16.10.2001

Asset Allocation der Bank Austria für das vierte Quartal 2001

Aktienquote mit 40 von 37, Anleihen mit 59 und Cash mit 1 Prozent gewichtet
Kurzfristig werden defensive Titel, mittel- bis längerfristig zyklische Werte bevorzugt

Vor dem Hintergrund der Terroranschläge am 11. September ist nach Meinung der Experten der Bank Austria ein erhöhtes Maß an Vorsicht angebracht. Gleichzeitig wird der Tatsache Rechnung getragen, dass die Aktienmärkte schon vor den Anschlägen nach den massiven Rückgängen teilweise schon zu stark an übertriebenen Verkäufen gelitten haben. Monika Rosen, Bereichsleiterin Research, AMG: "Wir heben die Aktienquote, die durch die Kursverluste des Sommers bei etwa 37 Prozent angelangt war, leicht auf 40 Prozent an, und sind somit im Aktienbereich neutral gewichtet. Der Anleihenanteil befindet sich dementsprechend bei 59 Prozent, Cash bleibt mit 1 Prozent gewichtet. Die Allocation lautet daher auf 40 Prozent Aktien, 59 Prozent Anleihen und 1 Prozent Cash."

Anleihenseitig wird der Dollaranteil auf 11 Prozent gesenkt und ist damit zur Benchmark leicht untergewichtet. Der Euroland-Anteil wird auf 82 Prozent angehoben. In der Bank Austria wird erwartet, dass der Euro durch die aktuellen Ereignisse in den USA weiterhin keine nennenswerte Schwäche zum Dollar aufbauen wird. UK bleibt mit 2 Prozent, Resteuropa mit 5 Prozent gewichtet. Resteuropa bedeutet zur Zeit Anleihen in den Währungen Dänenkronen, Schwedenkronen, Norwegerkronen und Schweizer Franken sowie Währungen der Euro-Beitrittskandidaten in Mittel- und Osteuropa.

Euroraum im Vorteil - USA leicht angehoben – Japan unverändert

Auf der Aktienseite wurde der Anteil der Emerging Markets etwas reduziert (aktuell bei 3 Prozent), da im Moment eher die entwickelten Märkte bevorzugt werden. Japan bleibt mit 9 Prozent unverändert. Die USA wurde mit einem Anteil von 54 Prozent leicht angehoben, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der bevorstehenden Anhebung der US-Gewichtung in den MSCI Indizes. Resteuropa bleibt mit 3 Prozent unverändert, während UK auf 7 Prozent reduziert wird. Monika Rosen: "Wir sehen im Moment vor allem den Euroraum im Vorteil und heben dort die Gewichtung auf 24 Prozent an. Wir gehen hier von besseren Konjunkturchancen und einem verhältnismäßig starken Euro aus."

Weitere Zinssenkungen auch im Euro-Raum wahrscheinlich – Inflation kein Thema

Die Fed hat ihre Zinssenkungspolitik beibehalten und in diesem Jahr die Leitzinsen um in Summe 400 Basispunkte gesenkt. Die letzten beiden Senkungen im Ausmaß von jeweils 50 Basispunkten gelten als unmittelbare Reaktion auf die Geschehnisse in New York und Washington am 11. September dieses Jahres. Gleiches gilt für die EZB, die ebenfalls um 50 Basispunkte (in Summe 100 Basispunkte in diesem Jahr) gesenkt hatte. Inflation ist derzeit bei dem verhältnismäßig starken Euro sowie dem schwachen Ölpreis, der sich am unteren Ende der OPEC-Bandbreite bewegt, kein Thema. Dieser Umstand macht weitere Zinssenkungen im Euro-Raum wahrscheinlich.

Der amerikanische Bondmarkt hingegen gab bezüglich Inflation anfänglich Anlass zur Sorge, nachdem der Haushaltsüberschuss nun massiv reduziert werden soll. Die Anleihenmärkte reagierten kurzfristig mit leichten Renditeanstiegen bei US-Anleihen. Monika Rosen: "Wir gehen von weiteren Zinssenkungen sowohl in den USA als auch in Euroland noch in diesem Jahr aus. Diese Erwartung hat - nach den Anschlägen - vor allem das kurze Ende sehr gut performen lassen. Die längeren Laufzeiten profitierten zwar teilweise von safe-haven-Zuflüssen, stehen aber andererseits vor allem in den USA im Bann potenziell schwächerer Steuereinnahmen sowie der angekündigten Fiskalmaßnahmen."

Resümee des 3 Quartals 2001

Das dritte Quartal dieses Jahres geht wohl als eines der schwärzesten in die Geschichte ein. Nach den Terroranschlägen vom 11. September mussten die Märkte erneut deutlich korrigieren. Insbesondere die zyklischen Branchen kamen stark unter Druck. Defensive Werte wie Pharma oder Nahrungsmittelerzeuger konnten sich zwar besser behaupten, dennoch verloren die Aktienmärkte anfangs auf breiter Basis.

Die Notenbanken haben in unmittelbarer Folge der Anschläge reagiert und konzertiert die betreffenden Leitzinsen gesenkt, um die Märkte mit Liquidität zu versorgen. Der US-Dollar kam nur kurzfristig nach den Anschlägen unter Druck und bewegt sich zur Zeit um die Marke von 0,90. Der Ölpreis, der in unmittelbarer Folge auf den 11. September stark angestiegen war, bewegt sich nun deutlich unter der Marke vor den tragischen Vorfällen.

Kritische Hinterfragung der Geschwindigkeit und des Ausmaßes angebracht

Gegen Ende September zeichnete sich dann allerdings eine Entspannung der Lage ab, und genau einen Monat nach den Anschlägen, am 11. Oktober hatten einige Indizes die gesamten, nach den Anschlägen erlittenen Verluste wieder wettgemacht. Die Unsicherheit über den Zeitpunkt des militärischen Gegenschlags fiel weg und erste Unternehmensergebnisse in den USA für das dritte Quartal konnten den Markt positiv überraschen.

Monika Rosen fordert allerdings, dass die Geschwindigkeit und das Ausmaß dieser Aufwärtsbewegung kritisch hinterfragt werden: " Das wirtschaftliche Umfeld hat sich seit den Anschlägen noch deutlicher eingetrübt, und die Schätzungen der Unternehmensgewinne für das nächste Jahr dürften in Folge weiter nach unten korrigiert werden. Diese Faktoren werden aber offensichtlich von den Zinssenkungen der Zentralbanken und den geschnürten Fiskalpaketen seitens der US-Regierung aufgewogen. Allerdings konnten in der Vergangenheit Zinssenkungen die Märkte nicht nachhaltig stützen. Es gab in diesem Jahr bereits mehr als einen falschen Startschuss."

Rückfragen: Asset Management GmbH

Monika Rosen, Bereichsleiterin Research, Tel. (01) 33 147 DW 5403

E-Mail: monika.rosen@amg.co.at