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Presseinformation

03.10.2014

Branchenbericht der Bank Austria Volkswirtschaft:
Österreichs Kfz-Industrie auf Wachstumskurs

  • 2014 bleibt die Kfz-Industrie mit einem Produktionsplus von voraussichtlich 5 Prozent Wachstumsspitzenreiter der Industrie
  • Erfolge der deutschen Autoindustrie stützen Österreichs Zulieferer, bei Motoren und Fahrzeugteilen im ersten Halbjahr 2014 sogar das gesamte Exportwachstum
  • Außenhandelsüberschüsse belegen die Konkurrenzfähigkeit der heimischen Kfz-Industrie –  hohe Innovationsneigung und Forschungsfreudigkeit sichern zukünftige Erfolge der Branche, Spielraum für stärkere Expansion ist jedoch begrenzt

Im Geschäftsjahr 2013 zählte Österreichs Kfz-Industrie einmal mehr zur Wachstumsspitze der Industrie: Die Produktionsleistung konnte um 7,7 Prozent gesteigert werden und der Umsatz erhöhte sich um knapp 10 Prozent auf 14,7 Milliarden Euro. In ihrem aktuellen Branchenbericht zur Fahrzeugerzeugung bleiben die Bank Austria Ökonomen auch für das Jahr 2014 optimistisch: Die Branche sollte trotz Konjunkturabkühlung zur Jahresmitte im Gesamtjahr ein Produktionsplus von wenigstens 5 Prozent erreichen und damit ein kräftiger Motor der heimischen Industrie bleiben. Die rasche Erholung kündigen steigende Auftragseingänge und Beschäftigungszahlen sowie die wesentlich optimistischeren Produktionserwartungen der Unternehmen an. Der Saldo der Beurteilung der Exportaufträge lag im August sogar erstmals seit März 2011 wieder im Plus.

Österreichs Kfz-Industrie wächst im Sog der deutschen Hersteller
Dazu Bank Austria Ökonom Günter Wolf: "Österreichs Fahrzeugindustrie profitiert 2014 einmal mehr von den Erfolgen der deutschen Autobauer, die trotz Abkühlung der Branchenkonjunktur in den letzten Monaten vor allem im Premiumsegment wieder eine deutliche Beschleunigung der Produktions- wie der Absatzzahlen berichten." Deutschland ist immerhin Absatzmarkt von 58 Prozent der Exporte von Motoren und Motorteilen aus Österreich und von 51 Prozent der exportierten Kfz-Zulieferteile. Die Deutschlandexporte haben seit 2005 in beiden Produktgruppen jeweils die Hälfte zum gesamten Exportwachstum beigetragen und im ersten Halbjahr 2014 sogar die gesamte Exportentwicklung getragen. Bis Juni sind die Ausfuhren von Motoren um 3,9 Prozent gestiegen – nach Deutschland um 4 Prozent. Die Ausfuhren von Kfz-Zulieferteilen insgesamt stagnierten während sie in Richtung Deutschland zumindest um 0,2 Prozent zulegten.

Kfz-Zulieferstandort Österreich ist gut positioniert und abgesichert
Die Exportperformance unterstreicht die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Kfz-Industrie. Seit 2000 sind die Ausfuhren von Kfz und Kfz-Teilen um 57 Prozent, die Einfuhren um 47 Prozent gestiegen. Gleichzeitig hat sich die Handelsbilanz in dem Bereich von einem 230 Millionen Euro Defizit in einen Überschuss von 550 Millionen Euro 2013 gedreht. Bank Austria Branchenanalyst Wolf: "Der Außenhandelsüberschuss der Kfz-Industrie bedeutet, dass mit der Exporterlösen von Kraftfahrzeugteilen Österreichs gesamte Fahrzeugrechung im Wert von 2 Milliarden Euro netto bezahlt werden kann- Im Vorjahr wurden Kraftfahrzeuge im Wert von 6,1 Milliarden Euro exportiert und um 8 Milliarden Euro importiert."

