15.01.2009

Bank Austria Konjunkturindikator:
Österreich von weltweiter Rezession immer stärker betroffen

  • Bank Austria Konjunkturindikator setzt Talfahrt fort
  • Weitere Verschlechterung der globalen Rahmenbedingungen
  • Österreichs Wirtschaft schrumpft 2009 um 1,3 Prozent
  • Rezession unterstützt deutlichen Inflationsrückgang

 Auch zum Jahreswechsel zeichnet sich kein Ende der negativen Entwicklungen in der österreichischen Wirtschaft ab. Der aktuelle Bank Austria Konjunkturindikator ist von -0,8 im Vormonat auf nunmehr -1,2 Punkte gefallen und erreicht damit abermals einen neuen Tiefststand. Während die Stimmung sowohl in der heimischen als auch der europäischen Industrie noch immer in rasantem Tempo sinkt, hat sich die lange Talfahrt des Konsumentenvertrauens nun eingebremst. Die stark sinkende Inflation und relativ kräftige Lohnerhöhungen sowie die angekündigte Steuerentlastung wirken der negativen Stimmung der heimischen Verbraucher entgegen, was den Rückgang des Gesamtindikators etwas abfedert. „Die weitere Verschlechterung des Bank Austria Konjunkturindikators verdeutlicht, dass der Konjunkturtiefpunkt voraussichtlich nicht vor dem Herbst 2009 erreicht werden wird. Angesichts des derzeitigen wirtschaftlichen Umfelds darf die aktuelle Verlangsamung des Indikatorrückgangs nicht als Anzeichen einer beginnenden Stabilisierungsphase interpretiert werden“, meint der stellvertretende Chefökonom der Bank Austria Stefan Bruckbauer.

Weltweite Rezession dämpft Exportaussichten
Die abnehmenden Geschäftserwartungen der Industrie, die vordringlich hinter der aktuellen Abwärtsbewegung des Konjunkturindikators stehen, widerspiegeln die anhaltende Verschlechterung der globalen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den vergangenen Wochen. Ausgehend von der US-Immobilienkrise befindet sich mittlerweile nicht nur die US-Wirtschaft in der Rezession. Auch die europäischen Industrieländer konnten sich nicht abkoppeln, wobei insbesondere die Aussichten für Deutschland, den wichtigsten Handelspartner der österreichischen Wirtschaft, stark zurückgeschraubt wurden. Mittlerweile beginnen auch die osteuropäischen Wachstumsmärkte, die für beinahe 25 Prozent der Nachfrage nach „Made in Austria“ verantwortlich sind, zu schwächeln. Zudem sind angesichts des weltweiten Überschwappens der Konjunkturkrise die Erfolgschancen einer stärkeren Fokussierung auf weiter entfernte Märkte wie z.B. Asien begrenzt. „Aufgrund der weltweiten Rezession stehen der österreichischen Exportwirtschaft besonders harte Zeiten bevor. Für 2009 ist mit einem Rückgang der Warenausfuhren zu rechnen, die Auslandsnachfrage wird erstmals seit fünf Jahren negativ auf die Wirtschaftsdynamik wirken“, meint Bruckbauer.

Investitionen brechen ein
Neben dem Außenhandel reagiert auch die Investitionstätigkeit zunehmend auf die negativen internationalen Vorgaben. Für das laufende Jahr ist sogar von einem deutlichen Einbruch der Investitionen auszugehen. Tatsächlich beginnen die österreichischen Unternehmer in Reaktion auf das ungünstige internationale Umfeld ihre Investitionspläne nicht mehr nur zu verschieben, sondern in Rahmen einer strategischen Neuorientierung stark zurückzunehmen. Während sich der Rückgang bei Bauinvestitionen dank der Förderungen der öffentlichen Hand sowie der Stützungs-maßnahmen für die Bauwirtschaft durch die beiden staatlichen Konjunkturpakete in Grenzen halten wird, ist bei den Ausrüstungsinvestitionen 2009 mit einem Minus um über 7 Prozent zu rechnen. „Ungeachtet der geldpolitischen Lockerung durch die Europäische Zentralbank wird die laufend sinkende Bereitschaft zu Erneuerungs- und insbesondere Erweiterungsinvestitionen die Investitionstätigkeit 2009 sogar um mehr als 4 Prozent real sinken lassen“, meint Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.

Die zunehmenden negativen internationalen Konjunktureinflüsse, die primär die Export- und Investitionsnachfrage dämpfen, haben eine rasche Trendwende am Arbeitsmarkt verursacht, die sich bereits in einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit zeigt. „Aufgrund des verschlechterten Konjunkturumfelds rechnen wir für heuer mit einem leichten Beschäftigungsrückgang und im Durchschnitt mit 35.000 mehr Arbeitssuchenden als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote wird stärker als ursprünglich erhofft, von 5,8 Prozent auf 6,7 Prozent 2009, steigen“, erwartet Pudschedl.

Österreichs Wirtschaft schrumpft 2009 um 1,3 Prozent
Der aktuelle Rückgang des Konjunkturindikators sowie die jüngsten Wirtschaftsdaten lassen darauf schließen, dass bereits im Schlussquartal 2008 die Wirtschaftsleistung in Österreich geringfügig zurückgegangen ist. Die Ökonomen der Bank Austria gehen für das Gesamtjahr 2008 weiterhin von einem Anstieg des BIP um 1,8 Prozent aus. Angesichts der laufenden Verschlechterung des internationalen Konjunkturumfelds ist für 2009 mit einem deutlich stärkeren Einbruch der Wirtschaftsleistung als bisher angenommen zu rechnen. Da bislang Anzeichen für eine Trendumkehr fehlen, wird die Rezession zudem länger andauern. Frühestens gegen Jahresende 2009 sind Chancen für eine Stabilisierung der österreichischen Wirtschaft gegeben. Die anschließende Erholung wird aufgrund voraussichtlich eher moderater Impulse aus dem Ausland relativ zäh verlaufen. Somit wird sich auch 2010 die Konjunktur nur zurückhaltend entwickeln. „Ich gehe mittlerweile von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung Österreichs im laufenden Jahr um sogar 1,3 Prozent aus. Im nächsten Jahr ist ein leicht positiver Trend mit einem Wachstum um 0,7 Prozent möglich“, fasst Bruckbauer die aktuellen BIP-Prognosen der Bank Austria zusammen.

Angesichts der schwachen Nachfrage und der moderaten Entwicklung der Rohstoffpreise wird die Inflation, die im Jahresdurchschnitt 2008 noch 3,2 Prozent betragen hat, im nächsten Jahr den bereits begonnenen Abwärtstrend noch verstärkt fortsetzen. Die Teuerung wird 2009 weniger als 1 Prozent betragen. Das wirtschaftspolitische heiße Eisen des Vorjahres rückt damit vorläufig aus dem Brennpunkt und ermöglicht der Europäischen Zentralbank weitere Zinsschritte nach unten.

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Rückfragen: Bank Austria Economics & Market Analysis
Walter Pudschedl, Tel. 05 05 05 DW 41957;
E-Mail: walter.pudschedl@unicreditgroup.at

 

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