
Interview mit Didem Türk
„Gewinner des Bank Austria Sozialpreises Kärnten 2026“: Wie hört sich das an? Was war Ihre erste Reaktion?
Das hört sich für uns natürlich großartig an und wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung. Unsere erste Reaktion war vor allem große Freude und Überraschung. Für uns ist dieser Preis eine wunderschöne Anerkennung für die Arbeit, die wir seit vielen Jahren mit viel Engagement für Frauen, Kinder und Familien leisten. Besonders gefreut hat uns, dass so viele Menschen für unser Projekt „Alpha-Frauen“ abgestimmt und uns damit ihr Vertrauen und ihre Unterstützung gezeigt haben.
Wie haben Sie selbst die letzten Wochen und Tage des Votings erlebt?
Die Voting-Phase war sehr spannend und auch intensiv. Wir haben versucht, möglichst viele Menschen über unser Projekt und das Online-Voting zu informieren und um Unterstützung zu bitten. Dabei haben wir erlebt, wie groß das Netzwerk rund um PIVA ist. KlientInnen, Kursteilnehmerinnen, ehemalige Teilnehmerinnen, Kolleginnen und Kollegen, KooperationspartnerInnen, Freunde, Familien und viele weitere UnterstützerInnen haben den Aufruf weitergeleitet und für uns abgestimmt. Gerade in den letzten Tagen ist die Spannung noch einmal gestiegen. Umso größer war danach die Freude über das Ergebnis.
Beschreiben Sie bitte noch einmal kurz, was Ihr Projekt ausmacht?
„Alpha-Frauen“ ist ein seit Oktober 2000 bestehendes Sozialprojekt, das sich insbesondere an zugewanderte Frauen, deren Kinder sowie an SchülerInnen richtet.
Die im Rahmen des Projekts angebotenen Deutschkurse orientieren sich an den spezifischen Bedürfnissen der Teilnehmerinnen. Dabei geht es nicht nur um die Vermittlung der deutschen Sprache, sondern auch um ein besseres Verständnis für die Lebensverhältnisse in Österreich sowie für die hiesige Kultur und deren Werte. Werte- und Orientierungsinhalte werden daher direkt in den Unterricht integriert.
Begleitend zu den Deutschkursen bieten wir eine Kinderbetreuung mit frühkindlicher Förderung an, die die Kinder auch auf den Kindergarten vorbereitet. Ein weiterer wichtiger Bestandteil unseres Projekts ist die Lernbetreuung für Kinder und Jugendliche. SchülerInnen aus Volks-, Mittel- sowie allgemein- und berufsbildenden höheren Schulen werden bei schulischen Aufgabenstellungen sowie bei der Vorbereitung auf Tests und Schularbeiten unterstützt.
„Alpha-Frauen“ verbindet damit Sprachförderung, Kinderbetreuung, Lernbetreuung, Bildung und gesellschaftliche Orientierung. Gleichzeitig fördert das Projekt die soziale Vernetzung der Frauen über den familiären Rahmen hinaus und unterstützt sie dabei, zunehmend selbstständig am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
Wie werden Sie das Preisgeld von 12.000,- EUR konkret für Ihr Projekt einsetzen?
Das Preisgeld gibt uns die Möglichkeit, unser bestehendes Angebot für Frauen und Kinder gezielt zu ergänzen und dort zusätzliche Unterstützung anzubieten, wo wir im Projektalltag einen besonderen Bedarf sehen. Wir möchten einen Teil des Preisgeldes für zusätzliche Bildungs- und Förderangebote einsetzen. Dazu gehören beispielsweise gezielte Lernangebote für Frauen sowie zusätzliche Unterstützung für Kinder und Jugendliche. Darüber hinaus möchten wir Workshops, Exkursionen und gemeinsame Aktivitäten ermöglichen, die den Frauen Orientierung im Alltag bieten, ihre Selbstständigkeit stärken, Begegnungen schaffen und die gesellschaftliche Teilhabe fördern.
Besonders wichtig ist uns, mit dem Preisgeld flexibel auf die Bedürfnisse unserer Teilnehmerinnen und ihrer Kinder reagieren zu können, die sich im Laufe der Projektarbeit ergeben. Dadurch können wir auch kleinere, individuelle Unterstützungsangebote ermöglichen, die im Rahmen bestehender Förderungen nicht oder nur eingeschränkt finanzierbar sind.
