27.03.2026

UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex im März
Österreichs Industrie steigerte die Produktion, aber Iran-Krieg erhöhte die Kosten und belastet die Aussichten

  • Der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex verbesserte sich im März auf 52,4 Punkte, den höchsten Wert seit Mai 2022
  • Mehr Aufträge aus dem In- und Ausland sorgten für eine verstärkte Ausweitung der Produktion 
  • Das Tempo des Jobabbaus in der heimischen Industrie verlangsamte sich im März 
  • Aufgrund des stärksten Kostenanstiegs seit dreieinhalb Jahren kam es zu einer deutlichen Verschlechterung der Margen
  • Höhere Produktionsanforderungen und Versorgungsängste sorgten erstmals seit Juni 2022 für einen Anstieg der Einkaufsmengen 
  • Die Störung der Lieferketten durch den Krieg im Nahen Osten führte zu einer drastischen Verlängerung der Lieferzeiten 
  • Starke Stimmungseintrübung, aber noch leichter Optimismus: Die Geschäftserwartungen binnen Jahresfrist sanken im März auf 57,7 Punkte

Die österreichische Industrie hat Ende des ersten Quartals den Aufwärtstrend fortgesetzt. „Der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex stieg im März auf 52,4 Punkte und erreichte damit den höchsten Wert seit fast vier Jahren. Der Indikator signalisiert damit eine Festigung der laufenden Erholung“, meint UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer und ergänzt: „Hoffentlich erweist sich die positive Entwicklung nicht als Ruhe vor dem Sturm. Die Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten waren im März bereits in Form von Störungen der Lieferketten und starken Kostenanstiegen für die österreichischen Betriebe spürbar.“

Der aktuelle Anstieg des UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex wurde von einer Verbesserung aller Umfragewerte getragen. Allerdings dürfte der Anstieg einzelner Komponenten zumindest teilweise auf Reaktionen der Betriebe auf zu erwartende größere Herausforderungen durch den Iran-Krieg zurückzuführen sein. „Im März steigerte die österreichische Industrie ihre Produktionsleistung stärker als im Vormonat, nachdem das Neugeschäft auch wegen Vorziehkäufen aus Sorge um Lieferunterbrechungen spürbar zunahm. Der gestiegene Druck auf die Lieferketten machte sich bereits in einer massiven Verlängerung der Lieferzeiten sowie in einem deutlichen Kostenanstieg bemerkbar. Die Beschäftigung in der Industrie ging erneut zurück, jedoch zumindest mit geringerem Tempo“, fasst Bruckbauer die wichtigsten Umfrageergebnisse zusammen. 

Die Entwicklungen in der österreichischen Industrie im März waren weitgehend ein Spiegelbild der Industrietrends in ganz Europa. Der vorläufige Einkaufsmanagerindex für die Industrie im Euroraum stieg im März auf 51,4 Punkte. Dabei sorgte vor allem auch die Verbesserung in Deutschland auf 51,7 Punkte für Unterstützung. 

„Der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex übertraf im März erstmals in diesem Jahr die entsprechenden Indikatoren für den Euroraum und für Deutschland. Dabei stach die heimische Industrie mit einer stärkeren Produktionsausweitung und höheren Auftragszuwächsen als der Euroraum hervor. Allerdings zeigte sich eine empfindlichere Reaktion auf den Iran-Krieg in Form von höheren Kostensteigerungen und einer deutlich stärkeren Verlängerung der Lieferzeiten“, meint UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl. 

Mehr Neugeschäft und mehr Produktion, doch Vorziehkäufe verzerren das Bild 
Der Verunsicherung durch den Iran-Krieg zum Trotz konnte die österreichische Industrie im März einen überraschend kräftigen Anstieg der Produktion gegenüber dem Vormonat verzeichnen. Der Produktionsindex stieg auf 51,9 Punkte. Damit legte die Produktion im März erstmals im laufenden Jahr spürbar zu, nachdem auch deutlich mehr Aufträge verbucht werden konnten. 

„Das zweite Auftragsplus in Folge war im März so hoch wie seit fast vier Jahren nicht mehr. Der Index für die Neuaufträge kletterte auf 52,4 Punkte, gestützt auf eine anhaltend steigende Nachfrage aus dem Inland und erstmals seit längerer Zeit auch wieder einem Auftragszuwachs aus dem Ausland“, meint Pudschedl und ergänzt: „Neben der laufenden konjunkturellen Erholung zog die Nachfrage auch aufgrund des Krieges im Nahen Osten an. Einige Betriebe zogen Bestellungen vor, um mit volleren Lagern möglichen Lieferunterbrechungen und weiteren Preissteigerungen besser begegnen zu können.“ 

Der Index für die Einkaufsmenge stieg im März auf 53,8 Punkte. Damit erhöhte sich erstmals seit Juni 2022 die Einkaufsmenge der heimischen Industriebetriebe. Die zusätzlichen Bestellungen aus Sorge um Lieferschwierigkeiten erhöhten den durch den Iran-Krieg gestiegenen Druck auf die Lieferketten weiter. Die durchschnittlichen Lieferzeiten verlängerten sich im März so stark wie zuletzt im Sommer 2022. 

