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31.12.2004

BA-CA Analyse:
Ukraine – wirtschaftlicher Hoffnungsmarkt mit Potenzial

  • Ukrainische Wirtschaft im Jahr 2004 um 12 Prozent gewachsen
  • Ausländischen Direktinvestitionen könnten sich ab 2006 verdreifachen
  • Deutliche Intensivierung der Wirtschaftsbeziehungen mit der Ukraine zu erwarten

Der jüngst erfolgte Machtwechsel in der Ukraine, der nicht nur das Präsidentenamt betrifft, sondern auch neue Mehrheiten im Parlament geschaffen hat, wird den Reformprozess im Land beschleunigen und die Ukraine verstärkt in Richtung EU orientieren. Das wird sich nach Ansicht der Volkswirte der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) positiv auf den Zustrom von Direktinvestitionen und die Einbindung in die europäischen Wirtschaftsbeziehungen auswirken. “Die Direktinvestitionen von derzeit etwas mehr als einer Milliarde Euro jährlich könnten ab 2006-2007 wegen des verbesserten Klimas für ausländische Investitionen in der Ukraine und aufgrund der zu erwarteten Privatisierungen auf das Drei- bis Vierfache ansteigen”, meint Hans Holzhacker von der volkswirtschaftlichen Abteilung der BA-CA.

Wirtschaftlicher Aufholprozess
Nach dem Zerfall der Sowjetunion hatte die Ukraine erhebliche Schwierigkeiten, ihre Wirtschaft umzustellen. Bis heute wurde das Produktionsniveau von 1991 nicht wieder erreicht. Das BIP pro Kopf von 5.000 Euro1)  ist nur geringfügig höher als jenes von China. Die Zahl der Autos pro 1.000 Einwohner liegt mit etwas über 100 halb so hoch wie in Bulgarien. Mit zwei PCs pro 100 Einwohnern rangiert die Ukraine knapp hinter Marokko und bei rund einem Fünftel der Werte für Ungarn und Polen. 1998 trat jedoch - ausgelöst durch die Russlandkrise - eine Wende ein. Seither hat sich die ukrainische Wirtschaft stabilisiert. Sie erzielt Leistungsbilanzüberschüsse und wächst rasch. In den ersten elf Monaten 2004 wuchs das BIP inflationsbereinigt um 12,4 Prozent im Jahresabstand. Wenngleich die Produktion im Dezember wegen der politischen Auseinandersetzungen rund um die Präsidentenwahl zurückgegangen sein dürfte, ist mit einem Wachstum im Gesamtjahr 2004 von 12 Prozent zu rechnen.

Eine starke Auslandsnachfrage nach Metallen und hohe Preise ermöglichten 2004 einen Zuwachs der Exporte auf US-Dollar-Basis von rund 40 Prozent bei einer Importsteigerung von rund 30 Prozent. Auch die Nahrungsmittelexporte und die Chemieexporte stiegen stark an. Der Leistungsbilanzüberschuss erhöhte sich von 2,9 Milliarden Dollar (5,9 Prozent des BIP) im Jahr 2003 auf geschätzte sieben Milliarden Dollar (11,6 Prozent des BIP) im Jahr 2004. Die deutlich verbesserte Finanzlage der Unternehmen erlaubte ein Reallohnwachstum von 24 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode.

Vorerst noch Zurückhaltung bei Direktinvestitionen
Trotz Stabilisierung und deutlichem Wirtschaftswachstum flossen in den Jahren 2000 bis inklusive 2004 weniger als fünf Milliarden Euro an ausländischen Direktinvestitionen in die Ukraine. (In Polen waren es im gleichen Zeitraum rund 28 Milliarden Euro.) Dabei verfügt die Ukraine über eine bedeutende Stahlindustrie, ein hohes landwirtschaftliches Potenzial, aber auch über eine Automobilindustrie, die für fast sechs Prozent der Wertschöpfung in der Industrie verantwortlich ist. Der wichtigste ukrainische Automobilhersteller ist AwtoZAZ. Das Unternehmen erzeugte im Jahr 2004 rund 100.000 Fahrzeuge. Bei AwtoZAZ werden unter anderem der Lanos Daewoo, Dacia, einige Mercedes-Modelle, der Opel Astra sowie russische VAZ-Autos montiert.