Grundlage der Konkurrenzstärke der heimischen Kfz-Industrie ist ihr Produktivitätsvorsprung, der wiederum für eine relativ moderate Lohnstückkostenbelastung trotz des relativ hohen Personalaufwands sorgt. Die Personalaufwendungen der österreichischen Kfz-Industrie von durchschnittlich 61.000 Euro pro Beschäftigten zählen zu den höchsten im europäischen Branchenvergleich, hingegen liegen die Lohnstückkosten deutlich unter dem europäischen Durchschnitt. Gemessen an der Lohnstückkostenentwicklung haben auch die Standorte in Osteuropa in den letzten Jahren viel von ihrer preislichen Konkurrenzfähigkeit eingebüßt.

Für die hohe Produktivität der Kfz-Industrie in Österreich ist letztendlich die Innovationskraft der Unternehmen verantwortlich. 77 Prozent der Unternehmen werden als innovationsaktiv im Sinn der EU-Innovationserhebung eingestuft – 2004 waren es noch 71 Prozent. Damit besetzt die Branche hinter der deutschen Autoindustrie, mit 88 Prozent innovationsaktiver Unternehmen, den zweiten Platz im EU-Vergleich. Branchenanalyst Wolf: "Maßgeblich stärkt die Innovationskraft der Branche und ihr hohes Engagement in Forschung und Entwicklung. Der Anteil der F&E-Ausgaben am Umsatz von 3 Prozent in der Kfz-Industrie, liegt deutlich über dem österreichischen Industriedurchschnitt von 2,1 Prozent und ist insofern auch bemerkenswert, als in Österreich keine Autohersteller angesiedelt sind. Die F&E-Quote der deutschen Autoindustrie liegt bei 4,3 Prozent.

Wenig Spielraum für stärkere Expansion
Der Pkw-Absatz in der EU-27 ist seit 2007 um 24 Prozent auf 11,9 Millionen Stück gesunken, wobei die Zuwächse in Osteuropa die Einbußen in Westeuropa nicht kompensieren konnten. Der Markt wird sich in den nächsten Jahren zwar erholen, allerdings auch längerfristig nicht mehr nennenswert über den Neuzulassungsrekord von 16 Millionen Fahrzeugen 2007 wachsen. Dagegen sprechen das schwache Bevölkerungswachstum, der hohe Motorisierungsgrad und vielfach schon beschränkte Ausbaumöglichkeiten der Verkehrsinfrastruktur.

Trotz der bescheidenen Absatzperspektiven in Westeuropa bleibt die Fahrzeugindustrie auch auf EU-Ebene auf Wachstumskurs. Angetrieben von der Exportnachfrage erwartet Price Waterhouse Coopers für die nächsten Jahre einen Anstieg der Kfz-Produktion in der EU-27 von knapp 4 Prozent. Entscheidender für die heimischen Autozulieferer sind die relativ positiven Aussichten der deutschen Premiumhersteller. Das Center Automotive Research in Duisburg rechnet mit einem Zuwachs der globalen Nachfrage nach Premium-Fahrzeugen von 5,6 Prozent im Jahr bis 2030. Gleichzeitig mit den überdurchschnittlich steigenden Absatzzahlen im Premiumsegment gewinnt ein innovatives Zuliefernetzwerk an Bedeutung, da die Hersteller zunehmend in das Mittelklassesegment mit geringeren Gewinnspannen expandieren und der Effizienzdruck wächst. Allerdings wird die Wertschöpfungskette in der Autoherstellung immer internationaler und die Produktion zunehmend in den zentralen Wachstumsmärkten der Branche, vor allem in China, lokalisiert und damit das Exportpotenzial der Branche in Europa schwächer.

Bank Austria Ökonom Günter Wolf fasst zusammen: "Mittelfristig ist das Wachstum der Kfz-Industrie in Österreich abgesichert. Gleichzeitig werden umfangreichere Erweiterungsinvestitionen der Branche immer unwahrscheinlicher, in einem Umfeld, wo die Autonachfrage auf lange Sicht nicht mehr wächst und die Branche sowohl in Österreich als auch in ihren zentralen Absatzmärkten bereits eine überdurchschnittlich hohe Exportquote erreicht hat. Die Kfz-Industrie kann ihre gute internationale Wettbewerbsposition kaum noch verbessern und hat damit auch nur wenig Spielraum um stärker zu expandieren."

Rückfragen: Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
 Günter Wolf, Tel.: +43 (0) 50505 - 41954
 E-Mail: guenter.wolf@unicreditgroup.at