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9.10.2002

Österreichs IT-Markt erleidet derzeit konjunkturellen Bug

Branchenbericht der Bank Austria Creditanstalt Konzernvolkswirtschaft:

Österreichs IT-Markt erleidet derzeit konjunkturellen Bug

Branchenumsatz der Datenverarbeiter wächst weniger als 5 Prozent.
IT-Infrastruktur-Lücke in Österreich, Wachstumspotenzial für die Zukunft.

Auch Österreichs IT-Branche konnte sich dem weltweiten Trend nicht entziehen. Die Branche Datenverarbeitung und Datenbanken verzeichnete 2001 mit einem Umsatzwachstum von voraussichtlich weniger als 5 Prozent einen „Konjunktur-Bug“. Das Jahr 2002 hat nahtlos an diese Konjunkturschwäche angeschlossen. Zu diesem Ergebnis kommt Volkswirt Günter Wolf von der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) in seinem jüngsten Branchenbericht. Nach Zuwächsen von jährlich 17 Prozent zwischen 1995 und 2000 hat sich die Investitionszurückhaltung auf fast alle Segmente des österreichischen Informations-technologiemarktes ausgedehnt. Betroffen sind die Hardware- und Softwarehersteller ebenso wie die damit verbundenen Dienstleistungsbereiche. Der Umsatz der gesamten IT-Branche wurde von der Österreichischen Computergesellschaft zuletzt mit 14,6 Milliarden Euro beziffert.

Vor allem die Ernüchterung im E-Commerce hat in den letzten zwei Jahren die Nachfrage nach Serviceleistungen rund um das Netzwerk- und Datenbankmanagement zum Erliegen gebracht. 2002 müssen die heimischen Datenverarbeiter sogar mit einem Umsatzrückgang rechnen. Erst 2003 wird die Nachfrage nach Ausrüstungsgütern wieder stärker steigen, das heißt im Bereich von plus 5 Prozent, und damit auch die Nachfrage nach IT-Produkten und -dienstleistungen ankurbeln.

Die Ausgaben für IT-Dienstleistungen in Österreich sind in der Vergangenheit deutlich langsamer gestiegen als in vergleichbaren Ländern. Günter Wolf von der BA-CA Volkswirtschaft: "Geringe IT-Investitionen in den 90er-Jahren waren mit ein Grund für Österreichs Wachstumsschwäche in dieser Zeit im internationalen Vergleich. Österreich konnte in den 90er-Jahren nur mit durchschnittlich 2,3 Prozent im Jahr wachsen. Das Wachstum im OECD-Durchschnitt lag bei 2,7 Prozent.“ Allerdings können die BA-CA Ökonomen dem auch etwas Positives abgewinnen. "Österreichs Nachholbedarf wird in den nächsten Jahren die IT-Branche beflügeln", ist Günter Wolf für die Zukunft optimistisch.

Die langfristigen Perspektiven sind gerade im Bereich Software besonders positiv. Die Software wird zusehends zur Steuerung ganzer Wertschöpfungsketten eingesetzt, die IT-Prozesse werden immer komplexer. Damit wächst die Nachfrage nach Diensten der Softwarehäuser beziehungsweise generell nach IT-Beratern. Darüber hinaus gewinnen ASP-Leistungen an Bedeutung. Derzeit nutzen erst 3 Prozent aller heimischen Klein- und Mittelbetriebe die Leistungen von Application Service Provider, Unternehmen die Software und andere IT-Anwendungen vermieten. Die geringe Akzeptanz wird vor allem mit Sicherheitsbedenken begründet. Besonders KMUs werden aber aus Kostengründen dazu übergehen, Software und andere IT-Anwendungen zu mieten. Die Nachfrage wächst rasch, auch wenn die jüngsten Prognosen vielleicht nicht erreicht werden. So erwartet die IDC ein Wachstum des europäischen ASP-Marktes auf 6 Milliarden Euro bis 2006, ausgehend von 100 Millionen 2000.

Laut Günter Wolf von der BA-CA Konzernvolkswirtschaft entscheidet die sinnvolle Nutzung elektronischer Marktplätze zunehmend über den wirtschaftlichen Erfolg einer Organisation. Die Euphorie rund um E-Commerce ist zwar verschwunden. Dennoch bleiben die erwarteten Zuwächse in Relation zum Wachstum des gesamten Handels erstaunlich hoch. Schätzungen gehen von einem Anstieg der B2B-Umsätze in der EU von 77 Milliarden auf 2.200 Milliarden Euro bis 2006 aus. Das ist ein jährliches Plus von 96 Prozent. Im B2C-Handel soll der jährliche Zuwachs noch 35 Prozent erreichen, ausgehend von knapp 33 Milliarden Euro 2001 auf 148 Milliarden Euro 2006. Österreich liegt im Trend: Die E-Commerce Umsätze haben sich 2001 von 8,2 auf rund 17 Milliarden Euro verdoppelt. Die hohe Zahl an Breitbandanschlüssen, „sicheren“ Servern und Internet-Hosts bildet dabei eine stabile Basis für die positive Entwicklung der Netz-Aktivitäten in Zukunft, so die Ökonomen der BA-CA optimistisch.


Rückfragen:  Bank Austria Group Public Relations
Tiemon Kiesenhofer, Tel. +43 (0)5 05 05 DW 52819;
E-Mail: tiemon.kiesenhofer@ba-ca.com