
Interview mit Anna Hochkogler
„Gewinner des Bank Austria Sozialpreises Tirol 2026“: Wie hört sich das an? Was war Ihre erste Reaktion?
Ich war überwältigt, glücklich, stolz und vor allem unglaublich dankbar für den großen Support aus allen Ecken. Es zeigt mir, dass das Thema gesehen wird und wie viele Menschen es wichtig ist, Kinder früh fürs Leben zu stärken. Das ist für mich eine große Bestätigung meiner Arbeit.
Wie haben Sie selbst die letzten Wochen und Tage des Votings erlebt?
Intensiv und ziemlich spannend! Besonders in den letzten Tagen war es unglaublich knapp. Am meisten berührt hat mich, wie viele Eltern, Pädagog:innen, Freunde und Menschen aus der Region „MuTiger" unterstützt, geteilt und andere zum Abstimmen motiviert haben. Plötzlich stehe da nicht mehr nur mein Projekt, sondern eine ganze Gemeinschaft dahinter.
Beschreiben Sie bitte noch einmal kurz, was Ihr Projekt ausmacht?
MuTiger verbindet Resilienz, Sozialkompetenz und Mobbingprävention mit einem erlebnisorientierten Ansatz. Kinder bekommen nicht nur theoretisch erklärt, was sie in schwierigen Situationen tun können – sie erleben und erproben es selbst . In Spielen, Gruppenübungen, Reflexionsgesprächen und konkreten Herausforderungen dürfen sie ausprobieren, gemeinsam nach Lösungen suchen und zu ihren eigenen Aha-Momenten kommen.
So erfahren die Kinder ganz praktisch, wie sie mit Konflikten und schwierigen Gefühlen umgehen, Grenzen setzen, Hilfe holen und für sich und andere einstehen können. Dabei geht es um Selbstwert, Empathie, Zivilcourage und einen respektvollen Umgang miteinander.
Kinder lernen durch Beobachtung und Erfahrung. Doch gerade den respektvollen Umgang miteinander, den wir uns von ihnen wünschen, können sie bei uns Erwachsenen leider nicht immer beobachten. Umso wichtiger ist es, ihn für Kinder erlebbar zu machen – für mehr Mit- statt Gegeneinander.
Denn was Kinder selbst erfahren, reflektieren und verstanden haben, können sie in ihr eigenes Leben mitnehmen – und damit auch in unsere gemeinsame Zukunft.
Wie werden Sie das Preisgeld von 12.000,- EUR konkret für Ihr Projekt einsetzen?
Das Preisgeld und vor allem die Sichtbarkeit durch den Sozialpreis möchte ich nutzen, um Primärprävention stärker ins Bewusstsein zu rücken und langfristig in den Förderstrukturen zu verankern. Derzeit reichen die Schulbudgets für solche Angebote meist nicht aus und vieles hängt vom Engagement von Elternvereinen, Gemeinden, Bürgermeister:innen oder Eltern ab. Mein Ziel ist, dass frühe Prävention einen festen Platz in den Förderstrukturen bekommt und nicht davon abhängt, ob vor Ort jemand die Finanzierung übernimmt.
Mit dem Preisgeld selbst möchte ich MuTiger gezielt weiterentwickeln: die Arbeit mit Jugendlichen ab der 5. Schulstufe ausbauen , Schulungen für Pädagog:innen entwickeln und die Elternarbeit mit Vorträgen und Angeboten in der Erwachsenenbildung erweitern. Außerdem sollen neue Trainingsmaterialien und Arbeitsbücher entstehen.
Dabei geht es mir immer um dieselben Grundgedanken: früh anzusetzen, Resilienz und Sozialkompetenz zu stärken und damit einen Beitrag zur Vorsorge für die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu leisten.
Warum ist es aus Ihrer Sicht notwendig, Projekte ins Leben zu rufen, die einen Nutzen für Kinder/Jugendliche/Frauen/die Gesellschaft/ Integration & Migration stiften?
Weil wir bei Kindern häufig erst hinschauen, wenn es ihnen bereits nicht mehr gut geht – wenn Konflikte eskalieren, Mobbing entsteht oder die psychische Belastung bereits groß ist. Dann sprechen wir über Intervention, Therapieplätze und zusätzliche Hilfsangebote. Alles das ist wichtig und notwendig. Aber warum warten wir so oft, bis Kinder Hilfe brauchen? Wir müssen viel früher ansetzen.
Psychische Gesundheitsvorsorge bedeutet für mich auch, Resilienz und Sozialkompetenz früh zu stärken und Kindern Fähigkeiten fürs Leben mitzugeben: mit Rückschlägen und Konflikten umgehen, Gefühle regulieren, Grenzen setzen, Hilfe holen und an sich selbst glauben.
Ich wünsche mir, dass Resilienz und Sozialkompetenz bereits ab der ersten Klasse einen festen Platz im Schulalltag bekommen – genauso selbstverständlich wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Denn wir können Kinder nicht vor jeder schwierigen Erfahrung schützen. Aber wir können ihnen früh das Werkzeug mitgeben, damit umzugehen.
Fotocredits: © Anna Hochkogler
Das Projekt
Eingereicht von: Anna Hochkogler
Projektstart: 01.10.2025
Kategorie: Kinder/Jugendliche, Integration/Migration
Social-Media: https://www.annahochkogler.at
Kein Kind sollte durch Ausgrenzung oder Mobbing den Glauben an sich selbst verlieren. Die Vorsorge für die psychische Gesundheit von Kindern ist heute wichtiger denn je.
Kinder brauchen mehr als Schutz. Sie brauchen innere Stärke. Genau hier setzt MuTiger an. MuTiger stärkt Kinder bereits ab dem Vorschulalter, denn gerade in dieser Lebensphase werden die Grundlagen für Selbstvertrauen, soziale Kompetenzen und Resilienz gelegt.
Kinder lernen nicht nur, wie sie stark sein können. Sie erleben und fühlen es. Durch Bewegung, Rollenspiele und alltagsnahe Übungen trainieren sie, mit Provokationen umzugehen, starke Gefühle zu regulieren, Grenzen zu setzen und Konflikte gewaltfrei zu lösen. So entwickeln sie Vertrauen in sich selbst und begegnen Herausforderungen mutig, empathisch und mit Zuversicht.
Wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse aus der Entwicklungs- und Neuropsychologie, der Resilienzforschung sowie den Erziehungswissenschaften werden in kindgerechte und alltagstaugliche Übungen übersetzt. So wird aus Wissen gelebte Erfahrung. Aus Übungen werden Fähigkeiten, die Kinder im Alltag wirklich nutzen können.
Nachhaltige Prävention gelingt nur gemeinsam. Deshalb bezieht MuTiger Eltern und Pädagog:innen aktiv mit ein. So stärkt MuTiger Kinder nachhaltig, entlastet Familien und Bildungseinrichtungen und fördert ein wertschätzendes, respektvolles und gesundes Miteinander.
Denn jedes Kind, das an sich glaubt, macht unsere Gesellschaft ein Stück stärker.