UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator
Aufhellung der Konjunkturstimmung zu Beginn der zweiten Jahreshälfte
- Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator stieg im Juli auf minus 0,8 Punkte und erreichte den höchsten Stand seit Beginn des Irankonflikts
- Stimmungsverbesserung in allen Wirtschaftssektoren, dennoch überwiegt weiterhin der Pessimismus
- Nach Stagnation im zweiten Quartal: Günstigere Aussichten für die zweite Jahreshälfte, doch anhaltende geopolitische Spannungen begrenzen die Konjunkturverbesserung
- Schwaches Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent im Gesamtjahr 2026 dürfte leichten Anstieg der Arbeitslosenquote auf 7,5 Prozent im Jahresdurchschnitt nach sich ziehen
- Beschleunigung des BIP-Anstiegs 2027 auf 1,2 Prozent sollte zu einer leichten Entspannung am Arbeitsmarkt führen
- Energiepreise halten Inflationsdruck hoch, Teuerung von 3,2 Prozent für 2026 und 2,5 Prozent für 2027 weiterhin erwartet
- EZB dürfte Leitzinsen im September nochmals um 25 Basispunkte anheben

Trotz der anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten hat sich die Konjunkturstimmung in Österreich zu Beginn der zweiten Jahreshälfte spürbar verbessert. „Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator stieg im Juli auf minus 0,8 Punkte und erreichte damit den höchsten Stand seit den Verwerfungen infolge des US-Angriffs auf den Iran und der Blockade der Straße von Hormus“, meint UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer und ergänzt: „Die deutliche Stimmungsaufhellung gegenüber dem Vormonat erfasste alle Wirtschaftssektoren. Besonders stark fiel die Verbesserung in der Industrie aus, aber auch der Dienstleistungssektor zeigte eine merkliche Erholung.“
Weniger Pessimismus in allen Wirtschaftssektoren
Trotz der Belastungen durch den Krieg im Iran hat sich das Konjunkturklima seit Jahresbeginn in Industrie und Bau verbessert. Lediglich im Dienstleistungssektor fiel die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage im Juli etwas schwächer aus als zu Jahresbeginn.
„Besonders deutlich hat sich die Stimmung in der heimischen Industrie aufgehellt. Der entsprechende Indikator erreichte den höchsten Stand seit April 2023. In der Bauwirtschaft fiel die Verbesserung nur moderat aus, getragen vom Hoch- und Tiefbau, während die Nebengewerbe weiterhin unter Druck standen. Einzig im Dienstleistungssektor lag die Konjunkturstimmung unter dem Niveau zu Jahresbeginn, belastet von der anhaltenden Verunsicherung der Konsumenten“, erläutert Bruckbauer.
Trotz des weiterhin hohen Pessimismus im Dienstleistungssektor leistete dieser Bereich den größten Beitrag zum Anstieg des UniCredit Bank Austria Konjunkturindikators im Juli. Ausschlaggebend war vor allem die Entspannung bei der Inflation, die sich unter anderem in niedrigeren Treibstoffpreisen widerspiegelte.
Im Baugewerbe nahm der Pessimismus in allen Teilbereichen leicht ab, obwohl die Auftragslage weiterhin schwach blieb. In der Industrie trugen eine verbesserte Auftragslage und eine leichte Entspannung beim Kostendruck zur Stimmungsaufhellung bei. Zudem profitierte die exportorientierte Wirtschaft von einem günstigeren internationalen Umfeld. Der mit den österreichischen Handelsanteilen gewichtete Indikator für die globale Industriestimmung stieg im Juli, insbesondere aufgrund der verbesserten Entwicklung in Europa.
„Trotz der jüngsten Aufhellung blieb die Stimmung in allen Wirtschaftssektoren im pessimistischen Bereich und lag teilweise deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage in Österreich war zudem bereits den fünften Monat in Folge schwächer als im Euroraum. Positiv ist, dass sich dieser Rückstand in allen Bereichen verringerte, am stärksten im Dienstleistungssektor. Die größte Differenz zum Euroraum bestand weiterhin in der Industrie“, erklärt UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.
Erholung unter schwierigen Bedingungen
Nachdem die Auswirkungen des Iran-Kriegs im zweiten Quartal die erwartete Delle in der österreichischen Wirtschaft verursacht haben, stützen die aktuellen Stimmungsindikatoren die Erwartung einer schrittweisen Konjunkturerholung. Die Hoffnung auf ein dauerhaftes Abkommen zwischen dem Iran und den USA sowie auf eine Normalisierung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus hat die Stimmung aufgehellt. Sofern weitere Störungen ausbleiben, sollte sich dies in den kommenden Monaten positiv auf die wirtschaftliche Entwicklung auswirken.
Investitionen und Konsum dürften die Erholung tragen. Insbesondere der private Konsum wurde zuletzt durch die höhere Inflation belastet. Die Nachwirkungen des Konflikts, insbesondere Lieferkettenstörungen und höhere Energiekosten, werden die Aussichten jedoch weiterhin dämpfen.
