17.12.2002

Branchenbericht der Bank Austria Creditanstalt Konzernvolkswirtschaft:
Papierkonjunktur erholt sich nur langsam

2002 erwartet die Branche ein Umsatzplus von 2 Prozent
Altpapierpreis drückt auf die Erträge der Unternehmen
Österreicher weiterhin Recycling-Weltmeister

Der Branchenumsatz der österreichischen Papierindustrie wird 2002 voraussichtlich wieder geringfügig zulegen. Nachdem die Branchenkonjunktur im Vorjahr deutlich abgekühlt und der Umsatz der Papiererzeugung und Papierverarbeitung um 3,3 % gesunken ist, wird heuer ein Plus von zirka 2 Prozent erwartet. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Branchenbericht der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) Konzernvolkswirtschaft. 2001 erzielten die 170 Unternehmen der Papierbranche einen Umsatz von 5 Milliarden Euro. Zwar kündigte sich bereits 2002 eine Erholung der Papierkonjunktur an, doch wird sie sich erst 2003 wirklich durchsetzen.

Die Papiernachfrage blieb 2002 instabil. Bis August ist die Produktionsleistung im Durchschnitt der beiden Sparten um mehr als 6 Prozent gestiegen. Allerdings verhinderten weitere Preiseinbußen ein Umsatzwachstum im selben Ausmaß. „Alle Anzeichen stehen auf eine Verbesserung der Papierkonjunktur“, ist BA-CA Ökonom Günter Wolf zuversichtlich. So haben sich im Jahresverlauf sowohl die Auftragslage als auch die Beschäftigungssituation verbessert. Zudem konnten teilweise kräftige Exportzuwächse verzeichnet werden. Die Ausfuhren von Papierwaren haben sich bis Juli um 9 Prozent erhöht, der Bereich Papier und Pappe wuchs um 2 Prozent.

Der Rohstoff Altpapier ist die Grundlage für knapp die Hälfte des in Österreich erzeugten Papier und Kartons. Deshalb treffen Preiserhöhungen wie im ersten Halbjahr die Erträge der Branche empfindlich. Kostete die Tonne gemischtes Altpapier im Jänner noch 40 Euro, so lag der Preis im Juni bereits über 100 Euro. Infolge der instabilen Nachfrage ist das Preisniveau bis Oktober wieder um die Hälfte gesunken, die Herstellermargen konnten sich wieder erholen. Die Recyclingquote beträgt in Österreich 97 Prozent und ist längst ein internationaler Spitzenwert. Diese Quote wird nicht mehr nennenswert zunehmen, der EU-Durchschnitt beläuft sich im Vergleich auf 49 Prozent. Der Altpapieranteil an der Papierproduktion wird allerdings weiter wachsen und damit die Abhängigkeit von Altpapierimporten.

Westeuropa und die USA sind sowohl die größten Papiererzeuger als auch die größten Papierverbraucher der Welt. Bezogen auf die Einwohnerzahl liegt der jährliche Papier- und Kartonverbrauch in den USA allerdings bei 309 Kilogramm pro Kopf und in Westeuropa bei 201 Kilogramm. Österreich liegt mit einem Pro Kopf-Verbrauch von 259 Kilogramm über dem europäischen Durchschnitt. Während der Papierverbrauch seit einigen Jahren weltweit stagniert, ist er in Österreich zuletzt kräftig gestiegen. Hintergrund davon war vor allem das relativ kräftige Wirtschaftswachstum im Land. Die höchsten Verbrauchszuwächse sind in den nächsten Jahren Staaten mit äußerst niedrigem Verbrauchsniveau zu erwarten, wie zum Beispiel China oder Osteuropa.

„Langfristig wird die Nachfrage nach Papier und Papierprodukten weiter wachsen“, blickt
BA-CA Ökonom Günter Wolf in die Zukunft. Zum einen ist das „papierlose Büro“ noch in weiter Ferne, zum anderen hat der zunehmende Einsatz von Elektronik den Papierverbrauch im Arbeitsalltag erhöht. Der Durchbruch von Neuen Medien hat ebenso wenig zu einer Kannibalisierung der Papierindustrie geführt. Schließlich verspricht die zunehmende Etablierung des e-Commerce noch kräftige Nachfragesteigerungen für die Verpackungsindustrie.

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Tiemon Kiesenhofer, Tel. +43 (0)5 05 05 DW 52819; 
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