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Historische Verantwortung

Die Bank Austria hat bezüglich der Ansprüche von Holocaust-Opfern gegen die damalige Bank Austria AG und ihre damalige 100 % ige Tochter, Creditanstalt AG, einen gerichtlichen Vergleich abgeschlossen, der im August 2001 rechtswirksam wurde.

Der Vergleich sah 40 Mio. US-Dollar für einen Vergleichsfonds vor sowie die Einsetzung einer unabhängige Historikerkommission, die einen Bericht erstellen und ein öffentlich zugängliches Archiv schaffen sollte.

Umfangreicher Bericht vorgestellt

Der Bericht der Historikerkommission wurde am 29. November 2006 der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit der 2-bändigen und mehr als 2.000 Seiten umfassenden Publikation "Österreichische Banken und Sparkassen im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit" hat die internationale und unabhängige Historikerkommission der Bank Austria ihre fünfjährige Arbeit abgeschlossen.

Auf Basis einer Gerichtsentscheidung durch Richterin Shirley Wohl Kram im Rahmen eines Vergleichs über "In re Austrian and German Bank Holocaust Litigation" vor dem US District Court, Southern District of New York, nahm am 30. Juni 2000 die im Vergleich vereinbarte unabhängige Historikerkommission ihre Arbeit auf.

Historischer Bericht und Historisches Archiv

Das Gericht legte als Aufgaben fest: Verfassen eines historischen Berichts über die Politik der Creditanstalt-Bankverein, der Länderbank Wien sowie der Zentralsparkasse Wien im Zeitraum 1933 bis 1946 sowie - auf Basis einer eigenen Opinion und Order der Richterin vom 6. Januar 2000 - alle damit zusammenhängenden Dokumente zu sammeln, zu dokumentieren und ein permanentes und öffentlich zugängliches Archiv zu schaffen.

 Das Historische Archiv der Bank Austria

Fünfjährige Forschungsarbeit

Mit der Präsentation der 2-bändigen und mehr als 2.000 Seiten umfassenden Publikation "Österreichische Banken und Sparkassen im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit" im November 2006 schloss die internationale und unabhängige Historikerkommission der Bank Austria ihre Arbeit ab.

Erstes öffentlich zugängliches Bankarchiv

Im Mai 2008 wurde mit dem "Historischen Archiv der Bank Austria" das erste öffentlich zugängliche Bankarchiv in Österreich nach internationalem Vorbild eröffnet.

Arbeitsprogramm

Die Arbeit der unabhängigen Historikerkommission der Bank Austria beinhaltete gemäß des Gerichtsvergleichs vom 6. Januar 2000 zwischen der Bank Austria und den US Holocaust-Opfern einen eindeutigen thematischen Schwerpunkt, der in einzelne Arbeitsbereiche unterteilt wurde.

Die Arbeit der unabhängigen Historikerkommission der Bank Austria war mit Ende 2006 abgeschlossen. Der Endbericht der Kommission wurde in Buchform veröffentlicht.

Auftrag

Am 30. Juni 2000 hat die unabhängige Historikerkommission der Bank Austria ihre Arbeit aufgenommen. Basierend auf dem Gerichtsvergleich 98 Civ. 3938 des New Yorker District Court vom 6. Januar 2000 unter dem Vorsitz der Richterin Shirley Wohl Kram zwischen der Bank Austria und den US Holocaust-Opfern wurde die Kommission beauftragt, die Aktivitäten der österreichischen Banken, d.h. der Creditanstalt-Bankverein, der Länderbank sowie der Zentralsparkasse, während der Zeit des Nationalsozialismus zu untersuchen und Geschädigte zu eruieren.

Die Historikerkommission war bis Ende des Jahres 2006 eingesetzt; anschließend wurden alle Dokumente und Informationen archiviert und öffentlich zugänglich gemacht.

