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Eingereicht von: Caritas für Menschen in Not, Evelina Glöckner
Projektstart: 01.09.2020
Kategorie: Kinder/Jugendliche, Integration/Migration
Social-Media: https://www.caritas.at/


 Ergebnis:
 59,74%

Interview mit Mag.a Evelina Glöckner, Abteilungsleitung Integration, Caritas für Menschen in Not in OÖ

Bild der Leiterinnen des Caritas Lesehunds

„Gewinner des Bank Austria Sozialpreises Oberösterreich 2020“: Wie hört sich das an? Was war Ihre erste Reaktion?
Es ist für uns eine große Ehre und Zeichen der Wertschätzung, die Auszeichnung „Gewinner des Bank Austria Sozialpreises Oberösterreich 2020“ tragen zu dürfen. Wir fühlen uns in unseren stetigen Bemühungen soziale Innovation zu forcieren bestätigt und es bekräftigt uns weiterhin, neuartige kreative und wirkungsvolle Zugänge, Modelle und Konzepte ins Leben zu rufen und umzusetzen.

Wir möchten uns bei der Jury sowie bei den vielen Unterstützerinnen und Unterstützern im Rahmen des Onlinevotings recht herzlich bedanken – ihr tatkräftiger Einsatz hat 72 Schülerinnen und Schüler in Oberösterreich zu Gewinnern gekrönt, die beim Pilotprojekt unmittelbar von dem neuen Angebot profitieren werden – sie sind tatsächlich die wahren Gewinner des Bank Austria Sozialpreises Oberösterreich 2020. 

Wie haben Sie selbst die letzten Wochen und Tage des Votings erlebt?
Der Endspurt war emotionsgeladen und zugleich sehr arbeitsintensiv. Wir waren stets bemüht die Informationen über zahlreiche Kanäle breit zu streuen, um möglichst viele Personen auf das Onlinevoting aufmerksam zu machen und sie dafür zu begeistern ihre Stimme unserem Projektvorschlag zu spenden. 

Beschreiben Sie bitte noch einmal kurz, was Ihr Projekt ausmacht? 
Viele Kinder haben Leseschwierigkeiten, die sich nur durch gezieltes Üben beseitigen lassen. Leider lesen gerade die betroffenen Kinder und Jugendliche nicht gern. Aus Angst vor Kritik und negativen Rückmeldungen sinkt die Motivation, das (laute) Lesen zu üben, Lesen wird insgesamt zur negativen Erfahrung. Lesehunde helfen, Ängste und Zweifel zu überwinden und die Lesekompetenz zu steigern. Das Projektziel lässt sich klar mit der Steigerung der Lesekompetenzen festhalten. Negative lesebezogene Selbstkonzepte, Gefühle der Überforderung und mit Lesesituationen verbundene negative Emotionen und Gefühle (Stress, Angst, Frust, Ärger) sollen durch, von den Lesehunden ausgelöste Freude, Entspannung und positive Gefühle ersetzt werden. Dadurch steigt die eigene Motivation zu lesen.

Was macht ein Lesehund?
Ein Lesehund hört in erster Linie zu – geduldig und ohne zu korrigieren. Der Hund übt keine Kritik und erzeugt ein Gefühl des bedingungslosen Angenommen-Seins.

Wie hilft ein Lesehund?
Regelmäßig (einmal die Woche) kommt der Lesehund in die Caritas-Einrichtung, um einzelnen Kindern Hilfe beim Lesen zu bieten. In einem ruhigen Raum liest das Kind „seinem“ Lesehund aus einem speziell dafür entwickelten Buch vor. Die ausgebildete Begleitperson fungiert als Beobachter. Sollte eine Hilfestellung notwendig sein, dann geschieht das immer über den Hund, z.B. mit den Worten „Der Hund hat das nicht verstanden. Lies es ihm bitte noch einmal vor“.

Wie werden Sie das Preisgeld von 6.000 Euro konkret für Ihr Projekt einsetzen?
Das Preisgeld wird für die Umsetzung des Pilotprojekts eingesetzt, für die weiterführende Projektfortsetzung wird demnächst um eine Projektförderung beim Bundeskanzleramt angesucht. Im Zeitraum September 2020 – Juni 2021 (Schuljahr 2020/21) sind insgesamt 12 Kursblöcke für ca. 72 SchülerInnen in verschiedenen Einrichtungen der Caritas für Menschen in Not geplant. 

