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Die globalen Handelskonflikte sind derzeit omnipräsent. Ein Ende scheint vorerst nicht in Sicht - auch wenn die USA und China zuletzt einen "Waffenstillstand" geschlossen haben.

Was viele befürchtet haben, dürfte heuer und im kommenden Jahr zur traurigen Realität werden: Die aktuellen Handelskonflikte sind - neben einer strafferen Geldpolitik und zurückgehenden fiskalischen Impulsen, vor allem in den USA - ein wesentlicher Grund dafür, dass sich das globale Konjunkturumfeld doch recht deutlich abschwächen wird. Nachdem die Weltwirtschaft 2018 noch um starke 3,6 Prozent gewachsen ist, gehen die Expertinnen und Experten der UniCredit Bank Austria davon aus, dass 2019 und 2020 ein Rückgang des Wachstums auf 3,4 bzw. 2,7 Prozent bevorsteht. Die schlechte Nachricht gleich vorweg: Ein baldiges Ende der Handelskonflikte zeichnet sich nicht ab.

"Die Handelskonflikte wirken sich vor allem auf die Investitionstätigkeit der Unternehmen negativ aus", so Stefan Bruckbauer, Chefökonom der UniCredit Bank Austria. Dabei wären gerade jetzt, wo der Aufholprozess nach der Finanzkrise vorbei sei, Erweiterungsinvestitionen und Investitionen in neue Projekte für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung überaus wichtig. Der Experte glaubt zwar nicht, dass durch die andauernden Streitereien zwischen den USA und China sowie den USA und der EU die globalen Handelsströme trockengelegt werden, die negativen Folgen werden aber mehr und mehr sichtbar.

Unübersichtliche Lage

Die Lage wurde seit dem Frühjahr 2018 jedenfalls mehr und mehr unübersichtlich. Im Mai führten die USA erste Strafzölle auf chinesische Importe ein. China antwortete mit Gegenmaßnahmen. Im Juli spitzte sich die Lage zwischen den USA und der EU zu. So wurden die Zollausnahmen auf US-Stahl- und Aluminium-Importe aus der EU aufgehoben. Im September folgte schließlich die Einführung der zweiten Runde gegenseitiger Strafzölle zwischen den USA und China. Der aktuelle Stand: Beim G-20-Gipfel in Buenos Aires Ende November vereinbarten beide Länder einen "Waffenstillstand". Die USA erklärten sich dazu bereit, die Zölle auf chinesische Einfuhren weder zu erhöhen noch auszuweiten. China versprach dafür, mehr aus den USA zu importieren. Vom Tisch sind weitere Sanktionen aber keineswegs. Für den Fall, dass innerhalb von 90 Tagen keine Einigung erzielt wird, haben die USA angekündigt, die geplante Tariferhöhung von 10 auf 25 Prozent auf chinesische Produkte im Wert von 200 Millionen Euro umzusetzen.

»Die aktuellen Handelskonflikte kann man nur verstehen, wenn man die rein ökonomische Perspektive ausschaltet.«
Jonas Puck, Leiter des Instituts für International Business der WU Wien

Im Falle der USA dürften dahinter vor allem politische Interessen stehen. Seiner Ansicht nach könnte es US-Präsident Donald Trump um sein Standing bzw. um seine Wiederwahl gehen. Der Hintergrund: Die positiven Effekte der Handelszölle würden sich in den kommenden drei Jahren zeigen, die negativen aber erst später.

BIP USA

Scheinbare Arbeitsplatzsicherheit

Haben die derzeitigen Handelsstreitigkeiten überhaupt positive Auswirkungen? Expertinnen und Experten glauben, dass Strafzölle für einige Sektoren der amerikanischen Volkswirtschaft kurzfristig durchaus positive Folgen haben könnten. Durch die relative Teuerung ausländischer Produkte, die mit Strafzöllen belegt wurden - dazu gehören unter anderem Stahl, Aluminium, Solarzellen und Waschmaschinen - könnte ein Nachfrageumschwung zugunsten von US-Produkten einsetzen. Die Folgen: Scheinbare Arbeitsplatzsicherheit in geschützten Sektoren, eine Erhöhung der Kapazitäten sowie eventuelle Neueinstellungen. "Zölle auf Elektronik, die in die USA geliefert wird, werden die Preise erhöhen und damit die Nachfrage der Verbraucher senken", erläutert Monika Stoisser-Göhring, CFO bei AT&S. Wenn die Nachfrage zurückgehe, würden in weiterer Folge sowohl in den USA als auch in China die Kapazitäten reduziert werden. Das würden wiederum die Endverbraucher zu spüren bekommen - und dies vor allem im Bereich der Unterhaltungselektronik.

»Am Ende bleiben nur Verlierer übrig.«
Monika Stoisser-Göhring, CFO bei AT& S

Keine positiven Wohlfahrtseffekte

"Mir sind keine Studien bekannt, die aussagen, dass Protektionismus langfristig positive Wohlfahrtseffekte mit sich bringt", hält Puck fest. Vielmehr sei sich die Wissenschaft einig, dass das Gegenteil der Fall sei. Den Experten erinnert das Vorgehen Trumps an ein Schachspiel. "Obwohl man weiß, dass man mit dem nächsten Zug das Spiel verlieren wird, ruft man Schach - in erster Linie, um Aufmerksamkeit zu gewinnen", meint er. Dahinter dürfte die Strategie stehen, wieder Einfluss auf den globalen ökonomischen Prozess zu bekommen.

