11.3.2002

Branchenbericht der Bank Austria Creditanstalt-Konzernvolkswirtschaft: Konjunktur in der chemischen Industrie legt kurze Pause ein

Abschwung drückte Branchenumsatz um rund 3 Prozent
Mit 6,3 Milliarden Euro Umsatz bleibt die Chemie eine Schlüsselindustrie
Struktureller Rückstand der EU von vier Jahren gegenüber dem US-Sektor

"Die Entwicklung der chemischen Industrie Österreichs wird in den kommenden Jahren vor allem durch eine wachsende Unternehmenskonzentration geprägt sein", zu diesem Schluss kommt Günter Wolf von der Bank Austria Creditanstalt-Konzernvolkswirtschaft in seinem jüngsten Branchenbericht Chemie. Demnach ist für die westeuropäische Chemieindustrie im Vergleich zum US-Sektor immer noch ein struktureller Rückstand von etwa vier Jahren festzustellen.

Österreichs Chemie erreichte im vergangenen Jahr ein Produktionswachstum von 3,2 Prozent und konnte damit nicht mehr an die kräftigen Zuwächse der letzten Jahre anschließen. Die Chemieproduktion ist zwischen 1998 und 2000 um fast 9 Prozent im Jahr gestiegen. Aufgrund sinkender Preise ist der Branchenumsatz 2001 sogar um rund 3 Prozent auf 6,3 Milliarden Euro gesunken. Im Branchendurchschnitt konnten konjunkturbedingt die Lohnkostensteigerungen nicht durch Preissteigerungen beziehungsweise Produktivitätssteigerungen gedeckt werden, worunter die Unternehmenserträge gelitten haben. Diese Konjunkturabkühlung sollte sich allerdings nicht verstärken.

Die Unternehmer werden bereits optimistischer, das zeigten sowohl die Ergebnisse der Konjunkturbefragung Anfang 2002 als auch die Beschäftigungsdaten. So ist im Jänner die Zahl der Arbeitsplätze in der Branche um mehr als 3 Prozent auf rund 30.600 gestiegen. Damit ist die chemische Industrie derzeit eine der wenigen Industriebranchen mit Beschäftigungszuwachs in Österreich. Es braucht sicher noch einige Monate bis die Chemie wieder kräftigere Nachfragezuwächse verbuchen kann. Mittelfristig gehören vor allem die Sparten Kunststofferzeugung, die Pharmaindustrie und darunter das Biotechnologiesegment zu den Umsatzgewinnern.

Die Chemie hat wie viele andere Industriebranchen in Österreich im Lauf der 90er-Jahre kräftige Strukturanpassungen hinter sich gebracht und zahlreiche Betriebe geschlossen. Zwischen 1996 und 2001 insgesamt 8 Prozent. Gleichzeitig blieb die Zahl der Beschäftigen in der Branche in etwa konstant und die Umsätze sind kräftig gestiegen. Seit 1996 um insgesamt 24 Prozent. Die Chemie konnte also ihre zentrale Position in der heimischen Industrielandschaft halten.

Produktion und Umsatz der heimischen Chemie wachsen seit Jahren im selben Tempo wie der EU-Durchschnitt. Die KMU-dominierte Struktur brachte also keine Nachteile; rund die Hälfte der Unternehmen in Österreich beschäftigen weniger als 10 Mitarbeiter, aber nur 7 Prozent mehr als 250. Ebenso wenig die Grundstofflastigkeit der Branche, die der unterdurchschnittliche Pro-Kopf-Umsatz von 208.000 Euro und die im Vergleich zu den Importwerten niedrigeren Exportwerte belegen. Im Gegenteil die Chemie konnte beeindruckende Exportzuwächse für sich verbuchen und das Außenhandelsdefizit sukzessive verringern. Hintergrund davon sind vor allem die Exporterfolge in den USA und in Osteuropa, sie nehmen 8 bzw. 21 Prozent der österreichischen Exporte mit Chemiewaren ab.

Die Erfolge der letzten Jahre schützen die Branche jedoch nicht vor weiteren strukturellen Veränderungen, die sich in den nächsten Jahren vor allem in einer zunehmenden Unternehmenskonzentration manifestieren werden. Fusionen und Übernahmen, wie sie die US-Chemie seit Jahren prägen, greifen zusehends auf Europa über. So wurden 2001 bereits fast zwei Drittel aller großen Deals über 400 Millionen US-Dollar in Europa abgeschlossen, die größte Fusion in diesem Bereich - mit einem Wert von rund 10 Milliarden US-Dollar zwischen Dow Chemicals und Union Carbide - allerdings noch in den USA.

Rückfragen: Bank Austria Group Public Relations

Tiemon Kiesenhofer, Tel. 711 91 DW 52819; E-Mail: tiemon.kiesenhofer@ba-ca.com