24You

Das neue Internetbanking der Bank Austria.

BusinessNet

Das Internetbanking für Unternehmen

olbImgAlt Mehr erfahren
Climate Action-Fonds. Veranlagen in Unternehmen, die ihre CO2-Emissionen reduzieren. Mehr erfahren ›

Digitale Ethik. Ein Wertesystem für das 21. Jahrundert.

Sarah Spiekermann verrät, wie man im Zeitalter der Digitalisierung richtig handelt und was echter Fortschritt ist.


Was ist für Sie im Zeitalter der Digitalisierung echter Fortschritt?

Echter Fortschritt muss mehr sein als ein Technologiesandkasten, der für ein bisschen Effizienz und Komfort Bewährtes zerstört. In meinem Buch stelle ich die Frage: Schreiten wir als Einzelne eigentlich wirklich fort mit der Digitalisierung? Es sollte darum gehen, positive menschliche Werte zur Entfaltung zu bringen, die jeder begrüßt, statt Zeug, das vor allem Zeit kostet. An diesen Werten zu arbeiten ist das neue "Bio" in der Digitalisierung. Wie dieses aussehen könnte und wie die großen Strömungen der Ethik dabei zum Tragen kommen, skizziere ich ebenfalls in meinem Buch.

Wie kann es gelingen, positive menschliche Werte zur Entfaltung zu bringen?

Der Weg der Werte in der "Digitalen Ethik" ist letztlich ein tugendethischer. Der Einzelne muss seine persönlichen Wertziele im Umgang mit dem Digitalen erkennen. Gleichzeitig benötigt man ein tiefes Verständnis dafür, wofür einzelne Werte, die einem wichtig sind, genau stehen. Es erfordert aber auch den Mut, neue Gewohnheiten und Wertprioritäten zu leben, ebenso wie die Bereitschaft, auf Wertvernichtung zu verzichten.

Welche Folgen hätte es, wenn Unternehmen einer "Digitalen Ethik" folgten?

In diesem Fall könnten Plattformen, die heute Apps zu Chefs machen und Menschen digital ausbeuten, zu positiven Communities werden, in denen sich Menschen loyal und zufrieden entfalten. Roboter und KI könnten zu höflichen Coaches werden, die Freiheit und Wissen in jedem Einzelnen von uns fördern, statt uns zu bevormunden. Gesundheitsplattformen könnten unser medizinisches Wissen vertausendfachen, ohne dabei Erkenntnisse zu privatisieren und unsere persönlichen Daten zu verhökern.

Welche Hürden bestehen auf dem Weg zur Entwicklung einer "Digitalen Ethik"?

Einerseits unser modernes Denken. Wir sind erzogen worden, Fortschritt allein mit Erfindergeist gleichzusetzen, statt mit wahrer Wertschöpfung und unserem täglichen Leben. Eine weitere Hürde ist das Story-Telling der IT-Industrie, das die Fähigkeiten des Digitalen maßlos überhöht, ohne die Nachteile offenzulegen. Die Natur des Digitalen ist immer unvollständig, fehlerhaft und geteilt. Sie trennt Inhalt und Form und wird bewusst so geschaffen, dass sie uns abhängig und unfrei macht. Am echten Fortschritt können wir erst arbeiten, wenn wir solche Grenzen des Digitalen sowie die Wechselwirkungen mit uns Menschen verstehen.

Zur aktuellen Ausgabe des Magazins "Unternehmerbank konkret".

Zur Person
Sarah Spiekermann

Sarah Spiekermann-Hoff leitet das Institut für Wirtschaftsinformatik & Gesellschaft der Wirtschaftsuniversität Wien. Zum Thema wertorientierte, nachhaltige IT-Gestaltung hat sie eine Vielzahl von wissenschaftlichen Artikeln und drei wissenschaftliche Bücher veröffentlicht."Digitale Ethik. Ein Wertesystem für das 21. Jahrhundert" erschien im Frühjahr 2019 im Verlag Droemer HC.