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16.03.2020

UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator:
Coronavirus setzt der Stabilisierung der Konjunktur in Österreich ein Ende

  • Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator sinkt im Februar 2020 leicht auf 1,6 Punkte, doch die Auswirkungen der Ausbreitung des Coronavirus sind darin noch kaum abgedeckt 
  • Der Optimismus in den binnenwirtschaftlichen Bereichen hielt im Februar fast unvermindert an, im Exportumfeld zeigten sich jedoch erste Anzeichen einer neuerlichen Eintrübung der Wirtschaft 
  • Österreichs Wirtschaftswachstumskurve wird infolge der Ausbreitung des Coronavirus und der gesetzten Eindämmungsmaßnahmen einen V-förmigen Verlauf nehmen
  • Die UniCredit Bank Austria senkt ihre Wachstumsprognose für Österreich für 2020 von 1,0 auf -0,6 Prozent. Dafür ist ein höheres Wachstum von 2,0 statt 1,3 Prozent für 2021 zu erwarten 
  • Damit dürfte Österreichs Wirtschaft im 1. Halbjahr vermutlich in eine technische Rezession gehen, gefolgt von einer starken Erholung im 2. Halbjahr 2020 
  • Eine längere Dauer der Virusproblematik in Europa über das zweite Quartal hinaus bzw. eine weitere Verschärfung der Schutzmaßnahmen auch in anderen Ländern würde die Erholung etwas verzögern 
  • Die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt könnten durch Kurzarbeit und Liquiditätsmaßnahmen für die Betriebe voraussichtlich in einem überschaubaren Rahmen gehalten werden 
  • Der Ölpreisverfall verringert die Inflationserwartungen in Österreich auf unter 1,5 Prozent für 2020 

Nach einer zweijährigen Abwärtstendenz infolge der Abschwächung des globalen Handels hat sich die Konjunktur in Österreich zu Jahresbeginn 2020 stabilisiert. Die Festigung der Konjunkturstimmung wird jedoch durch erste Anzeichen einer zunehmenden Verunsicherung begleitet. „Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator ist im Februar minimal auf 1,6 Punkte gesunken und signalisierte damit weiter ein moderates Wachstum der heimischen Wirtschaft. Da nach dem Zeitpunkt der Datenerhebung zusätzliche Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung des Coronavirus innerhalb Europas und auch in Österreich gesetzt wurden, ist der bislang erst leichte Rückgang kaum als geeigneter Indikator für die Entwicklung der heimischen Konjunktur in den kommenden Monaten zu sehen“, meint UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer. 

Zum aktuellen Zeitpunkt zeigt der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator nur eine erhöhte Verunsicherung in einigen konsumnahen Bereichen der österreichischen Wirtschaft sowie eine klare Verschlechterung des Exportumfelds der heimischen Industrie, ausgehend von den asiatischen Schwellenländern und China. Die österreichischen Verbraucher waren bis Februar noch sehr optimistisch. Die gute Lage am heimischen Arbeitsmarkt, die sich diesen Winter unterstützt durch eine hohen Auslastung im Tourismus und den günstigen Wetterbedingungen für die Bauwirtschaft ergeben hat, hat trotz leichter Einbußen für eine weiterhin gute Stimmung der Konsumenten gesorgt. 

Erste Anzeichen einer Verunsicherung zeigen sich jedoch auch im Dienstleistungssektor. Während sich der Boom in der Bauwirtschaft weiter fortsetzt, hat sich auch die Stimmung in der heimischen Industrie etwas verbessert, allerdings ausgehend von der besonders schwierigen Lage seit Herbst 2019. „Mit der deutlichen Verschlechterung des Exportumfelds sind die ersten Spuren der Auswirkungen des Coronavirus auf die österreichische Wirtschaft im Februar sichtbar geworden. Der im UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator enthaltene Teilindex der internationalen Industriestimmung entsprechend den österreichischen Handelsanteilen ist auf den ungünstigsten Wert seit der Finanzkrise gesunken“, so Bruckbauer. 

