24You

Das neue Internetbanking der Bank Austria.

BusinessNet

Das Internetbanking für Unternehmen

olbImgAlt Mehr erfahren
Die MegaCard. Das Jugendkonto für alle von 10 - 20 Jahren – jetzt mit 40 Euro Willkommensgutschein. Mehr erfahren

Durch "Sustainable Finance" können Unternehmen nachhaltige Investitionen günstig finanzieren und so ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern.

Die EU-Kommission will mit ihrem Aktionsplan zur Finanzierung von nachhaltigem Wachstum eine gewaltige Umlenkung von Kapitalströmen zur Rettung der Umwelt und zum Wohl der Wirtschaft erzielen. Sustainable Finance lautet das Konzept dazu. Die Idee nachhaltiger Finanzierung ist bestechend  logisch und einfach: Unternehmen investieren verstärkt in nachhaltige Maßnahmen zur Umweltverbesserung, Reduzierung des CO2-Ausstoßes, Senkung des Energiebedarfs oder auch in die Verbesserung der Arbeitssituation ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dadurch werden sie wettbewerbsfähiger. Weil am Markt nachhaltige Produkte und Dienstleistungen eine wachsende Nachfrage erfahren. Weil die Finanzierung der Umweltinvestitionen zu entsprechend günstigen Konditionen erfolgen kann. Und nicht zuletzt, weil Unternehmen, die ihr nachhaltiges Wirtschaften nachweisen können, für Investoren künftig attraktiver werden. Und gerade nach der jüngsten Vergangenheit wird ein verantwortungsvoller Umgang mit Menschen und der Umwelt in jeder Hinsicht wichtig und lohnend sein. Doch so klar das Konzept auch ist, der Weg von Brown zu Green Finance, also von klassischer zu nachhaltiger Finanzierung, ist für Unternehmer oft mit vielen Neuerungen und Umstellungen verbunden.

Eine mit Pflanzen bewachsene Hausfassade

Grüne Palette

Die gebräuchlichsten Finanzierungsmöglichkeiten für nachhaltige Investitionen umfassen derzeit vier Varianten:
Bei Green Loans und Green Bonds werden die Mittel des aufgenommenen Kredits oder der platzierten Unternehmensanleihe ausschließlich für Umweltinvestitionen verwendet.

Bei Sustainability-linked Loans und Sustainability-linked Bonds werden die Mittel ebenfalls für umweltorientierte Verbesserungen im Unternehmen eingesetzt, der Zinssatz hängt aber von einem vorher definierten Nachhaltigkeitsziel ab. Wird das Ziel erreicht oder sogar unterschritten, verringert sich der Zinssatz des Kredits oder der Anleihe für das Unternehmen. Eine grüne Finanzierungsvariante, die immer mehr Unternehmen schätzen. Antonio Keglevich, Leiter des Sustainable Finance Advisory Teams der UniCredit Bank AG: „Der Markt der sogenannten Sustainability-linked Loans, also Kredite, die an die Nachhaltigkeits-Performance des Kreditnehmers gebunden sind, ist 2019 um 146 Prozent auf 126 Milliarden US-Dollar gestiegen. Dieser Teilmarkt besteht erst seit 2017 und wächst außerordentlich dynamisch.“ 

Ähnlich dieser Systematik können auch Social Bonds oder Social Loans begeben werden. Der hauptsächliche Unterschied liegt darin, dass die Bezeichnung „Social“ sich eben auf soziale Aspekte im Bereich der Nachhaltigkeit bezieht. Oft sind hier staatliche Organisationen die Emittenten und die Nutzungsbereiche werden kombiniert. So begab die OeKB beispielsweise als Beitrag zur „Green Agenda“ der österreichischen Bundesregierung im Herbst 2019 ihren ersten mehrfach überzeichneten „Sustainability Bond“. Mit dem Volumen von 1,7 Milliarden Euro wurden ausgewählte Projekte der Regierung im Umwelt-, aber auch Sozialbereich finanziert. Und mit „Exportinvest Green“ bietet die OeKB exportorientierten Unternehmen der heimischen Wirtschaft eine besonders attraktive Möglichkeit, nachhaltige Projekte zu günstigen Konditionen zu finanzieren (siehe Kasten). Ein weiteres Beispiel für die erfolgreiche Nutzung nachhaltiger Finanzierungsvarianten ist die Lenzing AG. Der oberösterreichische Faserhersteller hat Ende November 2019 ein nachhaltiges Schuldscheindarlehen begeben (siehe Kasten). Aber auch andere heimische Unternehmen, wie der Verbund oder Wienerberger, haben bereits erfolgreich nachhaltige Finanzierungsformen für Investitionen in die Verbesserung ihrer Umweltstandards genutzt.

