Eingereicht von: Verein NL40, Mag. Johanna Rainer
Projektstart: 1. Oktober 2009
Kategorie: Kinder/Jugendliche, Integration/Migration
Webseite: http://www.nl40.at


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Interview mit Michaela Dirnbacher

„Gewinner des Bank Austria Sozialpreises 2017 in Wien“: Wie hört sich das an? Was war Ihre erste Reaktion?

Diese Auszeichnung erfüllt uns mit unglaublicher Freude! Die Nominierung durch die Jury sowie das Ergebnis des Votings haben uns gezeigt, dass wir viele Menschen durch unsere Arbeit berühren können. Dafür sind wir sehr dankbar! Dieser Preis bedeutet eine große Wertschätzung für alle Projektbeteiligten, vor allem für unsere ehrenamtlich engagierten SeniorInnen und jungen Engagierten, ohne die dieses Projekt nicht in dieser Form und bereits über einen so langen Zeitraum hinweg stattfinden könnte!

Wie haben Sie selbst die letzten Wochen und Tage des Votings erlebt?

Die letzten Wochen, vor allem der letzte Tag des Votings, waren sehr spannend. Wir haben den Link sehr motiviert an alle Projektbeteiligten und an unser privates Umfeld weitergeleitet. Immer wieder kamen Botschaften zur jeweils aktuellen Platzierung des Projekts und das ging so buchstäblich bis zu den letzten Stunden. Also alles in allem war es ein sehr aufregender Prozess! Besonders gefreut haben wir uns, wenn Mails von uns Unbekannten kamen, die durch das Voting auf unser Projekt aufmerksam wurden und uns sehr wertschätzendes Feedback gaben. Es war sehr schön zu sehen, wie viele Menschen diese Arbeit unterstützen! Ein großes DANKE an alle, die für uns gestimmt haben!!!!

Beschreiben Sie bitte noch einmal kurz, was das Besondere an ihrem Projekt ausmacht?

Das „OMA/OPA-Projekt“ ist ein psychosoziales Lernhilfeprojekt für sozial und bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche. Besonders daran ist, dass die SchülerInnen der Volks- und Mittelschule in einem Eins-zu-Eins-Verhältnis von freiwillig engagierten SeniorInnen und jüngeren Menschen betreut werden, begleitet von einem ExpertInnenteam. Das sehr niederschwellig ausgerichtete Projekt bietet den Kindern und Jugendlichen eine regelmäßige – zweimal wöchentlich jeweils zwei Stunden – Betreuung durch ein- und dieselbe Bezugsperson. Die vertrauensvolle Beziehung, die im Zuge des gemeinsamen Lernens entsteht, trägt zu einer nachhaltigen Sprachförderung, Erhöhung der Bildungschancen und zur Sicherung des Bildungserfolgs der Kinder und Jugendlichen bei. Durch die engmaschige Betreuung der SchülerInnen, die auch die intensive Zusammenarbeit mit den Schulen und den Eltern beinhaltet, erhalten sie die bestmögliche individuelle Förderung.

Wie werden Sie das Preisgeld von 6.000,- EUR konkret für Ihr Projekt einsetzen?

Das Preisgeld von € 6.000,- wird für begleitende Angebote für die Kinder und Jugendlichen, wie die „Arbeit am Tonfeld“, die Begleitung durch die projektinterne Kinder- und Jugendpsychologin sowie für Schwerpunktnachmittage für die Jugendlichen aufgewendet werden. Die „Arbeit am Tonfeld“ ist eine entwicklungsorientierte Methode, durch die bei den Kindern und Jugendlichen bereits große Erfolge erzielt werden konnten. Da einige Kinder und Jugendliche Traumatisierungen erlebt haben, erweist sich der Einsatz der Kinder- und Jugendpsychologin als notwendig. Ein Team von ExpertInnen wird im Rahmen von Workshops auf Fragen und Themen eingehen, die die Jugendlichen beschäftigen, wie z.B. Bildungswegentscheidungen.

Warum ist es aus Ihrer Sicht notwendig, Projekte ins Leben zu rufen, die einen Nutzen für Kinder/Jugendliche/die Gesellschaft stiften?

Kinder und Jugendliche verdienen Liebe, Achtsamkeit, Wertschätzung und Bildungsgerechtigkeit, um einen guten Start ins Leben finden zu können. Durch äußere Umstände sind diese Ressourcen vielen Kindern und Jugendlichen verwehrt. Das Engagement sozialer Einrichtungen und die Entwicklung von Projekten, die Kinder und Jugendliche fördern, kann den notwendigen Ausgleich schaffen. Projekte mit sozialem und integrativem Schwerpunkt ermöglichen außerdem Begegnung zwischen Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und tragen somit zum Abbau von Vorurteilen sowie zur Förderung eines toleranten und respektvollen Miteinanders bei.


Das Projekt

Kinder und Jugendliche mit geringen Bildungs- und Entwicklungschancen lernen in einer kontinuierlichen Eins-zu-Eins-Betreuung mit freiwillig Engagierten.

Das Lernhilfeprojekt ist als Allianz der Generationen zu verstehen: Freiwillig engagierte SeniorInnen und junge Menschen lernen in einer Eins-zu-Eins-Betreuung mit SchülerInnen der Volks- und Mittelschule, begleitet von einem multiprofessionellen Team aus Kommunikationstrainerinnen, Pädagoginnen, Fachleuten für interkulturelle Kompetenz, einer Kinder- und Jugendpsychologin, einer Expertin der „Arbeit am Tonfeld“ und GruppenbetreuerInnen.

Im Mittelpunkt steht die Beziehungsarbeit zwischen den Engagierten/Kinder/Jugendlichen-Pärchen, durch die gezielte Lernhilfe und Sprachförderung möglich werden. Durch das Vertrauen, das durch diese Arbeit aufgebaut wird, entsteht Kontakt zu den Familienmitgliedern, der durch verschiedenste Dialogforen verstärkt wird.

Die freiwillig Engagierten haben die Möglichkeit, ihr Wissen weiterzugeben und die Kinder/Jugendlichen bekommen die Möglichkeit sich in der Schule zu verbessern bzw. ihre Deutschkenntnisse in geschütztem Rahmen zu erweitern.

Das Lernhilfeprojekt wurde 2009 mit 4 Kindern und 6 SeniorInnen mit einer Wiener Volksschule als Kooperationspartnerin am Standort Verein NL40 begonnen. Aktuell (Frühjahr 2017) umfasst das Projekt 63 Kinder/Jugendliche, rund 85 betreuende SeniorInnen, 4 junge BetreuerInnen, 15 Schulen und 3 Standorte in Wien und NÖ.

Das Projekt hat die Ziele Integration, Inklusion und Bildung der Kinder/Jugendlichen, Stärkung der Frauen, Bewusstmachung der eigenen Ressourcen und Ressourcenstärkung, Förderung der Persönlichkeitsentwicklung, Förderung des interkulturellen und intergenerationellen Dialogs sowie Weiterbildung und Sicherung der Teilhabechancen älterer Menschen in unserer Gesellschaft.

Zusätzlich zur Lernbetreuung sollen begleitende Angebote, die auch der Integration und der Inklusion der Kinder und Jugendlichen mit vorwiegend Migrations- oder Fluchthintergrund und ihrer Familien dienen, wie z.B. das interkulturelle Kommunikationstraining, in Zukunft weiter ausgebaut werden.