07.02.2000

Japan überwindet die Rezession

  • Reales Wirtschaftswachstum von über 1 % prognostiziert
  • Inlandsnachfrage bleibt weiterhin schwach
  • Staatsschuldenquote steigt auf über 120 % des BIP

Das reale Wirtschaftswachstum Japans wird dank konjunkturstützender Maßnahmen in diesem Jahr über 1 % betragen. Die Inlandsnachfrage ist aber noch zu schwach um einen selbsttragenden Konjunkturaufschwung zu ermöglichen. Dies geht aus einer Analyse der Bank Austria Volkswirtschaft hervor.

Noch keine selbsttragende Erholung in Japan

Japan hat die Rezessionsphase überwunden. Nach einem deutlichen Rückgang des realen Bruttoinlandsprodukts um 2½ % im Jahr 1998 konnte die japanische Wirtschaft im Vorjahr ein positives Wirtschaftswachstum verzeichnen (+0,7 %). Von einem selbsttragenden Konjunkturaufschwung kann jedoch nicht gesprochen werden. Wie sehr die japanische Wirtschaft noch immer auf staatliche konjunkturfördernde Maßnahmen angewiesen ist, zeigte die Entwicklung im zweiten Halbjahr 1999. Nach dem Auslaufen eines Konjunkturpaketes und den damit verbundenen deutlichen Rückgang an öffentlichen Investitionen ging das reale Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um 1 % zurück. Im Jahresvergleich fiel das reale Bruttoinlandsprodukt jedoch um 0,9 % höher aus.

Budgetdefizit steigt auf über 8 %, Staatsschulden auf 120 % - höchster Wert innerhalb der OECD

Angesichts der Notwendigkeit weiterer staatlicher Unterstützungsmaßnahmen sieht das Budget für das kommende Fiskaljahr (April 2000 bis März 2001) insgesamt Ausgaben in der Höhe von 85 Billionen Yen (780 Mrd. Euro) vor. Da die Steuereinnahmen und Privatisierungserlöse bei weiten nicht ausreichen, um die Ausgaben zu finanzieren, kommt es zu einer weiteren Ausweitung des Budgetdefizits. Das Defizit wird über 8 % des BIP betragen und sogar über 10 %, wenn die Überschüsse der Sozialversicherungsträger unberücksichtigt bleiben. Damit weist Japan bei weitem das höchste Budgetdefizit aller Industrienationen auf.

Dies hat in den letzten Jahren auch einen markanten Anstieg der Staatsschuldenquote bewirkt. Gegenüber dem Beginn der neunziger Jahre hat sich die Staatsschuldenquote verdoppelt und wird im nächsten Jahr bereits über 120 % des BIP betragen. Damit ist Japan der OECD-Staat mit der höchsten Staatsverschuldung. Gleichzeitig ist es jedoch auch der größte Nettogläubiger der Welt.

Umstrukturierungsmaßnahmen dauern an

Jüngste Umfragen zeigen zwar eine leichte Verbesserung der Geschäftserwartungen, die Umstrukturierungsmaßnahmen der japanischen Wirtschaft sind jedoch keineswegs abgeschlossen. Sie stehen insbesondere bei den Klein- und Mittelbetrieben erst bevor. Dies zeigt auch die zuletzt gestiegene Zahl der Konkurse bei kleineren Unternehmen.

Leicht rückläufige Arbeitslosigkeit

Die zuletzt leicht gesunkene Arbeitslosenquote (durchschnittliche Arbeitslosenquote 1999: 4,7 %) ist größtenteils auf eine Erhöhung der Teilzeitarbeitsplätze zurückzuführen, während die Vollzeitarbeitsplätze weiterhin rückläufig sind. Eine Verbesserung des Arbeitsmarktes ist nicht eingetreten.

Unterstützende expansive Geldpolitik

Die Notenbank versucht mit einer expansiven Geldpolitik die fiskalpolitischen Maßnahmen der Regierung zu unterstützen. Die kurzfristigen Zinssätze sind praktisch null und auch die Renditen langfristiger Anleihen liegen bei nur rund 2 %. Der damit verbundene Anstieg der Geldmenge soll die Liquidität der japanischen Wirtschaft sicherstellen und die Banken zu einer höheren Kreditvergabe an den privaten Sektor „ermuntern“. Die restriktive Kreditvergabe der Banken, die schwache Inlandsnachfrage und der höhere Außenwert des Yen bewirken jedoch, dass trotz einer deutlichen Ausweitung der Geldmenge kein wesentlicher Preisauftrieb registriert wird.

 

Rückfragen: Bank Austria Public Relations
Karl Mauk, Tel. 711 91 DW 51373
Tel. 711 91 DW 561507