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Kommentar

Stefan Bruckbauer, Chefökonom Bank Austria

Die Wirtschaft läuft, aber ...

Auch der Brexit-Schock konnte die Stimmung im Euroraum über den Sommer nicht wirklich trüben, sie blieb weitestgehend positiv, der Einkaufsmanagerindex des Euroraums verharrt nun schon seit Jahresbeginn bei 53 Punkten, d.h. Wachstum, wenn auch nicht sehr viel. Wir werden daher im dritten Quartal ähnliche Wachstumszahlen sehen wie im zweiten. Und auch im vierten Quartal wird es wenig Veränderung geben, vielleicht gegen Jahresende einen leichten ersten „Brexit-Effekt“ im Euroraum. Auch wenn sich die Märkte und die Stimmung überraschend schnell erholt haben, die Unsicherheit wird am Ende negative Folgen für die Investitionen auf der Insel haben und das Vereinigte Königreich war ein wichtiger Exportmotor in den letzten Jahren. Kein Schock, kein Einbruch, jedoch eine leichte Abschwächung.

Aber es besteht auch die Chance, dass die relativ robuste Binnenkonjunktur im Euroraum, getragen vom privaten Konsum (dank niedrigem Ölpreis und Erholung am Arbeitsmarkt), dies auffängt. Der Einzelhandel läuft weiterhin sehr gut. Aber gleichzeitig sehen wir doch eine anhaltend schwache Industriekonjunktur, die vor allem unter der weiterhin verhaltenen globalen Nachfrage – vor allem aus den Schwellenländern – leidet. Wenn man so will, kann man sagen, dass wir derzeit eine Umverteilung – oder auch Rückverteilung – von den Rohstoffländern zu den Konsumenten in den Industrieländern sehen. Guter Konsum hier, aber schwache Exportnachfrage aus vielen Schwellenländern. Aber alles in allem wird auch das vierte Quartal im Euroraum Wachstum bringen.

Es ist also kein Einbruch der wirtschaftlichen Entwicklung in Sicht, aber zu wenig und daher ist die Politik im Euroraum in einem Höchstmaß alarmiert. Vor allem die EZB. Warum? Vordergründig, weil sie ganz einfach Meilen weit von ihrem Ziel, einer Inflationsrate von rund 2 Prozent, entfernt ist und auch wenig Hoffnung besteht, es in absehbarer Zeit zu erreichen. Um glaubwürdig zu bleiben, muss man tätig werden oder es zumindest andeuten. Natürlich geht es der EZB nicht darum, die Realeinkommen durch höhere Inflation zu belasten, sondern es geht darum, die Erwartungen zukünftiger Einkommens- und Umsatzzuwächse nach oben zu ziehen und damit die Konsumenten zu mehr Konsum (wenn geht, vielleicht auch noch kreditfinanziert) und die Unternehmen zu mehr Investitionen zu bewegen. Die Investitionstätigkeit im Euroraum ist weiterhin schwach, sie liegt noch immer 10 Prozent unter dem Niveau von 2007.

Aber die Zentralbanken stehen vor drei Problemen: Ihre Ziele erreichen sie derzeit nicht, ihre klassischen und gut getesteten Instrumente sind mehr oder weniger erschöpft (Leitzins hat die Nulllinie erreicht) und von ihren neuen Instrumenten (Negativzinsen, Pfandbriefkäufe, Staatsanleihekäufe, ABS-Käufe, Firmenanleihenkäufe, ....) wissen sie selbst nicht, wie sie wirken werden und vor allem welche negativen Folgen sie haben werden. Die Geldpolitik ist nicht „am Ende“ angekommen, aber der Politik und Bevölkerung muss bewusst sein, dass die Wirkung nachlässt und die Nebenwirkungen immer größer werden. Man denke nur an Japan, wo die Zentralbank inzwischen Aktien (in Form von Fonds) kauft, nun eine Obergrenze für zehnjährige Staatsanleihen von Null explizit festgelegt hat und sogar sagt, sie möchte gerne ihr Inflationsziel von 2 Prozent „überschießen“. Aber so lange die Wirtschaft nicht richtig durchstartet und die Inflationserwartung so tief bleibt, hat die Zentralbank keine Alternative, nimmt sie ihren Auftrag ernst.

In einer solchen Situation stellt sich die Frage, ob es nicht andere wirtschaftspolitische Maßnahmen gäbe, deren Nebenwirkungen überschaubarer sind, als eine ungetestete Geldpolitik. Die Antwort lautet ja: Fiskal- und Strukturpolitik. Aber die Politik kann sich dazu in Europa nicht durchringen, man hofft auf die Erholung (die ja da ist, aber eben zu schwach), auf die Wirkung der Geldpolitik, für die sie sich nicht verantwortlich fühlt (und die sie sogar in populistischer Manier oft kritisiert) und ein wenig vielleicht auch auf ein Wunder. Offensichtlich muss der Druck noch weiter steigen. Die Wahlen in den nächsten Monaten werden dies Druck wohl bringen, auch wenn natürlich das schwache Wachstum nicht alleine dafür verantwortlich ist.

 

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der Bank Austria

Stand: 21. September 2016.