Glasfassaden von unten

Klare Transparenz

Für die Inanspruchnahme von Green, Social oder Sustainability Bonds ist ein Nachweis des Einsatzes der Mittel erforderlich. Bei Sustainability-linked-Finanzierungen ist der Kunde bei der Wahl des Verwendungszwecks frei. Die Unternehmen entscheiden gemeinsam mit Banken, welche Kriterien für die Überprüfung herangezogen werden sollen. Als Key Performance Indicators (KPI) werden einschlägige Kriterien wie der CO2-Ausstoß, der Anteil recycelten Abfalls oder Energieeinsparungen in der Produktion herangezogen. Die von der EU-Kommission im Rahmen des Aktionsplans für nachhaltige Investments definierten ESG-Kriterien, „Ecological“, „Social“ und „Governance“, dienen dazu. Unter Ecological sind Faktoren wie Klimaschutz, Ressourceneinsatz oder Energieverbrauch zusammengefasst. Der Bereich Social umfasst primär die Situation der Mitarbeiter, die Sicherheits- oder die Gesundheitsvorkehrungen. Unter Governance wird das Verhalten der Unternehmensführung im Bereich Außenauftritt des Betriebs, des Risikomanagements, aber auch der Umgang mit Korruption zusammengefasst. Auf welche KPIs sich ein Unternehmen gemeinsam mit den Finanzinstituten auch einigt, die Überprüfung der Zielerreichung sollte durch ein unabhängiges Ratingunternehmen oder einen Wirtschaftsprüfer erfolgen. Dieses stark wachsende Geschäftsfeld der Nachhaltigkeitsratings und -zertifizierungen hat mittlerweile zu einem großen Angebot entsprechender Agenturen geführt. Ihnen obliegt es, zu beurteilen, ob ein Unternehmen ökologisch und sozial arbeitet – und auch noch gut geführt wird. Auch wenn es dafür noch kein EU-weites, endgültiges, rechtlich verbindliches Rahmenwerk gibt. Prinzipiell gibt es zwei Gruppen von Ratingagenturen. Jene, wie etwa ISS-ESG oder Sustainalytics, die ausschließlich Nachhaltigkeitsratings anbieten. Und jene wie MSCI, die bereits lange im globalen Kapitalmarktgeschäft tätig sind und nun auch in diesen Bereich expandieren.

