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Kommentar

Stefan Bruckbauer, Chefökonom Bank Austria

Kann es noch besser werden?

Trotz aller politischen Herausforderungen streben sowohl die Aktienmärkte als auch realwirtschaftliche Stimmungsindikatoren neuen Höchstständen zu bzw. signalisieren Wachstumsbeschleunigung. Viele fragen sich wie lange dies anhalten kann. Natürlich weiß niemand heute die Antwort darauf, aber man muss beachten, dass wir aus einer tiefen und langen Rezession kommen. Dies bedeutet, wir haben vielleicht mehr Luft nach oben als normalerweise in einer Erholungsphase, besonders in Europa.

Die globale Erholung kam auch in den ersten drei Monaten des Jahres sehr gut voran, vor allem im Euroraum und in vielen Schwellenländern hat sich die wirtschaftliche Dynamik nochmals verstärkt. Natürlich reden wir im Euroraum nicht von Wachstumsraten um die 3 Prozent, aber für Österreich haben wir gerade die Prognose für 2017 auf 1,8 Prozent erhöht, dem stärksten Wachstum seit dem Erholungsjahr 2011. Die USA ist schon weiter im Konjunkturzyklus voraus, dementsprechend auch bei der Geldpolitik, und die US Notenbank befindet sich inmitten eines Straffungszyklus, der noch einige Zeit andauern wird und dessen Ende wir noch nicht kennen, aber es könnte durchaus bei über 3 Prozent liegen, abhängig von der fiskalischen Expansion der Trump Regierung.

Aber auch im Euroraum gibt es Anzeichen einer Zinstrendwende, natürlich vorerst nur am langen Ende, also bei den Anleihezinsen. Deren Anstieg, zumindest bei den deutschen Anleihen, ist zwar vorläufig noch gebremst aufgrund der Angst rund um die Wahlen in Frankreich, wird sich danach jedoch fortsetzen. Auch wenn die EZB noch immer monatlich 60 Mrd. Anleihen kauft – jedenfalls bis zum Jahresende –, waren die Anzeichen schon lange nicht so deutlich, dass ein Ende dieser Politik abzusehen ist. Zwar sagt die EZB, sie werde ihre Zinsen nicht erhöhen, wenn sie noch Anleihen kauft, und dies könnte noch weit ins Jahr 2018 hinein passieren, aber speziell hinsichtlich der Negativzinsen kann man ein wenig hoffen, dass dies vielleicht etwas früher passiert.

Warum europäische Aktien noch immer hinter US Aktien zurückliegen ist auf eine etwas eigenartige Risikobeurteilung der Finanzmärkte zurückzuführen. So wird das Risiko für den Euroraum überschätzt, nicht zuletzt aufgrund der Angst vor den französischen Wahlen, und das Risiko in den USA, UK oder in vielen Schwellenländern, allen voran China, unterschätzt. Auch wenn die globale wirtschaftliche Entwicklung derzeit so rosig aussieht, und dies auch zu Recht, sollten die Gefahren, die vom steigenden Protektionismus und Isolationismus der USA bzw. von der Kreditblase in China mittelfristig ausgehen, nicht unterschätzt werden, auch wenn sie 2017 noch nicht zu spüren sein werden. Aber speziell der Euroraum und die gesamte EU genießt hier das Privileg des Binnenmarktes, wo wir in Europa die Regeln selbst bestimmen. Dies bleibt auch nach den französischen Wahlen so und könnte in nächster Zeit sehr wichtig werden.

  

 

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der Bank Austria

Stand: 20. März 2017.