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Presseinformation

15.10.2013

Bank Austria Konjunkturindikator:
Konjunkturerholung in kleinen Schritten

  • Bank Austria Konjunkturindikator steigt im September weiter: Moderates Plus auf 0,6 Punkte (August: 0,4)
  • Stetige und umfassende Verbesserung des Konjunkturklimas in Österreich
  • Außenhandel sorgte für Anstieg des Wirtschaftswachstum im dritten Quartal auf 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal
  • Steigende Unterstützung durch Konsum und Investitionen erhöht Dynamik in den kommenden Monaten. BIP-Anstieg von 1,8 Prozent für 2014 erwartet nach 0,4 Prozent für 2013
  • Nur kurzfristig Verunsicherung durch US-Schuldenklippe, mittelfristig Konjunkturstützung durch nachlassenden Konsolidierungszwang in Europa
  • Konjunkturerholung kommt nur langsam am Arbeitsmarkt an: Arbeitslosenquote steigt auf 7,6 Prozent 2013 – kaum Aussicht auf Rückgang 2014

Schritt für Schritt festigt sich die Erholung der heimischen Wirtschaft. "Im September hat der Bank Austria Konjunkturindikator seinen Aufwärtstrend fortgesetzt und auf 0,6 Punkte zugelegt", meint Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer und ergänzt: "Unser Indikator hat sich in den letzten zwei Monaten ähnlich stark verbessert wie zuletzt im Sommer 2009 als die österreichische Wirtschaft die tiefste Rezession in der Nachkriegsgeschichte überwinden konnte. Wir gehen daher davon aus, dass die österreichische Wirtschaft bereits im zweiten Halbjahr 2013 erkennbar an Dynamik zulegen kann."

Nach dem minimalen Anstieg des BIP gegenüber dem jeweiligen Vorquartal in der ersten Jahreshälfte hat nach Berechnungen der Ökonomen der Bank Austria das abgelaufene Quartal von Juli bis September eine spürbar kräftigere Dynamik gezeigt. "Im dritten Quartal 2013 ist die Erholung der europäischen Wirtschaft auf Österreich übergeschwappt. Wir gehen von einem Anstieg des BIP um voraussichtlich 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal aus. Damit wurde die höchste Wachstumsrate seit Anfang 2012 erzielt", meint Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl. Ausschlaggebend für den Konjunkturauftrieb war vor allem der Außenhandel, wobei weniger das aufkeimende Exportwachstum, als die noch bestehende Importzurückhaltung unterstützten. Darüber hinaus hat sich das verbesserte Umfeld auf die Inlandsnachfrage positiv ausgewirkt. Insbesondere der private Konsum war mit Herbstbeginn erstmals seit sechs Quartalen wieder im Plus.

Stabilisierte wirtschaftliche Lage in Europa stimmt heimische Erzeuger optimistisch
Die schrittweise, aber nachhaltige Verbesserung des Konjunkturklimas verspricht für die kommenden Monate eine solide Fortsetzung der wirtschaftlichen Erholung. "In Österreich festigt sich die Stimmung in der Wirtschaft zwar nur langsam, dafür aber derzeit auf breitester Ebene. Sowohl die heimischen Produzenten als auch die Verbraucher sind bereits den dritten Monat in Folge jeweils ein wenig zuversichtlicher geworden", so Pudschedl. Die Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage in Europa zeigt spürbar positive Auswirkungen auf den Optimismus der heimischen Erzeuger. In Gefolge des Klimaaufwinds in fast allen Ländern Europas ist die Stimmung in der österreichischen Industrie angesichts sich langsam wieder füllender Auftragsbücher so gut, wie seit 15 Monaten nicht mehr. Die Stimmung der österreichischen Konsumenten hat sich in den vergangenen Wochen, belastet durch die ungünstige Entwicklung am Arbeitsmarkt, langsamer verbessert und liegt vorerst auch weiter deutlich unter dem langjährigen Durchschnittswert.

Inflationserwartung 2013: 1,9 Prozent – keine Veränderung der EZB-Zinspolitik erwartet
"Das laufende Schlussquartal 2013 verspricht eine noch lebhaftere Wirtschaftsentwicklung in Österreich mit einem Anstieg des BIP um 0,6 Prozent zum Vorquartal, denn neben der Exportwirtschaft wird die Wirtschaft nun auch von der Inlandsnachfrage mehr Wachstumsunterstützung erhalten", ist Bruckbauer überzeugt. Die weiter sinkende Inflation verhilft dem privaten Konsum zu mehr Schwung. Die verhaltene Preisentwicklung bei Rohstoffen, inklusive Rohöl, wird bis zum Jahresende die Teuerung in Österreich unter die Marke von 1,5 Prozent im Jahresvergleich drücken. Nach den höheren Werten in der ersten Jahreshälfte erwarten die Ökonomen der Bank Austria im Jahresdurchschnitt 2013 weiterhin eine Inflationsrate von 1,9 Prozent. Die moderate Preissteigerung gibt der Europäischen Zentralbank auch weiter keine Veranlassung für eine Änderung der Zinspolitik. Die verbesserten Aussichten und das anhaltend niedrige Zinsumfeld, gekennzeichnet durch ein Rekordtief der Neukreditzinsen an Firmenkunden in Österreich, deutlich günstiger als in den meisten Ländern Europas, werden in den kommenden Monaten auch die Investitionstätigkeit der heimischen Unternehmer allmählich ankurbeln.

