26.06.2026

UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex im Juni
Lageraufbau hält Österreichs Industrie weiter auf Wachstumskurs

  • Der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex sank im Juni auf 50,9 Punkte
  • Geopolitische Unsicherheiten dämpften den Optimismus: Die Geschäftserwartungen binnen Jahresfrist sanken im Juni auf 50,8 Punkte, den niedrigsten Wert seit eineinhalb Jahren 
  • Trotz des verstärkten Rückgangs des Neugeschäfts weiteten die Betriebe die Produktion geringfügig aus
  • In der heimischen Industrie wird die Beschäftigung seit drei Jahren reduziert, im Juni wieder mit höherem Tempo als im Vormonat 
  • Weniger Versorgungsängste und geringere Sorgen über Preisverwerfungen führten zu einer weiteren Verlangsamung des Lageraufbaus 
  • Niedrigere Energiepreise sorgten für nachlassenden Druck auf Einkaufs- und Verkaufspreise 

Die österreichische Industrie setzte Ende des zweiten Quartals ihren moderaten Wachstumskurs fort. „Der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex lag im Juni mit 50,9 Punkten erneut über der Grenze von 50 Punkten, ab der Wachstum signalisiert wird. Allerdings weist der Rückgang gegenüber dem Vormonat um 0,8 Punkte auf eine Verlangsamung der Dynamik hin“, meint UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer und ergänzt: „Auch die Einschätzung der Betriebe über die zukünftige Geschäftsentwicklung hat sich zur Jahresmitte deutlich eingetrübt. Der Index für die Erwartungen über den Geschäftsverlauf der kommenden zwölf Monate sank auf 50,8 Punkte. Das ist der niedrigste Wert seit eineinhalb Jahren und liegt deutlich unter dem langjährigen Durchschnittswert. Die meisten der in die Berechnung einfließenden Rückmeldungen gingen jedoch vor der Unterzeichnung des Rahmenabkommens zur Einstellung der Kampfhandlungen zwischen den USA und dem Iran ein. Eine Entspannung der geopolitischen Lage und damit einhergehend die schrittweise Normalisierung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sollten rasch wieder für mehr Optimismus bei den heimischen Betrieben sorgen.“ 

Die Sachgütererzeugung hat nach dem Produktionsanstieg um 3 Prozent im Vorjahr im ersten Quartal trotz des Beginns des Iran-Kriegs ein Wachstum um 0,8 Prozent im Jahresvergleich erreicht. Der durchschnittliche Wert des UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex von 51,3 Punkten im zweiten Quartal signalisiert anhaltendes Wachstum im Sektor trotz der schwierigen Rahmenbedingungen. 

„Aufgrund des voraussichtlich endgültigen Endes des Iran-Kriegs sollte sich die geopolitische Lage und damit die Lieferkettenproblematik und die Rohstoffpreissituation in Zusammenhang mit der Blockade der Straße von Hormus in der zweiten Jahreshälfte schrittweise entspannen. Die Industriekonjunktur dürfte davon profitieren und die bislang sehr moderate Erholungstendenz in den kommenden Monaten an Stärke gewinnen. Wir erwarten für das Gesamtjahr 2026 einen Anstieg der realen Industrieproduktion in Österreich von 1,5 Prozent“, so Bruckbauer. 

Der aktuelle Rückgang des UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex um 0,8 Punkte gegenüber dem Vormonat war auf eine Verschlechterung aller Komponenten zurückzuführen. „Die heimischen Betriebe erhöhten im Juni ihre Produktion mit geringerem Tempo als im Vormonat, vor allem infolge einer sinkenden Auftragsentwicklung. Die Beschäftigung wurde folglich noch stärker als in den Vormonaten reduziert. Anzeichen einer Entspannung im Iran-Krieg führten zu niedrigeren Energiepreisen, die den Aufwärtsdruck auf die Input- und Outputpreise deutlich reduzierten. Der Aufbau der Lagerbestände, um Versorgungsengpässen entgegenzuwirken, ließ nach, doch die erneute Verlängerung der Lieferzeiten deutet auf noch andauernde Störungen in den Lieferketten hin“, fasst Bruckbauer die wichtigsten Umfrageergebnisse zusammen.

Produktionsausweitung trotz sinkender Nachfrage
Die Produktion wurde im Juni erneut ausgeweitet, jedoch mit geringerem Tempo als im Vormonat. Der Produktionsindex sank auf 50,6 Punkte. 

„Die Ausweitung der Produktion war erneut eine Folge des Aufbaus von Lagerbeständen, um auf Lieferausfälle und Rohstoffengpässe aufgrund von Störungen der Lieferketten durch den Iran-Krieg vorbereitet zu sein. Obwohl es deshalb zu Vorzieheffekten kam, nahm das Neugeschäft deutlich ab. Die Aufträge aus dem Inland gingen stärker als im Vormonat zurück und auch die Exportnachfrage, die im Mai noch zugelegt hatte, ließ nach“, meint UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl. 

