Eingereicht von: Verein Offene Jugendarbeit Hohenems, Samantha Bildstein
Projektstart: 2015
Kategorie: Kinder/Jugendliche, Integration/Migration
Webseite: http://www.ojah.at


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Interview mit Samantha Bildstein

„Gewinner des Bank Austria Sozialpreises 2017 in Vorarlberg“: Wie hört sich das an? Was war Ihre erste Reaktion?

Es hört sich unglaublich an und ist gleichzeitig sehr motivierend. Es beweist uns, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden. Natürlich informierte ich gleich mein Team, denn wir hatten in den letzten Tagen eine sehr intensive Zeit wegen des Votings. Wir wollten uns sicher sein, nichts unversucht gelassen und unser Bestes gegeben zu haben. Generell haben wir dieses Projekt eingereicht, weil wir nicht nur an dieses Projekt glauben, sondern weil wir dieses Projekt bereits leben. Daher ist diese Form der Anerkennung, welche wir durch den ersten Platz erreichten, für uns von großer Bedeutung.

Wie haben Sie selbst die letzten Wochen und Tage des Votings erlebt?

Vor allem die letzten Tage waren sehr intensiv. Wir erlebten einen unglaublichen Zusammenhalt verschiedenster Personen (Jugendlichen, Familien, Freunden, Stadt, Firmen usw.), die das Projekt „MENSCH“ leben und lieben bzw. unsere Arbeit und uns wertschätzen. Den Jugendlichen war es genauso wichtig wie uns, nichts unversucht gelassen zu haben und so machten sie auf unterschiedlichste Art und Weise nochmals auf das Projekt „MENSCH“ aufmerksam. Es war ein unglaubliches Engagement von allen Seiten zu spüren. Die Jugendlichen zogen ihr „MENSCH“ Shirt an und machten sich auf den Weg nach draußen. Sie wollten damit weitere Menschen erreichen und diese vom Projekt überzeugen. Menschen, welche vielleicht bis dato noch nichts davon über die Medien mitbekommen hatten. DasVoting wurde zu einem eigenen kleinen Projekt…und deshalb möchte ich an dieser Stelle Danke sagen. Danke für Eurer Engagement. Danke für Euer Interesse. Danke für eure Zeit. Danke für eure Liebe.

Beschreiben Sie bitte noch einmal kurz, was das Besondere an ihrem Projekt ausmacht?

Das Besondere an unserem Projekt? Ich würde sagen, es inspiriert Leben, es inspiriert MENSCHEN. Es ist eine Lebenshaltung. Man muss schon sagen, dass der Mensch an sich in all diesen Jahrhunderten sehr viel gelernt hat. Leider haben aber noch nicht alle das „Wichtigste“ im Leben verstanden und dies ist der Grundgedanke des Projektes. Der Grundgedanke der Projektreihe „MENSCH“: Der Name „MENSCH“ und der Strichcode sollen unser Ziel vermitteln. Jugendliche und auch Erwachsene sowie Kinder sollen hinter ihren persönlichen „Strichcode“ (den Strichcode, welchen sie bei der Geburt erhalten: Nationalität, Kultur, Religion, soziale Herkunft) blicken – ohne diesen jedoch verlieren oder ablegen zu müssen – und die Gemeinsamkeit der Nationalität „MENSCH“ wiederentdecken. Dabei sollen sie erkennen, dass uns zwei emotionale Momente auf der Welt alle verbinden. Diese emotionalen Momente ist die Erkenntnis, dass wir alle irgendwann geboren werden und wir alle diese Welt wieder zu einem unbestimmten Zeitpunkt wieder verlassen müssen. Und zwischen diesen zwei Momenten steht die Zeit. Wie wir diese Zeit aber nutzen, entscheiden wir selbst. „Man muss klein anfangen, wenn man die Welt verändern will.“

Wie werden Sie das Preisgeld von 6.000,- EUR konkret für Ihr Projekt einsetzen?

Unser Projekt „MENSCH“ beinhaltet viele verschiedene Methoden bzw. Aktionen. Durch das Preisgeld können wir weitere geplante, angedachte Aktionen finanzieren, auch jene, die wir so nicht finanzieren hätten können. Die konkrete Einsetzung ist allerdings noch unklar, auf jeden Fall soll sie Menschen und Herzen berühren und unseren Jugendlichen zugutekommen.

Warum ist es aus Ihrer Sicht notwendig, Projekte ins Leben zu rufen, die einen Nutzen für Kinder/Jugendliche/die Gesellschaft stiften?