Ein Baum im Sonnenlicht

Gute Gewinne

Doch der Green Deal der EU-Kommission und die Green Agenda der österreichischen Bundesregierung sind nicht nur auf punktuelle Maßnahmen zur Finanzierung von nachhaltigen Investitionen ausgelegt. Durch klare Regeln sollen Kapitalströme immer stärker dauerhaft in ökologisch agierende Unternehmen gelenkt
werden. Antonio Keglevich, Leiter des Sustainable Finance Advisory Teams der UniCredit Bank AG: „Im Management der meisten Unternehmen in unseren Märkten ist nachhaltiges Denken und Handeln mittlerweile im weiteren Sinn Ausdruck einer strategischen Überzeugung.“ Mit der Festlegung einer Taxonomie-Verordnung hat die EU nun einen weiteren Schritt für die Beurteilung von Nachhaltigkeit bei Unternehmen für Investoren gesetzt. Im Kern geht es bei dieser „Grünen Liste“ um die Frage, ob ein Unternehmen zur Erreichung von Umweltzielen beiträgt oder eben nicht. Investoren sollen einfach und unmissverständlich identifizieren können, ob sie ihr Geld wirklich nachhaltig anlegen. Gleichzeitig soll künftig Etikettenschwindel, das sogenannte „Greenwashing“, verhindert werden. Die Taxonomie-Verordnung der EU-Kommission unterscheidet Projekte nach drei Kategorien. Nachhaltiges Wirtschaften, das emissionsarm oder emissionsfrei ist, zum Beispiel Solarenergie, fällt in die Kategorie eins. Sie gilt als Optimalfall. Zu Status annähernd nachhaltig, in denen null Emissionen noch nicht möglich sind, wie in der Stahlproduktion, der Ausstoß im Rahmen der technischen Möglichkeiten jedoch reduziert wird. Solche Projekte, die anderen Sektoren helfen, keine Emissionen zu produzieren, beispielsweise die Herstellung von Windturbinen, werden zur dritten Kategorie gerechnet. Für Unternehmer bleiben auf dem Weg zur ökologischen Ausrichtung oder nachhaltigen Finanzierung ihres Betriebs dennoch viele Fragen offen. Das Sustainable Finance Advisory Team der UniCredit Bank AG um Antonio Keglevich kann dazu die entsprechenden Antworten liefern. Es vereint langjähriges Knowhow in Sachen Nachhaltigkeit mit profunder Expertise in Bezug auf Kapitalmarkttransaktionen. So kann der Austausch mit Kunden zu ESG-bezogenen Themen vertieft werden und für sie der Zugang zum europäischen Markt für grüne Finanzierungen, der Weg von Brown zu Green Finance, erleichtert werden.

Exportinvest Green

Die Oesterreichische Kontrollbank (OeKB) ermöglicht heimischen Exporteuren für nachhaltige Investitionen in Österreich die zusätzliche Übernahme von 20 Prozent des Finanzierungsbetrags. Die Voraussetzungen dafür: Das Unternehmen muss eine Exportquote von mindestens 20 Prozent aufweisen und die Investitionssumme muss mindestens zwei Millionen Euro betragen. Ein Beispiel: Ein Unternehmen mit einer Exportquote von 54 Prozent erhält mittels der bereits bestehenden Förderungsvariante „Exportinvest“ eine 50-prozentige Finanzierung der Investitionskosten (die Finanzierungsquote ergibt sich durch Abrundung auf die Zehnerstelle). Hat die Investition aber auch einen positiven Umwelteffekt, erhöht sich der Finanzierungsrahmen noch einmal um 20 Prozent. Also in diesem Fall auf 70 Prozent. Die Finanzierung erfolgt über die Hausbank, die sich zu den günstigen Konditionen bei der OeKB refinanziert.

Erstes nachhaltiges Schuldscheindarlehen von Lenzing

Ende November 2019 hat der oberösterreichische Hersteller von holzbasierten Cellulosefasern Lenzing sein erstes nachhaltiges Schuldscheindarlehen begeben. Ursprünglich war ein Volumen von 200 Millionen Euro geplant, doch die Nachfrage erwies sich als so groß, dass das Volumen auf 500 Millionen Euro aufgestockt wurde. Mit den Mitteln werden Maßnahmen von Lenzings Unternehmensstrategie „sCore TEN“, deren Fokus auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz liegt, finanziert. Die Verzinsung des Darlehens ist an Leistungen des Unternehmens im Bereich der Nachhaltigkeit gekoppelt und wird von einer unabhängigen Nachhaltigkeitsagentur jährlich geprüft und bewertet. Die Agentur MSCI, die im Falle Lenzings das Rating vornimmt, zeichnete das Unternehmen dafür mit einem A-Rating aus.

Der durchschnittliche Mischzinssatz des Darlehens liegt bei knapp unter einem Prozent, wodurch sich die Lenzing Gruppe günstiger als bei vergangenen Schuldscheindarlehen finanziert. Der Zinssatz kann mit einer Breite von +/-2,5 Prozent Basispunkten fallen oder steigen – eben in Abhängigkeit von Lenzings Nachhaltigkeitsrating.

Mag. Thomas Obendrauf, Lenzing

Thomas Obendrauf, Finanzvorstand der Lenzing Gruppe: „Unser Schuldscheindarlehen verbindet attraktive Konditionen mit einem innovativen, nachhaltigkeitsorientierten Konzept. Dazu haben wir das günstige Zinsumfeld genutzt und die Finanzierung langfristig abgesichert. Nachhaltigkeit ist ein wichtiger Erfolgsfaktor unserer Unternehmensstrategie. Wir sind der festen Überzeugung, dass Nachhaltigkeit einen elementaren Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg der Lenzing Gruppe darstellt.“

Sustainable Finance Advisory Team der UniCredit Bank AG
Antonio Keglevich


Interview mit Antonio Keglevich,

seit September 2019 Leiter des neuformierten Sustainable Finance Advisory Teams der UniCredit Bank AG.

