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Als Michaela den Schnee holen ging...

Es war ein kalter, windiger Dezember. Der Sturm pfiff durch die Straßen, der Nebel hüllte die Häuser ein und ab und zu regnete es auch ein bisschen. Kurz: Es war ein richtiges Novemberwetter, keine Spur von Schnee.

Und obwohl der Advent ja eine Zeit der Vorfreude sein sollte, wurden die Menschen immer missmutiger.

"Kein Schnee!" sagten sie jeden Tag und richteten ihre Augen prüfend zum Himmel. Ohne Schnee machten die Besuche am Weihnachtsmarkt nur halb so viel Spaß. Die Kinder wollten endlich einen Schneemann bauen und die Erwachsenen Schi fahren.

"Kein Schnee ist ganz schlecht fürs Weihnachtsgeschäft", brummte der Kaufhausmanager. "Wer will schon Schi und Snowboards und Schlitten und Winterkleidung kaufen, wenn es keinen Schnee gibt?"

Die Reifenhändler machten ebenso wenig Geschäft. "Die Kunden kaufen erst neue Winterreifen, wenn der erste Schnee fällt"- diese Erfahrung hatten sie schon lange gemacht.

Auch die Liftbesitzer klagten: "Ohne Schnee kein Liftbetrieb. Alle Anlagen stehen still." Die Hotelbesitzer und Tourismusmanager waren ebenso unzufrieden: Ohne Schnee keine Buchungen, die Hotels blieben leer, so lange die Lifte still standen.

"Ich bin gar nicht in Stimmung für Weihnachten", dachte Elisabeth. "Weihnachten ohne Schnee ist wie Ostern ohne Palmkätzchen – es fehlt einfach was."

Ihre Tochter Michaela stand am Fenster und drückte sich die Nase platt. "Mama, wann kommt der Schnee?" Elisabeth wandte ihr erstaunt den Kopf zu: "Du willst Schnee? Ich dachte, dir ist immer zu kalt da draußen?" – "Das stimmt ja auch", sagte Michaela. "Aber die anderen in meiner Klasse wollen rodeln und Schi fahren und Eis laufen und sie sind schon ganz traurig, weil es keinen Schnee gibt".

"Eigenartig", murmelte Michaelas Mutter, "man könnte fast meinen, der Schnee weiß nicht, dass bald Weihnachten ist." Michaela dachte nach. „Vielleicht schlafen die Schneeflocken noch? Vielleicht wissen sie wirklich nicht, dass bald Weihnachten ist? Wenn ich nur wüsste, was los ist, wenn ich nur helfen könnte …“

Zur selben Zeit …

… saß der kleine Engel Raffael auf einer Wolke und hatte einen Berg von Briefen vor sich. Die großen Engel hatten noch einmal eine Runde über die Erde gedreht und die letzten Wunschlisten eingesammelt.

Vielen Kindern und Erwachsenen fiel ja in letzter Minute noch etwas ein und das konnte auch die Engel ganz schön in Stress bringen, obwohl es das Wort "Stress" im Himmel natürlich nicht gibt.

Raffael öffnete langsam die Briefe. Seltsam, viele fingen heuer mit dem gleichen Satz an: "Ich wünsche mir, dass es vor Weihnachten Schnee gibt …"

"Ich wünsche mir, dass es vor Weihnachten Schnee gibt, weil ich noch möglichst viel verkaufen möchte", schrieb der Kaufhausdirektor. „Ich wünsche mir Schnee, damit ich meine Lifte aufsperren kann, schrieb der Liftbesitzer. „Dann kann ich viele neue Lifte bauen. Und dann kann ich noch mehr Geld verdienen, und noch mehr Lifte bauen …"

"Wir wünschen uns Schnee, damit die Geschäfte besser gehen", schrieben auch Reifenhändler, Hotelbesitzer und Tourismusmanager.

Ein Brief war anders. "Ich mag Schnee überhaupt nicht", schrieb da ein kleines Mädchen. "Aber ich wünsche mir Schnee, damit die Menschen glücklich sind."

Raffael spähte durch ein Wolkenloch auf die Erde. Tatsächlich, da lag kein Schnee. Er hatte es noch gar nicht bemerkt, Engel fliegen ja bei jedem Wetter, bei Sturm, Sonne und Regen.

"Wenn ich nur wüsste, was los ist", dachte der kleine Engel. "Wenn ich doch nur helfen könnte …"

"Nur noch drei Mal schlafen bis Weihnachten …"

… sagte Michaelas Mutter. "Gute Nacht!" Um Mitternacht setzte sich Michaela plötzlich in ihrem Bett auf. Ein helles Licht erfüllte ihr Zimmer. Sie lief zum Fenster und da stand doch tatsächlich ein Rentierschlitten vor ihrem Haus.

Er sah ein bisschen so aus wie der Schlitten des Weihnachtsmannes aus ihren Büchern. Aber der hier war nicht geschmückt und er hatte auch keine Packerl geladen. Und auf dem Kutschbock saß nicht die vertraute Gestalt im roten Mantel, sondern … Michaela rieb sich noch einmal die Augen: Da saß doch glatt ein kleiner Engel!

"Steig ein Michaela", sagte der Engel. "Du kannst zu mir auf den Kutschbock klettern, wenn du willst. Ich habe deinen Brief gelesen und da ist mir eine Idee gekommen. Übrigens: Ich heiße Raffael".

In Windeseile raste der Schlitten empor und genau auf eine weiße Wolkenwand zu. "Vorsicht!" rief Michaela und dann schaute sie genauer hin: Das waren ja gar keine Wolken, das waren riesige Dauendecken. Ein einziges riesiges Himmelsfederbett! Und aus den Federbetten schauten lauter winzig kleine Zipfelmützen hervor! "Da haben wir es", seufzte der Engel Raffael. "Die Schneeflocken schlafen und daher gibt es auf der Erde keinen Schnee."

"Und das wäre auch so geblieben, wenn du nicht einen Wunschbrief geschrieben hättest", sagte plötzlich eine Stimme, die scheinbar mitten aus den Federbetten kam.

Frau Holle! "Die Menschen wünschen sich den Schnee nur für sich selbst. Da habe ich gedacht, ich gönne den Schneeflocken heuer einmal eine Pause."

Frau Holle blickte Michaela ernst an: "Du bist die einzige, die keinen Schnee mag und sich trotzdem Schneefall gewünscht hat, damit alle anderen Menschen glücklich sind. Dafür darfst du mir jetzt helfen, die Schneeflocken aufzuwecken. Wir machen das so …"

Wie Michaela die Schneeflocken aufgeweckt hat? Psst, das wird hier nicht verraten, sonst könntet ihr ja auch jederzeit Schnee fallen lassen. Nur so viel: Es hat was mit Polstern und Decken und schütteln zu tun …

"Schnee, endlich Schnee" ...

... riefen die Menschen auf der Erde. Die Kinder holten Rodeln und Schi, die Erwachsenen machten Winterspaziergänge und bummelten über die Weihnachtmärkte. Die Lifte fuhren, die Geschäfte waren voll mit Menschen, die noch Weihnachtseinkäufe machten, und als der heilige Abend kam, waren alle glücklich.

Auch Michaela strahlte. Das Christkind hatte ihr eine weiße, weiche Daunenjacke gebracht, die so warm war, dass sie selbst im tiefsten Schnee nicht mehr fror. Und wenn man ganz genau hinschaute, sah die Jacke genauso aus wie Frau Holles Federbetten …