Starker Kostenanstieg belastete die Ertragslage
Angesichts der höheren Nachfrage und vor allem aufgrund der Lieferstörungen durch die Blockade der Straße von Hormus sowie der großen Verunsicherung über weitere Folgen für den globalen Handel legten die Einkaufspreise im März so stark zu wie zuletzt vor dreieinhalb Jahren. Angesichts der drastisch gestiegenen Weltmarktpreise für Erdöl und Gas erhöhten sich insbesondere die Kosten für Energie und Treibstoffe, was sich bereits in den Transportkosten niederschlug. Darüber hinaus kletterte auch der Preis für eine Reihe weiterer Rohstoffe wie z.B. für einige Metalle aber auch für Nahrungsmittel nach oben. Folglich wurden auch die Verkaufspreise angehoben, sogar so stark wie zuletzt vor drei Jahren. 

Aufgrund der Nachfragegegebenheiten und des starken Wettbewerbs blieb die durchschnittliche Anhebung der Verkaufspreise jedoch deutlich geringer als jener der Einkaufspreise. „Angesichts des sehr starken Kostenanstiegs, der nicht in vollem Umfang an die Kunden weitergegeben werden konnte, hat sich die Ertragslage der heimischen Betriebe im Durchschnitt deutlich verschlechtert. Der im Wesentlichen seit über einem Jahr anhaltende Trend sinkender Margen beschleunigte sich im März deutlich. Das Indexverhältnis Input- zu Outputpreisen fiel auf den ungünstigsten Wert seit fünf Jahren“, meint Pudschedl. 

Jobabbau in der Industrie setzte sich fort 
Trotz der höheren Produktionsanforderungen und des stärkeren Auftragsplus hat sich der Jobabbau in der österreichischen Industrie im März fortgesetzt. Der Beschäftigtenindex stieg auf 47,0 Punkte, was zumindest auf eine Verlangsamung des Beschäftigungsrückgangs hinweist. 

„Mit zunehmender Dauer des Iran-Kriegs wird die erwartete Entspannung der Arbeitsmarktlage in der heimischen Industrie im Jahresverlauf 2026 immer unwahrscheinlicher. Nach durchschnittlich 4,3 Prozent im Jahresdurchschnitt 2025 gehen wir für 2026 mittlerweile von einem leichten Anstieg auf 4,4 Prozent aus. Damit wird die Arbeitslosenquote in der Sachgütererzeugung aber weiter deutlich niedriger als in der Gesamtwirtschaft mit voraussichtlich 7,4 Prozent bleiben“, meint Pudschedl.

Iran-Krieg trübt die Aussichten für die Industrie 
Der Wachstumsschub, den der aktuelle Anstieg des UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex für die österreichische Industrie Ende des ersten Quartals signalisiert, wird angesichts des Iran-Kriegs voraussichtlich nicht nachhaltig sein. Der starke Kostenanstieg im Energiebereich und die Störung der Lieferketten werden die Entwicklung der Industrie erheblich belasten und die Wachstumsaussichten für die kommenden Monate deutlich reduzieren.

„Die Geschäftserwartungen der heimischen Industriebetriebe auf Jahressicht haben sich angesichts der Unsicherheiten infolge des Iran-Kriegs deutlich eingetrübt. Der Rückgang gegenüber dem Vormonat war der stärkste seit der russischen Invasion in der Ukraine zu Beginn des Jahres 2022. Dennoch zeugt der Erwartungsindex mit 57,7 Punkten weiterhin von zumindest leichtem Optimismus“, meint Bruckbauer und ergänzt abschließend: „Letztlich hängt der Ausblick für die heimische Industrie stark von der Dauer des Krieges und den Auswirkungen auf die Energiemärkte und Lieferketten ab. Eine rasche Lösung des Konflikts scheint mittlerweile unwahrscheinlicher geworden zu sein, was Verwerfungen auf den Energiemärkten und Beeinträchtigungen der Lieferketten über das gesamte Jahr 2026 erwarten lässt. Wir sind jedoch optimistisch, dass die heimische Industrie selbst unter diesen schwierigen Rahmenbedingungen eine erneute Rezession vermeiden kann.“ 

Rückfragen:
UniCredit Bank Austria Economics & Market Analysis Austria 
Walter Pudschedl, Tel.: +43 (0) 50505-41957;
E-Mail: walter.pudschedl@unicreditgroup.at