Vorsitzender der unabhängigen Historikerkommission war Univ. Prof. Gerald D. Feldman, Professor für Geschichte an der University of California/Berkeley; Mitglieder waren Univ.-Prof. DDr. Oliver Rathkolb, Institut für Zeitgeschichte der Univ. Wien, sowie Dr. Theodor Venus, Lektor an der Universität Wien; Dr. Ulrike Zimmerl hatte die wissenschaftliche Projektkoordination der Historikerkommission inne.

Arbeitsplan

Die unabhängige Historikerkommission der Bank Austria hatte den Auftrag, die Aktivitäten der Creditanstalt-Bankverein, der Länderbank Wien sowie der Zentralsparkasse Wien während der Zeit des Nationalsozialismus zu untersuchen. Unter "Aktivitäten" wird dabei das Bankengeschäft im Allgemeinen sowie die Beteiligung der Banken an der Arisierung von Wirtschaftsunternehmen bzw. der Übernahme von arisierten Unternehmungen in Österreich und der Bereicherung durch Entzug von Privatvermögen verstanden.

Die thematische Schwerpunktsetzung von Gerald D. Feldman lag auf der Übernahme der Mercurbank und der Länderbank Wien durch die Dresdner Bank und der Creditanstalt-Bankverein durch die Deutsche Bank sowie deren Beteiligung an der "Arisierung".

Theodor Venus analysierte die Zentralsparkasse Wien hinsichtlich ihrer personellen Veränderungen sowie ihrer zunehmend bedeutenderen Rolle auf dem Bankensektor während der NS-Zeit.

Oliver Rathkolb erforschte die Bankenpolitik der Creditanstalt-Bankverein, der Länderbank und der Zentralsparkasse hinsichtlich Restitution und Wiedergutmachung nach 1945 im Rahmen der österreichischen Restitutionsgesetzgebung.

Ulrike Zimmerl untersuchte die Bank für Kärnten, die Bank für Oberösterreich und Salzburg, die Bank für Tirol und Vorarlberg und die Niederlassungen der Creditanstalt-Bankverein sowie den Einfluss der NS-Parteipolitik auf die Zweigstellen der Banken in den österreichischen Bundesländern.

Recherchearbeiten

Zur Untersuchung der Aktivitäten der Creditanstalt-Bankverein, der Länderbank Wien und der Zentralsparkasse Wien während der Zeit des Nationalsozialismus wurden aus folgenden Archiven Dokumente und Materialien herangezogen:

  • Archive der Bank Austria, Wien
  • Landesdirektionen und Filialen der Bank Austria
  • Österreichisches Staatsarchiv, Wien
  • Archiv der Oesterreichischen Nationalbank, Wien
  • Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Wien
  • Archiv des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien
  • Deutsches Bundesarchiv, Berlin
  • Staatsarchiv Nürnberg
  • Historisches Institut der Deutschen Bank, Frankfurt/M.
  • Archiv der Dresdner Bank, Frankfurt/M. u. Berlin
  • Archiv des Instituts für Zeitgeschichte der Universität München
  • Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes, Berlin
  • US National Archives, Washington DC

sowie aus Archiven in Moskau/Russland; Krakau/Polen; Prag/Tschechische Republik; Pressburg/Slowakische Republik; Budapest/Ungarn; Belgrad/Serbien und Montenegro; Zagreb/Kroatien; Ljubljana/Slowenien; Paris/Frankreich; London/UK.

Publikation

Der Endbericht der unabhängigen Historikerkommission der Bank Austria erschien im Jahr 2006. Eine Buchpublikation dieses Berichts in englischer Sprache ist ebenfalls geplant.

