24You

Das neue Internetbanking der Bank Austria.

BusinessNet

Das Internetbanking für Unternehmen

olbImgAlt Mehr erfahren
Das neue Bank Austria Keyboard bringt die wichtigsten Banking-Funktionen direkt auf Ihre Smartphone-Tastatur. Mehr erfahren

Die Welt steht still und lässt uns in die stärkste Rezession seit 1946 fallen

Was vor drei Monaten wohl niemand erwartet hätte ist eingetreten. Weite Teile der Welt befinden sich in einem selbst auferlegten „Stillstand“. Ausgehend von der chinesischen Provinz Hubei hat der neuartige Coronavirus inzwischen Europa und die USA erreicht und damit auch die Wirtschaft sowie den Finanzmarkt in diesen Regionen. Erste Indikatoren aus der Wirtschaft lassen deutlich die Auswirkungen dieses „Stillstandes“ erkennen. Nicht nur, dass die Stimmungsindikatoren einbrechen, vor allem im Dienstleistungssektor, auch am Arbeitsmarkt zeigt sich langsam die Dramatik. In den letzten beiden Wochen des März wurden in den USA zuerst über 3 Millionen, dann nochmals über 6 Millionen - insgesamt also über 9 Millionen - neue Arbeitslose gemeldet. In Österreich stieg die Arbeitslosenquote von 7 Prozent noch im Februar auf über 12 Prozent im März. Angesichts dieser starken realwirtschaftlichen Auswirkungen erscheint der Rückgang an den Finanzmärkten eher verhalten. Die globalen Aktienmärkte liegen rund ein Viertel unter dem Wert vor Ausbruch der Krise, die Anleihezinsen in Ländern wie Deutschland sind sogar unverändert.

Neben der Hoffnung, dass der Einbruch nur vorübergehend ist, sind vor allem die Ankündigungen riesiger Hilfsprogramme von Regierungen und Zentralbanken der wesentlichste Grund für die doch eher verhaltene Entwicklung an den Finanzmärkten. Anders als in der Finanzkrise, die ja eine Schuldenkrise war, sieht man eine solche Entwicklung derzeit nicht, obwohl man davon ausgehen muss, dass der realwirtschaftliche Einbruch 2020 deutlich stärker sein wird als 2009.

Wir gehen derzeit in unserer Prognose davon aus, dass die Maßnahmen der Regierungen in Europa und den USA im Wesentlichen das gesamte zweite Quartal in dieser Form aufrecht bleiben werden, mit vereinzelten Lockerungen. Spürbare Lockerungen erwarten wir dann wieder ab dem Sommer. Damit wird das Weltwirtschaftswachstum erstmal seit 1946 ein deutliches Minus aufweisen. Dementsprechend gehen wir für Österreichs Wirtschaft von einem Einbruch des Bruttoinlandsproduktes von knapp unter 20 Prozent im zweiten Quartal aus, gefolgt von einer Erholung von knapp unter 10 Prozent jeweils im dritten und vierten Quartal. Im Jahresdurchschnitt wird das österreichische Bruttoinlandsprodukt 2020 trotz starker Erholung im zweiten Halbjahr fast 10 Prozent unter dem Wert von 2019 liegen, ebenfalls der stärkste Rückgang seit 1946. Die fiskalischen Maßnahmen der Regierung und der starke Einbruch der Einnahmen des Staates werden das Budgetdefizit Österreichs heuer in den Bereich von 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu liegen kommen lassen, dem höchsten Defizit in der Geschichte der Zweiten Republik. Eine ähnliche Entwicklung ist in den meisten Ländern der Welt zu erwarten, jedenfalls in den USA und im Euroraum.

Dank der vielen Maßnahmen der Zentralbanken, allen voran das neue Anleihekaufprogramm der EZB zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen des Virusausbruchs, sollte die Finanzierung dieser enormen Defizite kein Problem darstellen. Aber auch die berechtigte Erwartung einer kräftigen wirtschaftlichen Erholung trägt dazu bei, dass man diese starke Ausweitung der Staatsschulden anders betrachten muss als in normalen Zeiten. Sie dienen eben auch dazu, die Erholung danach so stark und schnell zu gestalten wie es nur geht. Wir gehen auch davon aus, dass dies im Wesentlichen in den meisten Ländern gelingen wird.

Trotz des historischen Wirtschaftseinbruchs gibt es Licht am Ende des Tunnels. Die sich langsam abzeichnende Wirkung der Maßnahmen bei der Eindämmung der Neuinfektionen und der nach Ende der Maßnahmen zu erwartende Aufschwung geben Anlass zur Hoffnung. Wir erwarten, dass die Zuwachsraten der Wirtschaft im zweiten Halbjahr 2020 ebenfalls historische Höchstwerte sein werden und das Weltwirtschaftswachstum 2021 könnte mit knapp unter 9 Prozent das stärkste in der Geschichte der Weltwirtschaft sein – zumindest seit wir diese Daten erheben: seit 1870. Natürlich sind diese Erwartungen mit mehr Unsicherheit behaftet als in „normalen“ Zeiten, dementsprechend dürften die Finanzmärkte auch noch in den nächsten Monaten sehr volatil bleiben, abhängig von der Datenlage und der Entwicklung des Virus. Aber eine weiter engagierte Wirtschaftspolitik – Fiskal- und Geldpolitik - wird wesentlich zum Gelingen des Aufschwungs beitragen. Und dieses Mal gilt jedenfalls, lieber zu viel als zu wenig. Und weiten Teilen der Politik ist dies auch bewusst, ebenfalls mehr als je zuvor.

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der Bank Austria

Stand: 3. April 2020.

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der Bank Austria

Folgen Sie Stefan Bruckbauer auf Twitter


Konjunkturprognosen und Wirtschaftsanalysen:

Wichtige rechtliche Information - bitte lesen:

Diese Publikation stellt weder eine Marketingmitteilung noch eine Finanzanalyse dar. Es handelt sich lediglich um Informationen über allgemeine Wirtschaftsdaten. Trotz sorgfältiger Recherche und der Verwendung verlässlicher Quellen kann keine Verantwortung für Vollständigkeit, Richtigkeit, Aktualität und Genauigkeit übernommen werden.
Die Publikation wurde nicht unter Einhaltung der Rechtsvorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Finanzanalysen erstellt und unterliegt nicht dem Verbot des Handels im Anschluss an die Verbreitung von Finanzanalysen.
Diese Informationen sind nicht als Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten oder als Aufforderung, ein solches Angebot zu stellen, zu verstehen. Diese Publikation dient lediglich der Information und ersetzt keinesfalls eine individuelle, auf die persönlichen Verhältnisse der Anlegerin bzw. des Anlegers (z. B. Risikobereitschaft, Kenntnisse und Erfahrungen, Anlageziele und finanziellen Verhältnisse) abgestimmte Beratung.
Wertentwicklungen in der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu. Es ist zu bedenken, dass Wert und Rendite einer Anlage steigen und fallen können und dass jede Anlage mit Risiko verbunden ist.
Die vorstehenden Inhalte enthalten kurzfristige Markteinschätzungen. Die Wertangaben und sonstigen Informationen haben wir aus Quellen bezogen, die wir für zuverlässig erachten. Unsere Informationen und Einschätzungen können sich ändern, ohne dass wir dies bekannt geben.