22.03.2004

BA-CA Report Xplicit:
Wirtschaftlicher Aufholprozess in Rumänien mit Hürden

  • EU-Beitritt im Visier.
  • Konjunktursegel weiter im Wind.
  • Aufholbedarf bei Investitionen.

Trotz des schwierigen globalen Wirtschaftsumfeldes konnte Rumänien die Wachstumsdynamik der Vorjahre auch im Jahr 2003 beibehalten. Bei anhaltender Dynamik dürfte das BIP im Jahr 2005 sogar das Niveau von 1989 übersteigen. Dazu wird aber die konsequente Fortführung der Wirtschafts- und Strukturreformen erforderlich sein. Der Ruf nach Erhöhung der Reformintensität wird mittlerweile auch seitens diverser EU-Gremien immer lauter.

„Das Jahr 2004 wird für Rumänien mit dem NATO-Beitritt im April eine wichtige außenpolitische Veränderung mit sich bringen, wird aber auch im Hinblick auf den EU-Beitrittsprozess entscheidend sein“, so Marianne Kager, Chefökonomin der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA). Um den EU-Fahrplan zu halten und den Beitrittstermin 2007 nicht aus den Augen zu verlieren, kommen dem Abschluss der EU-Beitrittsverhandlungen bis zum Jahresende 2004 sowie der konsequenten Fortführung der Strukturreformen oberste Priorität zu. Die jüngst von Europaparlament und Europäischer Kommission geäußerten Bedenken, wonach der beim Kopenhagen-Gipfel in Aussicht gestellte Beitrittstermin 2007 ohne eine Erhöhung der Reformintensität nur schwer zu halten sein wird, sind dabei ein wichtiges Signal in Richtung Rumänien. Gefordert werden vermehrte Anstrengungen zu Strukturreformen, eine raschere Übernahme des acquis communautaire, verschärfte Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung sowie eine Reform des Justizwesens. Die Kritik wurde in Bukarest durchaus ernst genommen: Anfang März nahm Premierminister Adrian Nastase eine Regierungsumbildung vor.

Beachtliche Reformerfolge
„Wenngleich noch erheblicher Aufholbedarf besteht, ist dennoch unbestritten, dass die bisherige Reformtätigkeit in Rumänien auch beachtliche Erfolge erzielt hat“, sagt BA-CA-Ökonomin Kager. Nach dem Ende des Ceausecu-Regimes 1989 und der wirtschaftlichen und finanziellen Krise Ende der neunziger Jahre ist es Rumänien gelungen, die Wirtschaft relativ rasch zu stabilisieren. „Die Wirtschaft kam im Jahr 2000 auf den Wachstumspfad zurück und konnte in den vergangenen drei Jahren real um durchschnittlich 5 Prozent wachsen“, so Kager. Bei anhaltender Dynamik wird das BIP im Jahr 2005 sogar das Niveau von 1989 übersteigen. Kehrseite des robusten Wirtschaftswachstums war im vergangenen Jahr das steigende Leistungsbilanzdefizit, das sich von 1,6 Milliarden Euro oder 3,3 Prozent des BIP 2002 auf rund 2,9 Milliarden Euro bzw. 5,8 Prozent des BIP 2003 nahezu verdoppelte. Vor dem Hintergrund des Wahljahres 2004 rechnet die BA-CA Konzernvolkswirtschaft erst im Jahr 2005 mit einer spürbaren Entspannung an der Leistungsbilanzfront.

Die Inflation war zwar mit 15,4 Prozent im Jahresdurchschnitt auch 2003 noch die höchste in Zentral- und Osteuropa, doch blieb der seit Jahren anhaltende deutliche Disinflationstrend auch im vergangenen Jahr ungebrochen. Mit einer Zurückdrängung der Inflation in den einstelligen Bereich ist nach Ansicht der BA-CA-Experten im Jahre 2005 zu rechnen. Aufgrund des vorsichtigen Budgetkurses der Regierung Nastase belief sich die Neuverschuldung 2003 auf 2,2 Prozent und lag damit innerhalb des Maastricht-Kriteriums von maximal 3 Prozent.

Für ausländische Investoren attraktiv
Mit der zunehmenden Stabilisierung des makroökonomischen Umfeldes gewinnt Rumänien für ausländische Investoren an Attraktivität. Obwohl der Zufluss ausländischer Direktinvestitionen (FDI) nach Rumänien im Vergleich zu anderen zentral- und osteuropäischen Ländern noch eher bescheiden ist, ist damit zu rechnen, dass das Volumen der FDI in den kommenden Jahren angesichts niedrigerer Lohnkosten und der weiteren Annäherung an die EU deutlich steigen wird. Im Jahr 2003 sind insgesamt 1,4 Milliarden Euro an FDI nach Rumänien geflossen. Für 2004 rechnen die Volkswirte der BA-CA mit einem Zufluss von 2,1 Milliarden Euro.

Mit den wirtschaftlichen Stabilisierungsmaßnahmen der vergangenen Jahre wurde eine solide Basis für Rumäniens künftige wirtschaftliche Entwicklung gelegt, wenngleich noch erheblicher Aufholbedarf besteht. Inwieweit der Aufholprozess erfolgreich sein wird, hängt vorwiegend davon ab, wie rasch und effizient die Umsetzung noch dringend erforderlicher Strukturreformen erfolgt. Die Reformintensität wird dabei im Superwahljahr 2004 nicht unwesentlich vom politischen Willen abhängen.

 Ausgewählte Indikatoren zu Rumänien


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Edith Holzer, Tel. +43 (0)5 05 05 DW 57126
E-Mail: edith.holzer@ba-ca.com 


Der Report Xplicit „Romania – Catching-up process with hurdles“ ist im Internet unter
economicresearch.ba-ca.com / Publikationen / Report Xplicit kostenlos abrufbar.