Endbericht

Feldman, Gerald D., Rathkolb, Oliver, Venus, Theodor, Zimmerl, Ulrike
Österreichische Banken und Sparkassen im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit 
Band 1: Creditanstalt-Bankverein - Band 2: Creditanstalt-Regionalbanken, Länderbank und Zentralsparkasse
Zwei Leinenbände im Schmuckschuber.
2006. Etwa 1.164 Seiten. Leinen.
C.H. BECK ISBN 13 978-3-406-55158-5

Das Team

Das Team der Historikerkommission der Bank Austria bestand aus:

Klicken Sie bitte auf die jeweiligen Namen, um Lebenslauf und Publikationen der Mitglieder der Historikerkomission zu lesen.

Archivrecherche der Kommission im Februar 2003. Die Aufnahme zeigt den Archivbestand des Finanzministeriums in Prag, der im Getreidespeicher der Schlossanlage in Kladno/Prag untergebracht ist.

MitarbeiterInnen:

  • Mag. Markus Purkhart
  • Dr. Doris Sottopietra †
  • Remigio Gazzari

ÜbersetzerInnen und DolmetscherInnen bei Archivreisen:
MMag. Vera Ahamer (Ungarn), Mag. Martin Knor (Serbien, Kroatien, Slowenien), Dr. Sarka Jarska (Tschechien), Peter Koura (Tschechien), Vesna Aleksic, MA (Serbien), Aleksandar Marinkovic (Serbien) und Krzysztof Zalewski (Polen).

Chronologie

3. Juni 1988
Klage von Ed Fagan gg. Deutsche Bank, Dresdner Bank und deutsche Bankinstitutionen

27. Juli 1988
Publikation des Berichts der Historikerkommission der Deutschen Bank: Die Deutsche Bank und ihre Goldtransaktionen während des Zweiten Weltkrieges (CA wird darin als Drehscheibe für den Opfergoldhandel zw. Deutsche Bank und ihrer Filiale in Istanbul bezeichnet)

24. August 1998
Gründung des Projekts "Columbus" zur Erfassung, Dokumentation und Analyse aller verfügbaren historischen Dokumente der BA CA Bankengruppe zwischen 1938 und 1945

18. August 1998:
Ultimatum Fagans an CA, bis zum 19. September in Gespräche mit ihm einzutreten - CA lehnt ab

September 1998:
Beauftragung von Stroock & Stroock & Lavan

5. Oktober 1998:
Klage Fagans gg. Deutsche Bank, Dresdner Bank, CA-Bank Austria und deutsche und österr. Bankinstitutionen - der CA in New York zugestellt

14. Oktober 1998:
1. Zwischenbericht des Projekts Columbus an Stroock

27. Oktober 1998:
Klage der Rechtsanwaltskanzlei Weiss/Hausfeld gg. Deutsche Bank, Dresdner Bank, Commerzbank und deutsche Bankinstitutionen

8./11. Nov. 1998:
Klage von Weiss/Hausfeld gg. BA CA, Deutsche Bank, Dresdner Bank, deutsche und österr. Bankinstitutionen
Zusammenlegung der Klagen Fagan und Weiss/Hausfeld zu einer Klage

17. November 1998:
Deposition upon Oral Examination of Dr. Karl Tambornin 

23. November 1998:
Treffen von Rechtsanwalt Ewald Weninger mit dem Präsidenten des World Jewish Congress, Israel Singer

4. Dezember 1998:
"Aspekte der völkerrechtlichen Regelung vermögensrechtlicher Fragen, die aus dem Zweiten Weltkrieg resultieren", Gutachten von Univ. Prof. Dr. Gerhard Hafner und ao. Univ. Prof. Mag. Mag. Dr. August Reinisch LL.M.

