02.08.2002

Elektro- und Elektronikindustrie geht der Saft aus

Branchenbericht der BA-CA Konzernvolkswirtschaft:

- Kräftige Rückschläge 2001 können erst 2003 wieder ausgeglichen werden
- Ein Umsatzminus von 2 bis 3 Prozent ist 2002 wahrscheinlich
- Gute Perspektiven: Computerhersteller, Steuerungs- und Regeltechnik

Die kräftigen Rückschläge in der österreichischen Elektro- und Elektronikindustrie haben 2001 tiefe Spuren hinterlassen: Die Branchenproduktion ist um knapp 8 Prozent, der Branchenumsatz um 4 Prozent auf insgesamt 12,5 Milliarden Euro gesunken. Laut jüngstem Branchenbericht der BA-CA Konzernvolkswirtschaft lassen fehlende Wachstumsimpulse aus dem Inland und von wichtigen Auslandsmärkten ein ebenfalls schwieriges Jahr 2002 erwarten. Der Branchenumsatz wird heuer voraussichtlich neuerlich um 2 bis 3 Prozent sinken. Erst 2003 kann die heimische Elektro- und Elektronikindustrie wieder mit Zuwächsen rechnen, vor allem auf Grund steigender Ausrüstungsinvestitionen.

Trotz teilweise massiver Preiseinbußen hat die Elektro- und Elektronikindustrie ihre Erträge in den letzten Jahren gesteigert und die Cash Flow-Umsatz-Relation von 6,7 Prozent 1999 auf 8,3 Prozent 2001 verbessert. „Die österreichische Elektroindustrie ist im Sparten-durchschnitt konkurrenzfähig und sollte die aktuellen Turbulenzen ohne nachhaltige wirtschaftliche Schäden überstehen“, erklärt BA-CA Branchenexperte Günter Wolf. Zugleich ist aber die Wettbewerbsfähigkeit recht unterschiedlich zwischen den einzelnen Sparten verteilt. Insbesondere die Produktion von Nachrichten- und Kommunikationsgeräten wird zunehmend aus Österreich verdrängt. In der größten Teilbranche der Elektroindustrie werden typische Massenprodukte gefertigt, beispielsweise Fernsehgeräte oder Telefone. Der Spartenumsatz ist im Vorjahr um 8,6 Prozent auf 6,2 Milliarden Euro gesunken. Bei Produkten zur Stromverteilung, wie zum Beispiel Elektrokabel und Leitungen, ersetzen ebenfalls Importe zusehends die Inlandserzeugung.

Insgesamt war jedoch das Wachstum der Branchenexporte in den 90er-Jahren durchwegs höher als das der Importe. Das Handelsbilanzminus mit Produkten der Elektro- und Elektronikindustrie konnte sukzessive auf 870 Millionen Euro 2001 verbessert werden. Ein Trend, der sich im ersten Quartal 2002 fortsetzte.

Über recht gute Aussichten für 2002 und auch längerfristig dürfen sich die österreichischen Computer- und Büromaschinenhersteller freuen. Nach einem deutlichen Minus von 6 Prozent oder rund 573.000 verkauften Computern im Vorjahr sollte der Absatz dieses Jahr dem internationalen Trend folgen und wieder zulegen. Das Absatzminus beschränkte sich dabei auf Desktopgeräte, die Nachfrage nach Notebooks und Servern ist hingegen weiter gestiegen.

Österreichs Hardwareproduzenten konnten sich aber deutlich von der Entwicklung am internationalen Hardwaremarkt absetzen. Der Umsatz der heimischen Sparte erhöhte sich 2001 um mehr als 30 Prozent auf 560 Millionen Euro. „Ein wesentlicher Teil davon dürfte auf den Erfolg kleiner Produzenten in Nischenbereichen der Sparte zurückzuführen sein“, so Günter Wolf von der BA-CA Konzernvolkswirtschaft. Zur Sparte zählen zahlreiche kleine Unternehmen, die sehr erfolgreich in Nischenbereichen wie die Fertigung von Industriecomputern oder die Herstellung von Casinodatensystemen arbeiten.

Schon im Vorjahr sehr gute Ergebnisse hat die Sparte „Medizin-, Mess-, Steuer- und Regelungstechnik, Optik“ erzielt. Der Umsatz erreichte 1,3 Milliarden Euro. „Zwar dürfte das überdurschnittlich hohe Umsatzwachstum der Sparte von 7,1 Prozent 2001 in Bereichen generiert worden sein, die traditionellerweise nicht zur Elektroindustrie zählen“, so Wolf. Allerdings finden sich hier mit der Medizintechnik, der industriellen Prozesssteuerung und der Automation zentrale Wachstumssparten der heimischen Elektroindustrie. Zudem sind auf längere Sicht besonders die Prozesssteuerung und die Herstellung von Automationstechnik sehr konjunkturresistent, da ihre Leistungen wesentlich zur Produktivitätssteigerung bei den Abnehmern beitragen.


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