 

Welche Ziele hat das im September 2019 formierte „Sustainable Finance Advisory Team“ der UniCredit Bank AG, das Sie leiten?
Unsere Einheit setzt sich aus Kapitalmarktexperten, erfahrenen Mitarbeitern aus der strukturierten Finanzierung und Kollegen aus einer der führenden grünen Rating-Agenturen zusammen. Wir unterstützen Kunden bei ihrem Wandel hin zu nachhaltigem Wirtschaften und beraten hinsichtlich aller erforderlichen Schritte einer „grünen Finanzierung“.

Wie hat sich der Markt für nachhaltige Finanzierungen entwickelt?
Der Markt für nachhaltige Finanzierungen hat sich in den letzten zehn Jahren rasant entwickelt. Einige Daten von unserem UniCredit Research, die das belegen: Weltweit hat die Emission von Green, Social und Sustainability Bonds im Jahr 2019 ein neues Allzeithoch von 300 Mrd. US-Dollar erreicht, ein Anstieg von 49 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Darüber hinaus gibt es aktuell auch sogenannte Covid-19 Bonds, eine spezielle Form der Social Bonds, deren Erlöse für die Milderung der sozialen und gesundheitlichen Folgen der Pandemie verwendet werden müssen.

Wie stark ist die Rolle der Investoren, um mit positivem Druck nachhaltigen Anleihen und Krediten zum Durchbruch zu verhelfen?
Wir sind der Meinung, dass nachhaltige Finanzierungen längst im Mainstream angekommen sind. Investoren spielen dabei eine wesentliche und weiter wachsende Rolle. Dahinter steckt jedoch viel mehr, nämlich ein tiefgreifender gesellschaftlicher Wandel, der nicht zuletzt durch die Fridays-for-Future-Bewegung einen kräftigen Schub bekommt.

UniCredit gehörte zu den ersten Anwendern der zehn Prinzipien, die die Equator Principles bilden. Wie ist das zu verstehen?
Die Equator Principles sind ein Rahmenwerk, das Finanzinstituten helfen soll, Umwelt- und soziale Risiken bei der Finanzierung von Projekten zu managen. Seit Beginn im Jahr 2003 ist die UniCredit aktives Mitglied der Equator-Principles-Vereinigung und hat bereits an der ersten Fassung der Prinzipien mitgearbeitet. Damals haben wir zusammen mit einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter die Notwendigkeit erkannt, auch Umwelt- und soziale Risiken bei der Kreditentscheidung über beispielsweise große Kraftwerks- oder Infrastrukturprojekte zu berücksichtigen. Inzwischen haben sich die Equator Principles als der Goldstandard etabliert und 104 Finanzinstitute auf der ganzen Welt haben sich zu deren Einhaltung verpflichtet. Wir sind längst auch einer der bedeutendsten Berater und Strukturierer in diesem Feld geworden. In der UniCredit gilt seit 1. Juli 2020 die vierte Fassung des Rahmenwerks.

Das könnte Sie auch interessieren:

Eine Großmutter und ihr Enkelkind nehmen eine Pflanze aus einem Topf Broschüre "Sustainable Finance"

Erfahren Sie alles Wissenswerte zu nachhaltiger Finanzierung und wie wir Sie und Ihr Unternehmen dabei unterstützen können.  
→ Broschüre "Sustainable Finance" (PDF)

FlußlandschaftESG - „Einblicke in die Finanzwirtschaft“

Die neuen "Sustainable Finance Insights" bieten Ihnen neueste Informationen und Trends zum Thema nachhaltiges Finanzieren, Perspektiven und Erfahrungsberichte unserer Kundinnen und Kunden sowie eine Auswahl jüngster Transaktionen. Diese Publikation erscheint 4 Mal pro Jahr.
→ zu Ausgabe 1 (PDF)