8. Dezember 1998:
"Rechtsgutachten zu vermögensrechtlichen Ansprüchen der Opfer des Nationalsozialismus nach österreichischem Recht", erstattet von ao. Univ. Prof. Dr. Hanns F. Hügel und ao. Univ. Prof. Paul Oberhammer

16. Dezember 1998:
Richterin Shirley Wohl Kram ernennt den ehem. US-Senator Alfonse M. d'Amato zum Special Master

Dezember 1998:
Bericht des Projekts Columbus + Trainees an Stroock & Stroock & Lavan

11. Jänner 1999:
Klage gegen BA und RZB (Raiffeisen Zentralbank)

26. Jänner 1999:
Treffen von Generaldirektor Randa, Rechtsanwalt Weninger, dem Präsidenten des WJC, Singer, und dem ehem. US-Senator d'Amato - gefolgt von einer gemeinsamen Erklärung für ein Settlement Agreement und dessen Unterstützung

12. März 1999:
Rechtsgutachten betreffend Bankgeheimnis von o. Univ. Prof Dr. Christian Nowotny

15. März 1999:
Settlement Agreement with Creditanstalt AG and Bank Austria AG in re Austrian and German Bank Holocaust Litigation
+ Exhibit A: Liste der Beteiligungen
+ Exhibit B: Final Order and Judgement, Addendum to Settlement Agreement with CA and BA (14. Mai 1999), Second Addendum to Settlement Agreement (14. Juni 1999), Stipulation and Order 18. Juni 1999 (Unterschrift Swift, Mechling) so ordered 23. Juni 1999 (Unterschrift Kram)

24. März 1999:
Aufsichtsratsitzung der Bank Austria

18. Mai 1999:
CA-Hauptversammlung

19. Mai 1999:
8. ordentliche Bank Austria-Hauptversammlung: Top 9: Genehmigung des Vergleichs mit Opfern des Nationalsozialismus zur Erledigung der in den USA gg. die Gesellschaft eingebrachten Sammelklagen

17. Juni 1999:
Ernennung des US-Anwalts Bob Swift zum Interim Plaintiffs' Lead Counsel

23. Juni 1999:
Order von Richterin Kram betreffend Verfassung der Class Notice und weltweite Suche nach Opfern; Festsetzung des Fairness Hearings für 1.11.1999

24. Juni 1999:
Declaration of Curtis Mechling

9. Juli 1999:
Declaration of Hannah Lessing

14. Juli 1999:
Declaration of Michaela Zacherl

28. Juli 1999:
Order von Kram betreffend Bestellung Mitglieder: 1. Historikerkommission, 2. Restitution Committee, 3. Claims Committee

Juli / August 1999:
Vereinbarung zwischen BA CA und Nationalfonds über die Abwicklung der Veröffentlichung der Class Notice

Aug. / Sept. 1999:
Aussendung der Class Notice durch Nationalfonds an ca. 30.000 Opfer weltweit

18. Oktober 1999:
Deadline für Exclusion from Settlement Class/Optout + Einspruch gg. Settlement Agreement/ Objection

22. Oktober 1999:
Joint Declaration of Dr. Gerhard Hafner and Dr. August Reinisch

23. Oktober 1999:
Declaration of Dr. Paul Oberhammer

Oktober 1999:
Declaration of John Rees

1. November 1999
Fairness Hearing

November 1999
Stipulation and Order (Amendment zum Settlement Agreement: gez. Swift, Steinberg; betreff. Beteiligungen)

Ende November 1999:
Aussendung des Anspruchsformulars durch Nationalfonds an Opfer

6. Jänner 2000
Richterliche Genehmigung des Vergleichs durch Memorandum Opinion and Order in re Austrian and German Bank Litigation

11. Jänner 2000:
Antrag von Peter Georgi an das Plenargremium des United State Court of Appeals

13. Jänner 2000:
Order publiziert

17. Februar 2000:
Ende der Berufungsfrist (Berufung von zwei jüdischen Organisationen und Peter Georgi)

11. April 2000:
US Holocaust Memorial Council and Museum verzichten auf US $ 2 Mio (wie im Settlement Agreement vorgesehen) zu Gunsten der Opfer

