UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator
Irankrieg verursacht Konjunkturdelle, mögliches Ende verbessert Rahmenbedingungen für das zweite Halbjahr
- Nach dem Einbruch durch den Irankrieg stabilisiert sich die Stimmung wieder: Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator stieg im Mai auf minus 1,4 Punkte
- Verbesserung der Konsumentenstimmung und nachlassender Pessimismus in der Industrie, doch Konjunktursorgen am Bau und vor allem in Dienstleistungssektor nehmen weiter zu
- Nach leichtem Wachstum zu Jahresbeginn dürfte die österreichische Wirtschaft aufgrund der Belastungen durch den Krieg im Iran im zweiten Quartal stagnieren
- BIP-Anstieg im Gesamtjahr 2026 und 2027 unverändert mit 0,8 Prozent bzw. 1,2 Prozent erwartet
- Nach dem Anstieg der Arbeitslosenquote auf 7,5 Prozent 2026 sollte die Beruhigung der geopolitischen Lage einen Rückgang auf 7,4 Prozent 2027 ermöglichen
- Erste Zweitrundeneffekte der hohen Energiepreise spürbar: Inflationsprognose für 2026 von 3,0 auf 3,4 Prozent angehoben
- Eine weitere Leitzinsanhebung um 25 Basispunkte ist im September zu erwarten

Nach dem Einbruch infolge des Kriegs im Iran hat sich die Konjunkturstimmung in Österreich im Mai wieder etwas erholt, blieb aber sehr angespannt. „Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator stieg im Mai auf minus 1,4 Punkte“, meint UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer und ergänzt: „Die geringe Aufwärtsbewegung des Konjunkturindikators war einer günstigeren Stimmung der heimischen Konsumenten sowie der Verbesserung der Erwartungen in der Industrie zu verdanken. Am Bau und insbesondere im Dienstleistungssektor haben sich die Geschäftseinschätzungen hingegen weiter verschlechtert.“
Den größten Beitrag zum Anstieg des Konjunkturindikators gegenüber dem Vormonat um 0,4 Punkte leistete die Konsumentenstimmung, nachdem angesichts der geopolitischen Unsicherheiten und der Inflationsbeschleunigung in Folge der gestiegenen Treibstoffpreise und des damit drohenden Kaufkraftverlusts die Zuversicht der Verbraucher im Vormonat auf den tiefsten Wert seit zweieinhalb Jahren gesunken war. Die Stabilisierung der Inflation auf deutlich niedrigere Werte als zu Beginn des Ukrainekriegs und die recht stabile Lage am Arbeitsmarkt sorgten für etwas Erleichterung. Allerdings ist die Konsumentenstimmung weiterhin schlechter als zu Beginn des Jahres.
Gestützt auf ein verbessertes Exportumfeld, das vor allem von einer etwas günstigeren Lage in Osteuropa sowie im asiatischen Raum gekennzeichnet war, verbesserte sich die Stimmung in der heimischen Industrie ungeachtet der Belastungen durch den Krieg im Iran mittlerweile den dritten Monat in Folge. Die Kostenbelastung durch die hohen Energiepreise sowie die starke Lohndynamik der Vorjahre sorgte jedoch weiterhin für ein deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt liegendes Stimmungsbild. Vor allem in wichtigen Branchen wie der chemischen Industrie, der Kunststofferzeugung, der Metallverarbeitung und dem Maschinenbau waren die Geschäftsbeurteilungen angesichts einer schwachen Auftragsentwicklung weiterhin sehr angespannt. Eine ungünstige Auftragsentwicklung sorgte am Bau für einen erneuten Rückgang der Stimmung im Mai, getragen vom Einbruch im Tiefbau auf den niedrigsten Wert seit über dreizehn Jahren.
Trotz der Verbesserung der Verbraucherstimmung erhöhten sich die Sorgen der Dienstleistungsbetriebe. Geringere Nachfrageerwartungen belasteten vor allem die Stimmung im Transport- und Lagerwesen sowie im Gast- und Beherbergungsgewerbe und in den Reisebüros. Zudem schätzten die Personaldienstleister die Aussichten angesichts der allgemein gestiegenen Herausforderungen deutlich ungünstiger ein als in den Vormonaten.
„Die Stimmung lag in allen Sektoren der heimischen Wirtschaft zur Mitte des zweiten Quartals 2026 im pessimistischen Bereich – im Dienstleistungssektor und am Bau noch weiter unter dem langjährigen Durchschnitt als im Vormonat. Den zweiten Monat in Folge war in allen Wirtschaftssektoren in Österreich die Stimmung im Mai schlechter als im Euroraum. Besonders deutlich war erneut der Abstand in der Industrie, jedoch seit drei Monaten mit sinkender Tendenz“, meint Bruckbauer.
Stagnation im zweiten Quartal droht
Nach dem Anstieg des BIP zu Jahresbeginn sprechen die vorliegenden Wirtschaftsdaten sowie die aktuellen Stimmungsindikatoren seit dem Beginn des zweiten Quartals für einen leichten Dämpfer für die österreichische Wirtschaft. Die gestiegene Inflation belastet die Entwicklung des Konsums und die hohen Unsicherheiten bremsen die Investitionsbereitschaft der heimischen Unternehmen.
