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Die Digitalisierung ist längst auch im Fußball angekommen - mit entscheidenden Folgeerscheinungen.

"Daten sind Teil einer längst noch nicht abgeschlossenen Entwicklung im Fußball, bei der sich das Spiel von einem der Meinungen in eines des Wissens verändert", schrieb der deutsche Journalist Christoph Biermann 2009 in seinem Bestseller "Die Fußball-Matrix: auf der Suche nach dem perfekten Spiel". Damit brachte er die wohl wichtigste Folgeerscheinung der bereits damals in der Welt des Fußballs angekommenen Digitalisierung auf den Punkt: Dank Daten bzw. deren Auswertung kann die Wahrheit in nahezu jeder Facette des Spiels gnadenlos ans Licht gebracht werden.

Der gläserne Kicker ist heute zur Realität geworden. Längst liefern Statistik-Programme und Trackingtechnologien Erkenntnisse über zahllose Variablen wie etwa Zweikampfquote, erfolgreiche Dribblings, gelaufene Kilometer oder abgegebene Torschüsse. In gewaltigen Datenbanken finden sich Informationen über hunderttausende Spieler, die Scouts für ihre Zwecke nutzen, um jene zu finden, die am besten zu einem Spielsystem bzw. einer taktischen Ausrichtung passen. Neue Innovationen kommen in rasantem Tempo auf den Markt. Immer öfter arbeiten diese mit Künstlicher Intelligenz.

Markus Kraetschmer, Vorstand FK Austria Wien
Markus Kraetschmer, Vorstand FK Austria Wien
"Durch Datenmanagement können die Trainer noch zielgerichteter mit den Spielern arbeiten."

Austria Wien: Digitale Technologien im Einsatz

Auch beim FK Austria Wien spielen digitale Technologien im sportlichen Bereich mittlerweile eine wichtige Rolle. 

Diese digitalen Möglichkeiten nutze man auch im Scouting-Bereich und in der Akademie - bis hin zu den jüngsten Austrianern im Nachwuchs. Nachsatz: "Das sind kleine Mosaiksteine, die uns in Zukunft wertvolle Basisdaten liefern werden."

Markus Tilp, Leiter des Instituts für Sportwissenschaft, Universität Graz
Markus Tilp, Leiter des Instituts für Sportwissenschaft, Universität Graz
"In Österreich setzen Bundesligisten etwas auf das GPS-Tracking von Spielern."

Damit könne man etwa sehen, welche Laufwege sie in einem Spiel zurücklegen und daraus Schlüsse ziehen. Die Bewertung von Messdaten durch digitale Technologien bzw. Künstliche Intelligenz erfolge hingegen nicht - zumindest seinem Kenntnisstand zufolge. "In dieser Hinsicht hinkt der österreichische Profi-Fußball im internationalen Vergleich noch hinterher."

US-Profisport seit längerem digital

Im US-Profisport - sprich Football, Baseball, Eishockey und Basketball - werden seit längerem einschlägige Programme zur Spielanalyse genutzt. Auch im deutschen Fußball tut sich in dieser Hinsicht einiges, wenngleich das dort um einiges später erfolgte. Dort kooperieren etwa Experten wie der Sportinformatiker Jürgen Perl von der Johannes Gutenberg Universität Mainz und Daniel Memmert von der Deutschen Sporthochschule Köln mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB).

Perl und Memmert entwickelten über mehrere Jahre hinweg das Analyse-Programm "SOCCER", das über künstliche neuronale Netze 20 bis 30 Abwehr- und Verteidigungsformationen pro Mannschaft erkennen kann. Es zeigt auf, wie ein Team auf das Verteidigungsverhalten des anderen reagiert - und welches letztlich erfolgreich aus der jeweiligen Spielsituation hervorgeht. Mit "SOCCER" können jedenfalls alle erfassten Faktoren auf unterschiedliche Art kombiniert werden, um zu einem bewegten Bild zu kommen, in das unterschiedliche Aspekte eingearbeitet werden können.

Neuronale Netze erkennen Muster

Mit neuronalen Netzen beschäftigen sich auch einige interessante Projekte der Uni Graz, die laut Tilp "grundsätzlich überall dort einsetzbar sind, wo Daten verfügbar sind". So wurde etwa eine von der TU Graz entwickelte Software verwendet, um Positionsdaten von Handballspielern zu generieren. Mit diesen wurden neuronale Netze gefüttert. "Neuronale Netze eignen sich gut, um Muster zu erkennen - etwa betreffend die Ballsituation für jeden Spielzug", so Tilp. In einem anderen Projekt wiederum haben neuronale Netze bewertet, ob und in welchem Ausmaß die Spieler die im taktischen Training einstudierten Spielzüge im Match tatsächlich umsetzen.

Ein Vorreiter in Sachen Digitalisierung ist in Deutschland der deutsche Fußball-Bundesligist TSG 1899 Hoffenheim. Und das ist auch nicht weiter verwunderlich. Schließlich ist dessen Mäzen Dietmar Hopp, seines Zeichens Mitgründer von SAP. Der IT-Riese hat die TSG Hoffenheim sozusagen als "Fußball-Versuchslabor" genutzt, um unter anderem "SAP Sports One" zu entwickeln. Auf der Cloud-basierten Plattform fließen unterschiedliche Daten - etwa Spielstatistiken, Fitnessdaten, Informationen über Verletzungen und deren Heilungsverlauf, Trainingsdaten, Spielanalysen oder Scouting-Notizen - zusammen und stehen jedem autorisierten User zur Verfügung.