26. Mai 2000:
BA-Hauptversammlung: Bewilligung von US $ 5 Mio zusätzlich

31. Mai 2000:
Deadline für Einreichung von Claims in Philadelphia

26. Juni 2000:
Sondervollmacht - Beschluss GD der Creditanstalt AG, Dr. Erich Hampel, bzgl. Aufnahme der Arbeit durch die unabhängige Historikerkommission der Bank Austria und Creditanstalt zur Erforschung der Geschichte der Creditanstalt, Länderbank und Zentralsparkasse Wien in der NS-Zeit

27. Juni 2000:
Berufungsverhandlung Peter Georgi's Appeal

21. Juli 2000:
Bestellung Prof. Gerald D. Feldman durch Richterin Shirley Wohl Kram

15. Mai 2001:
Ablehnung des Antrags von Peter Georgi durch das Plenargremium des United State Court of Appeals der 13 Richter

21. August 2001:
Vergleich rechtskräftig

3. Juli 2002:
Publikation des Berichts des Claims Committee, gez. Wachter, Kupferman, Jacoby; erstattet durch die Rechtsanwaltskanzlei Schlam Stone & Dolan L.L.P.

29. November 2006:
Pressekonferenz und Vorstellung des publizierten Endberichts der unabhängigen Historikerkommission der Bank Austria Creditanstalt.

21. Mai 2008:
Eröffnung des Historischen Archivs der Bank Austria

Gerichtsdokumente

Presseinformation

18.05.2001: BA/CA - Holocaust Settlement Agreement bestätigt

Das United States Court of Appeals for the Second Circuit haben das Holocaust Settlement Agreement mit der Bank Austria AG und der Creditanstalt AG nochmals bestätigt.

Bereits zuvor hatte heuer ein aus drei Richtern bestehendes Gremium des United States Court of Appeals die Entscheidung von Richterin Shirley Wohl Kram, dass das Settlement angemessen ist und der Bank Austria und der Creditanstalt dauerhafte Rechtssicherheit vor jeglichen Holocaust-Ansprüchen gewährt wird, bestätigt. Einer der Kläger ersuchte das aus 13 Richtern bestehende Plenargremium des United States Court of Appeals um eine Neuverhandlung über die Entscheidung. Mit Beschluss vom 15. Mai 2001 lehnte das Plenargremium des Gerichts diesen Antrag ab.

21.08.2001: Bank Austria Holocaust Settlement voll rechtskräftig

Der Vergleich der Bank Austria/Creditanstalt bezüglich der Ansprüche von Holocaust-Opfern gegen die Bank Austria AG und ihre 100 % ige Tochter, Creditanstalt AG, ist rechtlich abgeschlossen und nun voll wirksam. Die Frist für weitere Berufungen beim Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten ist nunmehr verstrichen, ohne dass weitere Rechtsmittel ergriffen wurden.

Der Vergleich der Bank Austria ist die erste Schadenersatzforderung im Konnex mit dem Holocaust, die bei den US-Gerichten zu einem rechtskräftigen Abschluss geführt wurde. Sie ist darüber hinaus einer von nur zwei Fällen, in denen die Federal Courts eine rechtskräftige Entbindung von weiteren Ansprüchen aus dem Titel "Holocaust" erteilt haben.

Der Vergleich sieht 40 Mio. US-Dollar für einen Vergleichsfonds vor; darin enthalten ist ein mit 30 Mio. US-Dollar dotierter Humanitärer Fonds für die Ansprüche jener Holocaust-Opfer, die von Vorgängerinstituten der Bank Austria bzw. der Creditanstalt in der Zeit zwischen 1938 und 1945 geschädigt wurden, als die Nationalsozialisten diese Institute kontrollierten. Seit einigen Jahren hat die Bank Austria im Hinblick auf die Ansprüche Zahlungen auf Sperrkonten geleistet, die nun bei Verfahrensbeendigung frei werden.

