27.11.2009

Bank Austria EinkaufsManagerIndex im November: Österreichs Industrie holt Luft

  • Bank Austria EinkaufsManagerIndex sinkt im November wieder knapp unter Wachstumsschwelle
  • Neuaufträge und Produktion steigen langsamer, Beschäftigungsabbau aber nur mäßig eingebremst
  • Widrige Preistrends: Vorleistungen verteuert, Verkaufspreise unter Druck
  • Nur kurze Pause der heimischen Industrieerholung, internationales Umfeld treibt zähen Wachstumskurs an

 Der Weg aus der Krise ist für die österreichische Industrie wie erwartet holprig. „Der aktuelle Bank Austria EinkaufsManagerIndex ist knapp unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten gesunken. Der recht kräftige Aufwind, den die befragten Industriemanager in den vergangenen Monaten spürten, ist im November wieder abgeflaut“, bringt Helmut Bernkopf, Bank Austria Vorstand Corporate & Investment Banking, das aktuelle Umfrageergebnis auf den Punkt.

Im Detail zeigt sich zwar ein durchwachsenes, aber kein düsteres Bild der österreichischen Industriekonjunktur. „Wenn auch das Tempo nachgelassen hat, die Auftragslage verbessert sich weiter und die Produktion nimmt zu“, weist Bank Austria Chefvolkswirt Stefan Bruckbauer auf bestehende Aufwärtstrends hin, „Ich gehe davon aus, dass die aktuelle Verflachung des Bank Austria EinkaufsManagerIndex nach dem starken Comeback im Herbst nur auf eine Atempause der heimischen Industrie hinweist, die uns die Fragilität der laufenden Erholung verdeutlicht.“

Nach Ansicht der Ökonomen der Bank Austria deutet insbesondere der weitere Anstieg der Neuaufträge auf eine Fortsetzung der Industriebelebung in Österreich hin. „Auch wenn das Plus im November etwas geringer als im Vormonat ausfiel, die Betriebe verbuchen bereits den fünften Monat in Folge solide Auftragszuwächse. Das Exportgeschäft ist nach Angaben der befragten Industriemanager die Triebfeder, die auch weiterhin für eine steigende Produktionsleistung sorgt“, meint Bruckbauer. Der Produktionsindex zeigt mit 53,1 Punkten auch im November ein recht beachtliches Wachstum der erstellten Leistungen gegenüber dem Vormonat an. Zudem bestätigen die abermals gestiegenen Lieferzeiten, dass sich die Auslastung der österreichischen Industrie langsam verbessert.

Die Erholung der heimischen Industrie wird unter anderem durch widrige Preistrends belastet. Durch zum Teil deutliche Verteuerungen von Vormaterialien, insbesondere von Rohöl und einigen Metallen, waren die Erzeuger im November bereits das dritte Monat in Folge mit einem Anstieg der Einkaufspreise konfrontiert. Der erhöhte Kostendruck von der Inputseite ist wenig willkommen, zumal sich dieser unter den bestehenden Rahmenbedingungen kaum auf die Kunden überwälzen lässt. Aufgrund der noch eher moderaten Nachfrageentwicklung sind die Industriebetriebe derzeit einem harten Wettbewerb ausgesetzt. „Während die Einkaufspreise weiter gestiegen sind, hat sich der rückläufige Trend bei den Verkaufspreisen im November noch etwas verstärkt. Diese Preisentwicklungen belasten die Ertragslage der heimischen Industriebetriebe in der derzeit fragilen Erholungsphase besonders stark“, meint Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.

Da die Nachfrage nicht rasch genug an das Niveau vor Ausbruch der Krise anschließt und die Auslastung der Unternehmen sich daher zu langsam erhöht, müssen die Industriebetriebe zur Verbesserung der Ertragslage weiterhin auf einen Abbau der Beschäftigung setzen. Auch im November gingen in der Industrie weitere Jobs verloren.  Allerdings hat sich seit Juni dieses Jahres das Tempo des Jobrückgangs kontinuierlich verringert. „Da der Rückgang der Beschäftigung im Sektor, noch deutlich unter den Produktionseinbußen zum Vorjahr von knapp 15 Prozent liegt, ist vorerst mit einem weiteren Beschäftigungsabbau in der Industrie zu rechnen. Wenn die Erholung weiter so moderat voranschreitet, besteht erst im Verlauf der zweiten Jahreshälfte 2010 die Aussicht auf eine Trendwende in der Industriebeschäftigung“, so Pudschedl.

Die aktuelle Umfrage unter Einkaufsmanagern der österreichischen Industrie zeigt erstmals seit mehr als einem halben Jahr keine weitere Verbesserung. Der Gesamtindex ist sogar knapp unter die Wachstumsschwelle gesunken. Nach Einschätzung der Ökonomen der Bank Austria ist damit die Erholung jedoch nicht zum Stillstand gekommen. „Angesichts des verbesserten internationalen Umfelds, der positiven Entwicklung einiger Detailergebnisse des Bank Austria EinkaufsManagerIndex, wie vor allem der Exportaufträge und des ungebrochen hohen Quotienten zwischen Auftragseingängen und Lagerbeständen, erwarten wir in den kommenden Monaten zwar keine überzeugende, jedoch durchaus befriedigende Entwicklung der Industriekonjunktur“, so Bruckbauer. Basierend auf den Daten für die ersten drei Quartale ist für das Gesamtjahr 2009 mit einem Rückgang der Sachgütererzeugung um über 12 Prozent zu rechnen. 2010 wird sich aufgrund der tiefen Vergleichsbasis zum Vorjahr dagegen ein Plus um rund 5 Prozent im Jahresdurchschnitt ergeben. Damit wird die österreichische Industrie bis Ende 2010 die krisenbedingten Produktionseinbußen jedoch nicht kompensieren können. Erst 2012 sollte der Sektor wieder zur Produktionsleistung von vor Ausbruch der globalen Konjunkturkrise aufschließen können.

Charts zur Presseaussendung (PDF; 185 KB)

Anmerkung: Werte des EMI über 50,0 weisen auf ein Wachstum gegenüber dem Vormonat hin, Notierungen unter 50,0 signalisieren einen Rückgang. Je weiter die Werte von 50,0 entfernt sind, desto größer sind die Wachstums- bzw. Schrumpfungstendenzen. Diese Aussendung enthält die Originaldaten aus der Monatsumfrage unter Einkaufsleitern der Industrie Österreichs, die von der Bank Austria gesponsert und unter der Schirmherrschaft des ÖPWZ seit Oktober 1998 von Markit Economics durchgeführt wird.

Rückfragen: Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
Walter Pudschedl, Tel. 05 05 05 DW 41957;
E-Mail: walter.pudschedl@unicreditgroup.at

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