaft sowie die schrittweise Erholung in der Industrie sollten dazu beitragen. Die wichtigste Stütze der Trendwende am Arbeitsmarkt wird jedoch der Dienstleistungssektor sein“, meint Pudschedl.
Inflationsdruck etwas geringer trotz erneuter Spannungen
Der Anstieg der Energiepreise infolge des Iran-Kriegs und der zeitweisen Blockade der Straße von Hormus hat die Inflation in Österreich, nach niedrigen Werten zu Jahresbeginn, ab März deutlich beschleunigt. Nach einem vorläufigen Höchststand von 3,7 Prozent im Jahresvergleich im Mai ging die Teuerung im Juni – begünstigt durch die Entspannung an den Energiemärkten nach dem Abkommen zwischen den USA und dem Iran – voraussichtlich auf 3,2 Prozent zurück.
„Nach durchschnittlich 3,0 Prozent in der ersten Jahreshälfte dürfte die Inflation in der zweiten Jahreshälfte noch zulegen. Ausschlaggebend sind insbesondere steigende Strom- und Gaspreise für Endverbraucher infolge der vorangegangenen Energiepreisanstiege sowie Zweitrundeneffekte bei den Dienstleistungspreisen. Trotz der jüngsten geopolitischen Eskalation bleibt der Aufwärtsdruck auf die Ölpreise jedoch vergleichsweise moderat. Der Inflationsdruck dürfte daher geringer ausfallen als ursprünglich erwartet. Vor diesem Hintergrund haben wir unsere Inflationsprognose für 2026 von 3,4 Prozent auf 3,2 Prozent gesenkt. Für 2027 rechnen wir nunmehr mit einer Inflationsrate von 2,5 Prozent statt bisher 2,6 Prozent. Im Verlauf des Jahres 2027 sollte sich die Teuerung deutlich abschwächen und in der zweiten Jahreshälfte Werte von rund 2 Prozent im Jahresvergleich erreichen, sofern die Energiepreise keine neuerlichen Aufwärtsschübe verzeichnen“, erwartet Pudschedl. .
Wahrscheinlichkeit für Zinsanhebung im September gestiegen
„Die jüngste Eskalation des Konflikts in der Golfregion erhöht das Risiko wieder steigender Energiepreise und damit einer erneuten Beschleunigung der Inflation. Für die Europäische Zentralbank bedeutet dies zusätzliche Unsicherheit bei der Ausrichtung ihrer Geldpolitik. Nach unserer Einschätzung erhöht sich dadurch jedenfalls die Wahrscheinlichkeit einer nochmaligen Anhebung der Leitzinsen. Wir gehen davon aus, dass die EZB im September den Leitzins um 25 Basispunkte anheben wird. Anschließend dürfte sie eine abwartende Haltung einnehmen und den Einlagenzins bei 2,50 Prozent belassen, was wir als das obere Ende des neutralen Zinsbereichs einschätzen“, meint Bruckbauer abschließend.


Enquiries:
UniCredit Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
Walter Pudschedl, Tel.: +43 (0) 5 05 05-41957;
E-Mail: walter.pudschedl@unicreditgroup.at