Über den Vergleichsfonds hinaus leistet die Bank Austria eine Zahlung von 5 Mio. US-Dollar an die Conference on Jewish Material Claims zugunsten österreichischer Holocaust-Opfer.

Schon 1998 hat die Bank Austria ihre Absicht angekündigt, Ansprüche von Holocaust-Opfern und anderen vom Nazi-Regime Verfolgten gegen ihre Vorgängerinstitute zufriedenzustellen, und lud die Betroffenen zu diesem Zweck ein, eine Sammelklage nach amerikanischem Recht anzustrengen. Die erste Klage wurde kurz danach eingebracht. Danach begann die Bank Austria umgehend mit Vergleichsverhandlungen unter der Aufsicht von US-District-Court Richterin Shirley Wohl Kram und des früheren US-Senators Alfonse D´Amato, der von Richterin Kram als Experte beigezogen wurde.

Richterin Kram erkannte den Vergleich am 6. Jänner 2000 an, nachdem sie ein Fairness Hearing mit den Vergleichsgegnern abgehalten hatte. Ein Anspruchsberechtigter berief gegen den Vergleichsbeschluss. Das US-Berufungsgericht wies die Berufung zurück und bekräftigte den Vergleich am 4. Jänner 2001. Die Frist für weitere Berufungen beim Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten ist nunmehr verstrichen, ohne dass weitere Rechtsmittel ergriffen wurden.

29.11.2006: Historikerkommission stellt umfangreichen Bericht über die Vorgängerinstitute der BA-CA in der NS-Zeit vor

  • Erich Hampel: „Es ist unsere moralische und demokratiepolitische Verpflichtung, Verantwortung zu übernehmen“
  • BA-CA richtet öffentliches, historisches Archiv ein

Mit der 2-bändigen und mehr als 2.000 Seiten umfassenden Publikation „Österreichische Banken und Sparkassen im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit“ hat die im Jahr 2000 eingesetzte internationale und unabhängige Historikerkommission der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) ihre fünfjährige Arbeit abgeschlossen. Eine wesentliche Erkenntnis daraus: Zwar waren die Vorgängerinstitute der BA-CA mit Ausnahme der Zentralsparkasse der Gemeinde Wien unter der Kontrolle deutscher Unternehmen, ihr eigener Handlungsspielraum - vor allem in den Ländern Zentral- und Osteuropas - war jedoch größer als bisher bekannt.

„Die Geschichte der österreichischen Großbanken in der NS-Zeit ist nicht einzig und allein aus der Perspektive der Beziehungen zu ihren deutschen Besitzern oder der Bestrebungen Berlins zu untersuchen“, sagt Gerald D. Feldman, Leiter der Historikerkommission. Trotz des politischen Einflusses deutscher Institutionen – die Creditanstalt-Bankverein befand sich zwischen 1938 und 1942 unter der Kontrollmehrheit der VIAG bzw. der Deutschen Bank und die Länderbank Wien war eine Tochtergesellschaft der Dresdner Bank – besaßen die Banken ein beachtliches Maß an Autonomie. „Sie hatten die Möglichkeit, innerhalb der vom NS-Regime bestimmten Parameter frei zu manövrieren“, so Feldman.

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten in Österreich drückte sich zunächst am Bankensektor in einer radikalen Umgestaltung bzw. Säuberung der Vorstands- und Verwaltungsratsebenen der Wiener Geldinstitute aus. Die rassistisch und politisch motivierten Entlassungen von Angestellten vollzogen sich bei den untersuchten Unternehmen besonders rasch und konsequent. Ihre Beteiligung an den diskriminierenden Maßnahmen gegenüber Juden und politischen Gegnern des NS-Regimes sowie an der „Arisierung“ von Wirtschaftsunternehmen wird in der umfassenden Aufarbeitung der Geschichte evident gemacht.