Angesichts der verstärkten Ausbreitung des Coronavirus in Europa und der infolge gesetzten Maßnahmen zur Eindämmung der weiteren Verbreitung ist mit spürbaren wirtschaftlichen Folgen zu rechnen, welche die zum Jahreswechsel eingesetzte konjunkturelle Erholung unterbrechen. Dies hat angebotsseitige Ursachen, wie die Störung der globalen Wertschöpfungsketten durch Produktionsausfälle in China und folgenden Lieferproblemen  ̶  das wird zumindest im zweiten Quartal 2020 zu einer deutlichen Vertiefung der Rezession in der österreichischen Industrie führen, zumal wichtige Handelspartner von der aktuellen Krise in Europa zum Teil auch besonders stark betroffen sein werden. Darüber hinaus ist aufgrund der Einschränkung des öffentlichen Lebens nun auch mit einem Nachfrageausfall durch eine Phase deutlicher Konsumzurückhaltung zu rechnen. Insbesondere der Dienstleistungssektor und speziell der Tourismus werden in den kommenden Monaten überdurchschnittlich stark davon betroffen sein. 
Auch unter der Annahme, dass die weitere Verbreitung des Virus in Österreich durch die gesetzten Maßnahmen ähnlich erfolgreich unterbunden werden kann, wie dies nach heutigem Wissenstand in China gelang, wird die österreichische Wirtschaft nach einem leichten Wachstumsrückgang im ersten Quartal im zweiten Quartal voraussichtlich einen starken Rückgang der Wirtschaftsleistung von rund 2 ½ Prozent erleiden. 

Für das zweite Halbjahr 2020 ist unter der Annahme einer relativ raschen Eindämmung des Coronavirus und der Beendigung der restriktiven Maßnahmen eine deutliche Gegenbewegung der Konjunktur mit hohen Wachstumsraten zu erwarten. Die österreichische Wirtschaft sollte demnach einen V-förmigen Verlauf nehmen. 

Während in der Industrie die Produktionsausfälle durch die angebotsseitigen Störungen im zweiten Quartal in den folgenden Monaten voraussichtlich zur Gänze kompensiert werden können, ist im Dienstleistungsbereich nur partiell mit einem Aufholprozess zu rechnen. Die Nachfrage nach vielen Dienstleistungen, zum Beispiel im Tourismus und im Freizeitbereich wird dauerhaft ausfallen. 

„Deutliche Einbußen der Industrie durch die Störung der globalen Lieferketten und die ausfallende Konsumnachfrage aufgrund der Einschränkung des öffentlichen Lebens werden im zweiten Quartal 2020 die österreichische Wirtschaft stark belasten und zu einem Rückgang der Wirtschaftsleistung führen. In der zweiten Jahreshälfte ist eine deutliche Gegenbewegung zu erwarten, die jedoch das verlorene Terrain nicht vollständig wieder gutmachen wird. Im Gesamtjahr 2020 gehen wir deshalb von einem BIP-Rückgang in Österreich um 0,6 Prozent aus, nachdem wir bisher ein Plus von 1 Prozent erwartet hatten“, so UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl. 

Überschaubare Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
Aufgrund der günstigen Wetterbedingungen für die Bauwirtschaft und der guten Tourismussaison war der Start ins Jahr 2020 von einer Verbesserung der Lage am Arbeitsmarkt gekennzeichnet. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote wird deshalb im ersten Quartal mit durchschnittlich 7,1 Prozent niedriger als Ende 2019 ausfallen. 

Ab April werden sich allerdings die Auswirkungen des Coronavirus voll in der österreichischen Wirtschaft zeigen und zu einer Zunahme der Arbeitslosigkeit führen. Durch die Ausweitung von Kurzarbeit und Liquiditätsmaßnahmen für betroffene Unternehmen wird der Anstieg voraussichtlich gering gehalten werden können. Zudem ist davon auszugehen, dass sich über den Sommer die wirtschaftliche Situation beruhigt und damit auch die Lage am Arbeitsmarkt wieder entspannt. Allerdings wird sich darüber hinaus der grundsätzlich schwächere Konjunkturtrend des Jahres 2020 niederschlagen und einen weiteren Anstieg der Arbeitslosenquote bis zum Jahresende unterstützen. 
„Der temporäre Einbruch der Wirtschaftsleistung durch die Folgen der Ausbreitung des Coronavirus wird sich auch am österreichischen Arbeitsmarkt niederschlagen. Wir gehen von einem überschaubaren Belastungseffekt aus und erwarten im Jahresdurchschnitt 2020 mit 7,3 Prozent sogar eine etwas geringere Arbeitslosenquote als im Vorjahr. Im Vergleich zum wetterbegünstigten Jahresbeginn wird sich im Jahresverlauf jedoch eine spürbare Aufwärtstendenz zeigen“, meint Pudschedl. Für 2021 erwarten die Ökonomen der UniCredit Bank Austria dank der stärkeren Konjunkturentwicklung eine Stabilisierung der Arbeitslosenquote bei durchschnittlich 7,3 Prozent. 

