17.12.2008

Bank Austria Konjunkturindikator:
Im Angesicht der Rezession

  • Bank Austria Konjunkturindikator im November erstmals im Minus
  • Inflation geht deutlich zurück
  • Konsum stabilisiert in unsicheren Zeiten
  • Konjunkturprogramm mildert Abschwung, kann Rezession 2009 aber nicht verhindern
  • Wirtschaft schrumpft 2009 um 0,5 Prozent, nur zähe Erholung 2010

Die Stimmung in der österreichischen Wirtschaft sinkt weiter ungebremst in den Keller. Im November hat der Bank Austria Konjunkturindikator abermals einen historischen Tiefststand erreicht und erstmals seit Beginn der Datenerhebung mit -0,7 sogar den positiven Wertebereich verlassen. Auch positive Ereignisse wie der Rückgang der Inflation sowie die Ankündigung einer Lohn- und Einkommenssteuerentlastung und weiterer finanzieller Unterstützungen für 2009 können derzeit den Pessimismus der Verbraucher nicht bremsen. Das Konsumentenvertrauen ist im November auf den tiefsten Wert seit mehr als zehn Jahren gesunken. Im Gleichschritt bewegen sich die Geschäftserwartungen der europäischen und der heimischen Industrie talwärts, ungeachtet sinkender Rohstoffpreise und eines schwächeren Euro. "Aufgrund des rasanten Einbruchs der Geschäftserwartungen der Industrie und der Verbraucherstimmung ist eine weitere Verschärfung des Konjunkturabschwungs zu erwarten. Die aktuelle Entwicklung des Bank Austria Konjunkturindikators zeigt, dass die Schwächephase der österreichischen Wirtschaft auch länger anhalten wird, als ursprünglich erhofft", meint der stellvertretende Chefökonom der Bank Austria Stefan Bruckbauer.
Der globale Konjunkturabschwung gewinnt an Tempo. Insbesondere in den wichtigsten Handelspartnerländern Österreichs steigert sich die Geschwindigkeit der wirtschaftlichen Talfahrt rasant. Die österreichische Konjunktur konnte zwar bis weit ins laufende Jahr den ungünstigen internationalen Vorgaben trotzen, nun sind die negativen Auswirkungen jedoch nicht mehr aufzuhalten. Aufgrund der vorliegenden Daten erwarten die Ökonomen der Bank Austria bereits im laufenden vierten Quartal 2008 einen Rückgang der Wirtschaftsleistung in Österreich. "Angesichts des verschärften Konjunktureinbruchs gegen Jahresende haben wir unsere Wachstumsprognose für 2008 auf 1,8 Prozent gesenkt", erklärt Bruckbauer.

Inflation auf dem Rückzug
Die zunehmenden Konjunktursorgen sind derzeit mit einer durchaus positiven Nebenerscheinung verbunden. Der Rückgang der Teuerung hat sich verstärkt. Im November ist die Inflation in Österreich erstmals im laufenden Jahr unter die 3-Prozent-Grenze gesunken. 2008 wird damit eine durchschnittliche Preissteigerungsrate von 3,3 Prozent erwartet. Zu Jahresbeginn 2009 ist als Nachwirkung der bislang starken Teuerung mit einigen Preisanpassungen, insbesondere im Energie- und Mietbereich sowie bei Gebühren, zu rechnen. "Aufgrund des kräftigen Verfalls des Ölpreises und anderer Rohstoffe, einer moderaten Entlastung bei den Nahrungsmittelpreisen und einem weiterhin moderaten Konsum gehen wir von einem deutlichen Rückgang der Inflationsrate auf 1,5 Prozent im Jahr 2009 aus", meint der Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.

Konsum stabilisiert in unsicheren Zeiten
Der anhaltende Rückgang der Inflationsrate sollte in den kommenden Monaten die negative Verbraucherstimmung etwas aufhellen können und einer weiteren Verschärfung der Konsumzurückhaltung entgegenwirken. Auch das kürzlich geschnürte Konjunkturpaket wird dazu einen Beitrag leisten. Zwar wird der Konsum unter der konjunkturell bedingt steigenden Arbeitslosigkeit sowie negativen Vermögenseffekten infolge der Finanzmarktturbulenzen leiden, aufgrund der Entlastung durch die Lohn- und Einkommenssteuerreform und andere finanzielle Unterstützungen werden 2009 den Verbrauchern jedoch etwa 3,4 Milliarden Euro zusätzlich zur Verfügung stehen. Der private Konsum wird daher 2009 auch in dem bestehenden, besonders unsicheren Umfeld eine positive Dynamik aufweisen. "Die Voraussetzungen sind gut, dass sich der private Konsum als stabilisierender Faktor in einer besonders schwierigen Konjunkturphase erweisen kann und auch 2009 mit einem realen Anstieg um ein Prozent nicht vom Wachstumspfad abkommt", meint Pudschedl.
Sinkende Auftragseingänge und dünner werdende Auftragsbücher als Folge der schwächer werdenden Exportnachfrage werden in den nächsten Monaten dagegen zu einer deutlich höheren Zurückhaltung in der Investitionstätigkeit führen. Die Ökonomen der Bank Austria rechnen für 2009 mit einer Verringerung der Ausrüstungsinvestitionen um über 4 Prozent. Dank der noch relativ guten Auslastung in der Bauwirtschaft wird der Rückgang der Bruttoanlageinvestitionen mit 2,3 Prozent geringer ausfallen.

Konjunkturprogramm mit Wirkung – Wirtschaft schrumpft 2009 trotzdem um 0,5 Prozent
Die von der Regierung gesetzten Konjunkturmaßnahmen sind stärker auf den privaten Konsum ausgerichtet und können daher die negative Investitionsentwicklung nicht kompensieren. Insgesamt gehen die Ökonomen der Bank Austria davon aus, dass die bisherigen Initiativen über die Konsum- und Investitionsnachfrage zwar einen positiven Wachstumseffekt von rund 1 Prozent des BIP auslösen werden, dennoch bleibt Österreich eine Rezession nicht erspart. Angesichts der dramatischen Verschlechterung des globalen Umfelds haben sich die Aussichten für die exportorientierte heimische Wirtschaft deutlich reduziert. Zudem schwinden die Anzeichen für eine baldige Erholung der Konjunktur, denn wenn die Talfahrt in der Industrie allzu lange anhält, kann sich auch der Dienstleistungssektor dem Abschwung zunehmend nicht mehr entziehen. "Wir müssen für 2009 von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozent ausgehen und auch 2010 bleibt die Konjunktur mit einem Plus von 0,7 Prozent schwach", fasst Bruckbauer die Prognose der Bank Austria zusammen. Angesichts des beeindruckenden Tempos, mit dem die Wirtschaftsaktivitäten einbrechen, und der immer noch hohen Unsicherheit bezüglich der vollständigen Folgen der Finanzmarktkrise für die reale Wirtschaft, bleibt das Risiko weiterhin nach unten gerichtet. "Nun ist vor allem die europäische Wirtschaftspolitik, allen voran die Geldpolitik, gefordert, die Stärke des Abschwungs zu mildern", so Bruckbauer abschließend.

  charts (PDF; 76 KB)

Rückfragen: Bank Austria Economics & Market Analysis
 Walter Pudschedl, Tel. +43 (0) 50505 - 41957
 E-Mail: walter.pudschedl@unicreditgroup.at

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