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Kommentar

Stefan Bruckbauer, Chefökonom Bank Austria

Trump und Europa

Nach dem überraschenden Sieg von Donald Trump bei den US Präsidentschaftswahlen kam es an den Finanzmärkten zu einer überraschend positiven Entwicklung. Angefeuert durch die Erwartung, der neue Präsident werde sich wenig um die Staatsschulden kümmern und dafür viel Geld für Investitionen, Steuersenkung und Rüstung ausgeben, stieg die Inflations- und Zinserwartung, aber auch die Erwartung für ein stärkeres Wirtschaftswachstum. Welche Auswirkungen hat der neue Präsident der USA auf die Wirtschaft in Europa?

Die Antwort ist genauso schwer zu finden wie auf die Frage nach der Wirkung auf die USA. Aber zumindest Spekulationen, angesichts der bisherigen Aussagen und des Wahlkampfes, kann man anstellen. Zunächst einmal hat der Anstieg der langfristigen Zinsen in den USA auch die europäischen Zinsen etwas mitgenommen. Die langfristigen Zinsen für deutsche Staatsanleihen legten seit dem Sieg von Trump weiter zu und erreichten immerhin 0,2 Prozent (Mitte September noch -0,2 Prozent). Der US Dollar konnte deutlich an Wert zulegen und der Euro fiel von 1,10 auf 1,06 (Mitte September noch 1,13). Natürlich wird Europa auch von einer stärker wachsenden US Wirtschaft profitieren, wie viel ist noch nicht klar, da das Ausmaß der Maßnahmen in den USA noch unbekannt ist, aber ein positiver Beitrag wird es sicherlich sein.

Insgesamt wird der Sieg von Trump damit vorläufig positive Effekte auf die europäische Konjunktur, jedenfalls auf die Konjunkturerwartung, haben. Dies wird auch seine Wirkung auf die Zinspolitik der EZB haben, die Anfang Dezember vor einer wichtigen Entscheidung steht, wie sie mit ihrem Anleiheankaufsprogramm fortfährt. Grundsätzlich ist vereinbart, bis März 2017 monatlich ca. 80 Mrd. Euro Anleihen zu kaufen. Ging man vor einigen Monaten noch davon aus, dass die EZB möglicherweise das Programm erhöhen könnte, spricht man nun von einem langsamen Auslaufen. Höhere Inflationserwartung, wenn auch weiterhin unter 2 Prozent, und eine schwächere Währung haben das Risiko einer Deflation gesenkt und zunehmend wird die Kritik an negativen Zinsen und an der sehr flachen Zinskurve lauter, zuletzt vom deutschen Sachverständigenrat. Auch beunruhigt die EZB zunehmend die negative Wirkung dieser Zinspolitik auf Vermögensverwalter wie Versicherungen und Banken. Wenn auch Trump hier keine wesentliche Rolle spielt, gestiegene US Zinsen und ein stärkerer Dollar erleichtern es der EZB, über einen Ausstieg zumindest nachzudenken. Dort sind wir jedoch noch nicht.

Auf alle Fälle zeigen sich die Stimmungsindikatoren im Euroraum sehr positiv, zuletzt blieb auch der ifo Index auf seinem sehr hohen Niveau. Auch die Einkaufsmanagerindizes für November lieferten sehr positive Werte. Lediglich der Außenhandel enttäuscht vorläufig noch.

Trotz dieses leicht positiven Einflusses von Donald Trump auf Europa darf nicht vergessen werden, dass er im Bereich der Wirtschaftspolitik einige Vorstellung im Wahlkampf geäußert hat, die sehr negative Effekte auf Europa hätten. So etwa seine Ideen zum freien Handel. Insgesamt muss man mit einer aus heutiger Sicht zumindest volatileren US Politik rechnen, was sich am Ende negativ auf die Investitionsbereitschaft auswirken könnte. Alle Vorbehalte, die es gegenüber Trump gegeben hat, sind nur durch eine überraschend „normale“ Rede nicht wirklich ausgeräumt. Dafür bräuchte es schon mehr konkrete Schritte, die bisher nicht zu sehen sind. Auch ist unklar, ob die USA nicht durch eine zu starke Ankurbelung die Gefahr läuft, 2018 oder später umso stärker in einen Abschwung zu geraten. Zählt man die Maßnahmen, die Donald Trump im Wahlkampf vertreten hat, zusammen, würde das Defizit der USA in den nächsten zehn Jahren jährlich 4 Prozent höher ausfallen, dies erscheint unrealistisch aus heutiger Sicht. Auch wenn die Finanzmärkte bisher sehr positiv reagierten, sollte man daher vorsichtig sein.

 

 

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der Bank Austria

Stand: 24. November 2016.