„Wir haben sowohl gegenüber den Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft als auch gegenüber der Gesellschaft eine demokratiepolitische und moralische Verpflichtung, zu unserer Verantwortung zu stehen“, sagt Erich Hampel, Vorstandsvorsitzender der BA-CA.

Die österreichischen Banken spielten eine entscheidende Rolle bei der Eingliederung österreichischer Kreditinstitute in das nationalsozialistische Deutschland und dessen Kriegswirtschaft. So unterstützten sie zum Beispiel die zu „kriegswichtigen“ bzw. „Rüstungsbetrieben“ erklärten Unternehmen. In der territorialen Expansion des «Dritten Reiches» sahen die Banken damals zweifellos eine Chance zur Erweiterung ihrer Tätigkeitsbereiche. Im Vordergrund stand dabei oft der wirtschaftliche Nutzen.

„Die Auseinandersetzung mit der Rolle von österreichischen Bankmanagern während der nationalsozialistischen Expansion in Europa gegenüber den jüdischen Kundinnen und Kunden und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern jüdischer Herkunft ist ein wichtiger Schritt in Richtung einer gemeinsamen europäischen Geschichtsbetrachtung. Dabei wird auch die Bankenpolitik während des Nationalsozialismus in den ost- und südosteuropäischen Staaten kritisch hinterfragt – in Städten und Ländern, die zum heutigen Markt der BA-CA gehören“, resümiert Oliver Rathkolb, Mitglied der Historikerkommission.

BA-CA richtet ein öffentliches, historisches Archiv ein
Die BA-CA will die Endberichte der Historikerkommission nicht als einen Abschluss sehen. Das Quellenmaterial der Historikerkommission – immerhin etwa 1.500 Laufmeter an Akten – soll der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. In der Zentrale der BA-CA in der Wiener Schottengasse ist deshalb bereits ein historisches Archiv unter der Leitung von Ulrike Zimmerl errichtet worden. Forschungen über die österreichische Banken- und Wirtschaftsgeschichte sollen so erleichtert werden.

Die unabhängige Historikerkommission wurde im Jahr 2000 im Zuge eines Vergleichs zwischen Holocaustopfern und der BA-CA gemäß einem Auftrag durch das US District Court, Southern District of New York, gegründet. Ziel der Untersuchung war die lücken- und vorbehaltlose Offenlegung der Aktivitäten der Creditanstalt-Bankverein, der Länderbank Wien, der Zentralsparkasse der Gemeinde Wien sowie der Regionalbanken wie der Bank für Kärnten, der Bank für Oberösterreich und Salzburg sowie der Bank für Tirol und Vorarlberg während des NS-Regimes in Österreich von 1938 bis 1945.

Zu den Mitgliedern der Historikerkommission:

Univ. Prof. Dr. Gerald D. Feldman, Leiter
Univ. Prof. DDr. Oliver Rathkolb,
Dr. Theodor Venus
Dr. Ulrike Zimmerl

Zur Publikation:

Gerald D. Feldman, Oliver Rathkolb, Theodor Venus, Ulrike Zimmerl
Österreichische Banken und Sparkassen im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit
Band 1: Creditanstalt-Bankverein
Band 2: Creditanstalt-Regionalbanken, Länderbank und Zentralsparkasse

Erschienen im Verlag C.H.Beck. 2006.
Zwei Leinenbände im Schmuckschuber
Band 1: 942 Seiten mit 24 Abbildungen
Band 2: 1077 Seiten mit 61 Abbildungen 
ISBN 978-3-406-55158-1

 

 

 

 

 

 

Endbericht

Feldman, Gerald D., Rathkolb, Oliver, Venus, Theodor, Zimmerl, Ulrike
Österreichische Banken und Sparkassen im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit
Band 1: Creditanstalt-Bankverein
Band 2: Creditanstalt-Regionalbanken, Länderbank und Zentralsparkasse
Zwei Leinenbände im Schmuckschuber.
2006. Etwa 1.164 Seiten. Leinen.
ISBN 13 978-3-406-55158-5

Links

Die Bank Austria macht mit dem Historischen Archiv ihre 153-jährige Unternehmensgeschichte einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Damit sind gleichzeitig alle geschichtlich relevanten Dokumente des Hauses und ihrer Vorgängerinstitute – Länderbank, Zentralsparkasse und Kommerzialbank Wien (Z) sowie Creditanstalt-Bankverein (CA) – in einem zentralen Archiv gesammelt.