Warum ist es aus Ihrer Sicht notwendig, Projekte ins Leben zu rufen, die einen Nutzen für Kinder/Jugendliche/die Gesellschaft stiften?
Bildung ist unwidersprochen der zentrale Motor für eine nachhaltige Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Allerdings droht Kindern bildungsbenachteiligter Eltern im Leben mangelnde Chancengleichheit, denn als besonders resistente Benachteiligungs- bzw. Begünstigungsfaktoren von Bildungschancen erweisen sich soziale Herkunft und sozialer Status der Herkunftsfamilien. 
 Dabei ist gerade der Einsatz der deutschen Sprache für ein späteres Ergreifen eines Berufs von enormer Wichtigkeit. Egal ob das Absolvieren einer Berufsschule oder einer weiterführenden Ausbildung: Ohne sinnerfassendes Lesen der deutschen Sprache, sowie deren Anwendung mündlich und schriftlich, lässt sich eine Berufsausbildung nicht bewältigten. Die Lesekompetenz gilt daher als eine Schlüsselkompetenz für die berufliche Ausbildung sowie für die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben.

Lt. Kinderrechtskonvention haben allerdings alle Kinder sowohl das Recht auf Entwicklung als auch auf Gleichbehandlung (auch im Sinne der Chancengleichheit), deshalb brauchen die oben beschriebenen Gruppen besondere Unterstützung um gegenüber ihren Mitschülern „aufzuholen“ und so aufgrund ihrer individuell erbrachten Leistungen eine soziale Position zu erlangen, die ihnen ein sorgenfreies Leben ermöglichen wird. 

Wie wichtig war es, den Bank Austria Sozialpreis auch in Corona-Zeiten planmäßig durchzuführen?
Die Situation hat sich seit März 2020 („Coronakrise“) sichtlich verschärft: Das Home-Schooling ohne passendes Equipment und ohne ausreichende Unterstützung durch Familienmitglieder lässt Kinder bildungsferner Eltern, bzw. Eltern mit anderen Erstsprachen als Deutsch, zu den echten „Verlierern“ werden. Die planmäßige Durchführung des Sozialpreises ist essenziell und als Erfolgsfaktor zu betrachten. Die rechtzeitige Bereitstellung zusätzlicher finanzieller Mittel eröffnet die Möglichkeit, die Angebotspalette für unterstützungsbedürftige Kinder und Jugendliche zu erweitern. 

Fotocredits: © Caritas Linz
 

Das Angebot der „Lesehunde“ richtet sich an Kinder und Jugendliche mit Leseschwierigkeiten aus bildungsbenachteiligten Familien sowie an jene mit eingeschränkten sprachlichen oder finanziellen Ressourcen. Viele Kinder haben Leseschwierigkeiten, die sich nur durch gezieltes Üben beseitigen lassen. Leider lesen gerade die betroffenen Kinder und Jugendliche nicht gerne. Aus Angst vor Kritik sinkt die Motivation das (laute) Lesen zu üben. Lesehunde helfen, Ängste und Zweifel zu überwinden und die Lesekompetenz zu steigern. Ein Lesehund hört zu – geduldig und ohne zu korrigieren, übt keine Kritik und erzeugt ein Gefühl der bedingungslosen Akzeptanz. Er kommt einmal pro Woche in die Caritas-Einrichtung. In einem ruhigen Raum liest das Kind „seinem“ Lesehund vor. Eine ausgebildete Begleitperson fungiert als Beobachter oder Beobachterin. Sollte eine Hilfestellung notwendig sein, wird diese über den Hund gegeben, z.B. „Der Hund hat das nicht verstanden. Lies es ihm bitte noch einmal vor“. Von zwölf Kursblöcken können 72 Schülerinnen und Schüler und ca. sechs bis zehn Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen profitieren.

Die Hauptmotivation zur Einreichung für den Bank Austria Sozialpreis 2020 liegt in der Finanzierung dieses neuen Projekts. Mit dem Preisgeld sollen die Projektkosten gedeckt werden.

Das Projektziel ist die Steigerung der Lesekompetenz. Negative lesenbezogene Emotionen (wie Nervosität, Stress, Angst) sollen durch den Lesehund mit positiven Erfahrungen und Emotionen (wie Freude und Entspannung) ersetzt werden. Dadurch wird die Eigenmotivation zu lesen gesteigert.

Eine aktive Beteiligung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bzw. Kundinnen und Kunden der Bank Austria ist in den sechs Lerncafés der Caritas in Oberösterreich jederzeit möglich. Dort werden Kinder und Jugendliche von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterstützt.