15.12.2005

2006 im Zeichen von weiteren Zinsanhebungen

  • Zinsstraffungen in den USA, der EWU und der Schweiz
  • USD-Abschwächung gegenüber EUR und JPY
  • Seitwärtsbewegung bei EUR/CHF

Angesichts des günstigen Ausblicks für die Weltwirtschaft und der verstärkten Inflationsrisiken befinden sich nach der Fed nun auch die Europäische Zentralbank und die Schweizerische Nationalbank in einem Zinsstraffungszyklus. Selbst die japanische Zentralbank hat eine Änderung der Geldpolitik für 2006 in Aussicht gestellt. „Bemerkenswert ist, dass der stark gestiegene Ölpreis - im Vergleich zu früheren Perioden von Ölpreisschocks - diesmal einen viel geringeren dämpfenden Effekt auf die Wirtschaft ausübt. Denn es war nicht zuletzt das starke globale Wirtschaftswachstum, das den Ölpreis nach oben zog“, sagte Gerhard Winzer, Leiter Fixed Income Research Major Markets der BA-CA.

Der Fokus der Märkte ist auf drei Faktoren gerichtet: Erstens auf eine mögliche Abkühlung des Immobilienmarktes in den USA. Zweitens besteht in der EWU Unsicherheit hinsichtlich der Nachhaltigkeit des aktuellen Wirtschaftsaufschwungs. Drittens interessiert die Investoren, ob und wann in Japan das Ende der Deflation zu erwarten ist.

Zinsanhebungszyklus in den USA läuft im ersten Quartal aus
Vor dem Hintergrund einer langsamen Abkühlung des bis dato sehr robusten Wirtschaftswachstums in den USA rechnen die BA-CA Analysten mit einem Auslaufen des Zinsanhebungszyklus der Fed im März 2006 bei 4,75%. Im Fall einer Abschwächung des US-Immobilienmarktes – ein wesentliches unterstützendes Element für das US-Wirtschaftswachstum - ist darüber hinaus das Einpreisen von Zinssenkungen im 2. Halbjahr 2006 wahrscheinlich.

Eurozone: maßvolle Zinserhöhungen
Unter der Annahme, dass die EZB-Prognosen für das Wirtschaftswachstum (Erreichung des Trendwachstums von 1,9% in den Jahren 2006 und 2007) und die Inflation (2006: 2,2%; 2007: 2,1%) halten, wird der maßvolle Zinsanhebungszyklus weitergehen. Im Jahr 2007 könnte ein neutrales Zinsniveau von rund 3,25% erreicht werden. Die Nettoexporte sollten aufgrund des robusten Wachstums der Weltwirtschaft weiterhin gut laufen und die Stimmungsindikatoren deuten auf eine rege Investitionstätigkeit der Unternehmen. Die Kernfrage ist, ob es angesichts des mageren Lohnwachstums zu einer nachhaltigen Erholung des privaten Konsums kommen kann. Angesichts der hohen Sparquote der Konsumenten scheint es zumindest Potenzial dafür zu geben.

Japan: Aufschwung kein Strohfeuer
Die Anzeichen für einen nachhaltigen Aufschwung in Japan mehren sich. Bemerkenswert sind die Erholung der Inlandsnachfrage, die rückläufige Arbeitslosenrate, das positive Lohnwachstum und die laufende Reduktion der Not leidenden Bankkredite. Das Hauptaugenmerk ist auf die Entwicklung der Konsumentenpreise gerichtet. Wenn es wie erwartet im nächsten Jahr zu einem Übergang von Deflation zu – wenn auch nur sehr geringer - Inflation kommt, wird die Bank of Japan in einem ersten Schritt die übermäßige Versorgung des Bankensektors mit Liquidität zurückfahren und zu einer Nullzinspolitik zurückkehren. Danach (2007) dürfte die Bank of Japan beginnen, den Leitzinssatz moderat anzuheben.

Abermalige Abschwächung des US-Dollar in Sicht
Der EUR sollte gegenüber dem USD auf kurze Sicht (3 Monate) zwischen 1,18 und 1,22 pendeln, während die JPY-Schwäche in der derzeitigen Übertreibungsphase noch etwas anhalten könnte. Auslöser für eine Abschwächung des USD gegenüber dem EUR (1,27) und dem JPY (105) könnte das Einpreisen von Fed-Zinssenkungen in der zweiten Jahreshälfte 2006 sein. Im Einklang mit den parallelen Zinszyklen in der Schweiz und der EWU sollte der CHF gegenüber dem EUR die Seitwärtsbewegung fortsetzen.

Empfehlungen
Mit dem Einsetzen des EZB-Zinsanhebungszyklus und den noch immer tiefen langfristigen Euro-Renditen sind fixe Finanzierungen attraktiv. Auf der Veranlagungsseite sollten Euro-denominierte Anleihen bevorzugt werden. Bei Fremdwährungsfinanzierungen ist der Schweizer Franken dem Yen klar vorzuziehen. Bei Euro/US-Dollar Niveaus unter 1,20 sollten Wechselkursabsicherungen in Betracht gezogen werden. 

Rückfragen:  Bank Austria Creditanstalt International Markets
Veronika Fischer-Rief, Tel.: 050505 DW 82833; 
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