2014: 1,8 Prozent Wirtschaftswachstum erwartet
Das Jahr 2014 wird ein Wachstum der österreichischen Wirtschaft auf ausgewogenerer Basis bringen. "Nach dem leichten BIP-Anstieg im Jahr 2013 um nur 0,4 Prozent erwarten wir für 2014 ein kräftigeres Wirtschaftswachstum um 1,8 Prozent in Österreich. Neben dem anhaltend günstigen monetären Umfeld – auch für 2014 ist keine Leitzinserhöhung zu erwarten – wird vor allem der deutlich nachlassende Konsolidierungszwang in Europa unterstützend wirken", fasst Bruckbauer zusammen. Im Durchschnitt ist in der Eurozone im kommenden Jahr mit einer neutralen Nachfragewirkung der Haushaltspolitik zu rechnen. 2013 hat die geschätzte Reduktion des strukturellen Defizits um insgesamt 0,8 Prozentpunkte die Nachfrage noch spürbar gedämpft. Auch weltweit ist mit einer soliden Entwicklung in den Schwellenländern 2014 insgesamt ein etwas stärkeres Wachstum als 2013 zu erwarten. Dazu sollten auch die USA beitragen können. Zwar geht vom Erreichen der Schuldenobergrenze in den USA in der zweiten Oktoberhälfte 2013 ein potenziell hohes Konjunkturrisiko für die globale Erholung aus, doch es ist rechtzeitig eine Lösung des Konflikts zu erwarten. Eine Anhebung der Schuldenobergrenze von 16,7 Billionen US-Dollar um rund 1,1 Billionen US-Dollar wäre erforderlich, um das Jahr 2014 vollständig zu finanzieren und negative Auswirkungen auf die Weltkonjunktur und die Erholung in Europa und Österreich zu vermeiden. Derzeit unterschätzen nach Meinung der Bank Austria Ökonomen viele noch die Gefahr, die eine auch nur wenige Tage dauernde technische Zahlungsunfähigkeit der USA auslösen würde. Die US-Staatsanleihe ist weiterhin jene Anlageform, die weltweit als sicherste gilt, daher sind auch die meisten Währungsreserven in US-Staatsanleihen veranlagt. Auch eine nur temporäre Erhöhung des Limits für wenige Wochen oder Monate würde ein konjunkturelles Risiko auch für die Weltwirtschaft und Europa darstellen. "Angesichts der Katastrophe, die eine, auch nur technische, Zahlungsunfähigkeit der USA auslösen würde, gehen wir von einer Lösung kurz vor zwölf oder knapp danach aus" meint Bruckbauer und ergänzt: "Auch eine nur temporäre Limiterhöhung würde die wirtschaftliche Erholung im Euroraum zumindest behindern." Grundsätzlich gehen die Ökonomen der Bank Austria davon aus, dass die anstehende Haushaltskonsolidierung in den USA das Wachstum schwächen wird und die USA nicht nur 2013 mit 1,6 Prozent sondern auch 2014 mit 2,4 Prozent unter ihrem Potential bleiben werden. Der Euroraum hingegen dagegen seine Haushaltskonsolidierung schon hinter sich gebracht.

Arbeitslosigkeit auf Höchststand
Die gerade erst eingesetzte Erholung kommt noch nicht am österreichischen Arbeitsmarkt an. Zudem rechnen die Ökonomen der Bank Austria in den kommenden Monaten mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit. "Im Jahresdurchschnitt 2013 erwarten wir eine Arbeitslosenquote von 7,6 Prozent. Damit ist der höchste Wert der jüngeren österreichischen Geschichte erreicht, der auch klar über dem Ergebnis aus dem Krisenjahr 2009 liegt", so Bruckbauer. Zwar sind in einigen Bereichen, zum Beispiel in einigen Industriebranchen, in den kommenden Monaten positive Signale zu erwarten. Doch aufgrund des ungenügenden Erholungstempos ist erst im Jahr 2014 insgesamt mit einer Trendwende am Arbeitsmarkt zu rechnen. "Wir gehen davon aus, dass die durchschnittliche Arbeitslosenquote in Österreich 2014 auf dem Wert von 7,6 Prozent verharren wird. Damit werden erstmals mehr als 290.000 Menschen, unter Einbeziehung von Schulungsteilnehmern sogar mehr als 360.000 Menschen in Österreich auf Arbeitssuche sein", zeichnet Bruckbauer das wenig optimistische Bild für den österreichischen Arbeitsmarkt. Im europäischen Vergleich wird Österreich mit 4,9 Prozent gemäß Eurostat-Definition allerdings weiterhin eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten ausweisen.

Rückfragen: Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
Walter Pudschedl, Tel. +43 (0) 50505 - 41957;
E-Mail: walter.pudschedl@unicreditgroup.at