„Nur Liebe kann die Welt verändern.“ Wir lieben unsere Arbeit und sehr viel Liebe steckt im Projekt „MENSCH“ und dies ist spürbar für die Menschen bzw. die Teilnehmenden in unserem Umkreis. Sie spüren die Ehrlichkeit und Wichtigkeit dahinter und können sich so damit natürlich damit ganz anders identifizieren. Unsere Projekt „MENSCH“ zeichnet sich durch eine partizipative und integrative Form aus. Denn unserer Meinung nach ist ein Umdenken innerhalb der Integrationsarbeit und wie wir diese Integration auch wirklich in der Realität leben ganz wichtig, um ein richtiges und sehr vielfältiges Zusammenleben zwischen verschiedenen Generationen und Nationen zu fördern. Generell war es uns von Anfang an bewusst, dass dies ein schwieriges, vielseitiges und vor allem wachsendes Thema ist und trotzdem wollten wir eine Auseinandersetzung und eine eventuelle Erkennung der Gemeinsamkeit „MENSCH“ damit erlangen. Innerhalb des Projektes war es uns möglich, viele Jugendliche zu berühren und diese wiederum zu stärken. Aber auch Erwachsenen jeden Alters wurden von den Jugendlichen zum Nachdenken gebracht. Vor allem im diesjährigen Projekt liegt unser Fokus auf generationsübergreifender Arbeit, nicht nur deshalb, weil wir uns seit letztem Jahr auch mit der Gemeinwesenarbeit in der Stadt beschäftigen. Und wir, das OJAH-Team, wollen weiter an einer Veränderung der Welt arbeiten, auch wenn diese Veränderung erstmals nur bei uns im Haus bzw. der Stadt stattfindet.


Das Projekt

Die zwei der emotionalsten Momente im Leben alle Menschen auf der Welt sind vermutlich Geburt und Tod, denn wir alle werden geboren und müssen diese Welt zu einem unbestimmten Zeitpunkt wieder verlassen. „Und dazwischen steht die Zeit. Wie wir diese Zeit aber nutzen, entscheiden wir selbst.“ Auf diesem Zitat, welches in der Offene Jugendarbeit Hohenems (OJAH) entstanden ist, baut das Jahresprojekt MENSCH 3.0 auf. Der Inhalt eines alten Projektes ist weiterhin das zentrale Thema, mit dem die Mitarbeiter des Vereins täglich von den Jugendlichen in den Häusern oder mobil konfrontieren werden. Denn innerhalb der aktuellen Weltgeschehnisse werden immer wieder erneut Fragen aufgeworfen, zu denen Jugendliche eine Antwort brauchen oder eine Bearbeitung dieser verschiedenen Themen wünschen.

Wir leben im 21. Jahrhundert in einer europäischen Gemeinschaft, aber wir waren leider noch nie so getrennt wie in der heutigen Gesellschaft. Die Welt hat sich über die Globalisierung und die Medien zusammengeschlossen, doch die Menschheit selbst entfernt sich immer mehr voreinander. Sie definieren sich über ihre Nationalität, kennen aber meistens nicht einmal ihre Geschichte. Auch haben sie weder einen realistischen, noch selbstkritischen Blick auf ihre Nation und Religion - ihre eigentliche Geschichte. Deswegen möchte die Projektreihe „MENSCH“ vor allem bei Jugendlichen das Interesse an anderen Religionen und Kulturen wecken, sowie am „Fremden“ und „Anderen“. Ihren Blick für die Welt öffnen und sie informieren sowie zur Mitarbeit animieren. Die Betrachtung des Individuums lehren, die Suche nach Gemeinsamkeit stärken, Brücken zwischen den Menschen bauen, Vielfalt entdecken bzw. schätzen und die Reflektierfähigkeit schulen.

Da diese Projektreihe zeitnah und generationsübergreifend ist, werden im Durchschnitt jedes Jahr zwischen 300 bis 400 Kinder, Jugendliche und Erwachsene damit erreicht. Das Preisgeld würde zur Absicherung bzw. Fortführung des Projekts dienen.

Dieses Projekt wurde von der OJAH gemeinsam mit den Jugendlichen konzipiert und in den letzten Jahren positiv und ertragreich umgesetzt. Der Denkprozess bei vielen Jugendlichen wurde aktiviert und eine reflektierende Haltung erreicht. Die Jugendlichen identifizieren sich mit der Projektreihe, da sie bei der Konzipierung und Umsetzung aktiv mitwirkten.

Eine aktive Beteiligung ist in vielen Variationen möglich. Einerseits helfen die finanziellen Mittel der O-JAH, größere und intensivere Veranstaltungen und Projektinhalte umzusetzen andererseits können die Inhalte und diverse Veranstaltungen durch einen Besuch unterstützt und gefördert werden. Die Jugendlichen erhalten so auch eine große Wertschätzung, da auch andere Institutionen ihr Interesse für ihre Arbeit zeigen und so die Öffentlichkeit informiert sowie bewegt wird. So könnten sich auch Kundinnen und Kunden, sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, der Bank Austria aktiv beteiligen.