Inflation im Sinkflug
Nach dem Anstieg der Inflation rund um den Jahreswechsel in Österreich wird sich die Teuerung in den kommenden Monaten deutlich verringern. Zum einen wird sich die durch die Einschränkungen des öffentlichen Lebens ausgelöste Konsumzurückhaltung insbesondere in einigen Dienstleistungsbereichen dämpfend auf die Teuerung auswirken. 

Vor allem aber ist der Ölpreis im Zuge der sinkenden Nachfrage im Rahmen der Ausbreitung des Coronavirus zurückgegangen und die ergebnislosen Verhandlungen zwischen der OPEC und Russland über Förderkürzungen haben den Ölpreis letztlich stark einbrechen lassen. Im Jahresdurchschnitt kann nunmehr, bedingt durch die vorerst anhaltend geringere Nachfrage, ein Rückgang des Ölpreises von über 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf durchschnittlich 40 US-Dollar pro Barrel erwartet werden. 

„Infolge der Ausbreitung des Coronavirus wird in den kommenden Monaten die Inflation in Österreich vor allem aufgrund des niedrigen Ölpreises von 2 Prozent zu Jahresbeginn deutlich in Richtung 1 Prozent im Jahresvergleich zurückgehen. Im Jahresdurchschnitt 2020 erwarten wir eine Teuerung von 1,2 Prozent“, meint Pudschedl. 

Klarerweise hat die Entwicklung rund um die Ausbreitung des Coronavirus erneut die Chance auf eine Änderung der Geldpolitik zunichte gemacht. Im Gegenteil ist nun eher mit einer Verlängerung der Niedrigzinsphase zu rechnen. Gleichzeitig hat die EZB neue Liquiditätsmaßnahmen ergriffen, die dazu beitragen werden, die Folgen der Krise zu mildern, vor allem die Ausweitung des Wertpapierkauf-programms und der Liquiditätszuteilung, aber auch die gezielten Refinanzierungsinstrumente werden helfen. 

„Auch wenn die Maßnahmen der EZB sehr hilfreich sind, die stärksten Impulse in dieser Krise sollten von gezielten und kräftigen fiskalpolitischen Maßnahmen ausgehen, die zwar sehr kurzfristig wenig helfen können, die aber zu einer schnelleren Erholung führen werden und auch die bleibenden Schäden verringern werden“, sagt Bruckbauer.

Hohes Prognoserisiko
Die vorliegende Prognose ist aufgrund der Unabwägbarkeiten bei der Ausbreitung des Coronavirus und der Intensität der eingesetzten Maßnahmen mit hoher Unsicherheit behaftet und das Prognoserisiko ist tendenziell nach unten gerichtet. 

Die österreichische Wirtschaft dürfte jedoch voraussichtlich unter geringeren wirtschaftlichen Folgen als viele andere europäische Länder leiden. Zum einen weist Österreich mit einem Anteil an der Wertschöpfung aus China von rund 2,5 Prozent eine überschaubare Abhängigkeit von der chinesischen Wirtschaft auf und zum anderen wurden sehr früh Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus gesetzt. 

„Die restriktiven Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung des Virus in Österreich werden die österreichische Wirtschaft jedenfalls in eine technische und kurze Rezession führen und mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,6 Prozent wird Österreich das schwächste Jahresergebnis seit 2009 ausweisen. Dafür wäre dann 2021 ein Wirtschaftswachstum von 2 Prozent in Reichweite“, meint Bruckbauer abschließend und ergänzt „obwohl wir mit einem sehr hohen Prognoserisiko konfrontiert sind, kann man jedenfalls von einer raschen Erholung nach dem Ende der Notmaßnahmen ausgehen, wobei das Tempo der Erholung und die bleibenden Schäden sehr stark von einer klugen Wirtschaftspolitik abhängen werden.“

Tabellen


Rückfragen:    
UniCredit Bank Austria Economics & Market Analysis Austria 
Walter Pudschedl, Tel.: +43 (0) 5 05 05-41957;
E-Mail: walter.pudschedl@unicreditgroup.at