„Der Rückgang des UniCredit Bank Austria Konjunkturindikators im bisherigen Quartalsdurchschnitt auf minus 1,6 Punkte nach noch minus 0,8 Punkten im ersten Quartal zeigt eine Verlangsamung der Konjunktur in Österreich an. Wir gehen für das zweite Quartal von einer Stagnation der österreichischen Wirtschaft aus. Mit der Beruhigung der geopolitischen Lage infolge des kürzlich ausgehandelten Rahmenabkommen für ein Ende des Iran-Krieges sollte sich die unterschwellige Erholungstendenz jedoch wieder durchsetzen und in der zweiten Jahreshälfte moderate Wachstumsraten ermöglichen“, meint UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl und ergänzt: „Wir erwarten weiterhin einen Anstieg des BIP um 0,8 Prozent im Gesamtjahr 2026 sowie eine leichte Tempoerhöhung im Jahr 2027 auf 1,2 Prozent.“
Moderater Anstieg der Arbeitslosigkeit 2026, aber Besserung in Sicht
Die Verlangsamung der Konjunktur infolge des Kriegs im Iran hat sich bereits am österreichischen Arbeitsmarkt niedergeschlagen. Im April und Mai betrug die saisonbereinigte Arbeitslosenquote jeweils 7,6 Prozent, der höchste Wert seit fast fünf Jahren. Die baldige Überwindung der Konjunkturdelle sollte zumindest gegen Ende 2026 wieder eine schrittweise Entspannung am Arbeitsmarkt ermöglichen.
„Aufgrund der wirtschaftlichen Belastungen durch den Krieg in der Golfregion begann die Arbeitslosenquote in Österreich wieder zu steigen, sollte sich jedoch im Zuge der Beruhigung der geopolitischen Lage gegen Ende des Jahres wieder verbessern. Im Jahresdurchschnitt 2026 erwarten wir eine leichte Zunahme der Arbeitslosenquote auf 7,5 Prozent, nach 7,4 Prozent 2025. Unterstützt durch demografische Effekte sollte 2027 die Arbeitslosenquote erstmals seit fünf Jahren wieder sinken, auf 7,4 Prozent im Jahresdurchschnitt“, erwartet Pudschedl.
Nach Anstieg der Preise für Energieträger: Erste Dienstleistungspreise ziehen an
Der Krieg im Iran und die damit einhergehende abrupte Verteuerung der Treibstoffpreise hat die Inflation in Österreich ab März deutlich ansteigen lassen. Während der Druck von den Preisen für Energieträger mittlerweile etwas nachgelassen hat, sorgten erste Zweitrundeneffekte für stärker steigende Dienstleistungspreise. Im Mai kletterte die Inflation voraussichtlich auf 3,7 Prozent im Jahresvergleich. Der Aufwärtsdruck auf die Preise wird in den kommenden Monaten trotz Verlängerung der Spritpreisbremse und des Absenkens der Umsatzsteuer auf Grundnahrungsmittel ab 1. Juli aufgrund von Zweitrundeneffekten stark bleiben. Die Inflation dürfte gegen Jahresende mit bis zu 4 Prozent ihren Höhepunkt erreichen.
„Trotz eines nun möglichen Endes des Kriegs im Iran rechnen wir noch länger mit im Jahresvergleich höheren Preisen für Energieträger und entsprechend stärkeren Folgewirkungen auf andere Produkt- und Dienstleistungspreise. Wir haben daher unsere Inflationsprognose von durchschnittlich 3,0 auf 3,4 Prozent für 2026 angehoben. Die Teuerung wird sich 2027 aufgrund von Zweitrundeneffekten nur moderat auf durchschnittlich 2,6 Prozent verlangsamen“, so Pudschedl.
EZB dürfte Zinspause bis September machen
Angesichts des Kriegs im Nahen Osten, der für Aufwärtsrisiken für die Inflation und Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum sorgt, hat sich die Europäische Zentralbank vorige Woche erwartungsgemäß für eine Anhebung der Leitzinsen um 25 Basispunkte entschieden.
„Wir gehen davon aus, dass die Energiepreise nach dem nun möglichen Ende des Krieges im Sommer langsam zu sinken beginnen und daher nur eine begrenzte Straffung der Geldpolitik nötig sein wird, zumal die Inflationserwartungen stabil sind, die finanziellen Bedingungen sich durch den Anstieg der langfristigen Rendite bereits verschärft haben und die Lohndynamik überschaubar bleiben dürfte, was das Risiko einer Übertragung der gestiegenen Energiepreise auf andere Güter und Dienstleistungen begrenzt“, meint Bruckbauer und ergänzt: „Die EZB hat keine Eile, weitere Schritte zu setzen. Wir nehmen aber trotzdem weiterhin an, dass es im September zu einer – vorläufig letzten – Zinserhöhung kommen wird, die den Einlagenzinssatz auf 2,50 Prozent bringen würde. Angesichts der aktuellen Ereignisse könnte dieser Schritt aber auch ausbleiben.“


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