Mit der Einrichtung dieser Sammlung erweitert die Bank Austria nicht nur das unternehmensinterne Informationsangebot für die MitarbeiterInnen, sondern etabliert auch eine Serviceeinrichtung für einen interessierten Kreis an externen Nutzern wie zum Beispiel Wissenschaftern, Geschichtsforschern, Studierenden oder Medien.

3.000 Laufmeter österreichischer Bankengeschichte von 1855 bis 1970

Auf einer Länge von 3.000 Laufmetern - oder umgerechnet etwa 30.000 Archivkartons mit Schriftgutbeständen, Fotos, Plakaten und audiovisuellen Aufzeichnungen auf Dias, Filmen und Tonbändern - enthält das Bankarchiv zahlreiche historische Dokumente zur Geschichte und Geschäftstätigkeit der Bank Austria und ihrer Vorgängerinstitute von der Gründung der CA im Jahr 1855 bis 1970.

Lückenlose Offenlegung der Bankaktivitäten während der NS-Zeit

Mit der Etablierung eines zentralen Historischen Archivs beweist die Bank Austria auch besonders hohe Transparenz im Hinblick auf die Umsetzung zweier rechtlicher Bestimmungen. Einerseits sieht eine Vergleichsvereinbarung mit österreichischen Holocaustopfern die lückenlose Offenlegung der Bankaktivitäten während der NS-Zeit vor, was mit der Publikation der Endberichte der unabhängigen HistorikerInnenkommission der Bank Austria und dem Zugang zu den Forschungsunterlagen bereits seit November 2006 geschieht.

Andererseits stellt eine Denkmalschutzbestimmung des österreichischen Staatsarchivs aus dem Jahr 2001 im Namen des öffentlichen Interesses Akten von 1933 bis 1967 von 74 Banken und Unternehmen unter Schutz, in der auch die Vorgängerinstitute der Bank Austria genannt sind.

Nachhaltige Wissensvermittlung und Geschichtsverantwortung

Die Errichtung des Historischen Archivs ist auch in engem Zusammenhang mit sämtlichen Nachhaltigkeitsaktivitäten der Bank Austria zu sehen. In Zeiten des raschen und tiefgreifenden Wandels sind die historischen Erfahrungen eines Unternehmens, das Wissen um gemeinsame Werte und Leistungen für die Bewahrung der eigenen Identität von tragender Bedeutung und eine Grundlage für die erfolgreiche Bewältigung zukünftiger Herausforderungen.

Die Bestände des Historischen Archivs der Bank Austria werden laufend physisch geordnet und technisch erfasst und können im Rahmen der Bestimmungen bis 1945 von allen Interessierten eingesehen werden.

Zur Einsichtnahme müssen sich Benutzer vorher telefonisch, per E-Mail oder Fax anmelden und vor dem Zutritt einen amtlichen Lichtbildausweis vorlegen. Da zahlreiche historische Dokumente nicht öffentliche und geschützte Informationen enthalten, muss vor Einsichtnahme ins Archiv von jedem Benutzer eine schriftliche Vertraulichkeitserklärung abgegeben werden.

Historisches Archiv der Bank Austria

Lassallestraße 1
A-1020 Wien
Tel.: +43 (0) 50505 - 41053
Fax.: +43 (0) 50505 - 41328
Ansprechperson: Ulrike Zimmerl 
E-Mail Kontakt
Öffnungszeiten: nach Vereinbarung