Tatsächlich hat sich die alte Weltordnung in den vergangenen Jahren stark verändert. Nachdem die USA nach dem Zweiten Weltkrieg die führende Position eingenommen haben, beansprucht nun China eine stärkere geopolitische Rolle für sich. Das Problem bei der Sache: China fährt mit einem nur begrenzt marktwirtschaftlichen Modell. Bekanntlich wird die chinesische Volkswirtschaft stark staatlich kontrolliert. "Allerdings behandelt die Welthandelsorganisation (WTO) Handel und Investitionen von allen Ländern gleich, was aus der Sicht von marktwirtschaftlich orientierten Volkswirtschaften unfair ist, da sie ihre internationalen Aktivitäten selber finanzieren müssen", erklärt Puck.

China: Wachstumsabschwächung

"So hat auch China in der Vergangenheit die WTO-Regeln immer wieder verletzt und man müsste das Land stärker an die Kandare nehmen", fügt Bruckbauer hinzu. Der Unterschied sei allerdings, dass Trump den Mechanismus der WTO untergrabe und sie schwäche, indem er versuche, gegenseitige Deals zulasten anderer zu machen. Wie Bruckbauer festhält, litten die USA noch nicht so stark unter den Handelskonflikten, aber Exportunternehmen sowie Konsumentinnen und Konsumenten würden die Auswirkungen mehr und mehr spüren. Dass Importe teurer werden, habe negative Folgen auf die Realeinkommen.

Nicht von der Hand zu weisen ist für Bruckbauer, dass sich durch den Handelskonflikt mit den USA das chinesische Wachstum abschwächt. "Wir gehen davon aus, dass sich das nach und nach auch auf die europäische Wirtschaft auswirken wird", sagt er. Noch sei die Konjunktur in Europa zu stark und könne die Auswirkungen der Handelskonflikte überdecken. Nachsatz: "Aber europäische Spitzen- Exportunternehmen vermelden seit drei Monaten rückläufige Aufträge."

"Wir beobachten die aktuellen Entwicklungen sehr genau", sagt Stoisser-Göhring. Unmittelbare Auswirkungen des Handelskonflikts zwischen den USA und China spürt man beim heimischen Technologiekonzern jedenfalls nicht. "Wenngleich auch rund 65 Prozent unseres Umsatzes mit Kunden aus den USA erzielt werden, erfolgt die Lieferung unserer Leiterplatten an Unternehmen im asiatischen Raum, die sie weiter verarbeiten", erklärt Stoisser-Göhring. Erst die Endprodukte würden dann in die USA importiert.

AT&S

AT&S ist europäischer Marktführer und weltweit einer der führenden Hersteller von hochwertigen Leiterplatten und IC-Substraten. Das Unternehmen mit Sitz Leoben verfügt über Produktionsstandorte in Österreich, Indien, China und Korea und beschäftigt weltweit 9.598 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Geschäftsjahr 2017/18 beliefen sich die UmsatzLeiterplatten von AT&S sind aus vielen elektronischen Produkten nicht mehr wegzudenken. erlöse auf 991,8 Mio. Euro.

INTERVIEW

"Erwarten 2020 milde Rezession in den USA"

Harm Bandholz, Chief US Economist UniCredit Bank New York, erklärt, wie sich die US-Wirtschaft in den kommenden zwei Jahren entwickeln wird.

Der aktuelle Aufschwung der US-Wirtschaft steht davor, heuer zur längsten Erholung der Geschichte zu werden. Wie lange wird das noch so weitergehen?
2018 war mit einem BIP-Wachstum von fast 3 Prozent ein starkes Jahr für die US-Wirtschaft. Maßgeblich verantwortlich für die Outperformance waren die massiven fiskalischen Impulse der US-Regierung. Wir glauben, dass deren Effekte zur Jahresmitte auslaufen werden und die Wirtschaft beginnen wird, an Schwung zu verlieren. Im ersten Halbjahr 2019 sollte das BIP-Wachstum auf 2,5 Prozent, in der zweiten Jahreshälfte auf 1,25 Prozent zurückgehen. Für das Gesamtjahr erwarten wir ein Plus von 2,4 Prozent. Im kommenden Jahr rechnen wir dann mit einer milden Rezession - sprich mit zwei Quartalen mit negativem Wachstum. Zum Jahresende sollte sich das BIP-Wachstum auf 0,7 Prozent belaufen.

Welche Faktoren stehen hinter dieser Entwicklung?
Zur Wachstumsverlangsamung werden neben dem Auslaufen der fiskalischen Impulse auch Faktoren wie eine spürbare Verlangsamung der Zuwächse bei den verfügbaren Einkommen, zurückgehende Investitionsausgaben und ein weniger positives externes Umfeld beitragen.

Stichworte externes Umfeld. Was genau kommt hier zum Tragen?
Während die US-Wirtschaft 2018 weiter stark gewachsen ist, hat das globale Wachstum in den vergangenen Monaten begonnen, an Momentum zu verlieren. Darüber könnte - trotz des "Waffenstillstands" beim G-20-Gipfel in Buenos Aires - der Zollsatz auf chinesische Importe im Wert von 200 Mrd. US-Dollar von 10 auf 25 Prozent erhöht werden. Dadurch verdoppeln sich die erwarteten Tarif-Zahlungen von 0,2 Prozent des BIP auf 0,4 Prozent. Aber auch die Finanzkonditionen werden weniger förderlich sein und sich in einer Mischung aus höheren Zinsen, mehr Aktienmarktvolatilität und einem stärkeren US-Dollar spiegeln.