Ukraine und die EU
Die Ukraine spielte trotz einer Einwohnerzahl von knapp 48 Millionen bis jetzt eine relativ geringe Rolle für Europas Wirtschaft. Die Einfuhr Deutschlands aus der Ukraine betrug beispielsweise im Jahr 2003 mit 742 Millionen Euro nur ein Zehntel der Importe aus der Slowakei und nur ein Zwanzigstel jener aus Polen. Zu einem guten Teil lagen die bisher mäßige Bedeutung der Ukraine und insbesondere die geringen ausländischen Direktinvestitionen am Mangel an institutionellen Reformen und vor allem ihrer Umsetzung. “Die Wirtschaftsbeziehungen dürften nun aber deutlich intensiviert werden”, so BA-CA-Experte Holzhacker.

 Ukraine und Österreich
Österreichs Einfuhren aus der Ukraine betrugen in den ersten zehn Monaten 2004 291 Millionen Euro. Das entspricht etwas mehr als einem Fünftel der Importe aus der Slowakei und rund einem Drittel der Einfuhren aus Polen. Die Ausfuhren betrugen 310 Millionen Euro, das ist rund ein Viertel der Exporte in die Slowakei und nach Polen. Das wichtigste österreichische Einfuhrprodukt aus der Ukraine sind Eisenerze. Die wichtigsten Exportgüter in die Ukraine sind Arzneiwaren, Papier, Maschinen sowie Fernseh- und Nachrichtengeräte. Die Volkswirte der BA-CA gehen allerdings davon aus, dass in Zukunft die lokale Produktion dieser Güter forciert wird. Immerhin machen die ukrainischen Lohnkosten zu laufendem Wechselkurs nur rund ein Achtel der polnischen, ein Viertel der slowakischen und weniger als die Hälfte der rumänischen Lohnkosten aus.

Erfreulicher Ausblick, aber nicht ohne Risiko
Der wirtschaftliche Aufholprozess in der Ukraine lässt für die Zukunft ein erfreuliches Bild erwarten. Die jüngsten Entwicklungen bergen aber auch einige Risken. So wurde die Ukraine bisher von Russland als “befreundetes Ausland” behandelt und zahlte dementsprechend einen sehr günstigen Preis für Gaslieferungen. Im ersten Halbjahr 2004 betrug er etwa 1.363 Rubel pro Tausend Kubikmeter. Für Westeuropa lag der Preis im Vergleich dazu bei 3.722 Rubel. Gasimporte machen 14 Prozent aller ukrainischen Importe aus, was einem Volumen von über 4 Milliarden Dollar entspricht. Eine etwaige drastische Steigerung der Preise würde die Ukraine empfindlich treffen.

Einen weiteren, potenziellen Risikofaktor könnte die Konzentration der Industrie, vor allem der großen erzgewinnenden und metallurgischen Unternehmen, im Ostteil des Landes darstellen. Zwar dürften die jüngst geäußerten Autonomiepläne für die Ostregion kaum Erfolg haben, ein politischer Widerstand der Metallurgiekombinate und Kohlebergwerke könnte jedoch die begonnenen Reformen verzögern. “Es ist aber wahrscheinlicher, dass sich die Ukraine relativ rasch zu einer offenen Gesellschaft mit relativ transparenten, marktwirtschaftlichen Vorgängen entwickelt, wobei zeitweilige realpolitische Kompromisse und ein Aufbrechen von Gegensätzen innerhalb der "orangen Bewegung" nicht auszuschließen sind”, resümiert Holzhacker.

1) Kaufkraftstandardisiert (zu laufendem Wechselkurs beträgt das BIP pro Kopf 2004 nur 1.020 Euro)

Rückfragen: Bank Austria Creditanstalt Konzernvolkswirtschaft
Hans Holzhacker, Tel. +43 (0)5 05 05-41965 ; E-Mail: hans.holzhacker@ba-ca.com