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04.04.2013

Kurzanalyse Monika Rosen, Chefanalystin Bank Austria Private Banking:
US Einzelhandel in der Kältekammer

  • Umsätze im Handel vom überlangen Winter negativ betroffen
  • Baumärkte brauchen den Frühling besonders dringend
  • Es gibt auch Gewinner, z. B. Drogeriemärkte (Grippezeit!)

Nicht nur bei uns sorgt das Ausbleiben des Frühlings für frostige Stimmung. Auch die USA leiden unter einem überlangen Winter, der die Konsumenten vor dem Kauf von Frühlingsartikeln wie Sonnenbrillen oder Sommerbekleidung zurückschrecken lässt. Auch Baumärkte und Gartencenter haben unter dem schlechten Wetter massiv zu leiden. Das Interesse an Gartenprodukten ist in Amerika gegenüber dem März des Vorjahres um beachtliche 21 Prozent geringer. Da für die Kaufentscheidung das tatsächliche Wetter ausschlaggebend ist, erweist sich der späte Saisonstart für die Branche als fatal. Immerhin ist der Frühling die Hauptumsatzzeit für Baumärkte. In den letzten Jahren gab es tendenziell einen eher zeitigen Frühlingsbeginn, der das Geschäft in Schwung brachte.

Problematisch sind die kalten Temperaturen auch für die Bekleidungsbranche, deren Lager gut gefüllt sind, die jedoch für die Produkte keine Abnehmer findet. Je länger der Winter andauert, desto kleiner wird das Zeitfenster zum Verkauf der Frühlingsware. Es sind daher starke Preisnachlässe zu erwarten, welche die Kunden zum Kauf bewegen sollen, jedoch die Margen der Einzelhändler spürbar unter Druck bringen.

Übrigens, nicht die ganzen Vereinigten Staaten leiden unter einem langen, späten Winter. Die westlichen Bundesstaaten haben wesentlich besseres Wetter und wärmere Temperaturen, dort ist der Handel entsprechend optimistischer. Damit sind amerikanische Einzelhändler an der Ostküste gegenüber jenen im Westen erneut wetterbedingt im Nachteil, nachdem im Vorjahr bereits Hurrikan Sandy das Weihnachtsgeschäft an der Ostküste stark behindert hat. Doch nicht jeder ist über das Wetter unglücklich. Die kalten Temperaturen kommen beispielsweise Drogeriemärkten (die in den USA auch Medikamente verkaufen) zu Gute, da die Erkältungssaison länger dauert als sonst.

Fazit: Der US Einzelhandel ist ein wichtiger Seismograph für den Gesamtzustand der Wirtschaft, da 70 Prozent der Konjunktur vom privaten Verbraucher getragen wird. Zuletzt gab es für den US Konsumenten einiges zu verdauen, von höheren Steuern bis zu gestiegenen Energiekosten. Angesichts dieser Faktoren zeigte sich der US Handel ohnedies einigermaßen robust. Das Wetter hat zwar keinen langfristigen Einfluss auf das Konsumverhalten, könnte die Quartalsergebnisse der Einzelhändler, die Ende April zum Bericht anstehen, aber überschatten.

Rückfragen: Mag. Monika Rosen
Chefanalystin im Bank Austria Private Banking
Tel. +43 (0) 50505 - 40104
E-Mail: monika.rosen@unicreditgroup.at