Warum ist es aus Ihrer Sicht notwendig, Projekte ins Leben zu rufen, die einen Nutzen für Kinder/Jugendliche/Frauen/die Gesellschaft/ Integration & Migration stiften?
Integration ist kein kurzfristiger Prozess. Sie gelingt dann besonders gut, wenn Menschen die Möglichkeit bekommen, Sprache zu lernen, Bildungschancen zu nutzen, soziale Kontakte aufzubauen und selbstständig am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Gerade Frauen spielen die zentrale Rolle innerhalb der Familie. Wenn eine Frau Deutsch lernt, sich im Alltag besser orientieren kann, Zugang zu Bildung und Arbeit findet und selbstständiger wird, profitieren davon auch ihre Kinder und ihr gesamtes familiäres Umfeld.
Gleichzeitig brauchen auch Kinder und Jugendliche gezielte Unterstützung, damit ihre Chancen nicht von sprachlichen oder sozialen Ausgangsbedingungen abhängen. Gute Bildung, gesellschaftliche Teilhabe und gegenseitiges Verständnis kommen letztlich der gesamten Gesellschaft zugute. Projekte wie „Alpha-Frauen“ schaffen Orte der Begegnung, geben Orientierung und bauen Barrieren ab. Sie ermöglichen Menschen, ihre Fähigkeiten einzubringen und Verantwortung für ihr eigenes Leben zu übernehmen. Genau darin sehen wir einen wichtigen Beitrag zu einem guten und respektvollen Zusammenleben.
Fotocredits: © PIVA Projektgruppe Integration von Ausländerinnen und Ausländern
Das Projekt
Eingereicht von: PIVA-Projektgruppe Integration von Ausländerinnen und Ausländern
Projektstart: 01.01.2026
Kategorie: Kinder/Jugendliche, Integration/Migration, Frauenförderung
Social-Media: https://www.piva.or.at
Das Projekt „Alpha Frauen“ ist ein soziales Integrationsprojekt, das sich gezielt an Frauen mit Migrationshintergrund sowie an ihre Kinder und Jugendliche in Villach richtet. Ziel des Projekts ist es, sprachliche, soziale und bildungsbezogene Hürden abzubauen und die Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe sowie berufliche Integration nachhaltig zu verbessern. Ausgangspunkt des Projekts ist die Erkenntnis, dass trotz bestehender Integrationsbemühungen zugewanderte Personen – insbesondere Frauen mit Betreuungspflichten sowie deren Kinder – nach wie vor von strukturellen Benachteiligungen betroffen sind. „Alpha Frauen“ schließt diese Lücke durch kostenlose, niederschwellige und alltagsnahe Unterstützungsangebote.
Im Mittelpunkt stehen der Erwerb und die Erweiterung der Deutschkenntnisse, die Orientierung im österreichischen Alltag sowie die Vermittlung von Werte- und Orientierungswissen. Gleichzeitig werden die Teilnehmerinnen beim Aufbau sozialer Netzwerke unterstützt und in ihrer Selbstbestimmung sowie ihrem Selbstvertrauen gestärkt (Empowerment). Dadurch gewinnen sie mehr Handlungskompetenz im Alltag, können ihre Angelegenheiten zunehmend selbstständig bewältigen und verbessern ihre Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Förderung von Kindern und Jugendlichen. Durch gezielte Lernbetreuung werden sie beim positiven Schulabschluss unterstützt, ihre Deutschkenntnisse verbessert und ihre Bildungschancen erhöht. Gleichzeitig werden Eltern entlastet und Familien dabei unterstützt, den Bildungsweg ihrer Kinder aktiv zu begleiten. Dies erleichtert die Integration in Kindergarten, Schule und Freizeit und stärkt die gesamte Familie.
Durch die Kombination aus Sprachförderung, Bildungsunterstützung und individueller Sozialbetreuung leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Chancengleichheit, zur sozialen Integration und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt in Villach. Es baut Barrieren ab, fördert Begegnung und gegenseitiges Verständnis und eröffnet Frauen, Kindern und Jugendlichen neue Perspektiven für Bildung, Beruf und ein selbstbestimmtes Leben.
Eine Förderung des Projekts ermöglicht es, das bestehende Angebot weiter auszubauen, noch mehr Frauen und Kinder mit Migrationshintergrund zu erreichen und ihre nachhaltige Integration sowie gesellschaftliche Teilhabe langfristig zu stärken.