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"Das IPO-Fenster sollte rasch genutzt werden"

Christoph Boschan, CEO der Wiener Börse, über die Möglichkeiten zur Stärkung des Eigenkapitals und die Bedeutung eines funktionierenden Kapitalmarkts für die Wirtschaft.

Christoph Boschan, CEO der Wiener Börse

Welche Bedeutung wird Risikokapital bei der Stärkung der Finanzstruktur der österreichischen Unternehmen spielen?
In schwierigen Zeiten sind Unterstützungsmaßnahmen für Unternehmen wichtig und richtig. Um aus dem Krisenmodus und in Richtung Zukunftsfitness zu kommen, braucht es den größtmöglichen Hebel. Auch wenn Fremdkapitalfinanzierung in einem Land wie Österreich hervorragend funktioniert, so ist ein Mangel an Risikokapital tragisch. Nur mit Eigenkapital kann Innovation, Expansion und technologische Weiterentwicklung im großen Stil finanziert werden. Investoren sind zurzeit sehr geneigt, Kapital für gute Ideen zur Verfügung zu stellen. Dieses IPO-Fenster sollte rasch genutzt werden.

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf die Eigenkapitalbasis österreichischer Unternehmen aus? Im Zuge der Krise haben sich staatliche, halbstaatliche oder private Initiativen für Beteiligungsfinanzierung gebildet. Wie beurteilen Sie deren Wirksamkeit?
Grundsätzlich begrüßen wir jede Initiative sehr, die die Eigenkapitalfinanzierung in Österreich unterstützt. Allerdings sind Initiativen wie über AWS, die Eigenkapital-Fonds der Bundesländer, die neuen Fonds verschiedener Großbanken oder auch diverse Crowdinvesting-Plattformen geradezu zwergenhaft im Lichte von 30 bis 40 Milliarden Euro Eigenkapitalverlust österreichischer Emittenten im Zuge der Krise. Wir möchten dazu ermutigen, dass diese Initiativen noch größer gedacht werden. Wenn die Regierung auch das Investieren erleichtert, wie im Regierungsprogramm angekündigt, kann mehr privates Kapital aktiviert und für Gesellschaft und Wirtschaft nutzbar werden.

Wie haben sich die von Ihnen initiierten Marktsegmente „direct market“ und „direct market plus“, in denen Unternehmen auch mit geringeren Publizitätsanforderungen und weniger Kosten an der Börse notieren können, entwickelt?
Unser Angebot an heimische Unternehmen für einen einfacheren Kapitalmarkteinstieg wird vom Markt gut angenommen. So gab es im Vorjahr fünf Neuzugänge. 2021 begrüßten wir bereits drei neue Unternehmen in diesem Segment und erwarten ein Upgrade in den Marktbereich direct market plus. Unternehmen nutzen unser direct Network, bei dem erfahrene Kapitalmarktpartner potentiellen Interessenten an einem Börsengang mit Informationen zur Verfügung stehen.

Welche Vorteile und Nachteile hat eine Kapitalaufnahme für Unternehmen in diesen beiden Segmenten der Wiener Börse im Vergleich zu Private-Equity-Beteiligungen?
Private Equity ist in der klassischen Finanzierungslaufbahn die Vorstufe zum Börsengang. Es ist ein weltweiter Trend, dass Private-Equity-Finanzierungen immer großvolumiger werden und der Schritt an die Börse später erfolgt. Die Öffnung für den Kapitalmarkt bietet Unternehmen Zugang zu mehr Kapital und Investoren Exit-Möglichkeiten. Börsenpräsenz ist ein Turbo für die Sichtbarkeit und schafft eine hilfreiche Struktur und Ordnung. Mit den Einstiegssegmenten direct market und direct market plus bieten wir Aktiengesellschaften eine Möglichkeit, auch ohne gleichzeitige Finanzierungsrunde von den Börsenvorteilen zu profitieren. Unternehmen, die diesen Schritt gehen, bieten ihren Aktionären die Möglichkeit, ihre Anteile jederzeit zu handeln.

Wie wichtig ist ein entwickelter Kapitalmarkt für die Bewältigung von Krisen wie jener, die durch die Pandemie hervorgerufen worden ist?
Enorm wichtig! Der in Österreich zu verteilende Wohlstand beruht im Kern allein auf der Leistungsfähigkeit seiner privaten Unternehmen im Verbund mit den Arbeitnehmern. Zur Bewältigung von Krisen ist eine Rückkehr zum Wachstum essenziell. Im Zuge der Corona-Pandemie wird sich wieder herauskristallisieren, dass Volkswirtschaften mit entwickelten Kapitalmärkten nachhaltigeres und schnelleres Wachstum zeigen. Wie funktionsfähig unser heimischer Kapitalmarkt ist, haben die größeren Börsengänge der letzten Jahre gezeigt. Marinomed Biotech konnte Forschung für Medikamente finanzieren, die heute gegen Coronaviren eingesetzt werden.

Was zeichnet die Wiener Börse aus und unterscheidet sie von anderen Finanzplätzen?
Wir feiern heuer unser 250. Jubiläumsjahr und zählen damit zu den ältesten Börsen weltweit. Heute decken wir neben Aktien und Anleihen nationaler und internationaler Unternehmen die gesamte Anlagepalette inklusive ETFs und Zertifikate ab. Keine andere europäische Börse der gleichen Größenordnung in Europa weist heute einen vergleichbaren Diversifikations- und Effizienzgrad auf. Dieses Haus ist damit hervorragend positioniert. Kurz gesagt: Wir blicken stolz auf unsere Historie zurück, gehen aber vor allem motiviert in eine spannende Zukunft.

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