Der Index für die Neuaufträge sank im Juni auf 48,5 Punkte, den niedrigsten Wert seit Jänner dieses Jahres. Mit 48,9 Punkten fiel der Index für die Aufträge aus dem Ausland nur unwesentlich höher aus. 

Jobverluste in der heimischen Industrie setzten sich im Juni fort 
Infolge der schwächelnden Nachfrage und der hohen Unsicherheiten wurden die Personalkapazitäten in der österreichischen Industrie mit höherem Tempo als im Vormonat reduziert. Der Beschäftigungsindex sank auf 45,6 Punkte und signalisiert damit den stärksten Jobabbau seit vier Monaten. Die Arbeitslosigkeit setzte damit den leichten Aufwärtstrend der vergangenen Monate fort. 

Die Anzahl der Arbeitssuchenden in der Sachgütererzeugung ist im Juni auf mittlerweile fast 29.000 gestiegen, was einer saisonbereinigten Arbeitslosenquote von 4,4 Prozent entspricht. Damit war die Arbeitslosenquote im Sektor zwar im Vergleich zur Gesamtwirtschaft mit einer Arbeitslosenquote von 7,6 Prozent niedrig, lag jedoch um 1,4 Prozentpunkte bzw. 45 Prozent über den Tiefstwerten zu Jahresbeginn 2023. 

„In den kommenden Monaten sollte sich angesichts der herausfordernden Rahmenbedingungen der leichte Aufwärtstrend der Arbeitslosenquote noch fortsetzen. Wir gehen von einem Anstieg der Arbeitslosenquote in der heimischen Sachgütererzeugung auf 4,5 Prozent im Jahresdurchschnitt 2026 aus, nach 4,3 Prozent im Jahr 2025“, meint Pudschedl. 

Der starke Abbau von Mitarbeitenden trotz leichtem Produktionsanstieg lässt auf eine weitere Verbesserung der Arbeitsproduktivität in der österreichischen Industrie schließen. Ein Trend, der nach massiven Einbußen im Zuge der Corona-Pandemie nun mittlerweile seit fast zweieinhalb Jahren anhält. 

Weiterer Lageraufbau an Vormaterialien, aber sinkende Bestände in den Auslieferungslagern
Die Lieferzeiten in der heimischen Industrie verlängerten sich im Juni zwar erneut massiv, jedoch nicht mehr ganz so stark wie in den beiden Vormonaten. Dennoch erhöhten die heimischen Betriebe ihre Einkaufsmenge den vierten Monat in Folge seit dem Ausbruch des Nahosts-Krieges und sogar mit etwas höherem Tempo als im Mai, um sich gegen Lieferstörungen und steigende Preise zu wappnen. Im Lagermanagement lag der Fokus demnach weiterhin weniger auf Kostendisziplin als vielmehr auf der Sicherung der Versorgung mit Rohstoffen und Vormaterialien zur Verhinderung von Produktions- bzw. Absatzunterbrechungen. Die Bestände an Vormaterialien stiegen den dritten Monat in Folge, jedoch im Juni nicht mehr so stark wie zuletzt. 

„Während die Lager an Vormaterialien und Rohstoffe im Juni erneut leicht aufgebaut wurden, sanken erstmals seit neun Monaten die Bestände in den Fertigwarenlagern. Was üblicherweise auf eine gute Konjunktur mit starker Kundennachfrage hindeutet, ist in der aktuellen Situation, die von einer rückläufigen Auftragsentwicklung geprägt ist, als eine Folge der andauernden Lieferstörungen zu verstehen“, so Pudschedl. 

Sinkende Energiekosten dämpften Preisdynamik
Der Juni lieferte erste Anzeichen eines sich abschwächenden Inflationsdrucks. Der Rückgang des Rohölpreises um mehr als 15 Prozent gegenüber dem Vormonat hat vor allem über die Treibstoffpreise den Kostenauftrieb im Einkauf gedämpft. Die Einkaufspreise legten im Juni dennoch sehr stark zu. Der Index für die Einkaufspreise lag mit 77,7 Punkten noch deutlich über den Werten vor Ausbruch des Kriegs im Iran. 

„Der Anstieg der Verkaufspreise verlangsamte sich im Juni ungefähr im gleichen Ausmaß wie jener der Einkaufspreise, war jedoch insgesamt erneut deutlich geringer als die Kostendynamik in der heimischen Industrie“, meint Pudschedl und ergänzt: „Offenbar können die Betriebe die Kostensteigerungen aufgrund der schwachen Nachfrage nicht in vollem Umfang an die Kunden weiterreichen, sodass sich die Ertragslage im Durchschnitt erneut etwas verschlechtert haben dürfte, was in den vergangenen zwei Jahren bis auf zwei Monate stets der Fall.“  
 

Rückfragen:
UniCredit Bank Austria Economics & Market Analysis Austria 
Walter Pudschedl, Tel.: +43 (0) 5 05 05-41957;
E-Mail: walter.pudschedl@unicreditgroup.at