„Mit der Entspannung der geopolitischen Lage sollte die bereits zu Jahresbeginn erkennbare moderate Erholungstendenz wieder einsetzen. Wir erwarten daher weiterhin ein Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent für 2026“, so Pudschedl.
Auch 2027 dürfte zunächst noch von den Nachwirkungen des Iran-Kriegs geprägt sein. Ein stabileres geopolitisches Umfeld und die Normalisierung der Energiemärkte sollten jedoch die Erholung über eine stärkere Inlandsnachfrage festigen. Unter diesen Rahmenbedingungen ist ein etwas stärkerer Anstieg des BIP um 1,2 Prozent möglich.
Arbeitsmarkt stabil angespannt
Trotz der schwachen Konjunktur zeigt sich der österreichische Arbeitsmarkt weiterhin robust. Die Zahl der Arbeitssuchenden stieg seit Jahresbeginn nur moderat um rund 4.000 Personen, unterstützt von einem leichten Beschäftigungszuwachs. Zudem stützen der anhaltende Fachkräftemangel und das nur noch langsam wachsende Arbeitskräfteangebot die Nachfrage nach Beschäftigten. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote verharrt seit dem Frühjahr bei 7,6 Prozent.
Mit der erwarteten schrittweisen Erholung der Wirtschaft sollte sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten stabilisieren und im Verlauf des Jahres 2027 sogar ein leichter Rückgang der Arbeitslosenquote einsetzen können. „Nach dem Anstieg der Arbeitslosenquote auf durchschnittlich 7,5 Prozent im Jahr 2026 sollte die wirtschaftliche Belebung 2027 zu einer allmählichen Entspannung beitragen. Im Jahresdurchschnitt erwarten wir eine Arbeitslosenquote von 7,4 Prozent", so Pudschedl.
Teuerung im Juli dank Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel unter 3 Prozent
Begünstigt durch sinkende Treibstoffpreise hat sich die Inflation in Österreich seit ihrem Höchststand von 3,7 Prozent im Mai deutlich abgeschwächt. Nach vorläufigen Schätzungen ging die Inflationsrate im Juli auf 2,7 Prozent zurück und fiel damit erstmals seit Ausbruch des Iran-Konflikts wieder unter 3 Prozent. Der aktuelle Rückgang war allerdings wesentlich durch die Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel geprägt. In den ersten sieben Monaten des Jahres betrug die durchschnittliche Inflationsrate 2,9 Prozent.
Der Inflationsdruck bleibt in den kommenden Monaten jedoch erhöht. Darauf deutet die weiterhin über 3 Prozent liegende Kerninflation hin. Neben der starken Preisdynamik im Dienstleistungssektor bestehen Risiken stärkerer Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln infolge hitzebedingter Ernteausfälle. Auch die Energiepreise dürften weniger stark zurückgehen als ursprünglich erwartet, da Raffinerieengpässe die Weitergabe der gesunkenen Rohölpreise verzögern.
„Wir erwarten für Österreich im Jahresdurchschnitt 2026 eine Inflationsrate von 3,2 Prozent. Auch im Euroraum dürfte die Teuerung mit 2,9 Prozent über dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank liegen“, so Pudschedl.
Erneute Straffung der Geldpolitik im September wahrscheinlich
Für die Europäische Zentralbank bleibt die Lage herausfordernd. Zwar haben sich die Rohölmärkte etwas beruhigt, hohe Raffineriemargen und Kapazitätsengpässe verhindern jedoch weiter einen stärkeren Rückgang der Energiekosten. Hinzu kommen Risiken durch steigende Nahrungsmittelpreise und mögliche Zweitrundeneffekte des Energiepreisanstiegs.
„Die geopolitischen Risiken im Nahen Osten, die Unsicherheit auf den Energiemärkten und die robuste Entwicklung der Arbeitsmärkte sprechen dafür, dass die EZB ihren Straffungszyklus noch nicht abgeschlossen hat. Wir rechnen daher weiterhin mit einer Anhebung der Leitzinsen um 25 Basispunkte bei der September-Sitzung“, so Bruckbauer.
Unter der Annahme, dass es zu keiner weiteren Eskalation an den Energie- und Rohstoffmärkten kommt, dürfte dieser Schritt den Endpunkt des aktuellen Straffungszyklus markieren. Der Einlagensatz würde damit auf 2,50 Prozent steigen. Aufgrund der Risiken einer verfestigten Inflation könnte eine restriktive Geldpolitik jedoch länger notwendig bleiben und eine mögliche Lockerung gegen Ende 2027 verzögern.


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UniCredit Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
Walter Pudschedl, Tel.: +43 (0) 5 05 05-41957;
E-Mail: walter.pudschedl@unicreditgroup.at