Darstellung eines Mannes mit dem Neuronalen Netzwerk über dem Gehirn

Deutschland: SAP-Technologien im Einsatz

"SAP Sports One" entstand im Rahmen eines Co-Innovationsprojekts mit dem DFB. Das Vorgängerprodukt "SAP Match Insights" unterstützte die deutsche Nationalmannschaft beim Gewinn der Fußballweltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Heute wird die Software von zahlreichen Bundesligisten, darunter so klingende Namen wie FC Bayern München, Werder Bremen, Eintracht Frankfurt, Hertha BSC und TSG 1899 Hoffenheim, genutzt. Aber auch kleinere Teams setzen darauf, wie das Beispiel des Regionalligisten FC-Astoria Walldorf zeigt. Ebenfalls gemeinsam mit dem DFB hat SAP auch "SAP Challenger Insights" entwickelt. Damit können sich Spieler und Trainer via Video die Scouting-Berichte über gegnerische Mannschaften anschauen, Muster analysieren und einen darauf abgestimmten Matchplan erstellen. Die App "Penalty Insights", die auf "SAP Sports One" basiert und ebenfalls der Kooperation mit dem DFB entsprang, erlaubt es Tormännern und Trainern wiederum, das Schussverhalten von Spielern bei Elfmetern genau unter die Lupe zu nehmen.

Erlebnis für das Publikum verbessern

Digitale Technologien können im Fußball aber auch dazu genutzt werden, das Erlebnis für die Zuschauerinnen und Zuschauer zu verbessern. Die Wiener Austria hat etwa Ende des Vorjahres im Bereich Infrastruktur, Backendsysteme und Hosting gemeinsam mit der FC Bayern Digital & Media Lab GmbH eine langfristige Partnerschaft verkündet und setzt damit auf die Dienstleistungen und Infrastruktur der Digital- und Medientochter des FC Bayern München. "Wir schaffen eine IT- und Digital-Architektur sowie eine Netzwerk-Infrastruktur, um Endkunden zielgenau ansprechen und leichter wie auch flexibler kommunizieren zu können", so Kraetschmer. So hilft etwa Public WLAN, den Wohlfühlfaktor der Stadionbesucherinnen und -besucher zu verbessern, da man sich so mit anderen über das Spiel austauschen kann. Über die vereinseigene App können Abos digital verschickt werden. "Ebenso wichtig ist uns das bargeldlose Zahlen, für das man keine spezielle Karte benötigt, sondern nur die eigene Bankomat- oder Kreditkarte", so der Vorstand des 24-fachen österreichischen Meisters.
Zwar verwenden mehr und mehr heimische Fußballmannschaften digitale Tools, doch Tilp glaubt, dass es noch rund fünf Jahre dauern könnte, bis auch KI-Technologien im heimischen Fußball angewendet werden. "In
kleineren Sportarten bis zu zehn Jahre", fügt er hinzu. Dass KI noch nicht in der Sportpraxis eingesetzt wird, liegt - neben den meist begrenzten budgetären Mitteln - auch daran, dass dafür tiefgehendes, sehr fachspezifisches now-how notwendig ist. "Solche Expertinnen und Experten gibt es in Österreich nur wenige", sagt Tilp.
Möglichst viele Daten zu sammeln wird, laut Biermann, für Fußballmannschaften jedenfalls nicht allein erfolgsentscheidend sein. "Die Zukunft im Fußball wird nicht einfach denen gehören, die über die Daten verfügen, sondern jenen, die aus Informationen die besten Schlüsse ziehen", schreibt er in "Matchplan - Die neue Fußball-Matrix", der Fortsetzung seines Bestsellers aus dem Jahr 2009.

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Innovation in der dänischen Fußballprovinz FC Midtjylland

Zu den erfolgreichsten Fußballteams zählte der FC Midtjylland nicht gerade. Erst 2015 konnte der dänische Klub, der in der Saison 1999/2000 in die höchste dänische Spielklasse aufstieg, den ersten Meistertitel gewinnen. Im Vorjahr folgte der zweite. Einen maßgeblichen Anteil am jüngsten Erfolgslauf hat der Mitte 2014 erfolgte Besitzerwechsel. Mit dem neuen Vereinsboss Rasmus Ankerson wurde erstmals auf mathematische Modelle und Algorithmen gesetzt. 

In seinem 2011 erschienen Buch „Der Goldminen-Effekt“ beschäftigte sich Ankerson mit der Frage, welche Faktoren dazu beitragen, dass Spitzenathletinnen und -athleten erfolgreich werden. 2014 lernte er Matthew Benham, Besitzer des Championship-Klubs FC Brentford, kennen. Der Mathematiker Benham hat ein Modell entwickelt, mit dem Erfolg berechnet werden kann und das in seiner Londoner Sportwettenfirma „Smart Odds“ zum Einsatz kommt – und zwar äußerst erfolgreich: Benham ist heute Multimillionär. 2014 stieg er beim FC Midtjylland ein. Welche Faktoren in sein Modell einfließen, wird streng geheim gehalten. Im Mittelpunkt stehen jedenfalls so genannte Key-Performance-Indikatoren (KPIs). Sie helfen, Spieler nach ihrer wahren Leistung zu beurteilen. Aber nicht nur Spieler und Teams können so bewertet werden, auch das Scouting wird zielgenau verbessert. Zudem arbeitet der FC Midtjylland systematisch mit Persönlichkeitsprofilen. Zu wissen, wer sich in welchen Situationen wie verhält, ist ein weiterer Baustein in der Erfolgsgeschichte des dänischen Provinzklubs.