Etwas Gutes hat die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten: Der alte Anarcho-Spruch, dass Wahlen verboten wären, wenn sie was ändern könnten, ist falsifiziert – er stimmt einfach nicht. Wahlen können was ändern – und zwar nachhaltig. Und Abstimmungen auch, wie der Brexit deutlich gezeigt hat.

Am 24. September wählen die Deutschen einen Bundestag, der dann den Kanzler wählen wird – oder auch nicht: Vermutlich wird er die Kanzlerin (wieder) wählen. Spätestens nach dem Fernseh-„Duell“, das stellenweise zum harmonischen Duett mutierte, kann man wohl davon ausgehen, dass Angela Merkel in eine weitere Amtszeit geht.

Was sagt uns dieser Wahlkampf zum Thema Nachhaltigkeit? Was Deutschland als größtes Land der Europäischen Union tut oder nicht tut, verändert die Dinge – auch wenn es um Nachhaltigkeitsthemen wie Verteilung, Wachstum oder Klimaschutz geht. Was dieser Wahlkampf zunächst gezeigt hat: Mit (ökologischen) Nachhaltigkeitsthemen lässt sich offenbar kein Blumentopf gewinnen – und schon gar keine Bundestagswahl. Natürlich, Themen wie Luftqualität und Klimaschutz spielen immer mal wieder eine Rolle – aber vor allem dann, wenn es um den Skandal um die Manipulation von Dieselmotoren und die Zukunft der Autoindustrie geht, also letztlich um Standortpolitik.

Diese Ignoranz ist gefährlich und letztlich unverantwortlich. Ein führendes Industrieland wählt ein neues Parlament – und zentrale Zukunftsthemen, die die Entwicklung nicht nur dieses Landes, sondern auch Europas betreffen, kommen gar nicht vor. Wenn man sich anschaut, wie wenig Klimaschutz und Digitalisierung in diesem Wahlkampf thematisiert werden, kann einem angst und bange werden.

Andererseits: Wenn Frau Merkel Kanzlerin wird, hat Deutschland weiterhin eine Regierungschefin, die sich mit Nachhaltigkeit tatsächlich auskennt. Merkel, bekanntlich Physikerin und ehemalige Umweltministerin, versteht etwas davon. Bei der Jahrestagung des deutschen Nachhaltigkeitsrates konnte man miterleben, welche politische Präsenz das Thema mittlerweile erreicht hat: Außer vielen Menschen aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft waren auch zwei Bundesminister dabei – und die Kanzlerin selbst, die vehement die Bedeutung von Nachhaltigkeitsthemen und Klimaschutz betonte.

Dennoch: Wenn Wahlen das „Hochamt der Demokratie“ sind und die Bürgerinnen und Bürger über die Zukunft eines Landes entscheiden, sollte diese Zukunft auch eine wichtige Rolle im Wahlkampf spielen. Auch Deutschland hat sich zu den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen bekannt. Anhand dieser Ziele soll die Welt bis 2030 in Richtung Nachhaltigkeit transformiert werden. Es wäre schön gewesen, diese Verpflichtung auch im Wahlkampf zu spüren.

PS: Nahezu dasselbe ließe sich auch über den bisherigen österreichischen Nationalratswahlkampf sagen. Auch Österreich hat sich zu den UN-Nachhaltigkeitszielen bekannt – und auch hier glauben die allermeisten Politikerinnen und Politiker offensichtlich nicht, mit diesem Thema Wahlen gewinnen zu können. Schade.

 

Fred Luks privater Blog findet sich unter www.fredluks.com.

Gesellschaftliche Herausforderungen im Fokus

Nachhaltigkeit geht alle an. Klimawandel, soziale Gerechtigkeit, Wohlstand – diese und andere Themen sind von zentraler Bedeutung für eine lebenswerte Zukunft. Die UN hat mit der „Agenda 2030“ eine weltweit anerkannte Leitlinie für globale Nachhaltigkeit geschaffen, zu der sich auch die Bank Austria bekennt. Denn gerade wenn es um Wirtschaft geht, sind Nachhaltigkeit und Verantwortung wichtige Handlungskriterien.
In dieser Kolumne schreibt Fred Luks, Nachhaltigkeitsexperte und Leiter des Kompetenzzentrums für Nachhaltigkeit an der Wiener Wirtschaftsuniversität, über Themen, Trends und Herausforderungen in Sachen Zukunftsgestaltung.